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ADHS > Behandlung bei Kindern

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Ziel der ADHS-Therapie ist, betroffenen Kindern und deren Eltern ein annähernd normales Alltagsleben zu ermöglichen, dem Kind zu helfen sich positiv zu entwickeln, seine sozialen Fähigkeiten auszubauen sowie sein Leistungspotenzial optimal zu nutzen. Es handelt sich in der Regel um eine sogenannte "multimodale" Therapie, also um eine Behandlung mit mehreren Bausteinen.

 

2. Therapiebausteinezum Inhaltsverzeichnis

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie besteht die Behandlung der ADHS* aus folgenden Therapie-Bausteinen:

  • Aufklärung und Beratung (Psychoedukation) der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers bzw. des Klassenlehrers
  • Psychotherapie und Training, Training zum konstruktiven Lösen von Aufgaben und zur Änderung von problematischem Verhalten (siehe unten)
  • Interventionen im Kindergarten/in der Schule (einschließlich Platzierungs-Interventionen) zur Verminderung der Symptomatik im Kindergarten/in der Schule
  • Medikamente (siehe unten)
  • Diätetische Ernährung (oligoantigene Diät, Omega-3/Omega-6-Ergänzung) und Neurofeedback helfen möglicherweise, es fehlen aber gesicherte wissenschaftliche Nachweise
  • Teilstationäre Behandlung, z.B. mit Mototherapie oder Ergotherapie
  • Stationäre Rehabilitation für Kinder mit ADHS

 

 

2.1. Psychotherapie und Trainings

Elterntraining und Familientherapie zur Verminderung der Symptomatik in der Familie

Hier lernen Eltern klar und deutlich mit dem Kind zu kommunizieren, erwünschtes Verhalten des Kindes zu verstärken und unerwünschtem Verhalten mit angemessenen Konsequenzen zu begegnen.

 

Das Elterntraining findet meist in der Gruppe statt und wird von ADHS-Zentren, in therapeutischen Praxen oder im Rahmen der Erziehungshilfe des Jugendamts angeboten. Neben dem Erlernen und Anwenden von Erziehungskonzepten ist der Austausch zwischen betroffenen Familien sowie der Abbau von Schuldgefühlen ein wichtiger Aspekt des Elterntrainings.

 

Soziales Kompetenztraining kommt als ergänzende Hilfe bei Defiziten in diesem Bereich sowie bei aggressiven Verhaltensstörungen in Frage.

 

Wenn die familiären Beziehungen gestört sind, kommt Familientherapie auf verhaltenstherapeutischer, struktureller, analytischer oder systemischer Basis in Betracht. Die Krankenkasse übernimmmt unter Umständen die Kosten im Rahmen von Psychotherapie.

 

Spieltherapie ist eine Form der Kinderpsychotherapie und wird auf unterschiedlichem therapeutischen Hintergrund angeboten (z.B. analytisch, heilpädagogisch, person-zentriert). Sie ist umstritten und wird von den Fachgesellschaften nicht empfohlen, insbesondere nicht, wenn es um die non-direktive (nicht lenkende) Therapieform geht. Direktive Spieltherapie kann hilfreich sein.

 

Einzel- und/oder Gruppenpsychotherapie kann zur Besserung von geringem Selbstwertgefühl oder bei Problemen mit Gleichaltrigen beitragen. 

 

Training zum konstruktiven Lösen von Aufgaben und zur Änderung von problematischem Verhalten

Bei Kindern ab dem Schulalter ist eine kognitive Therapie durchführbar. Hierbei lernen die Kinder, Aufgaben strukturiert, überlegt und nicht zu impulsiv zu lösen (Selbstinstruktionstraining) und problematische Verhaltensweisen zu ändern (Selbstmanagement).

 

2.2. Medikamente

Sind oben genannte Behandlungsansätze bei ausgeprägter und situationsübergreifender (Familie, Schule, andere Umgebungen) Symptomatik nicht ausreichend, kann eine Behandlung mit Medikamenten erwogen werden.

 

Die Pharmakotherapie kommt vor allem zur Verminderung der hyperkinetischen Symptome in der Schule/Kindergarten zum Einsatz. Vor Beginn der medikamentösen Therapie müssen die Eltern über Nutzen und Risiken der Durchführung und Unterlassung, über zu erwartende Änderungen der Symptomatik, über Dosierung und Verlauf der Therapie sowie über unerwünschte Nebenwirkungen informiert werden.

 

Die Effekte der medikamentösen Behandlung müssen in der Schule und zu Hause durch die Bezugspersonen kontrolliert werden. Das Kind sollte dabei einbezogen werden.

 

In der medikamentösen Therapie kommen im Allgemeinen Psychostimulanzien (z.B. Methylphenidat) zum Einsatz. Die Behandlung mit Methylphenidat kann sich über Jahre bis ins Erwachsenenalter erstrecken. Oft werden die Medikamente nur nach Bedarf eingesetzt, also z.B. während der Schul- und Hausaufgabenzeit, aber nicht abends, am Wochenende und in den Ferien. Mindestens einmal im Jahr sollte die Therapie auch während der Schulzeit unterbrochen werden, damit der Krankheitsverlauf sowie gegebenenfalls der Medikamentenbedarf neu beurteilt werden kann.

 

Falls Methylphenidat nicht ausreichend wirkt, kann eine Behandlung mit Amphetamin oder Fenetyllin angezeigt sein. In Einzelfällen können auch Antidepressiva oder Neuroleptika helfen.

 

Kinder im Vorschulalter werden nur im Ausnahmefall mit Psychostimulanzien behandelt:

  • wenn durch die Symptomatik eine soziale Integration unmöglich ist,
  • wenn das Kind sich nicht altersgemäß entwickelt und
  • wenn die Verhaltenstherapie nicht erfolgreich war.

 

Eine medikamentöse Behandlung kann die Schulleistung bezüglich der Bewältigung monotoner Aufgaben verbessern. Dagegen gelingen Aufgaben, die Kreativität und logische Schlussfolgerungen erfordern, nach Erfahrungen von Betroffenen und Lehrern eher schlechter.

 

Grundsätzlich gehört die medikamentöse Therapie der ADHS in die Hände eines Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

 

2.3. Ergotherapie

Ergotherapeuten wenden handwerklich-gestalterische Techniken an und setzen alltagsbewältigende Methoden ein, um physische sowie psychische Beeinträchtigungen zu behandeln.

 

Die Ergotherapie ist eine aktive Behandlungsmethode, bei der die Patienten unter Anleitung überwiegend selbst handeln. Im Unterschied zur Krankengymnastik werden mittels handwerklich-schöpferischer Arbeit gezielte, der jeweiligen Erkrankung und dem Alter entsprechende, individuelle Bewegungsanleitungen gegeben, durch die Störungen der Motorik, Sensorik und Wahrnehmung ausgeglichen werden können.

 

Ergotherapie ist ein Heilmittel und kann gemäß den Heilmittelrichtlinien ärztlich verordnet werden. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

 

Bei zusätzlichen Problematiken neben ADHS, z.B. Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche, kommen weitere Übungsbehandlungen in Betracht.

 

2.4. (Teil-)Stationäre Rehabilitation für Kinder mit ADHS

Teilstationäre oder stationäre Reha sind zu prüfen, wenn bei starken Störungen ein zeitweises Herausnehmen aus der Familie Erfolg verspricht, oder die Familie gemeinsam eine intensive Therapie braucht. Bei stationärer Rehabilitation (= Kur) können aus therapeutischen Gründen Mutter oder Vater stationär mit aufgenommen werden. Der Elternteil gilt dabei als Begleitperson.

 

In der Reha besteht für die Patienten und deren Eltern die Möglichkeit, nachhaltige Verhaltensänderungen zu erzielen und damit die psychosozialen Belastungen in der Familie zu mindern. ADHS-betroffene Schulkinder erhalten in einer Reha-Klinik wissenserhaltenden Unterricht, in dem motivationsfördernde Lerntechniken im Vordergrund stehen.

 

Neben dem Erlernen von Interventionsstrategien im Umgang mit ihrem Kind haben die im Alltag oft hoch belasteten Eltern die Möglichkeit auszuspannen und zu sich selbst zu finden.

 

Nachfolgend Links zu den allgemeinen Bestimmungen der Rehabilitation:

 

Adressen von Reha-Kliniken recherchieren:

  • "Handbuch Reha- und Vorsorgeeinrichtungen" mit 1.500 Reha-Kliniken. Erscheint jährlich und liegt bei Ärzten und Beratungsstellen aus.
  • externer Linkwww.rehakliniken.de (= Inhalte Handbuch Reha- und Vorsorgeeinrichtungen).
  • externer Linkwww.kurklinikverzeichnis.de.

 

*ADHS = Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (eingeschlossen ist ADS = Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom)

 

3. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

ADHS > Behinderung

ADHS > Ernährung

ADHS > Erziehung

ADHS > Pflege

ADHS > Schule

ADHS > Sport und Freizeit

ADHS > Urlaub

ADHS > Ursachen und Diagnose

ADHS > Wohnen

 

 

Letzte Aktualisierung am 30.06.2014   Redakteur/in: Andrea Nagl

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