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Demenz > Wohnen

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

In der Wohnung von Demenz-Erkrankten sollte möglichst wenig verändert werden. Sie sollte dem gesteigerten Bewegungsdrang der Patienten angepasst sein und weder gefährliche noch angsterregende Elemente enthalten. Zunehmend gibt es Beratungs- und Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz und betreute Wohngruppen.

 

2. Keine Veränderungenzum Inhaltsverzeichnis

Demenziell erkrankte Menschen sind in ihrer Alltagskompetenz weitgehend eingeschränkt und die fortschreitende Demenz geht oft mit einer räumlichen Orientierungslosigkeit einher. Die eigene Wohnung dient als Gedächtnisstütze und als Orientierungspunkt, deshalb ist es sinnvoll, das häusliche Umfeld des Patienten so weit wie möglich zu belassen. Veränderungen innerhalb der Wohnung oder Umstellen von Möbeln verstärken die Orientierungslosigkeit.

Zusätzliche Orientierungspunkte durch Beleuchtung, Farbe und Einrichtungsgegenstände können dem Demenzkranken helfen, sich besser zurechtzufinden und einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Wohnung gewährleisten.

Beim Umzug in eine Wohngemeinschaft oder ein Heim sollten möglich viele vertraute Möbel und Einrichtungsgegenstände mitgenommen werden.

 

3. Wahrnehmungsstörungenzum Inhaltsverzeichnis

Schwellen, Stufen, Glastüren und Fenster können übersehen werden und damit eine Gefahrenquelle darstellen. Gemusterte Tapeten, Stoffe, Teppiche oder Bodenbeläge können verunsichern oder Angst auslösen. Spiegelnde, dunkle Bodenbeläge werden als Löcher oder Hindernisse wahrgenommen und können Demenzpatienten unnötig verunsichern. Spiegel können Patienten im fortgeschrittenen Stadium erschrecken, wenn sie sich selbst nicht mehr erkennen. Licht darf weder blenden noch Schatten werfen, es wird eine Lichtstärke von 500 Lux empfohlen.

 

Es gilt, die Angstauslöser des jeweiligen Patienten herauszufinden und zu reduzieren. Klare Einrichtung, gut ausgeleuchtete Räume und das Abhängen von Spiegeln können helfen.

 

4. Gefahren ausschaltenzum Inhaltsverzeichnis

Es ist sinnvoll, die räumlichen Gefahren auszuschalten, z.B.: Stolperfallen (Teppiche, Stromkabel, Schwellen) zu entfernen, und für ausreichende Beleuchtung zu sorgen.

 

Werkzeuge oder Gegenstände, von denen eine Verletzungsgefahr ausgeht, sollten aus der Wohnung entfernt werden. Reinigungsmittel oder giftige Substanzen könnten verwechselt und getrunken werden, sie sollten sicher verwahrt werden.

 

5. Technische Hilfsmittel und Wohnumfeldverbesserungzum Inhaltsverzeichnis

Technische Hilfsmittel können den Alltag sicherer machen, z.B.: Herdüberwachung, Weglaufmelder, Türalarmmelder, Wasserstandsmelder, Überlaufschutz, bewegungsgesteuerte Lichtschalter, Tablettendosen mit Timer, Großtastentelefon mit Bildern, Zeitschaltuhren, Einbau von Rauchmeldern. Zum Teil übernehmen die Krankenkassen oder die Pflegekassen die Kosten.

Detaillierte Informationen bietet die Deutsche Alzheimergesellschaft unter externer Linkwww.deutsche-alzheimer.de/menschen-mit-demenz/technische-hilfen.html.

 

Wohnumfeldverbesserung ist eine Fördermöglichkeit der Pflegekasse für Menschen, deren Pflegebedürftigkeit bereits anerkannt ist. Die Kasse kann unter bestimmten Voraussetzungen Umbauten und Ergänzungen in der Wohnung bezuschussen, die die Pflege erleichtern, eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen oder die Aufnahme in ein Heim verhindern oder hinauszögern.

Details zur Zuschusshöhe und den Voraussetzungen unter Wohnumfeldverbesserung

 

6. Wohngruppen für Menschen mit Demenzzum Inhaltsverzeichnis

Eine Alternative zum Wohnen zu Hause sind spezielle Wohngruppen für demenzkranke Menschen. Hier haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen entwickelt, zum Teil gefördert mit öffentlichen Mitteln, zum Teil aus Pflegediensten, Pflegeheimen oder Wohlfahrtseinrichtungen heraus entstanden.

In diesen Wohngruppen wohnen Pflegekräfte und andere Betreuer mit in der Wohnung oder sind rund um die Uhr vor Ort. Gemeinsam sind allen diesen Wohngruppen ganzheitliche Betreuungskonzepte, die den demenzkranken Menschen in den Mittelpunkt stellen und ihm weitestgehende Selbstständigkeit ermöglichen. Hier einige Beispiele für entsprechende Modelleinrichtungen und Informationen:

  • externer Linkwww.stiftung-schoenholzer-heide.de
    Das Projekt Schönholzer Heide (Berlin) bietet unter anderem Wohngruppen für Demenz und gerontopsychiatrische Tagespflege. Deutschlandweit einmaliges Demenzzentrum "Bundesmodellprojekt Heidehof".
  • externer Linkwww.demenzforum-darmstadt.de/Projekte
    Das Demenzforum Darmstadt betreut mehrere Projekte, z.B. zum demenzfreundlichen Stadtteil oder betreuten Wohngemeinschaften.
  • externer Linkwww.freunde-alter-menschen.de
    Ehrenamtliche Initiative in Berlin, die unter anderem Demenz-WGs vermittelt und Beratung anbietet.
  • externer Linkwww.freiburger-modell.de/html/links.php?m=0
    Netzwerk Wohngruppen für Menschen mit Demenz, mit Linksammlung zu verschiedensten Informationen und Modellprojekten.
  • externer Linkwww.verein-faw.de
    Der "Verein zur Förderung altersgerechten Wohnens e.V." vermietet in Berlin Wohnungen an Menschen mit Demenz, betreibt eine Online-Zimmerbörse und macht weitere Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
  • externer Linkwww.phineo.org/empfohlene-projekte/demenz/
    Phineo ist eine Organisation, die soziale Projekte auf ihre Wirksamkeit überprüft und nach mehrstufiger Untersuchung gegebenenfalls empfiehlt. Dabei gibt es auch einen Bereich für Demenz-Projekte.
  • externer Linkwww.toeneboen-stiftung.de/pflegeheim/toeneboen-am-see/index.htm
    Modellprojekt in Hameln/ Niedersachsen, dass sich durch großzügige Flächen, Umzäunung und Flachbauten um ein selbstbestimmtes Leben der Demenzpatienten bemüht.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Wohnberatungsstellen für Betroffene und Angehörige finden Sie unter Wohnberatung.

Die folgenden drei Angebote sind nur beispielhaft. Sie wurden 2012 vom Bundesverband BKK (Betriebskrankenkassen) ausgezeichnet:

  • NADiA Köln ist ein Bewegungsprojekt: "Neue Aktionsräume für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen". Es soll durch Kraft-, Koordinations- und Gleichgewichtsübungen die körperliche Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenzen trainieren. die Erkrankten üben zusammen mit ihren Angehörigen. Mehr unter externer Linkwww.nadia-projekt.de.
  • Die Angehörigenberatung Nürnberg arbeitet seit mittlerweile über 25 Jahren und berät Angehörige und Fachleute.
    Die Beratungsstelle ist da für
    > Menschen, die eine demenzkranke Person pflegen, betreuen, begleiten oder versorgen
    > Betroffene im frühen Stadium einer Demenzerkrankung
    > Angehörige, die einen älteren Menschen pflegen
    Die Fachkoordination ist da für
    > MitarbeiterInnen der Alten- und Gesundheitshilfe im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich
    > Einrichtungsträger
    > Interessierte Einzelpersonen
    Mehr unter externer Linkwww.angehoerigenberatung-nbg.de.
  • Die "jute Stuw" (Gute Stube) in Mettmann ist ein Seniorentreff, der gezielt soziale Beziehungen von Menschen mit Demenz fördern will. Er wird von der Alzheimer-Gesellschaft Düsseldorf & Kreis Mettmann e.V. betrieben - neben vielen anderen Angeboten. Mehr unter externer Linkwww.alzheimer-duesseldorf-mettmann.de > Unsere Angebote > Offene Veranstaltungen.

 

8. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend bietet eine Broschüre "Ambulant betreute Wohngemeinschaften für demenziell erkrankte Menschen" mit umfassenden Informationen. Download unter externer Linkwww.bmfsfj.de > Service > Publikationen > Suchwort Wohngemeinschaften.
  • Zur Förderung des selbstständigen Wohnens allein lebender Demenz-Patienten bietet die Deutsche Alzheimergesellschaft eine CD zur Schulung von z.B. Nachbarschaft, Banken oder Polizei, Näheres unter externer Linkwww.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns/projekte/projekt-allein-lebende-demenzkranke.html.
  • Die Betroffeneninitiative "Leben wie ich bin - Selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Demenz e.V." hat 2012 aus eigenen Erfahrungen ein Praxishandbuch herausgegeben: "Es selbst in die Hand nehmen! Wie Angehörige eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz aufbauen und sich die Verantwortung mit einem ambulanten Pflegedienst teilen." Es steht unter externer Linkwww.leben-wie-ich-bin.de/downloads.html als Download zur Verfügung.
  • Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Soziales fördert die Integration von Menschen mit Demenz in ihrem Wohnraum und -umfeld durch die Vernetzung verschiedener Projekte. Nähere Informationen zum Projekt "Lokale Allianz für Menschen mit Demenz" unter externer Linkwww.lokale-allianzen.de.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Wohngeld

Betreutes Wohnen für Senioren

Wohnen im Alter

Demenz

Demenz > Entlastung Angehöriger

Demenz > Umgang mit der Erkrankung

Demenz > Freiheitsentziehende Maßnahmen

Demenz > Pflege stationär

Vollstationäre Pflege im Pflegeheim

Demenz > Pflege zu Hause

Pflegehilfsmittel, z.B. Hausnotrufsysteme

Wohnumfeldverbesserung (Wohnungsumbau)

 

 

Letzte Aktualisierung am 30.11.2015   Redakteur/in: Andrea Nagl

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