Springe direkt zu: Inhalt, Suche.

betaCare

Beschäftigung in der finalen Lebensphase

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Beschäftigung ist in der letzte Lebensphase sehr wichtig. Angehörige und professionelle Helfer können dem Palliativpatienten auf verschiedenen Wegen unterstützen, damit er die letzte Lebensphase so angenehm wie möglich erleben kann. Die Angebote sollten sich jedoch immer nach den Wünschen und Vorlieben des Patienten richten und dem Alter, den Kräften und den geistigen Fähigkeiten entsprechen. Beschäftigungsalternativen können Ausflüge genauso sein wie Malen oder gemeinsam kochen und backen.

 

2. Allgemeineszum Inhaltsverzeichnis

Hilfreiche Beschäftigungsangebote richten sich besonders an die einzelnen Sinne und deren Erleben. Dies kann dem Palliativpatienten einerseits die Möglichkeit geben, sich mit seiner Erkrankung, den damit verbundenen Ängsten, Gefühlen, Erfahrungen und Hoffnungen auseinanderzusetzen.

Andererseits können sich Angehörige und Patienten ganz viel helfen, wenn sie für Ablenkung sorgen. Wenn der Kopf mit angenehmen Tätigkeiten oder Erinnerungen beschäftigt ist, bringt das enorme Lebensqualität, reduziert das Leid, lässt schwere Phasen vergessen bzw. in den Hintergrund treten.

 

3. Kreative Beschäftigungenzum Inhaltsverzeichnis

Alle zur Verfügung stehenden Ausdrucksmittel wie Bewegung, Musik, Malerei, Text, Spiel und Bastelei können eingesetzt werden. Nachfolgend einige Anregungen.

 

3.1. Malen

Viele Kinder (und auch manche Erwachsene) malen gern und können so ihre Umwelt gestaltend entdecken und begreifen. Das Malen der Kinder ist spontan und gefühlsnah. Kranke Kinder können durch das Einsetzen von verschiedenen Farben, Formen und Personen ihr inneres Erleben wiedergeben.

 

3.1.1. Mal-Tagebuch

Ein Angebot für ältere Kinder und Erwachsene: Der Patient kann sich jeden Tag Zeit nehmen, ein weißes Blatt des Mal-Tagebuchs zu gestalten. Skizzenbücher oder -blöcke sind erhältlich im Buchhandel sowie im Fachhandel für Bastel- oder Künstlerbedarf. Die Wahl der Farben sollte spontan je nach momentaner Stimmungslage erfolgen. So entsteht jeden Tag ein individuelles Bild und im Laufe der Zeit ein persönliches Bilderbuch: zum eigenen Erinnern und für die Angehörigen.

 

3.2. Schreiben

Manche Palliativpatienten haben das Bedürfnis zu schreiben. Dahinter können drei Beweggründe stehen:

  • Ungelöstes noch klären (etwas von der Seele schreiben).
  • Künstlerisches Ausdrücken von Gedanken.
  • Der Nachwelt etwas hinterlassen.

Ist es einem schwer kranken Menschen nicht möglich, mit einem Stift zu schreiben, so kann er seine Gedanken diktieren oder mit Computer schreiben.

 

3.3. Musik

Angenehme Klänge können gute Gefühle erzeugen und Erinnerungen wecken. Eine Möglichkeit ist, zusammen Schallplatten, Kassetten und CDs zu hören oder sogar ein Hauskonzert zu veranstalten, bei dem der Patient das Programm bestimmt. Zu einem Hauskonzert können Freunde eingeladen werden, die sonst vielleicht auch Scheu haben, einen Sterbenden zu besuchen.

 

4. Medien (lesen, fernsehen, Radio hören)zum Inhaltsverzeichnis

Familienangehörige, Freunde oder Ehrenamtliche können dem Patienten vorlesen, was er gerne hören möchte oder schon immer gerne gelesen hat, z.B.:

  • Geschichten
  • Gedichte
  • Romane
  • Zeitung und Zeitschriften

Für kleine Kinder eignen sich abgeschlossene Geschichten, da die Kinder immer wissen wollen, wie die Geschichte endet. Wenn es möglich ist, kann das Kind mit einbezogen werden, es kann die Seiten umblättern, auf Bilder zeigen oder die Geschichte mit eigenen Worten zusammenfassen.

Palliativpatienten sollte ermöglicht werden, geliebte, regelmäßig verfolgte Fernseh- oder Radiosendungen auch in der finalen Lebensphase hören bzw. sehen zu können. Bewusst ausgewählte Sendungen können den Patienten von Schmerzen ablenken, denn Langeweile und monotoner Lebensrhythmus können das Schmerzempfinden verstärken. Eine Dauerbeschallung des Patienten durch Fernseher und Radio sollte jedoch vermieden werden, da dies nicht anregt, sondern abstumpfend wirken kann.

Anregend können zudem Hörbücher sein: Es gibt sie im Buchhandel in einer großen Bandbreite von Kindermärchen bis zur Literaturlesung.

 

5. Kochen, backen und essenzum Inhaltsverzeichnis

Essen gehört zum Leben und solange der Patient will und kann, sollte er nach seinen Vorlieben zubereiten und genießen.

 

Viele Menschen haben ein Lieblingsgericht oder einen Lieblingskuchen. Es kann eine schöne Erfahrung sein, allein oder mit der Hilfe anderer diesen Kuchen noch einmal zu backen oder das Gericht zu kochen und dann gemeinsam zu essen. Angehörige oder Ehrenamtliche können in der Küche helfen.

Und wenn die Kraft bei einem Patienten nicht mehr ausreicht aktiv mitzuhelfen, dann können alleine die Geräusche und Gerüche aus der Küche schon sehr wohltuend sein und viele schöne Erinnerungen hervorrufen.

 

6. Spielenzum Inhaltsverzeichnis

Vor allem Kinder brauchen Zeit zum Spielen. Spielen ist elementarer Teil der Entwicklung und Ausdrucksmöglichkeit. Diese "Normalität" sollte dem Kind so lange wie möglich angeboten werden. Spielen ist eine gute Möglichkeit, mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen. Es kann auch dazu dienen, dass sich die Kinder nach anstrengenden Aktivitäten oder Therapien entspannen oder Ablenkung finden. Eltern, Geschwister oder Ehrenamtliche können Kinder zum Spielen ermutigen. Auch Rückzugsmöglichkeiten, wo Kinder allein spielen können, sind wichtig.

Als Beschäftigung für Erwachsene eignen sich vor allem Brett- und Kartenspiele. Kreuzwort- und Zahlenrätsel sowie Denksportaufgaben regen an und lenken ab.

 

7. Ausflügezum Inhaltsverzeichnis

Schwer kranke Menschen, die mit der Gewissheit leben, bald sterben zu müssen, haben zumeist den Wunsch, noch etwas zu unternehmen. Dies kann z.B. ein letzter Ausflug zu einem Lieblingsort, zu einem Ort der Kindheit oder einer beliebten Sehenswürdigkeit sein, oder einfach nur der Aufenthalt draußen in der Natur ("raus aus dem Krankenzimmer"). Wenn es von der körperlichen Verfassung irgendwie geht, sollte man diese Wünsche erfüllen. Abhängig vom gewünschten Ziel und der körperlichen Verfassung des Patienten ist die Art der Fortbewegung, z.B.:

  • Spaziergang allein, mit Angehörigen, Nachbarn/Mitbewohnern oder professionellen Helfern.
  • Spazierfahrt im Rollstuhl.
  • Spazierfahrt mit dem Auto.
  • Ausflüge können unter Umständen mit Hilfe von Transportdiensten (Fahrdienste) und Ehrenamtlichen organisiert werden.

 

8. Phantasiereisezum Inhaltsverzeichnis

Viele Palliativpatienten können das Bett nicht mehr verlassen. Dann kann eine Phantasiereise Abwechslung bringen. Mit Hilfe eines Textes werden die Vorstellungskraft, die Gedanken und die Gefühle des Patienten angeregt, um so Neues zu erleben oder bereits Erlebtes phantasievoll neu zu beleben. Je nach Zustand des Patienten kann dies entspannend oder anregend wirken. Texte für Phantasiereisen kann man selbst erfinden. Der Buchhandel bietet zudem eine große Auswahl an Phantasiereisen in Buchformat oder auf CD.

 

9. Snoezelenzum Inhaltsverzeichnis

Snoezelen ist ein Kunstwort aus dem Niederländischen und wurde aus snuffelen (riechen, Schnüffeln) und doezelen (ruhen, dösen) gebildet. Es ist eine Form der Tiefenentspannung und ein Angebot für kranke Menschen, bei dem sie ruhig werden und zu sich selbst finden können. In ruhiger und stimmungsvoller Umgebung sollen Sinneswahrnehmungen ermöglicht werden. Der Patient begibt sich auf eine Entdeckungsreise, die seine Sinne stimuliert.

Snoezelenräume sind zumeist in Kinderhospizen und vereinzelt in stationären Hospizen zu finden. Die Räume sind eigens dafür gestaltet: mit ruhiger Musik, gedämpftem Licht, Duftlampen, einer großen Liegefläche (auch Wasserbett) und schöner Dekoration mit Seidentüchern oder Naturmaterialien.

 

10. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Palliativversorgung

Palliativpflege

Sterbebegleitung.

 

 

Letzte Aktualisierung am 14.03.2016   Redakteur/in: Sabine Bayer

Bewerten Sie die obigen Informationen (Schulnoten-System) 

1 (sehr gut) 6 (ungenügend)