ADHS > Ursachen und Diagnose
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1. Das Wichtigste in Kürze
Die Ursachen des ADHS* (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) sind zwar nicht eindeutig geklärt, es gibt aber einige Faktoren, die ADHS fördern können. ADHS wird anhand gleichzeitig auftretender Verhaltensweisen diagnostiziert. Da die Abgrenzung zu gesundem Verhalten oft sehr schwierig sein kann, sollten Diagnose und Therapie nur von erfahrenen Ärzten und Psychologen geführt werden.
2. Vorbemerkung
ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) - im folgenden einheitlich als ADHS bezeichnet - sind Erkrankungen, die nur von erfahrenen Spezialisten diagnostiziert und therapiert werden sollten. Da die (Fehl-)Diagnose für die Betroffenen mit komplexen psychosozialen Belastungen einhergehen kann, werden hier Grundzüge erläutert. Sie sind nicht umfassend und sollen keinesfalls zur Laiendiagnose verleiten.
Bei etwa 70 bis 80 % der Jugendlichen mit ADHS bleibt die Symptomatik auch im Erwachsenenalter ganz oder teilweise bestehen.
Details siehe ADHS > Erwachsene.
3. Mögliche Ursachen
Die Ursachen von ADHS sind nicht eindeutig geklärt. Folgende Faktoren können ADHS begünstigen oder verstärken:
- Eltern sind von ADHS betroffen
- Nikotin, Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft
- Tabakrauch im Wohnumfeld des Kindes
- Frühgeburt, Geburtstrauma
- Hohe Eigenbelastung der Eltern durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, Überarbeitung
- Ungünstiges Erziehungsverhalten: Inkonsequenz, fehlende Regeln, wenig Lob, antiautoritäre Erziehung, zu geringe Zuwendung und wenig Beschäftigung mit dem Kind
- Sich stark unterscheidende Erziehungsvorstellungen von Vater und Mutter, Uneinigkeit der Eltern
- Keine Familienrituale, wie z.B. gemeinsame Mahlzeiten (ohne Fernsehen), gemeinsames Spielen oder "Gute-Nacht-Geschichte"
- Gestörte Familienstrukturen, das Fehlen mehrerer Bezugspersonen
- Beengte Wohnverhältnisse, geringe Bewegungs- oder Rückzugsmöglichkeit
- Hektische Umwelt, ständiger Stress, Zeitdruck und Ungeduld der Bezugspersonen
- Reizüberflutung durch zu hohen Fernsehkonsum, Spiele mit PC oder Gameboy
- Wenig Motivation zu Bewegung bei Sport und Spiel
4. Diagnose
ADHS kann anhand verschiedener und gleichzeitig auftretender Verhaltensweisen erkannt werden. Z.B. hat ein betroffenes Kind besondere Schwierigkeiten mit Frustrationen umzugehen, zeigt Schwierigkeiten bei langwierigen oder uninteressanten Aufgaben und handelt häufig unüberlegt und überstürzt. Andererseits sind ADHS-Kinder oft hochkreativ bezüglich fantastischer Geschichten und origineller Lösungen. Die Intelligenz betroffener Menschen unterscheidet sich nicht von der Gesunder, allerdings können Menschen mit Aufmerksamkeitssyndromen ihr Potenzial oft weniger gut ausschöpfen.
Diagnose und Therapie sollten grundsätzlich von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden.
Zur Diagnose des ADHS werden entsprechend der Leitlinien der Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie folgende Untersuchungen durchgeführt bzw. Informationen eingeholt:
- Informationen durch die Eltern, bei älterem Kind auch durch dieses selbst, zu Auftreten, Häufigkeit und Intensität der Symptome und zur Entwicklung des Kindes
- Informationen vom Kindergarten oder der Schule zu Auftreten, Häufigkeit und Intensität der Symptome und zur Entwicklung des Kindes
- Untersuchung auf Störungen des Sozialverhaltens, auf psychiatrische Störungen, Intelligenzminderungen, Entwicklungsstörungen oder Teilleistungsschwächen
- Abklärung der psychosozialen und familiären Rahmenbedingungen
- Körperliche Untersuchung des Kindes (internistisch, neurologisch, evtl. weitere)
5. Formen
Laut dem Statistischen Manual Psychischer Störungen gibt es drei Untergruppen des ADHS:
- hyperaktiv-impulsiv (Zappelphilipp)
- aufmerksamkeitsgestört (Träumer)
Der Träumer wird leicht verkannt, da sein "ruhiges" Verhalten oft als sehr angenehm empfunden wird. - Misch-Typ: aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv
Hinweise auf ADHS können das gehäufte und gleichzeitige Auftreten folgender Verhaltensweisen bei einem Kind sein:
- Ständiges Wechseln von einer Beschäftigung zur anderen, ohne etwas zu Ende zu bringen zu können
- Plan- und ziellos wirkende, überschießende Bewegungen mit großem Kraftaufwand, ständiges "Herumdüsen", zappeln und winden auf dem Stuhl
- Unfähigkeit zuzuhören oder stillzuhalten, sehr leicht ablenkbar
- Häufiges unüberlegtes, überstürztes Handeln
- Ständiges Verbreiten von Unruhe und Lärm
- Laufendes Stören des Unterrichts, platzt mit Antworten heraus, bevor die Frage fertig gestellt ist oder die Aufforderung zur Antwort erfolgte
- Unruhiger Schlaf mit häufigen Bewegungen
- Große Ungeduld, z.B. beim Spiel abzuwarten bis es an der Reihe ist
Im Gegensatz oder ergänzend dazu kann der "Träumer" folgende Verhaltensweisen zeigen
- Altersuntypisch lange Beschäftigung mit einem Thema
- Verstörte Reaktion auf geringe Abweichungen vom üblichen Alltagsrhythmus
- Vermeidung aggressiver, unruhiger und lauter Situationen (z.B. Kinderfeste)
- Völliges Versunkensein, hört dann nicht auf Zurufe
6. Abgrenzung
Die Abgrenzung zu gesundem, normalem Verhalten kann sehr schwierig sein. Andere Ursachen wie z.B. Tics, Zwangs- oder Stoffwechselstörungen müssen ausgeschlossen werden und eventuell begleitende Krankheiten wie Depressionen oder Angsterkrankungen dürfen nicht unberücksichtigt bleiben. Aus diesen Gründen gehört die Diagnose der ADHS unbedingt in die Hände eines erfahrenen Kinder- und Jugendarztes bzw. in die Hände des Kinder- und Jugendpsychologen.
7. Epidemiologie
In Deutschland sind ca. 500.000 Kinder und Jugendliche von AD(H)S betroffen, dabei überwiegt stark die Zahl der Jungen. 80 % der Kinder, bei denen AD(H)S diagnostiziert wurde, behalten Restsymptome des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms auch im Erwachsenenalter. .
* ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) verwendet.
8. Verwandte Links
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
Letzte Aktualisierung am 26.02.2010 Redakteur/in: Manfred Hägele
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