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Arbeitsunfähigkeit

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Wer seinen Beruf aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht oder nur unter Gefahr der Verschlimmerung des Zustands weiter ausüben kann, gilt als arbeitsunfähig. Bei einer Arbeitsunfähigkeit ist der Arbeitnehmer verpflichtet, seinen Arbeitgeber sofort zu informieren, eine ärztliche Bescheinigung muss er spätestens nach 3 Tagen, d.h. am 4. Tag der Erkrankung, vorlegen.

 

2. Allgemeineszum Inhaltsverzeichnis

Arbeitsunfähigkeit (AU) ist ein durch Krankheit oder Unfall hervorgerufener regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, aufgrund dessen der in der Kranken- und Unfallversicherung Versicherte seine bisherige Erwerbstätigkeit nicht oder nur unter Gefahr der Verschlimmerung des Zustands weiter ausüben kann. Die AU ist Voraussetzung für Entgeltfortzahlung und Krankengeld oder Verletztengeld.

 

3. Lückenlosigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Es ist sehr wichtig, lückenlos krankgeschrieben zu sein, sonst können in der Folge Nachteile entstehen.

Lückenlos heißt, dass eine erneute Krankschreibung am Werktag, nach dem die letzte Krankmeldung endet, erfolgt. Samstage gelten bei der Beurteilung der lückenlosen Krankmeldung für das Krankengeld nicht als Werktage. Gleichwohl sollten z.B. auch Samstage, Sonntage, Feiertage, Urlaubstage oder arbeitsfreie Tagen bei flexibler Arbeitszeit ("Brückentage") auf der AU-Bescheinigung eingeschlossen sein.

 

Eine Rückdatierung wird nicht anerkannt. Ausnahmen werden lediglich gemacht, wenn der Patient am betreffenden Tag nicht handlungs- oder geschäftsfähig (Geschäftsfähigkeit) ist, z.B. bei Koma oder akuter Psychose.

 

4. Mitteilungspflichtzum Inhaltsverzeichnis

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen, telefonische Mitteilung genügt. Dauert die AU länger als 3 Kalendertage, muss der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung (Attest) über die AU und die voraussichtliche Dauer spätestens am darauf folgenden Arbeitstag vorlegen (§ 5 EntgeltfortzahlungsG). Der Arbeitgeber kann aber jederzeit verlangen, dass die AU-Bescheinigung bereits am ersten Tag der Erkrankung vorzulegen ist. Die 1-Tag-Regelung kann auch nur einzelne Arbeitnehmer betreffen. Das wurde vom Bundesarbeitsgericht im Urteil vom 14. November 2012 (5 AZR 886/11) ausdrücklich bestätigt.

 

5. Inhalt der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungzum Inhaltsverzeichnis

Der behandelnde Arzt stellt eine AU-Bescheinigung in dreifacher Ausfertigung aus, die der Patient unverzüglich weiterleitet:

  1. Das Original (mit Diagnose) geht an die Krankenkasse.
  2. Der Durchschlag (ohne Diagnose) geht an den Arbeitgeber.
  3. Seit 1.1.2016 erhält der Versicherte ebenfalls einen Durchschlag.

Die AU-Bescheinigung(en) des Arztes muss/müssen vom ersten Tag der Erkrankung an lückenlos sein.

Die AU-Bescheinigung gilt als Nachweis der AU. Sowohl Arbeitgeber als auch Krankenkasse sind zunächst an die AU-Bescheinigung gebunden. Bestehen Zweifel an der AU, hat die Krankenkasse die Möglichkeit, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einzuschalten. Auch der Arbeitgeber kann sich bei Zweifeln an die Krankenkasse wenden, damit diese den MDK einschaltet.

 

6. AU länger als 6 Wochenzum Inhaltsverzeichnis

Ab der 7. Krankheitswoche übersendet die Krankenkasse dem Arbeitgeber eine Verdienstbescheinigung, in welche dieser die für die Berechnung des Krankengelds notwendigen Angaben einträgt. Der Patient erhält seit 1.1.2016 keinen sogenannten Auszahlschein mehr, weil dieser in die AU integriert ist. 

 

6.1. AU im Ausland

Bei Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen ausländischer Ärzte kann die Krankenkasse den MDK heranziehen. Die Krankenkasse ist jedoch an die Feststellung der AU-Bescheinigung durch den Versicherungsträger eines EU-Landes gebunden, wenn die Krankenkasse nicht von der Möglichkeit Gebrauch macht, den Versicherten von einem Arzt ihrer Wahl untersuchen zu lassen.

 

7. Urlaub und Arbeitsunfähigkeit zum Inhaltsverzeichnis

7.1. Urlaubsreise

Der Antritt einer Urlaubsreise während der Arbeitsunfähigkeit ist nur möglich, wenn die Reise keinen Nachteil für die Genesung bringt. Dies sollte man sich im Zweifel durch ein ärztliches Attest bestätigen lassen.

Eine Auslandsreise während des Bezugs von Krankengeld muss unbedingt vorher mit dem Arbeitgeber und der zuständigen Krankenkasse abgesprochen werden. Der Patient darf die Reise nur mit Zustimmung der Krankenkasse antreten. Bezieher von Krankengeld müssen nämlich prinzipiell für die Kasse erreichbar sein, da z.B. Termine für Untersuchungen beim MDK anfallen können.

 

7.2. Resturlaub

Ein Urlaubsanspruch verfällt prinzipiell am 31.12. des Kalenderjahres. Nur wenn er aus dringenden betrieblichen Erfordernissen oder z.B. aufgrund einer Erkrankung des Mitarbeiters nicht genommen werden kann, ist eine Übertragung des Urlaubs bis zum 31.3. des Folgejahres möglich. Allerdings darf kein Urlaub bei langer Krankheit des Arbeitnehmers verfallen. Nach einem Urteil des BAG vom 24.3.2009 (Az: 9 AZR 983/07) "erlöschen die Ansprüche auf Abgeltung des gesetzlichen Urlaubs bei Langzeitkranken nicht".
Eine Auszahlung des nicht genommenen Urlaubs ist somit möglich, wenn der Urlaub wegen der Arbeitsunfähigkeit nicht mehr genommen werden kann.

 

8. Kündigung bei Arbeitsunfähigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Unter bestimmten Umständen ist eine Kündigung aufgrund der Krankheit auch während der Arbeitsunfähigkeit möglich, Näheres unter krankheitsbedingte Kündigung.

 

9. Richtliniezum Inhaltsverzeichnis

Die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie kann beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) heruntergeladen werden unter externer Linkwww.g-ba.de/informationen/richtlinien/2.

 

10. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Entgeltfortzahlung

Krankengeld

Verletztengeld

Stufenweise Wiedereingliederung

Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 5 EntgFG )

 

Letzte Aktualisierung am 01.09.2017   Redakteur/in: Andrea Nagl

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