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Behinderung > Berufsleben

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Behinderte und vor allem schwerbehinderte Arbeitnehmer werden durch verschiedene Maßnahmen und Nachteilsausgleiche darin unterstützt, dass sie sich im Berufsleben etablieren oder wieder integrieren können.

 

2. Erlangen oder Erhalten eines Arbeitsplatzes zum Inhaltsverzeichnis

Mit einer anerkannten Schwerbehinderung, können folgende Leistungen beantragt werden, die dabei unterstützen, einen Arbeitsplatz zu erlangen oder zu erhalten:

  • Arbeitsassistenz, die Tätigkeiten ersatzweise ausführt, um letztlich den Arbeitsplatz zu erhalten, z.B. lesen bei blinden oder tragen bei gehbehinderten Menschen
  • Integrationsfachdienste beraten und unterstützen bei der Arbeitssuche und Arbeitsplatzerhaltung
  • Ausbildungsgeld für behinderte Menschen
  • Unterstützte Beschäftigungen mit individueller betrieblicher Qualifizierung durch die Agentur für Arbeit und Berufsbegleitung durch das Integrationsamt
  • Einen Beschäftigungssicherungszuschuss (früher: Minderleistungsausgleich) können Arbeitgeber beantragen, die einen schwerbehinderten Arbeitnehmer beschäftigen, der nicht die volle Arbeitsleistung bringen kann
  • Zusätzliche Darlehen und Zuschüsse, um sich selbstständig zu machen, vom Integrationsamt

 

Menschen mit einer Behinderung haben oft auch die Möglichkeit, ihre Einschränkungen durch eine Rehabilitation zu verbessern oder zu beseitigen:

 

3. Schutz und Nachteilsausgleiche am Arbeitsplatzzum Inhaltsverzeichnis

3.1. Kündigungsschutz

Die Kündigung eines schwerbehinderten Arbeitnehmers bedarf in der Regel der vorherigen Zustimmung des Integrationsamts. Die Kündigungsfrist beträgt mindestens 4 Wochen.

 

Kündigt der Arbeitgeber einem schwerbehinderten oder gleichgestellten Beschäftigten, ohne von dessen Behinderung zu wissen, gilt trotzdem der besondere Kündigungsschutz, den der Beschäftigte dann geltend machen kann, und die Zustimmung des Integrationsamtes ist notwendig. Hierfür müssen Beschäftigte allerdings spätestens 3 Wochen nach der Kündigung den Arbeitgeber informieren.

 

3.2. Zusatzurlaub

Schwerbehinderte Arbeitnehmer mit einem GdB von 50 und mehr haben Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub von in der Regel einer Arbeitswoche. Im Allgemeinen sind dies 5 zusätzliche Tage pro Jahr. Bei Mitarbeitern, die regelmäßig mehr oder weniger als 5 Tage pro Woche arbeiten, erhöht oder vermindert sich der Zusatzurlaub entsprechend. Bei einer Teilzeitbeschäftigung ist ebenfalls die Verteilung der Arbeitszeit auf die Wochentage maßgeblich für die Dauer des Zusatzurlaubs. Der Anspruch auf Zusatzurlaub entsteht ab dem Zeitpunkt, ab dem das Versorgungsamt die Schwerbehinderung feststellt.

Den Anspruch auf Zusatzurlaub müssen Beschäftigte beim Arbeitgeber - am besten schriftlich unter Vorlage einer Kopie des Schwerbehindertenausweises - geltend machen.

 

3.2.1. Anteiliger Zusatzurlaub

Für jeden vollen Monat, in dem die Schwerbehinderteneigenschaft im Arbeitsverhältnis besteht, haben Beschäftigte Anspruch auf 1/12 des Zusatzurlaubs. Ergibt die Berechnung Bruchteile von mindestens einem halben Urlaubstag, werden diese auf ganze Tage aufgerundet. Bei vorzeitigem Ausscheiden des Arbeitnehmers aus dem Beschäftigungsverhältnis gelten die Regelungen des Bundesurlaubsgesetzes. Wird das Arbeitsverhältnis in der ersten Jahreshälfte beendet, wird der Zusatzurlaub gezwölftelt. Bei einem Ausscheiden in der zweiten Jahreshälfte besteht der volle Anspruch auf den Zusatzurlaub. Verliert der schwerbehinderte Arbeitnehmer seinen Schwerbehindertenstatus durch die Herabstufung seines GdB auf weniger als 50, hat er noch mindestens 3 weitere Monate Anspruch auf Zusatzurlaub (Schutzfrist). Maßgebend ist das Datum des Herabsetzungsbescheids.

 

3.3. Freistellung von Mehrarbeit

Schwerbehinderte Arbeitnehmer sind auf ihr Verlangen von Mehrarbeit freizustellen.

 

3.4. Begleitende Hilfe im Arbeitsleben

In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit soll das Integrationsamt dem schwerbehinderten Menschen helfen, sich am Arbeitsplatz und im Wettbewerb mit nichtbehinderten Menschen behaupten zu können, seine soziale Stellung nach Möglichkeit behalten zu können und einen Arbeitsplatz zu finden bzw. zu gestalten, der zu seinen Fähigkeiten passt und in dem er sich weiterentwickeln kann.

 

4. Gleichstellung behindert/schwerbehindertzum Inhaltsverzeichnis

Für Personen mit einem GdB von weniger als 50, aber mindestens 30, gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie für schwerbehinderte Menschen, wenn sie infolge ihrer Behinderung keinen geeigneten Arbeitsplatz erlangen oder behalten können (§§ 2 Abs. 3, 68 Abs. 3 SGB IX). Gleichgestellte genießen wie schwerbehinderte Menschen einen besonderen Kündigungsschutz.

 

4.1. Unterschiede

Gleichgestellte haben im Gegensatz zu schwerbehinderten Menschen keinen Anspruch auf einen Zusatzurlaub von 5 bezahlten Arbeitstagen im Jahr und auf vorgezogene Altersrente für schwerbehinderte Menschen. Sie bekommen keinen Schwerbehindertenausweis und keine "Erleichterungen im Personenverkehr" (Öffentliche Verkehrsmittel).

 

4.2. Praxistipp

Die Gleichstellung erfolgt durch die zuständige Agentur für Arbeit. Der Antrag muss unmittelbar bei der Agentur für Arbeit gestellt werden, unter Vorlage des Feststellungsbescheids des Versorgungsamts und eines Schreibens des Arbeitgebers, dass er den behinderten Menschen einstellen bzw. weiterbeschäftigen würde, wenn er als schwerbehindert gleichgestellt wäre. Die Gleichstellung wird mit dem Tag der Antragstellung wirksam. Sie kann befristet werden. 

 

5. Steuerliche Vergünstigungenzum Inhaltsverzeichnis

Ab einem GdB von 50 erhalten Steuerpflichtige Steuerfreibeträge (Pauschbetrag), Näheres unter Behinderung > Steuervorteile, sowie unter Umständen Steuererleichterungen bei der Kraftfahrzeugsteuer.

 

6. Beschäftigung schwerbehinderter Menschenzum Inhaltsverzeichnis

6.1. Pflichtarbeitsplätze

Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet, wenigstens 5 % der Plätze an schwerbehinderte Menschen zu vergeben. Bei einer besonders schwierigen Eingliederung und bei behinderten Auszubildenden kann die Agentur für Arbeit auch 2 Pflichtarbeitsplätze anrechnen. Für jeden nicht mit einem schwerbehinderten Menschen besetzen Pflichtarbeitsplatz müssen Ausgleichsabgaben von bis zu 260 € monatlich und gegebenenfalls auch ein Bußgeld gezahlt werden. Für Arbeitgeber mit weniger als 60 Arbeitsplätzen gibt es Sonderregelungen. Zudem wird die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen durch Geldleistungen an den Arbeitgeber gefördert.

 

6.2. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Das BEM (§ 84 SGB IX) dient dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und ist ein Instrument der betrieblichen Prävention. Jeder Arbeitnehmer, der länger als 6 Wochen arbeitsunfähig war, kann mit der betrieblichen Interessenvertretung und/oder der Schwerbehindertenvertretung Möglichkeiten zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit, zur Vorbeugung erneuter Arbeitsunfähigkeit und zur Erhaltung des Arbeitsplatzes erarbeiten.

 

Ausblick: Das BTHG hat eine stärkere Personenzentrierung der Leistungen zur Beruflichen Reha für dauerhaft erwerbsgeminderte Menschen zum Ziel. Es sollen Alternativen für Werkstätten für Menschen mit Behinderung geschaffen werden, durch

  • Beschäftigung bei einem anderen Leistungsanbieter oder
  • Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit Unterstützung der Arbeitgeber durch das "Budget für Arbeit".

 

6.2.1. Praxistipps

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Die Leistungen werden von verschiedenen Trägern übernommen, meist von der Agentur für Arbeit, vom Rentenversicherungsträger oder der Berufsgenossenschaft. Erster Ansprechpartner ist oft das Integrationsamt oder der Integrationsfachdienst. Zudem können die Agentur für Arbeit oder der Behindertenbeauftragte bzw. die Personalverwaltung beim Arbeitgeber weiterhelfen.

 

8. Verwandte Links zum Inhaltsverzeichnis

Behinderung

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

 

Redakteurin: Andrea Nagl

 

 

Letzte Aktualisierung am 18.10.2017   Redakteur/in: Andrea Nagl

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