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Epilepsie > Autofahren

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Epilepsien beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit und können andere Verkehrsteilnehmer und den Patienten selbst gefährden. Deshalb hängt die Erteilung einer Fahrerlaubnis von mehreren Faktoren ab. Auf jeden Fall sind nach Erteilung einer Fahrerlaubnis jährliche Kontrolluntersuchungen nötig. Es wird keine Fahrerlaubnis ausgehändigt, wenn Anfälle nicht durch Medikamente vermieden werden und jederzeit auftreten können.

 

2. Grundsätzlicheszum Inhaltsverzeichnis

Epilepsien zeichnen sich aus durch das plötzliche Auftreten von Anfällen mit unterschiedlicher Beeinträchtigung des Bewusstseins. Deshalb beeinträchtigen Epilepsien die Fahrtüchtigkeit und es besteht eine Gefährdung des Patienten und anderer Verkehrsteilnehmer.

 

Ob eine Fahrerlaubnis erteilt wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Handelt es sich um einen einmaligen Anfall, eine behandelbare Epilepsie oder um eine langjährig therapieresistente Epilepsie? Entscheidend sind der Anfallstyp (mit oder ohne Bewusstseinsstörung, wann die Anfälle auftreten - tagsüber, nachts) und die Behandlung mit Medikamenten.

Eine Fahrerlaubnis kann nicht erteilt werden, wenn Anfälle nicht durch Medikamente vermieden werden und jederzeit auftreten können.

 

3. Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignungzum Inhaltsverzeichnis

Die Begutachtungs-Leitlinien (BASt-Bericht M115) sind eine Zusammenstellung eignungsausschließender oder -einschränkender körperlicher und/oder geistiger Mängel und sollen die Begutachtung der Kraftfahreignung im Einzelfall erleichtern. Sie dienen als Nachschlagewerk für Gutachter, Fahrerlaubnisbewerber oder -inhaber in Bezug auf ihre Kraftfahreignung und können bei der Bundesanstalt für Straßenwesen unter externer Linkwww.bast.de > Publikationen > Regelwerke zum Download > Begutachtungs-Richtlinien zur Kraftfahrereignung heruntergeladen werden. Das Kapitel Epilepsie wurde im November 2009 überarbeitet.

Folgende Informationen wurden daraus übernommen:

Bei der Fahreignung wird die Fahrerlaubnis in 2 Gruppen unterteilt:

  • Gruppe 1
    umfasst die Klassen A, A1, B, BE, M, L und T. Darunter fallen z.B. Mopeds, Kraft- und Leichtkrafträder, Kraftfahrzeuge, land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen. Es sind Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen und Motorräder.
  • Gruppe 2
    umfasst die Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE und D1E. Das sind z.B. Lastkraftwagen und Busse sowie die Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen.

 

Für eine Fahrerlaubnis der Gruppe 2 bestehen schärfere Bestimmungen als für Gruppe 1. Bei Fahrerlaubnisinhabern beider Gruppen sind Kontrolluntersuchungen in der Regel in Abständen von 1, 2 und 4 Jahren erforderlich, auch eine jährliche Kontrolle kann bei bestimmten Verläufen erforderlich sein.

 

4. Fahrerlaubnis bei Gruppe 1zum Inhaltsverzeichnis

Wer unter bleibenden epileptischen Anfällen leidet, ist in der Regel nicht in der Lage, ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1 zu führen, solange ein wesentliches Risiko für ein Anfallsrezidiv besteht.

 

Ausnahmen gibt es z.B.:

  • bei einfachen fokalen Anfällen, die keine Bewusstseinsstörung und keine motorische, sensorische oder kognitive Behinderung für das Führen eines Fahrzeugs zur Folge haben und bei denen nach mindestens einjähriger Verlaufsbeobachtung keine relevante Ausdehnung der Anfallssymptomatik und kein Übergang zu komplex-fokalen oder generalisierten Anfällen erkennbar wurde.
  • bei ausschließlich an den Schlaf gebundenen Anfällen nach mindestens 3-jähriger Beobachtungszeit.
  • nach einem einmaligen Anfall nach einer Beobachtungszeit von 6 Monaten.
  • wenn der Anfall an bestimmte Bedingungen geknüpft war, wie  z.B. an Schlafentzug, Alkoholkonsum oder akute Erkrankungen (Fieber) und der Nachweis erbracht wurde, dass diese Bedingungen nicht mehr gegeben sind nach einer Beobachtungszeit von 3 Monaten.
  • nach Anfällen, die nur kurze Zeit (etwa 2 Wochen) nach Hirnoperationen oder -verlertzungen aufgetreten sind, nach einem anfallsfreien Intervall von einem halben Jahr 
  • wenn der Betroffene ein Jahr anfallsfrei geblieben ist und kein wesentliches Risiko weiterer Anfälle besteht. Bei langjährig therapieresistenten Epilepsien beträgt die erforderliche anfallsfreie Zeit 2 Jahre.

 

Bei Beendigung einer antiepileptischen Therapie mit Absetzen der Antiepileptika ist  den Betroffenen für die Dauer der Reduzierung  und des Absetzens des letzten Arzneimittels sowie die ersten 3 Monate danach zu raten, wegen des erhöhten Risikos eines Anfallrückfalls kein Fahrzeug zu führen. Ausnahemn sind in gut begründeten Fällen möglich (lange Anfallsfreiheit, insgesamt wenige Anfälle, Epilespie-Syndrom mit niedrigem Redidivrisiko (Wiederholungsrisiko), erfolgreiche epilepsiechirurgische Behandlung).

Im Falle eines Anfallrückfalls genügt in der Regel eine Fahrunterbrechung von 6 Monaten, wenn vorher die vorgeschriebene anfallsfreie Zeit eingehalten wurde.

Bei Fahrelaubnisinhabernoder -bewerbern, die dauernd mit Antiepileptika behandlet werden  müssen, dürfen keine Vergiftungen, z.B. durch Überdosierung eines Medikaments oder andere unerwünschte das Nervensystem betrreffende Nebenwirkungen erkennbar sein.

Es dürfen keine die erforderliche Leistungsfähigkeit ausschließenden hirnorganischen Veränderungen vorliegen.

 

5. Fahrerlaubnis für Führerschein Gruppe 2zum Inhaltsverzeichnis

Nach mehr als zwei epileptischen Anfällen wird die Fahrerlaubnis in der Regel nicht mehr erteilt.

Ausnahmen:

  • 5-jährige, durch ärztliche Kontrolle nachgewiesene Anfallsfreiheit ohne epileptische Behandlung.
  • Nach einem einmaligen Anfall im Erwachsenenalter ohne Anhalt für eine beginnende Epilepsie oder eine andere hirnorganische Erkrankung ist eine anfallsfreie Zeit von 2 Jahren abzuwarten.
  • Nach einem Anfall, der an bestimmte Gegebenheiten geknüpft war (z.B. bei Schlafenzug, Alkoholkonsum oder akute Erkrankung) ist bei Vermeiden der provozierenden Faktoren nach 6 Monaten keine wesentliche Risikoerhöhung mehr anzunehmen.

 

6. Mobilitätshilfen für Schwerbehindertezum Inhaltsverzeichnis

Falls Menschen mit Epilepsie nicht Autofahren dürfen und zudem eine anerkannte Schwerbehinderung haben, kommen folgende Mobilitätshilfen in Betracht:

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Führerschein

Epilepsie

Epilepsie > Allgemeines

Epilepsie > Anfälle

Epilepsie > Beruf

Epilepsie > Familie

Epilepsie > Urlaub

Internationaler Epilepsie Notfallausweis

 

 

Letzte Aktualisierung am 04.03.2014   Redakteur/in: Lydia Schrupp

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