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Anschlussheilbehandlung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Die Anschlussheilbehandlung (AHB) ist eine Rehamaßnahme, die im unmittelbaren Anschluss an eine Krankenhausbehandlung oder eine ambulante Operation erfolgt und zur Weiterbehandlung erforderlich ist. Sie muss in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung beginnen.

 

2. Zielzum Inhaltsverzeichnis

Ziel einer Anschlussheilbehandlung ist, verloren gegangene Funktionen oder Fähigkeiten wiederzuerlangen oder auszugleichen und den Patienten wieder an die Belastungen des Alltags- und Berufslebens heranzuführen.

 

3. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Die AHB zählt zur Medizinischen Rehabilitation und muss beim jeweiligen Sozialversicherungsträger beantragt werden.

Sie wird nur für manche Indikationen genehmigt, deshalb muss die Diagnose in der AHB-Indikationsliste des zuständigen Sozialversicherungsträgers enthalten sein.

 

3.1. AHB-Indikationsgruppen

AHB-Indikationsgruppen sind:

  • Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs
  • Krankheiten der Gefäße
  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • degenerativ-rheumatische Erkrankungen und Zustand nach Operationen und Unfallfolgen an den Bewegungsorganen
  • Erkrankungen des Verdauungsapparats und Zustand nach Operationen an den Verdauungsorganen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Krankheiten und Zustand nach Operationen an den Atmungsorganen
  • Krankheiten der Niere und Zustand nach Operationen an Nieren, ableitenden Harnwegen und Prostata
  • neurologische Krankheiten und Zustand nach Operationen an Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven
  • onkologische Krankheiten
  • gynäkologische Krankheiten und Zustand nach Operationen

 

3.2. Versicherungsrechtliche Voraussetzungen der Rentenversicherung

Wenn die Rentenversicherung der Kostenträger ist, muss eine der folgenden versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Wartezeit von 15 Jahren oder
  • 6 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen in den letzten 2 Jahren oder
  • innerhalb von 2 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung wird eine versicherte oder selbstständige Beschäftigung bis zur Antragstellung ausgeübt oder nach einer solchen Beschäftigung liegt Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit bis zur Antragstellung vor oder
  • Bezug einer Erwerbsminderungsrente oder
  • Wartezeit von 5 Jahren bei verminderter oder in absehbarer Zeit gefährdeter Erwerbsfähigkeit oder
  • Anspruch auf große Witwen- beziehungsweise Witwerrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

 

3.3. Persönliche und medizinische Voraussetzungen

  • Indikation nach der Indikationsliste (siehe oben)
  • Akutphase der Erkrankung bzw. Wundheilung muss abgeschlossen sein.
  • Patient muss frühmobilisiert sein.
  • Patient muss geistig fähig zur Teilnahme an den Therapien und weitestgehend selbstständig sein, d.h.: ohne Fremdhilfe zur Toilette gehen, selbstständig essen, sich allein waschen und ankleiden können.
  • Patient sollte reisefähig sein. Ein Krankentransport ist nur in Not- und Ausnahmefällen möglich.
  • Die Maßnahme kann nur stattfinden, wenn der Patient zustimmt.

 

3.4. Praxistipps

  • Die AHB muss über die Sozialberatung der letzten behandelnden Klinik beantragt werden. Dort ist eine frühzeitige Terminvereinbarung sinnvoll.
  • Abweichungen vom Zeitpunkt des AHB-Beginns sind bei medizinischer Notwendigkeit möglich.
  • Die AHB dauert in der Regel 3 Wochen, eine Verlängerung ist möglich, wenn der Arzt der AHB-Klinik die Verlängerung medizinisch-therapeutisch begründet.
  • In wenige Häuser können erkrankte Mütter ihre Kinder mitnehmen, ansonsten ist eventuell ein Antrag auf Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung möglich.
  • Bei einem krebskranken Kind kann die Mutter auf Antrag als Begleitperson mit aufgenommen werden, wenn aufgrund des Alters des Kindes bzw. wegen der familiären Situation eine Trennung von der Mutter für die Dauer der AHB nicht zu verantworten ist.
  • Für die Mutter als Begleitperson kann die gesetzliche Krankenkasse auch den Lohnausfall für die notwendige, zeitlich nicht begrenzte Dauer übernehmen. Auf diese Leistung besteht kein grundsätzlicher Anspruch. Einen Antrag zu stellen ist aber in jedem Fall zu empfehlen.

 

3.5. Besonderheit: Onkologische Rehabilitationsleistung

Ist bei einer malignen Geschwulst- und Systemerkrankung nach dem Krankenhausaufenthalt eine ambulante Bestrahlung notwendig, kann die AHB auch vom niedergelassenen Radiologen eingeleitet werden. Die AHB sollte dann innerhalb von 14 Tagen nach der letzten Bestrahlung beginnen, außer dies ist aus tatsächlichen, medizinischen Gründen nicht möglich. Dann kann auf Antrag des Arztes später begonnen werden.

Nach Ablauf eines Jahres ist es möglich, eine Festigungskur (Onkologische Nachsorgeleistung) zu beantragen. Der MDK prüft die medizinische Notwendigkeit und entscheidet dann im Einzelfall.

 

4. Kostenträgerzum Inhaltsverzeichnis

Die Anschlussheilbehandlung muss von den Krankenhausärzten und der Sozialberatung des letzten behandelnden Krankenhauses in enger Zusammenarbeit eingeleitet werden. Nach der Entlassung ist es für niedergelassene Ärzte nur in Ausnahmefällen möglich, eine Anschlussheilbehandlung zu begründen.

  • Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Anschlussheilbehandlung, wenn das Hauptziel der Anschlussheilbehandlung die Wiedererlangung der Gesundheit ist.
  • Der Rentenversicherung übernimmt die Kosten, wenn das Hauptziel der Anschlussheilbehandlung die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ist. Außerdem gelten die rentenrechtlichen Voraussetzungen zur Medizinischen Rehabilitation.
  • Weitere mögliche Kostenträger unter Rehabilitation > Zuständigkeit.

 

5. Wahl der Reha-Einrichtungzum Inhaltsverzeichnis

Ist die Krankenversicherung der Kostenträger, kann der Patient die Reha-Einrichtung selbst wählen. Sind die Kosten höher als bei den Vertragseinrichtungen der Krankenkasse, zahlt der Patient die Mehrkosten.

Ist die Rentenversicherung der Kostenträger, kann der Arzt eine Reha-Einrichtung vorschlagen.

Details zur Wahl der Einrichtung unter Medizinische Rehabilitation > Antrag.

Das "AHB-Handbuch" enthält einen Überblick über AHB-Einrichtungen und liegt bei den Sozialdiensten in Kliniken auf. Dorthin können sich Patienten und Ärzte wenden.

 

6. Zuzahlungzum Inhaltsverzeichnis

Ist die AHB eine Leistung der Krankenkasse, müssen Patienten ab 18 Jahren 10,- € pro Tag für maximal 28 Tage im Kalenderjahr zahlen, Näheres unter Zuzahlungen Krankenversicherung. Unter bestimmten Umständen kann eine Zuzahlungsbefreiung beantragt werden, Näheres unter Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung.

Ist die AHB eine Leistung des Rentenversicherungsträgers, müssen Patienten ab 18 Jahren 10,- € pro Tag für maximal 14 Tage im Kalenderjahr zahlen. Eine Befreiung hiervon kann z.B. bei Patienten mit geringem Einkommen beantragt werden, Näheres unter Zuzahlungen Rentenversicherung.

Ist die AHB eine Leistung des Unfallversicherungsträgers, ist keine Zuzahlung fällig.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, Unfallversicherungsträger, Sozialamt und die Sozialberatung des Krankenhauses.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Medizinische Rehabilitation

Onkologische Nachsorgeleistungen

Krankenhausbehandlung

Kinderheilbehandlung

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 40 SGB V - § 107 SGB V)

 

Letzte Aktualisierung am 30.03.2015   Redakteur/in: Barbara Römer

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