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Begleitung im Sterbeprozess

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in der Begleitung sterbender Menschen ist das Eingehen auf ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche. Um das zu erreichen, sollte eine Sterbebegleitung im Vorfeld genau besprochen werden - wenn möglich unter Einbeziehung der Angehörigen. Oberstes Gebot ist dabei, dass der Patient in Würde sterben darf und die Angehörigen das auch mittragen können.

 

2. Sterbeprozesszum Inhaltsverzeichnis

Angst vor dem Sterben haben fast alle: Patienten ebenso wie Angehörige. Es kann hilfreich sein zu wissen, was kommen kann, damit man sich darauf einstellen kann und bei bestimmten Symptomen oder Veränderungen nicht erschrickt. Ein plötzlicher Tod ist bei Schwerkranken eher selten. Meist zeigen sich in den letzten 1 bis 2 Tagen und vor allem in den letzten Stunden deutliche Veränderungen.

Erfahrene Pflegekräfte und Ärzte erkennen diesen Sterbeprozess bei unheilbaren Krankheiten häufig anhand von Symptomen, z.B.:

  • fortschreitende Schwäche
  • zunehmende Unruhe und Agitiertheit
  • Ängste
  • Schmerzen
  • tiefes Schlafbedürfnis bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Veränderung der Atmung
  • kein Hustenreflex
  • Übergang in Rasselatmung (siehe unten)
  • Versagen der Nierenfunktion
  • zuletzt Atem- und Kreislaufstillstand (klinischer Tod)

 

3. Offene Kommunikationzum Inhaltsverzeichnis

Die Begleitung in der Sterbephase sollte im Vorfeld konkret abgesprochen werden. Wenn es möglich ist, sollten Wünsche und Rituale für diese Phase festgelegt werden. Dabei ist wichtig, dass alle Wünsche und Vorstellungen bis zuletzt jederzeit wieder verändert und der Situation angepasst werden können.

 

Die Voraussetzung dafür ist, dass das gesamte betreuende Team offen miteinander und mit dem Thema Sterben umgeht. Angehörige müssen behutsam eingeführt werden, da die letzten begleitenden Stunden für sie von großer Bedeutung für ihren späteren Weg der Trauer sein können.

 

Umgekehrt können sich Angehörige in Einrichtungen der Sterbebegleitung im Vorfeld beraten lassen. Diese bieten Sterbebegleitung zu Hause oder stationär an und begleiten die Angehörigen auch über den Tod hinaus.

 

Mit Zimmernachbarn sollte im Vorfeld schon geklärt werden, ob sie in der letzten Zeit mit anwesend bleiben wollen. Sie sollten dann unbedingt je nach Möglichkeit und Wunsch mit einbezogen werden oder rechtzeitig das Zimmer verlassen können.

 

Patienten können ihre Wünsche für die Sterbephase in einer Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung schriftlich festlegen.

 

4. Gestaltung der letzten Lebensphasezum Inhaltsverzeichnis

Ziel ist in jedem Fall, dem Patienten die letzte Lebensphase nach seinen Vorstellungen zu gestalten:

  • Wenn er nicht den ausdrücklichen Wunsch hatte, allein zu sterben, sollte man ihn nicht mehr allein lassen, auch nicht, wenn er nicht mehr bei Bewusstsein ist. Allerdings kann durch zu viele Anwesende eine große Unruhe entstehen - das sollte vermieden werden.
    Einen Angehörigen als Hauptansprechpartner bestimmen. Er kann alle wichtigen Informationen nach außen geben und z.B. die Zahl und Zeiten der Besucher koordinieren.
  • Falls keine Angehörigen vorhanden oder vor Ort sind, sollten je nach Absprache andere Personen, z.B. Seelsorger, Pflegepersonal oder ehrenamtliche Besuchsdienste, die letzte Begleitung übernehmen.
  • Wünscht der Sterbende für die letzten Stunden bestimmte Rituale, religiöse oder seelsorgerische Begleitung, sollte das beachtet und ermöglicht werden.
  • Durch Körperkontakt und Gespräch beruhigend mit dem Sterbenden umgehen, ihm zeigen, dass er nicht allein ist.
  • Der Patient soll in Würde und unter Einhaltung der gewünschten medizinischen Hilfestellung (Patientenverfügung) sterben dürfen.
    Die Patientenverfügung kann auch eine Art Notfallplan enthalten, in dem die letzten zu erwartenden Probleme/Symptome und deren Konsequenzen geregelt werden. Dies erleichtert allen Beteiligten die Situation und nimmt ihnen die Angst vor schwierigen Entscheidungen wie etwa: Soll der Sterbende noch in ein Krankenhaus eingeliefert werden, soll er noch beatmet werden, möchte er künstlich ernährt werden, soll er "nur" noch die bestmögliche Schmerzmedikation bekommen.
  • Ebenso zu beachten: Welche Wünsche hat er für seine Umgebung geäußert (Musik, Beleuchtung etc.).

 

5. Pflegerische Aspektezum Inhaltsverzeichnis

Die pflegerischen Schwerpunkte (Palliativpflege) verändern sich:

  • Die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr tritt in den Hintergrund oder wird ganz eingestellt. Sie ist gegebenenfalls durch gute Mundpflege zu ersetzen, um Austrocknung, Schmerzen und Unwohlsein zu verhindern.
  • Für bequeme und entspannte Lagerung sorgen. Regelmäßige Umlagerung reduzieren oder ganz einstellen.
  • Hautpflege und Waschung individuell nach Wunsch gestalten, auch abhängig von der Notwendigkeit (z.B. starkes Schwitzen) und den Kräften des Patienten.
  • Das Wechseln von Inkontinenzeinlagen auf ein zumutbares Maß reduzieren, ggf. Nassliegen in Kauf nehmen. Ein Katheter wird nur bei Schmerzen der Blase gelegt. Darmentleerung nur bei Beschwerden, z.B. Verstopfung, vornehmen.
  • Bei Schmerzen und anderen belastenden Symptomen den Arzt informieren, damit sie durch bestmögliche Medikation gelindert werden. Bei Schluckstörungen die Medikamente von oral auf andere Formen der Verabreichung (z.B. Schmerzpumpen über Vene) umstellen.

 

6. Was Angehörigen hilft und wie sie helfen könnenzum Inhaltsverzeichnis

Für Angehörige ist die Sterbebegleitung die allerletzte Zeit mit dem Patienten, sie ist schwer und wertvoll zugleich. Im Idealfall finden sie Unterstützung durch Ärzte, Seelsorger, Mitarbeiter des Pflegedienstes und (wenn vorhanden) des Palliative-Care-Teams.

 

Erfahrungsgemäß ist es nach dem Tod eine wertvolle Erinnerung, noch da gewesen zu sein:

  • Die letzten Hilfestellungen sind ganz wichtig für den Sterbenden und für die Angehörigen selbst.
  • Angehörige dürfen bei der Pflege voll mithelfen, Näheres unter Palliativpflege durch Angehörige.
  • Wenn Patienten zu Hause gepflegt werden, sollte der Hausarzt eine kurze Mitteilung über Diagnose, Prognose und letzte Therapie hinterlegen. Das bietet Informationssicherheit, falls im Notfall noch ein weiterer Arzt hinzugezogen werden muss.

 

Aber: Angehörige dürfen sich auch nicht überfordern.

  • Es gibt Krankheits- und Sterbesituationen, die sind schwer oder gar nicht auszuhalten. Dann darf und muss man sich Hilfe holen und darf und muss sich zurückziehen.
  • Manche Angehörige sind nach Jahren der Krankheit und der immer intensiveren Pflege am Ende ihrer Kräfte und können die letzten Tage nicht mehr. Jeder Mensch hat Grenzen der Belastbarkeit und die kann er nur selbst bestimmen. Zum Schutz vor Überbelastung sollte es Rückzugsmöglichkeiten geben, z.B. "Gästezimmer" im Hospiz, oder Helfer, die einspringen und z.B. eine Nachtwache übernehmen: andere Angehörige, Hospizhelfer, Pflegekräfte.
  • Möglicherweise kann der Wunsch des Patienten, zu Hause sterben zu können, wegen der Überforderung des Umfelds nicht erfüllt werden. Dann kann ein Bett im stationären Hospiz oder auf einer Palliativstation eine Alternative sein.

 

7. Rasselatmungzum Inhaltsverzeichnis

Die Rasselatmung ist geräuschvoll und oft verbunden mit längeren Atempausen. Sie ist ein deutliches Zeichen für den nahenden Tod und tritt bei mehr als der Hälfte der Sterbenden auf. Sie wird deshalb auch "terminales Rasseln" oder "Todesrasseln" genannt.

 

Die Rasselatmung ist kein Zeichen von Atemnot. Doch das Rasseln klingt für Außenstehende quälend und macht vor allem Angehörigen Angst. Der Patient selbst nimmt das Rasseln aber kaum wahr. Das ist auch daran zu erkennen, dass er ruhig bleibt, was bei Atemnot sicher nicht der Fall wäre.

 

Ursache der Rasselatmung ist meist eingedickter Speichel oder Sekret, die sich im Bereich der Stimmritze sammeln. Es rasselt, wenn die Atemluft daran vorbeistreicht. Der Patient selbst ist bereits zu schwach, die Flüssigkeit abzuhusten oder zu schlucken.

 

7.1. Erleichterung bei Rasselatmung

Die Rasselatmung kann zum Teil gelindert werden:

  • Oberkörper des Patienten höher legen und wenn möglich Kopf seitlich lagern, damit Speichel nicht nach hinten läuft.
  • Mund trockentupfen, wenn viel Speichel da ist.
  • Nichts mehr zu trinken geben und die künstliche Flüssigkeitszufuhr beenden. Sterbende haben in der Regel keinen Durst mehr und mehr Flüssigkeit regt die Speichel- und Sekretbildung an.
  • Den Mund und die Lippen pflegen, damit sie nicht austrocknen und reißen.
  • Sekret in den letzten Lebensstunden nicht mehr absaugen, denn das ist für den Patienten unangenehm bis schmerzend und regt die Schleimproduktion an.
  • Medikamente (Wirkstoff Butylscopolamin) können die Speichel- und Sekretbildung reduzieren.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Sterbebegleitung

Todeszeichen

Nach dem Tod > Organisatorisches

Nach dem Tod > Abschied nehmen

Bestattungsformen und Bestattungsinstitute

Bestattungskosten Sozialhilfe

Trauer > Überblick

 

Redakteurin: Sabine Bayer

 

Letzte Aktualisierung am 01.09.2017   Redakteur/in: Sabine Bayer

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