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Depressionen > Behandlung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Depressionen sind ernst zu nehmende Erkrankungen. Depressive Menschen können ihre Niedergedrücktheit und die Unfähigkeit, aktiv zu sein, nicht willentlich beeinflussen. Menschen, bei denen eine depressive Erkrankung vorliegen könnte, sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen, damit geklärt wird, ob eine Behandlung hilfreich wäre.

 

Die beiden wichtigsten Behandlungsansätze sind

  • Medikamente (Antidepressiva) und
  • Psychotherapie.

Sie werden häufig kombiniert eingesetzt.

 

Bei sehr schweren Depressionen kann auch ein stationärer Aufenthalt erforderlich werden.

 

Weitere Therapieansätze sind

  • Elektrokrampftherapie,
  • Transkranielle Magnetstimulation,
  • Lichttherapie und
  • Wachtherapie bzw. Schlafentzug.

 

Die nachfolgenden Informationen geben nur einen kurzen Einblick, der das Verständnis für die Erkrankung und Behandlung erhöhen soll. Sie können keinesfalls die ärztliche Diagnose und Therapie ersetzen.

 

2. Behandlungsnotwendigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Verschiedenen Schätzungen zufolge wird nur etwa die Hälfte der Depressionen richtig diagnostiziert und angemessen behandelt. Eine Ursache dafür ist, dass psychische Erkrankungen in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer stigmatisiert sind und nicht als "richtige" Erkrankungen anerkannt werden. Das führt unter anderem dazu, dass Patienten bevorzugt körperliche Symptome schildern.

Wird die Erkrankung nicht behandelt, sondern bagatellisiert ("Das wird schon wieder ..."), fühlen sich Betroffene (zu Recht) unverstanden, was die fatale Folge haben kann, dass sie noch tiefer in die Depression sinken.

 

Ein weiteres Problem ist, dass die Verfügbarkeit von Fachärzten/Psychotherapeuten regional sehr unterschiedlich ist.

 

Die zahlreichen Varianten der Krankheit (Depressionen > Allgemeines) machen sehr verschiedene Behandlungsansätze notwendig. Grundsätzlich gilt, dass Depressionen zu den am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen zählen.

 

2.1. Praxistipp

Der Faktencheck Gesundheit Depression der Bertelsmann Stiftung bietet online Informationen und Entscheidungshilfen auf dem Weg zur angemessenen Behandlung: externer Linkhttps://depression.faktencheck-gesundheit.de/ 

 

3. Fachärztezum Inhaltsverzeichnis

Für einen Laien verwirrend ist die Vielfalt der Psycho-/Neuro-/Nerven-Ärzte.

Hier eine Kurzübersicht - wobei immer bedacht werden muss, dass die individuelle Erfahrung und Schwerpunktlegung der Ärzte und Therapeuten sehr wichtig ist:

  • Neurologe
    Ein studierter Mediziner mit Facharztausbildung Nerven und Gehirn, eher physisch, naturwissenschaftlich orientiert
  • Psychiater
    Ein studierter Mediziner mit Facharztausbildung Psyche, also Verhalten, Gefühle, Seelisches
  • Nervenarzt
    Ein studierter Mediziner mit beiden eben genannten Facharztausbildungen, Neurologie und Psychiatrie
  • Psychotherapeut
    Ein studierter Mediziner oder Psychologe mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung als Psychotherapeut
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
    Ein studierter Mediziner, Psychologe oder (Sozial-)Pädagoge mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung als Psychotherapeut
  • Psychologe
    Ein Wissenschaftler oder Fachmann, der Psychologie studiert hat und nicht therapieren darf

 

4. Leitlinienzum Inhaltsverzeichnis

Für die Behandlung von Depressionen gibt es anerkannte Nationale Versorgungsleitlinien (NVL): 

 

5. Medikamentöse Behandlung: Antidepressivazum Inhaltsverzeichnis

Eine medikamentöse Behandlung wird vom Arzt/Facharzt in die Wege geleitet, in der Regel bei mittleren bis schweren Depressionen. Meist verschreibt der Arzt Antidepressiva, wovon es eine große Bandbreite gibt. Insbesondere am Anfang können auch Tranquilizer und Neuroleptika helfen.

Die Medikamente verschaffen meist eine Linderung der Symptome und können zu einer Heilung der Krankheit führen. Dazu müssen aber die Medikamente regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

 

Antidepressiva sind keine Beruhigungsmittel, sie machen nicht abhängig. Eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit zwischen Betroffenem und behandelndem Arzt ermöglicht die Auswahl des richtigen Medikaments und aller weiteren Therapieschritte. Besonders am Anfang der Therapie wird der Arzt mehrmals nachfragen, wie das Medikament anschlägt, welche Nebenwirkungen auftreten und was sich in Bezug auf Schlaf, Antrieb etc. verändert. Nicht selten sind mehrere zeitintensive Anläufe notwenig, bis das individuell passende Medikament gefunden wird.

 

Einfach verständliche Informationen zu Antidepressiva finden Sie unter externer Linkwww.psychiatrie.de/psychopharmaka.

 

5.1. Therapieabbruch

Einige Antidepressiva entfalten ihre Wirkung erst nach Wochen, die Nebenwirkungen treten aber unter Umständen sofort auf. Deshalb ist es wichtig, aber sehr schwer für Patienten, die Therapie durchzuhalten.

 

Die zweite Gefahr ist, dass Patienten die Medikamente absetzen, wenn es zu einer Besserung kommt. Doch die Medikamente dürfen auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt niedriger dosiert oder abgesetzt werden. Es besteht sonst die Gefahr eines Rückfalls.

 

5.2. Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung

Erwachsene Patienten müssen für viele Medikamente Zuzahlungen in Höhe von 10 % des Abgabepreises bezahlen, mindestens 5,- € und höchstens 10,- € - umgangssprachlich oft als "Rezeptgebühr" bezeichnet. Ein Teil der Arzneimittelwirkstoffe kann von der Zuzahlung befreit sein - das gilt auch für viele Antidepressiva.

Näheres unter Arznei- und Verbandmittel > Zuzahlung und Befreiung.

 

6. Psychotherapiezum Inhaltsverzeichnis

Die Psychotherapie orientiert sich an der jeweiligen Erkrankungsphase sowie den individuellen Möglichkeiten des Patienten und seiner Lebenssituation. Die therapeutische Beziehung kann helfen, sich zu spiegeln, zu spüren und sich über seine Gefühle Klarheit zu verschaffen. Langfristig kann sie helfen, Ursachen und/oder Auslösern für Depressionen auf die Spur zu kommen und die damit zusammenhängenden Konflikte zu entschärfen.

 

Bei psychischen Störungen mit Krankheitswert übernimmt die Krankenkasse die Kosten bestimmter psychotherapeutischer Behandlungen im Sinne einer Krankenbehandlung (§ 27 SGB V). Psychotherapie ist vor allem bei leichten und mittelschweren Depressionen eine erfolgreiche Behandlungsmethode.

 

Details zu Therapeutensuche, Kostenübernahme, Antrag und Dauer unter Psychotherapie.

 

7. Stationäre und teilstationäre Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Im Krisenfall, insbesondere bei akuter Suizidgefährdung, kann eine Behandlung in psychiatrischen Kliniken bzw. psychiatrischen Abteilungen von Kliniken notwendig werden. Die stationäre Behandlung soll den Patienten schützen und ihn stabilisieren. Sie ist auch sinnvoll, wenn bei schweren Depressionen trotz Behandlung lange keine Besserung eintritt.

Die Krankenhausbehandlung wird von der Krankenkasse getragen oder vom Sozialhilfeträger. Erwachsene Patienten müssen für die vollstationäre Krankenhausbehandlung 10,- € pro Tag zuzahlen.

Werden eine Mutter oder ein Vater stationär untergebracht, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe beantragt werden.

 

7.1. Institutsambulanzen

In der Regel ist an eine psychiatrische Klinik eine Institutsambulanz angebunden, in der Patienten ambulant behandelt werden. Die Übergänge in der Institutsambulanz sind fließend: sowohl zum ambulanten Bereich (z.B. Betreuung in einer Arzt- oder Psychotherapiepraxis) als auch zum stationären Bereich (Wiederaufnahme in die Klinik).

 

Als ergänzende oder anschließende ambulante Behandlung kann auch eine Soziotherapie oder eine häusliche psychiatrische Krankenpflege  in Frage kommen, um dem Patienten im gewohnten Umfeld Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

 

7.2. Ambulante Rehabilitation

Für ambulante Rehamaßnahmen bei psychischen Erkrankungen gibt es spezielle Rahmenempfehlungen. Vereinfacht besagen sie, dass eine ambulante Reha dann übernommen wird, wenn einerseits eine normale Psycho- und Arzneimitteltherapie zu wenig intensiv ist, andererseits der Patient aber stabil und aktiv genug ist, eine tägliche Therapie durchzuhalten.

 

7.3. Rehabilitation psychisch kranker Menschen

Die "Rehabilitation psychisch kranker Menschen", kurz RPK, ist ein spezieller Reha-Bereich, bei dem medizinische, berufliche und psychosoziale Hilfen aus der Hand eines multiprofessionellen Reha-Teams angeboten und Elemente der stationären und ambulanten Reha kombiniert werden.

 

RPK ist besonders für Menschen geeignet, die an einer schweren Depression leiden und hierdurch in ihrem sozialen und beruflichen Leben beeinträchtigt sind. Für den Reha-Teilnehmer wird, orientiert an seinem persönlichen Bedarf, ein Hilfeplan erstellt. Durch die enge Verzahnung aller dieser Leistungen kann auf die besonderen Bedürfnisse und die schwankende Leistungsfähigkeit sehr individuell eingegangen werden.

 

Angebote und Einrichtungen der RPK sind regional unterschiedlich. Weitere Informationen bietet die Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft RPK, z.B. Adressen unter externer Linkwww.bagrpk.de/nc/standorte-finden.html oder der kostenlose Download der "Arbeitshilfe für die Rehabilitation und Teilhabe psychisch kranker und behinderter Menschen" unter externer Linkwww.bagrpk.de/downloads.html.

 

7.4. Weitere Reha-Informationen

Weitere Reha-Leistungen, die für Patienten mit Depressionen relevant sein können, finden Sie unter folgenden Stichpunkten:

 

8. Sonstige Therapienzum Inhaltsverzeichnis

 

8.1. Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie (EKT), auch elektrische Durchflutungstherapie genannt, ist ein seit langem bekanntes Verfahren, das aber in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf hat und deshalb in Deutschland nur von wenigen Kliniken angeboten wird. Das verändert sich aber seit einigen Jahren, denn es gibt Patienten mit anhaltenden schweren Depressionen, bei denen einzig die Elektrokrampftherapie einen Behandlungserfolg bringt.

 

Kern der EKT ist ein durch Strom ausgelöster Krampfanfall. Dafür bekommt der Patient eine 5-minütige Kurznarkose, so dass er von der eigentlichen Behandlung nichts spürt. Zudem erhält er ein muskelentspannendes Medikament, um starke Muskelkrämpfe zu vermeiden. Der eigentliche Stromfluss dauert 20 bis 30 Sekunden.

 

Durch diese Anwendungsweise sind die Risiken der Behandlung minimiert, aber es bleiben die üblichen Risiken einer jeden Narkose sowie die Gefahr von Blutdruckschwankungen und Gedächtnisstörungen. Letzteres wird von Experten unterschiedlich eingeschätzt, ebenso wie die Frage, ob Erinnerungslücken mit steigender Anwendungszahl zunehmen. Es gibt aber auch die Meinung, dass gerade das "Vergessen" belastender Erlebnisse einen Teil des Therapieerfolgs ausmacht. Insgesamt ist die Wirkweise der EKT nicht erklärt. Möglicherweise setzen die aktivierten Nervenzellen mehr Neurotransmitter frei.

 

Die EKT darf nur eingesetzt werden, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft wurden. Sie darf nur in einer Klinik durchgeführt werden, dauert etwa 6 Wochen und umfasst 12-18 Einzelbehandlungen. Wenn die EKT als Erhaltungstherapie eingesetzt wird, erfolgt die Behandlung viel seltener, nur einmal pro Woche oder Monat.

 

8.2. Transkranielle Magnetstimulation

Eine sehr junge Behandlungsmethode ist die transkranielle Magnetstimulation (TMS). Wie EKT wird auch TMS nur bei therapieresistenter Depression eingesetzt. Im November 2007 wurden erstmals Ergebnisse veröffentlicht, die den Nutzen im Rahmen einer groß angelegten Studie mit 300 Patienten belegten.

 

Bei der TMS wird der linke frontale Hirnlappen mit einem elektrisch erzeugten Magnetfeld stimuliert. Bei der Studie wurden die Patienten 5 Mal pro Woche, 4-6 Wochen lang, behandelt. Danach hatten sich die depressiven Symptome messbar verbessert. Nebenwirkungen wurden wenige beobachtet und nur wenige Patienten brachen die Therapie ab.

 

In Deutschland wird die Therapie noch wenig angeboten, auch die offizielen Leitlinien empfehlen die Therapie noch nicht, da noch nicht genug Studienergebnisse vorliegen.

 

8.3. Lichttherapie

Lichtmangel wird als Ursache der Winterdepression (SAD) vermutet. Als Unterstützung der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung wird deshalb zum Teil die Lichttherapie eingesetzt.

 

Dabei schaut der Patient täglich in ein Licht mit mindestens 2.500 Lux; besser sind 10.000 Lux. Die Lichttherapie erfolgt möglichst sofort nach dem Aufstehen für 30 bis 40 Minuten. Dies bewirkt über die Reizung der Netzhaut und des Sehnervs eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin, was den Krankheitsverlauf günstig beeinflusst. Die Behandlung dauert mehrere Tage bis Wochen, erste Effekte sind in der Regel nach 4 Tagen spürbar. Wenn der Patient die Lichttherapie gut verträgt, kann sie auch den ganzen Winter über durchgeführt werden. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

 

Vorbeugend können Menschen, die zu Winterdepressionen neigen, sich darum bemühen, täglich eine Stunde bei Tageslicht spazierenzugehen. Dabei muss nicht die Sonne scheinen, das UV-Licht wirkt auch bei bewölktem Wetter.

 

8.4. Wachtherapie, Schlafentzug

Viele Patienten mit Depressionen leiden unter Schlafstörungen, vor allem in der zweiten Nachthälfte. Das bringt den Gehirnstoffwechsel durcheinander, morgens sind die Betroffenen nicht richtig wach und es dauert lange, bis sie ein bisschen in Schwung kommen. Das aber verschiebt den Schlaf-Wach-Rhythmus weiter nach hinten.

 

Eine komplett schlaflose Nacht kann dagegen dazu führen, dass die Müdigkeit am Folgeabend so groß ist, dass die Patienten eine ganze Nacht durchschlafen. Das kann den Effekt haben, dass sie morgens ausgeruht und frisch erwachen - die Depression ist durchbrochen. Dieser positive Effekt hält meist nur einen oder zwei Tage an, kann allerdings in einer langen depressiven Phase einen Lichtblick bedeuten und Mut geben.

 

Eine andere Methode ist, normal ins Bett zu gehen und bereits nach wenigen Stunden wieder aufzustehen. Dies kann bis zu 3 Mal in der Woche erfolgen, so dass der Effekt länger anhält.

 

Wachtherapie bzw. Schlafentzug ist nur eine Begleittherapie. Sie sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt und nur ergänzend zur Medikamenten- und/oder Psychotherapie eingesetzt werden.

 

8.5. Ergotherapie

Ergotherapie kann bei schweren Depressionen eingesetzt werden und unterstützt Patienten beim Anpacken und Erledigen alltäglicher Erledigungen. Ergotherapie wird immer begleitend zu anderen Therapien eingesetzt, oft während einer stationären Behandlung, und kann dann ambulant weitergeführt werden.

 

Ergotherapie gilt sozialrechtlich als Heilmittel und muss verordet werden. Erwachsene Patienten zahlen 10 % der Kosten plus 10,- € je Verordnung zu, Zuzahlungsbefreiung ist möglich.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Depressionen

Depressionen > Allgemeines

Depressionen > Angehörige und Betroffene

Depressionen > Ernährung

Depressionen > Sport

Depressionen > Behinderung

Depressionen > Urlaub

 

 

Letzte Aktualisierung am 14.05.2014   Redakteur/in: Sabine Peter

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