Demenz > Wohnen
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1. Das Wichtigste in Kürze
In der Wohnung von Demenz-Erkrankten sollte möglichst wenig verändert werden. Sie sollte dem gesteigerten Bewegungsdrang der Patienten angepasst sein und weder gefährliche noch angsterregende Elemente enthalten. In immer mehr Städten gibt es betreute Wohngruppen speziell für Menschen mit Demenz.
2. Keine Veränderungen
Die meisten Demenzkranken leben zu Hause und werden dort von ihren Angehörigen betreut. Demenziell erkrankte Menschen sind in ihrer Alltagskompetenz weitgehend eingeschränkt und die fortschreitende Demenz geht oft mit einer räumlichen Orientierungslosigkeit einher. Die eigene Wohnung dient als Gedächtnisstütze und als Orientierungspunkt, deshalb ist es sinnvoll, das häusliche Umfeld des Patienten so weit wie möglich zu belassen. Veränderungen innerhalb der Wohnung oder Umstellen von Möbeln verstärken die Orientierungslosigkeit. In allen Wohn- und Lebensbereichen können zusätzlich Orientierungspunkte durch Beleuchtung, Farbe und Einrichtungsgegenstände geschaffen werden, die dem Demenzkranken helfen, sich besser zurechtzufinden und die einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Wohnung gewährleisten.
Zur Förderung des selbstständigen Wohnens allein lebender Demenz-Patienten gibt es ein mit Bundesmitteln gefördertes Projekt der Deutschen Alzheimergesellschaft. Näheres unter
www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=157.
Beim Umzug in eine Wohngemeinschaft oder ein Heim sollten möglich viele vertraute Möbel und Einrichtungsgegenstände mitgenommen werden.
3. Wahrnehmungsstörungen
Schwellen, Stufen, Glastüren und Fenster können eine Gefahrenquelle darstellen, da sie nicht mehr wahrgenommen werden können. Gemusterte Tapeten, Stoffe, Teppische oder Bodenbeläge können verunsichern oder Angst auslösen. Spiegelnde, dunkle Bodenbeläge werden als Löcher oder Hindernisse wahrgenommen und können den Demenzpatienten unnötig verunsichern. Spiegel können den Patienten erschrecken, da er sich nicht selbst erkennt. Schatten können Angst auslösen.
Es gilt, die Angstauslöser des jeweiligen Patienten herauszufinden und zu reduzieren. Klare Einrichtung, gut ausgeleuchtete Räume und das Abhängen von Spiegeln können helfen.
4. Gefahren aussschalten
Haben die Patienten einen großen Bewegungsdrang und gehen viel hin und her, dann ist es sinnvoll, die räumlichen Gefahren auszuschalten, z.B.: Stolperfallen (Teppiche, Stromkabel, Schwellen) entfernen und für ausreichende Beleuchtung sorgen.
Werkzeuge oder Gegenstände, von denen eine Verletzungsgefahr ausgeht, sollten aus der Wohnung entfernt werden.
5. Technische Hilfsmittel und Wohnumfeldverbesserung
Technische Hilfsmittel können den Alltag sicherer machen, z.B.: Herdüberwachung, Weglaufmelder, Türalarmmelder, Wasserstandsmelder, Überlaufschutz, bewegungsgesteuerte Lichtschalter, Tablettendosen mit Timer, Großtastentelefon mit Bildern, Zeitschaltuhren, Einbau von Rauchmeldern. Zum Teil übernehmen die Krankenkassen oder die Pflegekassen die Kosten.
Detaillierte Informationen bietet die Deutsche Alzheimergesellschaft unter
www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=27.
Wohnumfeldverbesserung ist eine Fördermöglichkeit der Pflegekasse für Menschen, deren Pflegebedürftigkeit bereits anerkannt ist. Die Kasse kann unter bestimmten Voraussetzungen Umbauten und Ergänzungen in der Wohnung bezuschussen, die die Pflege erleichtern, eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen oder die Aufnahme in ein Heim verhindern oder hinauszögern.
Details zur Zuschusshöhe, zu den Voraussetzungen und zum Eigenanteil unter Wohnumfeldverbesserung.
6. Wohngruppen für Menschen mit Demenz
Eine Alternative zum zunehmend mit Risiken verbundenen Wohnen zu Hause sind spezielle Wohngruppen für demenzkranke Menschen. Hier haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen entwickelt, zum Teil gefördert mit öffentlichen Mitteln, zum Teil aus Pflegediensten, Pflegeheimen oder Wohlfahrtseinrichtungen heraus entstanden.
In diesen Wohngruppen wohnen Pflegekräfte und andere Betreuer mit in der Wohnung oder sind rund um die Uhr vor Ort. Gemeinsam sind allen diesen Wohngruppen ganzheitliche Betreuungskonzepte, die den demenzkranken Menschen in den Mittelpunkt stellen und ihm weitestgehende Selbstständigkeit ermöglichen. Hier einige Beispiele für entsprechende Modelleinrichtungen und Informationen:
www.stiftung-schoenholzer-heide.de
Das Projekt Schönholzer Heide (Berlin) bietet unter anderem Wohngruppen für Demenz und gerontopsychiatrische Tagespflege. Deutschlandweit einmaliges Demenzzentrum "Bundesmodellprojekt Heidehof".
www.danl.de > Diakonische Altenhilfe > Ambulant betreute Wohngemeinschaft ...
Die Diakonische Altenhilfe Niederlausitz stellt unter anderem ihr mit Bundesmitteln gefördertes Projekt "Wohngemeinschaft mit ländlicher Orientierung für Menschen mit Demenz" in Briesen vor.
www.demenzforum-darmstadt.de/p_w.htm
Projekt für Demenzkranke in Darmstadt.
www.freunde-alter-menschen.de/-demenzwgs.html
Insgesamt interessante, ehrenamtliche Initiative in Berlin, die unter anderem sechs Demenz-WGs betreut.
Damit verbunden ist auch die Seite
www.demenzwohngemeinschaften.de.
www.freiburger-modell.de/html/links.php?m=0
Sehr informativ und vor allem eine sehr gute Linksammlung zu verschiedensten Informationen und Modellprojekten.
www.verein-faw.de
Der "Verein zur Förderung altersgerechten Wohnens e.V." in Berlin hat derzeit Wohnungen an rund 300 Menschen mit Demenz vermietet. Mit Online-Zimmerbörse.
7. Wer hilft weiter?
Wohnberatungsstellen für Betroffene und Angehörige finden Sie bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit dem Suchwort "Wohnberatung".
8. Praxistipp
Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend bietet eine Broschüre "Ambulant betreute Wohngemeinschaften für demenziell erkrankte Menschen" mit umfassenden Informationen. Download unter
www.bmfsfj.de > Publikationen > Suchwort Ambulante.
9. Verwandte Links
Demenz > Freiheitsentziehende Maßnahmen
Vollstationäre Pflege im Pflegeheim
Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, z.B. Hausnotruf
Wohnumfeldverbesserung (Wohnungsumbau)
Letzte Aktualisierung am 02.08.2010 Redakteur/in: Gabriele Bayer
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