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Behinderung > Steuervorteile

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Durch Vorlage des Schwerbehindertenausweises oder des Bescheids über die Schwerbehinderung können behinderte Menschen oder ihre Eltern steuerliche Vergünstigungen beim Finanzamt erreichen. Möglich sind z.B. die Absetzung eines Pauschbetrags bis maximal 3.700 €, erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten oder außergewöhnlicher Belastungen wie Pflegekosten oder Kfz-Kosten.

 

2. Umfangzum Inhaltsverzeichnis

Zu den Steuervergünstigungen zählen:

  • Kinderfreibetrag für erwachsene Kinder mit Behinderung, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 und Abs. 6 EStG, alternativ zum Kindergeld)
  • erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten
  • Pauschbetrag für behinderte Menschen
  • außergewöhnliche Belastungen bei Pflegepersonen, Pflegepauschbetrag
  • außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten
  • bei Merkzeichen G oder aG: Tatsächliche Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar

 

Zudem kann es für schwerbehinderte Menschen Erleichterungen bei der Kraftfahrzeugsteuer, der Vermögenssteuer, der Erbschafts- und Schenkungssteuer, der Hundesteuer (blinde, gehörlose, hilflose Menschen) und der Umsatzsteuer geben.

 

2.1. Sonderausgaben

(§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG)

Als Sonderausgaben können für Dienstleistungen zur Betreuung eines zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Kindes unter 14 Jahren oder eines körperlich, geistig oder seelisch behinderten Kindes unter 25 Jahren, das seinen eigenen Unterhalt nicht bestreiten kann, zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 € je Kind, geltend gemacht werden. Dies gilt nicht für Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbeschäftigungen.

 

2.1.1. Praxistipp

Bei Teilnahme an Rehamaßnahmen können Eltern Kinderbetreuungskosten auch als ergänzende Leistung zu Rehabilitation erhalten.

 

2.2. Pauschbetrag für behinderte Menschen

Pauschbeträge für behinderte Menschen sind Freibeträge, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden (§ 33b EStG).

 

Der Freibetrag kann

  • auf der Lohnsteuerkarte eingetragen
    oder
  • im Jahresausgleich rückwirkend geltend gemacht werden.

 

Die Pauschbeträge erhalten

  • Behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50
  • Behinderte Menschen mit einem GdB von mindestens 25,
    • denen wegen der Behinderung nach gesetzlichen Vorschriften Renten oder andere laufende Bezüge zustehen,
      oder
    • wenn die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat bzw. auf einer typischen Berufskrankheit beruht.

 

2.2.1. Höhe

Grad der Behinderung (GdB)

Jährlicher Pauschbetrag €

25 und 30

310

35 und 40

430

45 und 50

570

55 und 60

720

65 und 70

890

75 und 80

1.060

85 und 90

1.230

95 und 100

1.420

Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB

3.700

 

Anmerkung zur Tabelle: Seit 1983 wird der Grad der Behinderung nur noch in Zehner-Schritten eingestuft. Das Finanzamt behält die alten Tabellen bei, weil auch behinderte Menschen mit alten Einstufungen in Fünfer-Schritten erfasst werden müssen.

 

Die Pauschbeträge werden stets in voller Höhe gewährt, auch wenn die Voraussetzungen nicht während des ganzen Kalenderjahres vorgelegen haben. Wird der GdB verringert oder erhöht, gilt für das jeweilige Kalenderjahr der Pauschbetrag nach dem höchsten GdB.

 

Beim Pauschbetrag sind Nachweise für die einzelnen Aufwendungen nicht nötig. Übersteigen allerdings die tatsächlichen, zwangsläufigen Mehraufwendungen in der privaten Lebensführung des behinderten Menschen die Pauschbeträge, ist es besser, auf den Pauschbetrag zu verzichten und die tatsächlichen Aufwendungen geltend zu machen. Diese müssen dann mit Belegen nachgewiesen werden.

 

2.2.2. Kinder

Bei behinderten Kindern ohne eigene Steuererklärung können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen.
Voraussetzung ist, dass sie für das Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten (§ 33b Abs. 5 EStG).

Der Pauschbetrag eines behinderten Kindes wird jeweils zur Hälfte auf beide Elternteile übertragen, außer die Eltern wünschen beide eine andere Aufteilung.

 

2.3. Außergewöhnliche Belastungen für Pflegepersonen

Wer einen hilflosen (Merkzeichen H), schwerbehinderten (Behinderung mit einem GdB von mindestens 50) oder pflegebedürftigen Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5 persönlich in seiner Wohnung oder in der des Pflegebedürftigen pflegt, kann entweder die tatsächlichen Kosten (sie sind nachzuweisen) oder einen Pflegepauschbetrag von 924 € jährlich absetzen. Die Kosten beziehungsweise der Pflegepauschbetrag gelten als außergewöhnliche Belastung und können zusätzlich zu den o.g. Pauschbeträgen geltend gemacht werden (§ 33b Abs. 6 EStG).

 

Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson für die Pflege keine Einnahmen erhält. Pflegegeld gilt nicht als Einnahme.

 

2.4. Fahrten zur Arbeit

Steuerpflichtige können für Fahrten zur Arbeit und für Familienheimfahrten eine Entfernungspauschale von 30 ct/km für die einfache Strecke ansetzen. Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können angesetzt werden, wenn sie den im Kalenderjahr insgesamt als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen.

 

Alternativ können behinderte Menschen die tatsächlichen Aufwendungen für diese Wege absetzen (§ 9 Abs. 2 Satz 3 EStG). Dies gilt bei

  • GdB 70 und höher
    oder
  • GdB mindestens 50 und die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt (Merkzeichen G oder Merkzeichen aG).

 

2.5. Außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten

Behinderte Menschen können behinderungsbedingte Fahrten (z.B. zum Arzt, zur Apotheke, zur Therapiebehandlung, zur Schule, zur Behörde) als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen:

  • GdB ab 80 oder Merkzeichen G mit einem GdB von 70
    Jährlicher Pauschbetrag von 900 € ohne Nachweis. Dies entspricht 3.000 km à  30 Cent. Höhere behinderungsbedingte Fahrtkosten müssen mit einem Fahrtenbuch nachgewiesen werden.
  • Merkzeichen aG, Merkzeichen Bl und Merkzeichen H
    Fahrten bis zu 15.000 km jährlich (à 30 ct/km = 4.500 €) können abgesetzt werden, sofern sie nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden (z.B. durch ein Fahrtenbuch).

 

Diese Beträge können auch bei Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, die nicht selbst behindert sind, sondern auf die der Pauschbetrag für behinderte Menschen übertragen wurde, und die den behinderten Menschen transportiert haben.

 

Besondere Vergünstigungen genießen behinderte Menschen auch bei der Kraftfahrzeugsteuer.

 

3. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Individuelle Auskünfte zu allen steuerlichen Vergünstigungen geben die zuständigen Finanzämter, speziell behinderte Menschen betreffend auch das Versorgungsamt. Für die Hundesteuer (Blindenhund) ist die jeweilige Gemeinde zuständig.

 

4. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Behinderung

Kraftfahrzeugsteuer

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Kinderbetreuungskosten

Behinderung > Berufsleben

 

 

Letzte Aktualisierung am 17.07.2017   Redakteur/in: Maria Kästle

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