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Arbeitslosengeld

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Arbeitslosengeld (auch "Arbeitslosengeld 1" genannt) gibt es normalerweise 12 Monate lang. Wer bei Beginn der Arbeitslosigkeit mindestens 50 Jahre alt ist, hat einen längeren Anspruch: je nach Alter bis zu 24 Monate. Das Arbeitslosengeld beträgt 60 (ohne Kinder) bzw. 67 % vom letzten Nettogehalt. Arbeitslosengeldempfänger sind über die Agentur für Arbeit gesetzlich kranken-, pflege- und unfallversichert und meist auch rentenversichert. Wichtig ist eine persönliche und frühzeitige Arbeitssuchendmeldung bzw. Arbeitslosenmeldung.

Genaue und verbindliche Auskünfte geben die Agenturen für Arbeit.

 

2. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Arbeitslosigkeit
  • Die Altersgrenze der Regelaltersrente ist nicht erreicht 
  • Bereitschaft, der Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stehen (Arbeitssuchendmeldung, Bewerbung etc.)
  • Persönliche Arbeitslosenmeldung
  • Erfüllung der Anwartschaftszeit
    Die Anwartschaftszeit ist in der Regel erfüllt, wenn der Antragsteller in den letzten 2 Jahren vor der Arbeitslosenmeldung und dem Eintritt der Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate (= 360 Kalendertage) in einem Versicherungspflichtverhältnis stand.

 

Über andere berücksichtigungsfähige Zeiten zur Erfüllung der Anwartschaftszeit sowie einer möglichen verkürzten Anwartschaftszeit, d.h. dass unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld schon ab einem Versicherungspflichtverhältnis von 6 Monaten bestehen kann, informiert die Agentur für Arbeit.

 

3. Dauerzum Inhaltsverzeichnis

Die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld ist von der Dauer der Versicherungspflichtverhältnisse der letzten 5 Jahre vor Entstehen der Arbeitslosigkeit und vom Alter des Antragstellers abhängig.

 

Nach Versicherungspflichtverhältnissen mit einer Dauer von insgesamt mindestens ... Monaten

Nach Vollendung des ... Lebensjahres

... Monate Arbeitslosengeld

12

°

6

16

°

8

20

°

10

24

°

12

30

50.

15

36

55.

18

48

58.

24

 

Besteht kein Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr, dann erhält der Arbeitssuchende unter bestimmten Voraussetzungen Sozialstaatsleistungen zur Grundsicherung für Arbeitssuchende, z.B. Arbeitslosengeld II und Sozialgeld.

 

3.1. Sperrzeit

Sperrzeit heißt, dass das Arbeitslosengeld in der Regel 12 Wochen nicht gezahlt wird, bei besonderen Tatbeständen 3 oder 6 Wochen. Gleichzeitig vermindert sich die Anspruchsdauer um diese Zeit.

Eine Sperrzeit wird verhängt,

  • wenn der Antragsteller die Arbeitslosigkeit ohne wichtigen Grund oder durch arbeitsvertragswidriges Verhalten selbst grob fahrlässig herbeigeführt hat.
  • wenn mit dem letzten Arbeitgeber ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde.
  • wenn eine von der Agentur für Arbeit angebotene Arbeit oder eine Maßnahme der beruflichen Fort- und Weiterbildung ohne wichtigen Grund abgelehnt, abgebrochen oder nicht angetreten wird.
  • wenn sich der (künftige) Arbeitslose nicht rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend gemeldet hat.

 

Die Dauer einer Sperrzeit bei unzureichenden Eigenbemühungen beträgt 2 Wochen, bei Meldeversäumnissen jeweils eine Woche.

Bei Sperrzeiten von insgesamt 21 Wochen erlischt der Anspruch auf Arbeitslosengeld.

 

4. Höhe zum Inhaltsverzeichnis

Die Höhe hängt ab von

  • der durchschnittlichen Höhe des zuletzt bezogenen versicherungspflichtigen Netto-Arbeitsentgelts, angesetzt werden 2017 jedoch maximal 6.350/5.700 €  (West/Ost) monatlich,
  • der Lohnsteuerklasse und
  • dem Vorhandensein von Kindern (§ 32 EStG). Arbeitslose mit Kind bekommen 67 % des Nettoarbeitsentgelts, Arbeitslose ohne Kind 60 %

 

Das Selbstberechnungsprogramm zur Ermittlung der Höhe des Arbeitslosengelds der Bundesagentur für Arbeit bietet unter externer Linkwww.pub.arbeitsagentur.de/alt.html Orientierungswerte. 

 

4.1. Hinzuverdienst

Arbeitslose dürfen dazuverdienen, das Nebeneinkommen muss aber in jedem Fall der Agentur für Arbeit gemeldet werden: Die Arbeitszeit muss unter 15 Stunden wöchentlich liegen.

Es gibt einen Freibetrag von monatlich 165 €, der vom Nettoeinkommen abgezogen wird. Was darüber hinaus geht, wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

Ausnahme: Wurde die Erwerbstätigkeit bereits vor Beginn der Arbeitslosigkeit ausgeübt (mindestens 12 Monate innerhalb der letzten 18 Monate), kann ein individuell höherer Freibetrag gelten.

 

4.2. Steuerfrei

Arbeitslosengeld ist steuerfrei. Allerdings ist es bei der Steuererklärung anzugeben, da es bei der Berechnung des Steuersatzes berücksichtigt wird. Es unterliegt dem sogenannten Progressionsvorbehalt.

 

5. Bezug weiterer Sozialleistungenzum Inhaltsverzeichnis

Beim Bezug folgender Sozialleistungen ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld ganz oder teilweise (§ 156 SGB III):

 

6. Sozialversicherungzum Inhaltsverzeichnis

Bezieher von Arbeitslosengeld sind über die Agentur für Arbeit gesetzlich kranken-, pflege- und unfallversichert. Sie sind auch rentenversichert, wenn im Jahr vor Beginn des Arbeitslosengeldbezugs Rentenversicherungspflicht bestand.

 

7. Frühzeitige Meldepflicht bei drohender Arbeitslosigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Arbeitnehmer müssen sich unmittelbar nach Kenntnis der Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses (z.B. Kündigung oder Aufhebungsvertrag) oder eines sonstigen Versicherungspflichtverhältnisses (z.B. Krankengeldbezug) persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden. Die Meldung muss 3 Monate vor Ablauf des Arbeitsverhältnisses erfolgen, außer der Arbeitnehmer erfährt erst später von der eintretenden Arbeitslosigkeit. Bei Nichtbeachtung dieser Meldepflicht kommt es zu einer einwöchigen Sperrzeit.

Liegen zwischen der Kenntnis des Beendigungszeitpunktes und der Beendigung des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses weniger als 3 Monate, muss sich der Arbeitnehmer innerhalb von 3 Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes melden.

 

8. Nahtlosigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Ist die Arbeitsfähigkeit eines Arbeitslosen gemindert, gibt es als Sonderform das Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit, die sogenannte Regelung im Sinne der Nahtlosigkeit.

 

9. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Die kostenlose Broschüre "Merkblatt für Arbeitslose" der Bundesagentur für Arbeit kann unter externer Linkwww.ba-bestellservice.de > Themen > Bürgerinnen und Bürger > Arbeitslosengeld bestellt oder heruntergeladen werden.

 

10. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Die örtliche Agentur für Arbeit. Nur dort bekommt man Auskunft, ob und in welcher Höhe Leistungen zustehen.

 

11. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Agentur für Arbeit

Arbeitslosenversicherung

Arbeitslosengeld II und Sozialgeld

Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit

 

Gesetzesquelle(n) 

(§§ 117 ff. SGB III)

 

Letzte Aktualisierung am 07.06.2017   Redakteur/in: Sabine Bayer

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