Chronische Schmerzen > Behandlung und Rehabilitation
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1. Das Wichtigste in Kürze
Chronische Schmerzen entstehen aus verschiedenen Gründen, sie sind von verschiedenen Faktoren abhängig und entwickeln sich verschieden. Es gibt keine Therapie, die allen Patienten hilft, aber fast allen Patienten kann geholfen werden. In der Regel besteht die Therapie aus mehreren Bausteinen, z.B.
- Medikamente
- Physikalische Therapie, z.B. Bewegungstherapie, Funktionstraining
- Akupunktur
- Psychologische Behandlung, Strategien zur Schmerz- und Stressbewältigung
- Entspannung
- Invasive Behandlungen
2. Behandlungsmöglichkeiten
Wenn die Behandlung chronischer Schmerzen sich komplex aus mehreren Bausteinen zusammensetzt, sprechen Schmerztherapeuten von "multimodaler Therapie" oder "spezieller Schmerztherapie". Der Einstieg in die Therapie kann ganz oder teilweise in einer Klinik erfolgen, wo der Patient gründlich untersucht wird und verschiedene Therapiebausteine ausgetestet und optimiert werden. Wenn eine multimodale Therapie läuft, wird in der Regel alle 6 Monate überprüft, ob die Therapie noch angemessen ist.
2.1. Eigenverantwortung
Wie auch immer der persönliche Therapiebaukasten zusammengesetzt ist, wichtig ist, die Therapievorgaben auch wirklich zu befolgen. Patienten können durch ihr Verhalten entscheidend dazu beitragen, dass die Schmerzen weniger und die Lebensqualität besser wird. Eigeninitiative und Selbstmanagement sind hier von entscheidender Bedeutung. "Schonen und leiden“ ist ein Weg, der in den meisten Fällen die Schmerzerkrankung verschlimmert.
Zum Selbstmanagement gehört auch die Information über die Erkrankung. Wenn die Patienten geistig dazu in der Lage sind, sollten sie sich über ihre Form der Schmerzen informieren und die Therapiebausteine, die sie betreffen, in der Wirkung und im Zusammenwirken verstehen. Das heißt aber nicht, dass sich das ganze Leben nur noch um den Schmerz dreht - im Gegenteil: Auch Ablenkung durch Aktivität ist eine wichtige Verhaltensstrategie gegen den Schmerz.
2.2. Medikamente
Da Schmerzen verschiedene Ursachen haben, werden auch verschiedene Medikamenttypen angewandt, zum Teil auch mehrere in Kombination. Über die medikamentöse Therapie entscheidet allein der Arzt. Insbesondere achtet er auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verschiedener Medikamente.
Folgende Medikamenttypen werden häufig in der Schmerztherapie eingesetzt:
- Einfache Schmerzmittel
- Schmerz- und Entzündungshemmer
Wirken am Entstehungsort des Schmerzes, beeinflussen zum Teil aber auch die Weiterleitung und Verarbeitung der Schmerzimpulse. - Opioide
Wirken stärker als die vorherigen Gruppen, weil sie direkt an den Schaltstellen des Nervensystems andocken und so die Schmerzwahrnehmung verhindern.
Für Opioide gibt es spezielle Vorschriften, z.B. wenn man Auto fährt oder ins Ausland reist, näheres unter Autofahren bei Schmerzmitteleinnahme und Reisen bei Schmerzmittelanwendung.
Viele Opioide haben Nebenwirkungen, z.B. Übelkeit oder Verstopfung, gegen die dann zusätzlich Medikamente eingenommen werden müssen. - Pflanzliche Arzneimittel
Ergänzen meist andere Schmerzmittel, so dass teilweise die Dosis gesenkt werden kann, teilweise Nebenwirkungen gelindert werden. - Antidepressiva
Beeinflussen die Schmerzverarbeitung. - Krampflösende Medikamente (Antikonvulsiva)
Kommen aus der Epilepsiebehandlung und können Nervenschmerzen beeinflussen.
Bei der medikamentösen Therapie der meisten chronischen Schmerzen ist wichtig, die Medikamente genau nach dem vorgegebenen Schema einzunehmen. Es wird nicht gewartet, bis der Schmerz kommt, sondern der Patient sollte im Idealfall ständig schmerzfrei sein. Andernfalls kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Näheres unter Chronische Schmerzen > Opioidanwendung.
Medikamente bilden oft die Basis, damit ein Patient andere Behandlungsbausteine, z.B. Bewegungs- und Verhaltenstherapie, überhaupt umsetzen kann.
2.3. Physikalische Therapie
Zur physikalischen Therapie zählen:
- Bewegungstherapie
- Sport- und Ergotherapie
- Massage
- Wasseranwendungen
- Wärme- und/oder Kältebehandlungen
- Elektrotherapie (transkutane elektrische Nervenstimulation - TENS) und Ultraschall
Ob Wärme oder Kälte, Krankengymnastik oder Kraftsport, Massage oder Wasser, Strom oder Ultraschall - es kommt immer auf den individuellen Schmerz an. Verallgemeinernd kann man sagen, dass es häufig darum geht, Verspannungen abzubauen, Muskelfunktionen zu erhalten oder neu aufzubauen, den Körper (und mittelbar auch das seelische Gleichgewicht) zu stärken.
Inzwischen ist auch allgemein anerkannte Meinung, dass Bewegung dazu führt, dass der Körper Endorphine ausschüttet, die Schmerzen lindern. Näheres unter Chronische Schmerzen > Freizeit Sport Urlaub.
2.4. Akupunktur
Akupunktur kann Schmerzen lindern. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder des Knies. Näheres unter Akupunktur bei chronischem Schmerz.
2.5. Psychologische Behandlung
Bei chronischen Schmerzen spielen häufig psychosoziale Faktoren eine Rolle, deshalb sind entsprechende Behandlungsansätze unverzichtbar. Allerdings haben viele Patienten Vorbehalte gegen Psychotherapeuten - "leider", muss man hier sagen. Denn chronische Schmerzen beeinträchtigen immer auch die Psyche und führen nicht selten zu Depressionen.
Umgekehrt können ein richtiges Verhalten und ein angemessener Umfang mit der Erkrankung die Schmerzen lindern. Es gibt sehr viele psychologische Therapien. Bei chronischen Schmerzen wird in der Regel ein (kognitiv-)verhaltenstherapeutischer Ansatz gewählt. Auf verschiedenen Wegen, z.B. Patientenschulung oder Therapie, wird versucht, dass der Patient Verhaltensweisen ändert, die z.B. den Schmerz verstärken.
Näheres zur Verordnung und Kostenunternahme unter Psychotherapie.
2.6. Entspannung
Entspannungsmethoden werden sowohl in der physikalischen als in der psychologischen Behandlung eingesetzt. Viele Methoden können Patienten selbst erlernen und dann (Eigeninitiative!) selbst gezielt nutzen. Sie reduzieren Verspannungen und Stress, wirken also auf Körper und Seele gleichermaßen und können den Schmerz reduzieren.
Bei Schmerztherapien werden oft folgende Methoden eingesetzt:
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
Gezieltes Anspannen und entspannen einzelner Muskelgruppen. - Autogenes Training
Der Patient stellt sich etwas vor ("Ich fühle mich ganz warm.") und der Körper folgt der Vorstellung. - Biofeedback-Verfahren
Bestimmte Körperzustände, z.B. Spannung, werden in Signale übersetzt und dann lernen die Patienten, diese Signale (also ihren Körperzustand) zu beeinflussen.
Eingesetzt werden zum Teil auch Hypnose, Imaginationstechniken und Meditationstechniken. Mit diesen Methoden gehen Patienten "auf Abstand" zu ihren Schmerzen.
2.7. Invasive Behandlungen
Bei chronischen Schmerzen werden zum Teil auch invasive (= eingreifende) Verfahren eingesetzt. Dazu zählen z.B.
- Spritzentherapien
Örtliche Betäubungsmittel werden z.B. bei chronischen Rückenschmerzen gespritzt. Das lindert nicht nur den Schmerz, sondern fördert auch die Entspannung oder reduziert - wenn Entzündungshemmer mit gespritzt werden - ggf. Entzündungen. - Nervenstimulation
Beim Rückenmark werden Elektroden angebracht, die mit einem Nervenschrittmacher verbunden sind, der ähnlich einem Herzschrittmacher regelmäßig Impulse aussendet. Auf Signal hemmen die Elektroden die Weiterleitung von Schmerzreizen. - Schmerzmittelpumpe
Wird nur bei sehr starken Schmerzen eingesetzt und ermöglicht die Gabe von Schmerzmitteln direkt in den Epiduralraum (Bereich um das Rückenmark).
3. Weitere Aspekte der Behandlung
4. Betäubungsmittel
Betäubungsmittelanforderungsscheine
Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung
5. Medizinische Rehabilitation
Bei Chronischen Schmerzen können medizinische Reha-Leistungen Teil des Behandlungskonzepts sein. Die nachfolgenden Links führen zu den sozialrechtlichen Bestimmungen rund um Medizinische Reha, die bei Chronischen Schmerzen infrage kommen können.
Allgemeines zu Leistungen der medizinischen Rehabilitation
Ambulante medizinische Rehabilitation
Stationäre medizinische Rehabilitation (Kur)
Stufenweise Wiedereingliederung
Medizinische Rehabilitation für Mütter und Väter (Mutter-Kind-Kur)
Begleitperson bei stationärer Rehabilitation
Reha-Sport und Funktionstraining
Ergänzende Leistungen zur Reha, insbesondere Patientenschulungen
6. Verwandte Links
Chronische Schmerzen > Freizeit Sport Urlaub
Chronische Schmerzen > Opioidanwendung
Chronische Schmerzen > Verhaltenstipps
Letzte Aktualisierung am 15.06.2011 Redakteur/in: Sabine Bayer
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