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Epilepsie > Autofahren

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Epilepsien beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit und können andere Verkehrsteilnehmer und den Patienten selbst gefährden. Deshalb hängt die Erteilung einer Fahrerlaubnis von mehreren Faktoren ab. Auf jeden Fall sind nach Erteilung einer Fahrerlaubnis jährliche Kontrolluntersuchungen nötig. Es wird keine Fahrerlaubnis ausgehändigt, wenn Anfälle nicht durch Medikamente vermieden werden und jederzeit auftreten können.

 

2. Grundsätzlicheszum Inhaltsverzeichnis

Epilepsien zeichnen sich aus durch das plötzliche Auftreten von Anfällen mit unterschiedlicher Beeinträchtigung des Bewusstseins. Deshalb beeinträchtigen Epilepsien die Fahrtüchtigkeit und es besteht eine Gefährdung des Patienten und anderer Verkehrsteilnehmer.

 

Ob eine Fahrerlaubnis erteilt wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Handelt es sich um einen einmaligen Anfall, eine behandelbare Epilepsie oder um eine langjährig therapieresistente Epilepsie? Entscheidend sind der Anfallstyp (mit oder ohne Bewusstseinsstörung, wann die Anfälle auftreten - tagsüber, nachts) und die Behandlung mit Medikamenten.

Eine Fahrerlaubnis kann nicht erteilt werden, wenn Anfälle nicht durch Medikamente vermieden werden und jederzeit auftreten können.

 

3. Begutachtung der Kraftfahrereignungzum Inhaltsverzeichnis

3.1. Leitsätze

Die "Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung" (Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch Gladbach, gültig ab 1. Mai 2014) stellen bei epileptischen Anfällen und Epilepsien folgende Leitsätze auf:

"Wer epileptische Anfälle erleidet, ist nicht in der Lage, den Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen (Näheres unter Fahrerlaubnisgruppen) gerecht zu werden, solange ein wesentliches Risiko von Anfallsrezidiven besteht. ... Zur Beurteilung der Kraftfahreignung bei Menschen mit epileptischen Anfällen bzw. Epilepsien müssen auch mögliche assoziierte körperliche oder psychische Störungen berücksichtigt werden, falls notwendig auch durch Konsultation weiterer Fachdisziplinen. Besteht eine antiepileptische medikamentöse Behandlung (dies ist nur für Gruppe 1 von praktischer Relevanz), so darf die Fahrtüchtigkeit hierdurch nicht herabgesetzt werden. Dies ist auch bei einem Präparatwechsel oder einem Substanzwechsel zu beachten.

Bei Fahrerlaubnisinhabern beider Führerscheingruppen sind eine fachneurologische Untersuchung sowie fachneurologische Kontrolluntersuchungen in zunächst jährlichen Abständen erforderlich. Im Verlauf (etwa bei einer langjährigen Anfallsfreiheit) kann das Intervall zwischen den Untersuchungen verlängert werden.

 

3.2. Praxistipp

Die "Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung" der Bundesanstalt für Straßenwesen enthalten auf Seite 48 eine detaillierte tabellarische Übersicht zur Kraffahreignung für die beiden Gruppen in Abhängigkeit von der Ausprägung, der Häufigkeit und den Auslösern epileptischer Anfälle. Der Download ist kostenlos unter externer Linkwww.bast.de > Verhalten und Sicherheit > Fachthemen > Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung.

 

4. Fahrerlaubnis bei Gruppe 1zum Inhaltsverzeichnis

Wer unter bleibenden epileptischen Anfällen leidet, ist in der Regel nicht in der Lage, ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1 zu führen, solange ein wesentliches Risiko für ein Anfallsrezidiv besteht.

 

Ausnahmen, also eine Kraftfahreignung, gibt es nach einem erstmaligen Anfall, z.B. wenn:

  • die fachneurologische Abklärung keine Hinweise auf ein grundsätzlich erhöhtes Anfallsrisiko ergeben hat: nach einer Beobachtungszeit von 6 Monaten.
  • der Anfall an bestimmte Bedingungen geknüpft war, z.B. ausgeprägter Schlafentzug oder akute Erkrankungen (hohes Fieber), und der Nachweis erbracht wurde, dass diese Bedingungen nicht mehr gegeben sind: nach einer Beobachtungszeit von 3 Monaten. Dieser Nachweis muss auch eine idiopathische Disposition zu Epilepsie mittels EEG ausschließen.
  • der Anfall sich in der 1. Woche nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer neurochirurgischen Operation ereignete: nach einer Beobachtungszeit von 3 Monaten.

 

Ausnahmsweise eine Kraftfahreignung gibt es

  • bei Epilepsien, wenn mindestens 1 Jahr Anfallsfreiheit vorliegt. Nach einer Epilepsie-Operation sind zusätzlich operationsbedingte Funktionsstörungen zu beachten, die die Kraftfahreignung beeinträgtigen können.
  • bei fortdauernden Anfällen, wenn diese ausschließlich an den Schlaf gebunden sind: nach mindestens 3-jähriger Beobachtungszeit.
  • bei fortdauernden Anfällen, wenn es sich um einfache fokale Anfälle handelt, die keine Bewusstseinsstörung und keine motorische, sensorische oder kognitive Behinderung für das Führen eines Fahrzeugs zur Folge haben und bei denen nach mindestens einjähriger Beobachtungszeit keine fahrrelevante Ausdehnung der Anfallssymptomatik und kein Übergang zu komplex-fokalen oder skundär generalisierten Anfällen erkennbar wurden. Dies muss durch Fremdbeobachtung gesichert sein.

 

Im Falle eines (= 1) "sporadischen" Anfalls oder mehrerer Anfälle innerhalb von 24 Stunden nach langjähriger Anfallsfreiheit genügt in der Regel eine Fahrunterbrechung von 6 Monaten, wenn die fachneurologische Abklärung kein erhöhtes Rückfallrisiko ergibt. Wenn nach einem sporadischen Anfall der Provokationsfaktor bekannt und vermeidbar ist, kann eine Fahrpause von 3 Monaten genügen. Ergibt sich ein erhöhtes Rückfallrisiko, erhöht sich die Fahrpause auf ein Jahr.

Bei Beendigung einer Therapie mit Antiepileptika ist für die Dauer der Reduzierung  und des Absetzens des letzten Arzneimittels sowie für die ersten 3 Monate keine Kraftfahreignung gegeben. Ausnahmen sind in gut begründeten Fällen möglich, z.B. insgesamt wenige Anfälle, Epilepsie-Syndrom mit niedrigem Rückfallrisiko, erfolgreiche epilepsiechirurgische Behandlung.

 

5. Fahrerlaubnis bei Gruppe 2zum Inhaltsverzeichnis

Generell gilt, dass eine Fahreignung nur erteilt wird, wenn der Betroffene keine Antiepileptika einnimmt.

 

Ausnahmen:

  • Nach einem erstmaligen Anfall im Erwachsenenalter ohne Anfallsauslöser und ohne Anhalt für eine beginnende Epilepsie oder eine andere hirnorganische Erkrankung ist eine anfallsfreie Zeit von 2 Jahren abzuwarten.
  • Nach einem erstmaligen Anfall, der an bestimmte Gegebenheiten geknüpft war (z.B. ausgeprägter Schlafentzug oder akute Erkrankung), reicht eine anfallsfreie Beobachtungszeit von 6 Monaten. Dabei muss eine idiopathische Disposition zu Epilepsie mittels EEG ausgeschlossen werden.
  • Bei epileptischen Anfällen in der 1. Woche nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem neurochirurgischen Eingriff nach einer anfallsfreien Zeit von 6 Monaten.
  • Bei Epilepsien eine 5-jährige, durch fachneurologische Kontrolle nachgewiesene Anfallsfreiheit ohne epileptische Behandlung.

 

6. Mobilitätshilfen für Schwerbehindertezum Inhaltsverzeichnis

Falls Menschen mit Epilepsie nicht Autofahren dürfen und zudem eine anerkannte Schwerbehinderung haben, kommen folgende Mobilitätshilfen in Betracht:

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Führerschein

Epilepsie

Epilepsie > Allgemeines

Epilepsie > Anfälle

Epilepsie > Beruf

Epilepsie > Familie

Epilepsie > Urlaub

Internationaler Epilepsie Notfallausweis

 

 

Letzte Aktualisierung am 01.10.2014   Redakteur/in: Andrea Nagl

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