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Brustkrebs > Lymphödem

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Nach einer Brustkrebsoperation kann es zu einem Lymphödem des Armes kommen. Bereits kurz nach der OP sollten deshalb individuelle Therapien ansetzen, damit der Arm funktionsfähig bleibt. Bei einem ausgeprägten Lymphödem ist dauerhaft eine Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) nötig, die aus Lymphdrainage, Kompression und Übungen besteht.

 

2. Grundsätzlicheszum Inhaltsverzeichnis

Lymphödeme können schmerzen und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen - dies ist aber, von verschwindend wenigen Ausnahmen abgesehen, nur der Fall, wenn das Ödem nicht kontinuierlich und richtig behandelt wird. Lymphexperten beklagen allerdings, dass bei Ärzten und Therapeuten oft das Spezialwissen für die richtige Therapie fehlt. Wenn sich ein Lymphödem nach längerer Behandlung nicht bessert oder wenn ein Arzt keine Behandlung verschreiben möchte, sollten Betroffene um die Überweisung zu einem Spezialisten bitten.

Hinzu kommt, dass es oft schwierig ist, dass Krankenkassen den vollen Umfang der notwendigen Therapiemaßnahmen und Hilfsmitteln (Kompressionsstrümpfe) übernehmen.

 

3. Ursache und Folgenzum Inhaltsverzeichnis

Ein Lymphödem ist ein Stau von Lymphflüssigkeit. Das Lymphsystem ist ein über den ganzen Körper verteiltes System von Kanälen und Lymphknoten, das Lymphflüssigkeit, aber auch Erreger, Eiweiß und Stoffwechselreste von außen (Hände, Füße) nach innen transportiert. Das Lymphgefäßsystem ist so wichtig wie die Blutadern. Es mündet in der Nähe des Herzens in das Venensystem.

Bei einer Brustkrebsoperation können, je nach Befund einer oder mehrere, unter Umständen auch alle, Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden. Lymphknoten sind zentrale "Kreuzungen" im Lymphsystem. Wenn sie nicht mehr vorhanden sind, kommt der Abtransport der Lymphe in den Bereichen vor dieser Kreuzung ins Stocken. Nach Brustkrebsoperationen sind also die Arme betroffen. Die Lymphe staut sich, der Arm schwillt an. Weil es sich hier um eine Folge der Operation handelt, spricht man von einem "sekundären" Lymphödem.

Anfangs ist die Schwellung blass und weich. Ein Fingerdruck tut nicht weh, hinterlässt aber eine Delle. Der Arm fühlt sich oft schwer an, die Beweglichkeit wird im Verlauf immer mehr eingeschränkt. Im fortgeschrittenen Stadium wird die Schwellung immer dicker, das Gewebe infolge von Ablagerungen immer härter, und die Patientin bekommt Schmerzen. Zudem erhöht sich die Gefahr von Entzündungen selbst bei kleinen Verletzungen.

Als Komplikation im Zusammenhang mit einem Lymphödem kommt es relativ häufig zu einem Erysipel, zu deutsch: Wundrose. Die Wundrose ist eine Hautentzündung, die durch Bakterien verursacht wird und meist den Lymphstau verschlimmert. Erkennungszeichen ist eine scharf begrenzte Rötung, die sich rings um den Entzündungsherd ausbreitet. Wenn Patientinnen mit Lymphödem Veränderungen bemerken, z.B. Verhärtungen oder Rötungen, sollten sie immer sofort einen Arzt aufsuchen.

 

4. KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapiezum Inhaltsverzeichnis

Lymphödeme sind meist nicht endgültig heilbar, deshalb ist eine ständige Therapie notwendig, um möglichst wenige Beeinträchtigungen zu erleben. Mit den richtigen Therapien und Verhaltensweisen können Patientinnen aber fast immer ein beschwerdefreies Leben führen.

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) ist die erfolgreichste Therapie bei vielen Lymphödemen.  "Komplex" deutet an, dass die Therapie aus mehreren Bausteinen besteht. Bei schwach ausgebildeten Lymphödemen können auch nur einzelne Bausteine ausreichenden Erfolg bringen. Wenn aber eine KPE angezeigt ist, muss sie mit allen ihren Teilen konsequent und langfristig umgesetzt werden, weil die verschiedenen Bausteine sich gegenseitig unterstützen. Wenn ein Teil vernachlässigt wird, verlieren auch alle anderen Teile erheblich an Wirkung.

 

Die KPE besteht aus zwei Phasen:

  1. Initialphase (Anschubphase, Entstauungsphase): Findet in der Regel in einer Spezialklinik statt, dauert 3 Wochen und sorgt dafür, dass die akuten Beschwerden gelindert sind und die Schwellungen deutlich reduziert sind. Die Initialphase wird bei Bedarf jährlich wiederholt.
  2. Die Erhaltungsphase folgt in unmittelbarem Anschluss und läuft dann beständig. Die Zahl der Therapietermine wird dabei laufend dem Bedarf angepasst.

 

Die KPE hat vier Bausteine. Die Bausteine werden in beiden Phasen angewandt:

  1. Manuelle Lymphdrainage
  2. Kompression
  3. Bewegungsübungen in Kompression
  4. Hautpflege

 

4.1. MLD: Manuelle Lymphdrainage

Die MLD ist eine Massage mit schonenden kreisenden Bewegungen, die das Lymphsystem stimuliert, mehr Lymphe abzutransportieren. Damit reduziert sich die Schwellung. Ausgeführt wird die MLD von Masseuren oder Krankengymnasten (Physiotherapeuten), die dafür ein spezielle Fortbildung brauchen.

Lymphdrainage zählt zu den Heilmitteln, Näheres siehe Heilmittel.

 

4.2. Kompression

"Kompression" heißt Druck. Er wird aufgebaut, damit im Gewebe kein Platz ist, um zu viel Lymphflüssigkeit einzulagern. Bei Bewegung unterstützt die Kompression den Abtransport von Lymphflüssigkeit. Eingesetzt werden dafür entweder ein lymphologischer Kompressionsverband (Kompressionsbandage) oder Kompressionsstrümpfe.

Lymphologische Kompressionsverbände werden vor allem in Phase 1 eingesetzt. Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) sind dagegen eine Dauermaßnahme. Sie sollten täglich und so viel wie möglich getragen werden. Patientinnen brauchen deshalb je Arm 2 Sätze, damit sie wechseln können. Spätestens alle 6 Monate sollten neue Strümpfe verordnet werden, weil diese sonst ausleiern und nicht mehr richtig wirken. Ein MKS darf nicht mit einem "MTS" verwechselt werden, einem Medizinischen Thromboseprophylaxestrumpf, auch Stützstrumpf genannt. Ein MTS beugt Thrombosen vor, wird meist im Liegen getragen und übt wenig Druck auf das Gewebe aus.

Bei Medizinischen Kompressionsstrümpfen gibt es zwei Arten: rund gestrickte und flach gestrickte. Bei Lymphödemen ist immer ein flachgestrickter MKS nötig. Er ist an seiner Naht erkennbar und wird nach Maß angefertigt. Angepasst wird er von speziell geschulten Kräften in Sanitätshäusern. Ein rundgestrickter MKS ist bei Lymphödemen ungeeignet, weil er an Wulststellen einschneiden kann, was den Lymphstau verstärken würde.

 

4.2.1. Zuzahlung

Für Hilfsmittel zur Kompressionstherapie gibt es in der Krankenversicherung Festbeträge. Die Krankenkasse erstattet Kosten nur bis zu einem bestimmten Betrag (= Festbetrag). Wird ein Hilfsmittel ausgewählt, das über dem Festbetrag liegt, muss die Versicherte den Differenzbetrag selbst übernehmen (Eigenanteil). Die Zuzahlung richtet sich nur nach der Höhe des Festbetrags. In der Regel wird die Patientin also dann Eigenanteil plus Zuzahlung leisten.

Näheres siehe Hilfsmittel.

Bei der Erstverordnung eines Kompressionsstrumpfs ist aus hygienischen Gründen ein zweiter enthalten. So kann die Patientin einen tragen und den anderen waschen. 

 

4.3. Bewegungsübungen

Spezielle Gymnastik und Bewegung fördern den Abtransport der Lymphe und reduzieren das Ödem, wenn dabei gleichzeitig der MKS getragen wird. Günstig sind "ruhige" Sportarten wie Spazierengehen, Wandern (nicht Bergsteigen), Radfahren, Schwimmen. Ruckartige Bewegungen, Verletzungsrisiken und Überanstrengung sollten gemieden werden.

In der Regel werden der Patientin schon im Krankenhaus physiotherapeutische Übungen gezeigt, damit der Arm auf Dauer funktionsfähig bleibt. Es ist wichtig, diese Übungen auch zu Hause täglich konsequent auszuführen. Wenn die Patientin die Übungen nicht alleine durchführen kann, verschreibt der behandelnde Arzt ambulante Krankengymnastik. In Ruhe sollten, soweit möglich, der oder die betroffenen Arme hochgelagert werden.

 

4.4. Hautpflege und -schutz

Bei einem Lymphödem ist es wichtig, täglich die Haut zu begutachten und sorgfältig zu pflegen. Schon kleine Risse oder Verletzungen können Infektionen verursachen, die nur schwer abheilen, weil infolge des gestörten Lymphflusses Erreger sich schnell ausbreiten, Stoffwechselreste dagegen nur ungenügend abtransportiert werden.

Zu achten ist insbesondere auf die Hände: Bei jeglicher Haus-, Garten- und Handwerksarbeit sollten schützende Handschuhe getragen werden. Die Fingernägel sind sorgfältig und vorsichtig zu pflegen. Parfümierte Wasch- und Pflegeprodukte können die Haut reizen. Zu bevorzugen sind ph-neutrale Produkte. Wenn Kompressionsbandagen oder -strümpfe getragen werden, ist die Feuchtigkeitspflege für die Haut wichtig.

 

5. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Brustkrebs

Heilmittel

Hilfsmittel

Brustkrebs > Familie

Brustkrebs > Brustprothesen und Spezial-BHs

 

 

Letzte Aktualisierung am 21.01.2011   Redakteur/in: Andrea Nagl

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