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Demenz > Ernährung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Demenzpatienten haben wegen ihrer motorischen Unruhe oft einen überdurchschnittlichen Kalorien- und Flüssigkeitsbedarf, sind aber nicht in der Lage für die eigene Ernährung zu sorgen. Es ist wichtig, die täglichen Mahlzeiten als angenehme Erlebnisse für den Patienten zu gestalten. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es häufig zu weiteren Problemen, z.B. verändertes Geschmacksempfinden, Verlernen des Umgangs mit dem Besteck oder Schluckprobleme.

 

2. Allgemeines zur Ernährung im Alterzum Inhaltsverzeichnis

Grundsätzlich sinkt der Energieverbrauch im Alter. Hungergefühl und Appetit nehmen bei den meisten Menschen ab, dadurch vergessen einige zu essen. Dagegen bleibt der Vitamin- und Mineralstoffbedarf unverändert. Durch Medikamenteinnahmen und mangelnde Flüssigkeitszufuhr kann sich der Speichelfluss verringern, was sich eventuell auf das Geschmacksempfinden und die Schluckfähigkeit auswirkt. Auch der Geruchssinn nimmt häufig ab, was ebenfalls den Appetit nicht fördert.

 

2.1. Trinken im Alter

Mangelnde Flüssigkeitszufuhr ist ein häufiges Problem im Alter. Viele Senioren vergessen schlicht zu trinken, andere trinken zu wenig, damit sie nicht zu oft auf die Toilette müssen. Bei einigen kommen Inkontinenzprobleme dazu und sie meinen, das verhindern zu können, indem sie (zu) wenig trinken. Sie haben Angst, es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen.

Flüssigkeitsmangel kann verschiedene Symptome und Krankheiten wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Lethargie und zu niedrigen Blutdruck hervorrufen. Eine unzureichende Flüssigkeitsversorgung kann auch Verwirrtheitszustände bedingen und die Symptome bei Demenzpatienten deutlich verstärken.

 

2.2. Essen im Alter

Ein schlechter Zustand der Zähne bzw. ein schlecht sitzendes Gebiss können sich auf das Essverhalten auswirken. Nahrung kann nicht mehr ausreichend zerkleinert und gekaut werden. Salate sollten deshalb fein geschnitten, Obst evtl. püriert und Fleisch weich geschmort werden, um ausreichendes Kauen zu ermöglichen.

Für viele ältere Menschen ist es leichter mehrmals am Tag kleine Zwischenmahlzeiten einzunehmen als mit den 3 Hauptmahlzeiten genug Kalorien aufzunehmen.

Die Sehkraft lässt im Alter oft sehr nach, das Erkennen der Speisen wird schwerer. Dies mindert zusätzlich den Appetit. Durch gezielte Auswahl der Speisen (z.B. buntes Gemüse neben Kartoffelbrei) kann das Erkennen der Speisen und damit der Appetit gefördert werden.

 

2.3. Verdauungsprobleme und Verstopfung

Weit verbreitet sind Verdauungsprobleme bis Verstopfung im Alter. Gründe dafür sind unter anderem zu wenig Bewegung und mangelnde Flüssigkeitszufuhr. Deshalb ist für ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffreiche Ernährung zu sorgen.

 

3. Besonderheiten bei Demenzpatientenzum Inhaltsverzeichnis

Bei Demenzpatienten ist durch motorische Unruhe, Umherlaufen und Stress der Kalorienverbrauch höher. Umso schwerwiegender ist das häufige Problem, dass die Patienten infolge eines veränderten Hunger- oder Durstgefühls zu wenig essen und vor allem zu wenig trinken. Verstärkt wird dies dadurch, dass die Betroffenen sich nicht zuverlässig erinnern können, wann sie wie viel gegessen bzw. getrunken haben. Werden sie nun ständig von Angehörigen zum Essen oder Trinken aufgefordert, fühlen sie sich häufig bevormundet und weisen die Ratschläge zurück. Über rationale Argumente sind Demenzpatienten meist nicht mehr erreichbar.

 

Deshalb ist es hilfreich, dass die Betroffenen das Essen oder Trinken mit möglichst vielen Sinnen wahrnehmen können. Dazu gehören zum einen eine angenehme Atmosphäre, aber auch, dass Speisen und Getränke ansprechend dargereicht werden und auch angenehm riechen. Meist ist es hilfreich zu versuchen, dem Patienten das Essen und Trinken immer wieder schmackhaft zu machen ohne es zu "verordnen".

 

Bei wenigen Demenzpatienten ist aber auch ein schier unbegrenztes Bedürfnis nach Essen ein Problem. Hier können Maßnahmen zur Beschäftigung und Ablenkung helfen.

 

4. Geschmacksempfindenzum Inhaltsverzeichnis

Die Geschmacksempfindungen verändern sich, oft werden süße Speisen bevorzugt. Speisen werden im weiteren Krankheitsverlauf als bitter empfunden und deshalb abgelehnt.

 

5. Umgang mit dem Besteckzum Inhaltsverzeichnis

Im fortschreitenden Stadium wissen Demenzpatienten zum Teil nicht mehr, wie man mit dem Besteck umgeht und wie man Essen kaut und schluckt. Hier kann es hilfreich sein, dass sie, ob in der häuslichen Umgebung oder im stationären Bereich, gemeinsam mit Angehörigen bzw. Pflegepersonal an einem Essenstisch sitzen und gemeinsame Mahlzeiten einnehmen. Dabei können sie von den anderen abschauen, was diese mit der Gabel tun, und das nachahmen.

Wenn sie das Essen nicht mit dem Besteck aufnehmen können, weil sie dadurch überfordert sind, dann sollte man ein Essen mit den Händen zulassen.

Einige Demenzpatienten sind so unruhig, dass es ihnen nicht gelingt, länger als einige Minuten am Stück am Tisch zu sitzen. Sie müssen aufstehen und umhergehen und in mehreren Etappen essen.

Grundsätzlich sollte das Essen nicht zu heiß auf den Tisch kommen, damit es nicht zu Verbrennungen kommen kann.

 

6. Flüssigkeitszufuhrzum Inhaltsverzeichnis

Unbedingt notwendig bei Demenzpatienten ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da sich die Verwirrtheitszustände sonst weiter verschlechtern.

Deshalb sollten Getränke regelmäßig angeboten werden: von morgens nach dem Aufstehen bis zum Zubettgehen. Angehörige und Pfleger sollten herausfinden, was der Patient bevorzugt, möglicherweise haben sich Vorlieben verändert. Falls das Essen schon schwierig ist, können auch Joghurt-Milch-Wasser-Mixgetränke mit püriertem Obst gegeben werden, die neben der Flüssigkeit auch einen höheren Nährwert haben.

 

7. Schluckproblemezum Inhaltsverzeichnis

Die Beeinträchtigung des Schluckreflexes ist ein Symptom der fortschreitenden Demenz. Anzeichen für Schluckstörungen sind Husten, Räuspern, Würgen, häufiges Verschlucken während des Essens und das Zurückbehalten von Essensresten.

Der Schluckvorgang kann durch eine aufrechte Sitzposition unterstützt werden. Wenn möglich, sollten auch bettlägerige Patienten zum Essen aufgesetzt werden. Trinken die Kranken wegen Schluckstörungen zu wenig, kann durch das Andicken von Flüssigkeiten das Trinken erleichtert werden.

 

8. Mangelernährungzum Inhaltsverzeichnis

Grundsätzlich sollte bei einem Menschen, der unter- bzw. mangelernährt ist, nach den möglichen Ursachen gesucht werden. Medikamente, Schmerzen oder andere Erkrankungen, z.B. Magen-Darm-Erkrankungen, können sich auf den Appetit auswirken.

Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium können oft keine Hinweise mehr auf ihr Befinden geben, deswegen sind Beobachtungen durch Angehörige bzw. Pflegepersonal und regelmäßige Routineuntersuchungen von ärztlicher Seite notwendig.

 

8.1. Versorgung mit einer Magensonde (PEG)

Sollte es trotz aller Bemühungen nicht gelingen, den Patienten zum Essen und Trinken zu bewegen, kann das Legen einer Magensonde eine lebenserhaltende Maßnahme sein, insbesondere dann, wenn eine Schluckstörung die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme unmöglich macht. Unter Umständen kann die Sonde nach Überwindung eines kritischen Zustands auch wieder entfernt werden. Die Magensonde ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Patienten und bedarf der Zustimmung des Patienten bzw. seines gesetzlichen Vertreters.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Demenz

Demenz > Allgemeines

Demenz > Familie

Demenz > Pflege zu Hause

Demenz > Wohnen

 

 

Letzte Aktualisierung am 12.08.2011   Redakteur/in: Sabine Bayer

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