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ADHS > Studium und Beruf

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Bei Berufswahl, Ausbildung und Beruf sollten ADHS-Patienten eine Tätigkeit wählen, die ihren Begabungen entgegenkommt und bei der ihre Schwächen nicht so sehr ins Gewicht fallen. Menschen mit ADHS sind häufig hoch kreativ und sprudeln vor Einfällen. Hilfreich sind ein möglichst ruhiges und ablenkungsfreies Umfeld sowie Merkhilfen zur Organisation von Arbeitsabläufen.

 

2. Studium und ADHSzum Inhaltsverzeichnis

Schon bei der Wahl des Studienfaches sollte darauf geachtet werden, wie der spätere Arbeitsalltag aussieht. Das gilt im Prinzip für alle angehenden Studenten, für ADHS-Betroffene aber in besonderem Maß. Praktika vor der Studienentscheidung können helfen, das künftige Arbeitsumfeld einzuschätzen.

 

2.1. Diagnose erst im Studium

Gar nicht so selten ist der Fall, dass Menschen erst im Studium Probleme bekommen, die sie im vorherigen Schulalltag aufgrund ihrer Intelligenz ausgleichen konnten. Da aber im Studium zunehmend Selbstorganisation und eigene Arbeitsstruktur gefordert sind, reicht die Intelligenz alleine nicht. Der Verdacht auf ADHS sollte bei folgenden Anzeichen überprüft werden:

  • In der Schule ist den Betroffenen alles zugeflogen, erst im Studium merken sie, dass sie gar nicht lernen können.
  • Neue Themen sind interessant, aber nach einiger Zeit wird das Studium, werden einzelne Vorlesungen/Seminare langweilig und dann ist es schwierig, sich zur Teilnahme und zum Lernen zu motivieren.
  • Chaos und Lärm in den Hörsälen sind unerträglich und können nicht ausgeblendet werden.
  • Lesen ohne zu erfassen, Probleme, gelesene Inhalte zu lernen und abrufbar zu machen.
  • Abrufblockade bei Prüfungen.

 

Bei Verdacht auf ADHS sollten Studenten lieber früher als später eine Beratungsstelle oder einen Arzt aufsuchen. Die Problematik ist nicht überall bekannt, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeforen haben oft Tipps, die weiterhelfen. Kontakte unter ADHS > Adressen.

 

2.2. Studientipps

Folgende Tipps erleichtern auch Erwachsenen mit ADHS* erfolgreich zu lernen:

  • In Vorlesungen möglichst vorn und isoliert sitzen, um Ablenkung gering zu halten.
  • Wenn ein schlecht leserliches Schriftbild Probleme beim Lernen macht, die Vorlesungen auf Laptop mitschreiben oder auf Tonträger aufnehmen.
  • In schriftlichen Prüfungen Ohrstöpsel benutzen, um nicht durch Geräusche abgelenkt zu werden.
  • Sich selbst einen Arbeits- und Lernplan erstellen und sich möglichst daran halten. Dabei können auch Strukturen aus der Schulzeit helfen, die man für sich weiterführt, z.B. Hausaufgabenheft oder Stundenplan, der nicht nur Vorlesungen, sondern auch Lernzeiten enthält. Alternativen sind Strukturen aus der Arbeitswelt wie Zeitsysteme zum Managen von Terminen, Aufgaben und Projekten.
  • Wenn infolge ADHS-verursachter Versäumnisse Studienzeiten sich verlängern oder der gesamte Studienablauf in Gefahr ist, kann unter Umständen der AStA oder der Behindertenbeauftragte der Hochschule weiterhelfen. Bei anerkannter Diagnose oder Behinderung (ADHS > Behinderung) kann es Ausnahmeregelungen und verlängerte Studienzeiten oder Fristen geben.

 

3. Berufswahl bei ADHSzum Inhaltsverzeichnis

Menschen mit ADHS sind häufig hoch kreativ und sprudeln vor Einfällen. Auch künstlerische Begabung und Improvisationsfähigkeit bestehen nicht selten. Empfehlenswert sind deshalb Berufe, in denen dieses Potenzial gefragt ist, z.B. in Marketing und Werbung, Eventbranche, Hotellerie und Gastronomie, Sport und Kultur.

 

Erfolgreich sind Menschen mit ADHS häufig, wenn viele Ideen gefragt sind, die Umsetzung derselben aber von anderen Kollegen übernommen werden, die die dafür notwendige Beharrlichkeit mitbringen. Ungeeignet für viele Betroffene sind Berufe mit monotoner Arbeit, ohne wechselnde Herausforderungen, mit wenig Bewegung in geistiger und/oder körperlicher Hinsicht. Je nach ADHS-Ausprägung sind starre Vorgaben (z.B. Gesetze, Abläufe, Prozesse) für die einen Betroffenen hilfreich, für die anderen überhaupt nicht geeignet. 

 

Auszubildende und Studenten, die zusätzlich durch Teilleistungsstörungen, z.B. Legasthenie beeinträchtigt sind, können bei Nachweis (kompetentes psychologisches oder ärztliches Gutachten) bei Prüfungen verschiedene Hilfen bekommen. In dem Gutachten können bereits Empfehlungen zur Prüfungsdurchführung benannt sein. Die Hilfen dürfen nicht die Prüfungsanforderungen an sich erleichtern, sondern nur behinderungsbedingte Benachteiligungen ausgleichen.

Mögliche Hilfen sind z.B.: Zeitzugaben, Benutzung eines PC oder Diktiergerätes bei schreibmotorischer Behinderung oder Vorlesen der Fragen bzw. Abhören derselben vom Tonband.

 

4. Arbeitsalltag mit ADHSzum Inhaltsverzeichnis

Viele der folgenden Tipps gelten ganz allgemein für jeden Menschen. Für ADHS-Betroffene können sie aber von besonderer Bedeutung sein, weil sie damit ihre krankheitsbedingten Schwächen in den Griff bekommen.

  • Immer erst eine Arbeit abschließen, bevor die nächste begonnen wird - sonst besteht die Gefahr, dass nichts fertig wird. Die Arbeit oder Aufgabe muss nicht 200-prozentig perfekt sein, sondern in angemessener Zeit erledigt werden.
  • Tages- und Arbeitspläne erstellen, denn ein gut geplanter Arbeitsablauf schränkt das Chaos ein und schafft Erfolgserlebnisse. Auch Pausen einplanen.
  • Checklisten für regelmäßig wiederkehrende Arbeiten erstellen, damit nichts vergessen wird.
  • Konzentriertes Arbeiten ist bei völliger Isolation und Stille am besten möglich - dann lenkt nichts ab.
  • Großraumbüros mit hohem Geräuschpegel und großer Unruhe sind eine erschwerende Arbeitsatmosphäre für Menschen mit ADHS. Vielleicht kann hier ein Gespräch mit dem Chef Abhilfe schaffen, z.B. in ein kleines Büro zu wechseln, von zu Hause aus zu arbeiten oder vor bzw. nach den allgemeinen Bürozeiten oder am Wochenende ins Büro zu kommen.
  • Auch in Teams haben Menschen mit ADHS gelegentlich Schwierigkeiten sich einzuordnen, da sie z.B. häufig anderen ins Wort fallen, nichts unkommentiert lassen können, an unpassender Stelle mit ihrer Meinung herausplatzen oder aber bei "Durcheinander-Diskussionen" nicht mehr das Wesentliche herausfiltern können.
  • Unbedingt vermeiden, dass sich Berge von unerledigter Arbeit ansammeln. Aufgaben regelmäßig und systematisch abarbeiten und auch unangenehme Dinge nicht vernachlässigen oder aufschieben.
  • Lernen Prioritäten zu setzen, z.B. mit Hilfe von Terminplanern, um Dringendes von nicht Dringendem zu unterscheiden.

 

* ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) verwendet.

 

5. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

ADHS > Erwachsene

ADHS > Schule

ADHS > Ursachen und Diagnose

 

 

Letzte Aktualisierung am 27.06.2014   Redakteur/in: Manfred Hägele

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