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Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Wenn bei einer langen Arbeitsunfähigkeit der Anspruch auf Krankengeld endet, der Patient aber weiterhin arbeitsunfähig ist, kann er Arbeitslosengeld beantragen, das sog. "Nahtlosigkeits-Arbeitslosengeld". Es ist eine Sonderform des Arbeitslosengelds und überbrückt die Lücke zwischen Krankengeld und anderen Leistungen, z.B. Erwerbsminderungsrente. Dieses Arbeitslosengeld kann es auch geben, wenn das Arbeitsverhältnis noch formal fortbesteht.

Wenn ein Empfänger von Arbeitslosengeld krank wird, besteht sein Anspruch bis zu 6 Wochen lang fort. 

 

Informationen zum Ende des Krankengeldanspruchs, der sog. "Aussteuerung", unter Krankengeld > Keine Zahlung.

 

2. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Arbeitsunfähigkeit (weniger als 3 Stunden/Tag arbeitsfähig)
  • Arbeitslosigkeit
    oder
    Bestehen eines Arbeitsverhältnisses, das jedoch aufgrund einer Krankheit/Behinderung schon mindestens 6 Monate nicht mehr ausgeübt werden konnte.
  • Erfüllung der Anwartschaftszeit
    Die Anwartschaftszeit ist erfüllt, wenn der Antragsteller in den letzten 2 Jahren vor der Arbeitslosenmeldung und dem Eintritt der Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate (= 360 Kalendertage) in einem Versicherungspflichtverhältnis stand. Über andere berücksichtigungsfähige Zeiten informieren die Agenturen für Arbeit.
  • Der Arbeitslose steht wegen einer Minderung seiner Leistungsfähigkeit länger als 6 Monate der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung, weswegen kein Anspruch auf das übliche Arbeitslosengeld besteht.
  • Es wurden entweder Erwerbsminderungsrente beim zuständigen Rentenversicherungsträger beantragt, oder Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung (Berufliche Reha > Leistungen) bzw. Medizinische Rehabilitation.
    Der Antrag muss innerhalb eines Monats nach Zugang eines entsprechenden Aufforderungsschreibens der Agentur für Arbeit gestellt worden sein. Wurde ein solcher Antrag unterlassen, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld nach Ablauf der Monatsfrist bis zu dem Tag, an dem der Arbeitslose den Antrag stellt.
    Hat der Rentenversicherungsträger die verminderte Erwerbsfähigkeit bereits festgestellt, besteht kein Anspruch auf Nahtlosigkeits-Arbeitslosengeld.

 

3. Dauerzum Inhaltsverzeichnis

Das Arbeitslosengeld im Wege der sog. Nahtlosigkeit wird gezahlt, bis über die Frage der verminderten Erwerbsfähigkeit bzw. der Rehabilitation entschieden wird, längstens bis der Arbeitslosengeldanspruch endet. Damit überbrückt es z.B. die Übergangszeit, in der der Rentenversicherungsträger über die Erwerbsminderungsrente entscheidet. 

 

4. Höhezum Inhaltsverzeichnis

Relevant ist, was der Arbeitslose zuletzt im Bemessungszeitraum (in der Regel die letzten 52 Wochen vor Arbeitslosigkeit) als Voll-Erwerbstätiger tatsächlich verdient hat. Es kommt nicht darauf an, was der Arbeitslose aufgrund der Minderung seiner Leistungsfähigkeit verdienen könnte.

Wird für die Zeit des Nahtlosigkeits-Arbeitslosengelds rückwirkend Übergangsgeld gezahlt oder Rente gewährt, erhält der Arbeitslose nur den evtl. überschießenden Betrag. War das Nahtlosigkeits-Arbeitslosengeld höher, muss er den überschießenden Betrag jedoch nicht zurückzahlen.

 

5. Arbeitunfähigkeit bei Bezug von Arbeitslosengeld zum Inhaltsverzeichnis

Wer während des Bezugs von Arbeitslosengeld aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig oder stationär behandelt wird, verliert dadurch nicht seinen Arbeitslosengeld-Anspruch für die Dauer von bis zu 6 Wochen (§ 146 SGB III).

Dies gilt auch bei der notwendigen Betreuung eines kranken Kindes bis zu 10 Tage (Alleinerziehende 20 Tage) je Kind in einem Kalenderjahr. Näheres unter Kinderpflege-Krankengeld.

 

6. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Wird dem Arbeitslosen vom Rentenversicherungsträger Leistungsfähigkeit von mehr als 15 Stunden wöchentlich bescheinigt, muss er sich, um weiterhin Arbeitslosengeld zu beziehen, der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellen - auch wenn er mit der Entscheidung des Rentenversicherungsträgers nicht einverstanden ist und gegen diese gerichtlich vorgeht. Kann er einen Bewerbungsprozess aus gesundheitlichen Gründen nicht aktiv gestalten, braucht er gegenüber der Agentur für Arbeit eine Bescheinigung seines Arztes.

Obwohl das Verhalten des Arbeitslosen gegenüber dem Rentenversicherungsträger (Geltendmachung von Leistungsunfähigkeit) im Widerspruch zum Verhalten gegenüber der Agentur für Arbeit (Leistungsfähigkeit und Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme) steht, muss der Arbeitslose im Verfahren mit dem Rentenversicherungsträger keine Nachteile befürchten, da die Beurteilung über die Leistungsfähigkeit ausschließlich nach objektiven Maßstäben erfolgt. Auf subjektive Erklärungen des Arbeitslosen ("sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen") kommt es nicht an.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Die örtliche Agentur für Arbeit.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Arbeitslosengeld

Arbeitsunfähigkeit

Arbeitslosengeld II und Sozialgeld

Arbeitslosenversicherung

Erwerbsminderungsrente

Berufliche Reha > Leistungen

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 145 f. SGB III)

 

Letzte Aktualisierung am 01.02.2017   Redakteur/in: Sabine Bayer

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