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Essstörungen > Behandlung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Essstörungen sind heilbar, doch der Genesungsprozess ist langwierig und die Gefahr einer Chronifizierung ist groß. Die besten Heilungschancen bestehen, wenn die Betroffenen sich frühzeitig Hilfe suchen. Die Therapiemöglichkeiten reichen von ambulanter Psychotherapie, (Tages-)Kliniken, Selbsthilfegruppen, Selbsthilfemanualen bis hin zu therapeutischen Wohngruppen. Welche Behandlung in Frage kommt, hängt von den Symptomen und der Situation des Betroffenen ab.

 

2. Ambulante Psychotherapiezum Inhaltsverzeichnis

Ziele der Psychotherapie sind zum einen die Minderung der Essstörungssymptome (z.B. Normalisierung von Essverhalten und Gewicht), zum anderen die Behandlung der zugrunde liegenden oder parallel existierenden psychischen Probleme (z.B. Selbstwertprobleme, soziale Isolation, Depressionen).

 

Die Psychotherapie orientiert sich an der Erkrankungsphase und den individuellen Möglichkeiten des Patienten und an seiner Lebenssituation. Die therapeutische Arbeit kann helfen, Situationen und Gedanken zu reflektieren oder sich über seine Gefühle Klarheit zu verschaffen. Langfristig kann sie dazu beitragen, den Ursachen und Auslösern der Essstörung auf die Spur zu kommen und die aufrecht erhaltenden Faktoren zu bewältigen.

 

Eine ambulante Psychotherapie wird vor allem bei Bulimie und einer Binge-Eating-Störung empfohlen, wenn keine medizinischen oder sozialen Gründe einen vorherigen stationären Aufenthalt notwendig machen. Da bei Magersucht oft eine hohe körperliche Gefährung besteht, ist häufig zunächst eine stationäre Therapie erforderlich, an die sich dann eine ambulante Psychotherapie anschließt. Ob eine ambulante Therapie ausreichend ist, sollte immer individuell, in Absprache mit dem Arzt und/oder Psychotherapeuten, entschieden werden. 

 

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bestimmter psychotherapeutischer Behandlungen. Details zur Kostenübernahme, Therapeutensuche, Therapieantrag und Dauer unter Psychotherapie.

 

3. Teilstationäre und stationäre Behandlung zum Inhaltsverzeichnis

Eine (teil-)stationäre Therapie sollte durchgeführt werden, wenn die Essstörung mit einer hohen körperlichen Gefährung einhergeht, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht oder wenn der psychische Zustand oder die soziale Situation des Betroffenen es erfordern. Oft sind auch mehrere stationäre Aufenthalte nötig (sog. Intervallbehandlung).

 

3.1. Stationäre Behandlung

Bei einer stationären Therapie in einer Klinik betreut den Betroffenen ein multiprofessionelles Team bestehend aus Psychotherapeuten, Krankenpflegern, Sozialpädagogen, Ernährungsberatern sowie Physio- und Ergotherapeuten. Das stationäre Behandlungsprogramm ist oft umfassend und besteht aus Einzel- und Gruppentherapie, Bewegungs-, Kunst- oder Musiktherapie und einer (therapeutischen) Begleitung beim Essen. Zudem können die Patienten medizinisch überwacht werden. Das geschützte Umfeld einer Klinik, die Unterstützung durch das Behandlerteam und die Mitpatienten ermöglichen es vielen Betroffenen erst, sich ihren Ängsten zu stellen und intensiv an ihren Problemen zu arbeiten.

 

3.2. Teilstationäre Behandlung

Nach einer stationären Therapie ist der Übergang von einer Klinik in den Alltag häufig sehr schwierig und führt nicht selten zu Rückfällen. Hier kann eine teilstationäre Therapie in einer Tagesklinik sinnvoll sein. In einer Tagesklinik erhält der Betroffene tagsüber eine ähnlich intensive Unterstützung wie in einer Klinik, kehrt aber abends und am Wochenende in sein gewohntes Umfeld zurück. So kann er sich nach und nach an den Alltag herantasten.

Eine teilstationäre Therapie kann auch ohne vorherigen Klinikaufenthalt absolviert werden, z.B. wenn der Patient nicht gänzlich aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen werden möchte. Tageskliniken sind allerdings nicht von jedem Wohnort aus erreichbar, sodass eine teilstationäre Behandlung nicht immer möglich ist.

 

4. Therapeutische Wohngruppezum Inhaltsverzeichnis

Jugendliche und junge Erwachsene haben die Möglichkeit, meist im Anschluss an eine stationären Behandlung, in eine therapeutische Wohngruppe zu ziehen, wenn die Rückkehr in das gewohnte, meist problembelastete Umfeld sie überfordert oder sie zu Hause nicht genügend Unterstützung erfahren. Auch für Betroffene mit chronifizierten Essstörungen und einer ausgeprägten sozialen Isolation kann eine solche Wohngruppe hilfreich sein.

In der Wohngruppe können die Betroffenen in einem unterstützenden Umfeld und in Zusammenarbeit mit einem therapeutischen Team (bestehend aus Psychotherapeuten, Sozialpädagogen und Ernährungsberatern) langsam Schritte in ein gesundes Leben  gehen und im Alltag Fuß fassen. Die Angebote reichen von einer 24-Stunden Betreuung mit begleiteten Mahlzeiten bis hin zu freieren Modellen, bei denen die Betroffenen nur zeitweise Hilfestellungen erhalten. Auch ein ambulant betreutes Einzelwohnen ist möglich. Hier wohnt der Patient in einer eigenen Wohnung und wird von Sozialpädagogen zu Hause besucht, die ihn im Alltag unterstützen.

 

Eine Liste der therapeutischen Wohngruppen für Menschen mit Essstörungen in Deutschland gibt es unter externer Linkwww.dick-und-duenn-ev.de/fileadmin/Dokumente/Downloads/Wohngruppen_fuer_Essgestoerte_01.pdf.

 

5. Medikamentöse Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Eine rein medikamentöse Behandlung führt bei Essstörungen nicht zur Genesung. Eine Psychotherapie ist in jedem Fall die Behandlung der ersten Wahl. Medikamente können diese begleiten.

 

Bei Patienten mit Bulimie kann begleitend zur Psychotherapie ein Antidepressivum verschrieben werden, denn im Zusammenhang mit Essstörungen treten häufig auch Depressionen auf. Es gibt aber auch nachgewiesene positive Effekte auf die Symptome einer Bulimie. Derzeit ist in Deutschland nur der Wirkstoff Fluoxetin für die Behandlung von bulimischen Patienten über 18 Jahren zugelassen.

 

Bei ausgeprägtem Bewegungsdrang und zwanghaftem Gedankenkreisen bei Magersüchtigen verschreiben Ärzte bisweilen auch niedrig dosierte Neuroleptika.

 

In jedem Fall sollte eine medikamentöse Behandlung gründlich mit einem fachkundigen Psychiater besprochen werden, der diese dann individuell abstimmen kann.

 

6. Selbsthilfe zum Inhaltsverzeichnis

Für viele Betroffene ist der Schritt zu einer Therapie sehr groß. Das Schamgefühl und die Angst, sich zu öffnen, verhindern häufig, dass sie sich professionelle Hilfe suchen. Hier kann die Selbsthilfe ein erster Schritt sein, um sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine entlastende Wirkung haben und neue Wege aufzeigen.

 

6.1. Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen werden häufig von Beratungsstellen für Essstörungen angeboten. Dort treffen sich die Betroffenen etwa einmal pro Woche und tauschen sich über Themen rund um ihre Erkankung aus. Meist ist eine Sozialpädagogin anwesend, die die Gruppe leitet. Der Austausch kann dazu beitragen, dass die Betroffenen sich verstanden fühlen und merken, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind. Zusammen können alternative Bewältigungsstrategien erprobt werden, die Gruppe kann emotionalen Halt geben und die Betroffenen können von den Erfahrungen und Tipps anderer Betroffener profitieren.

 

6.1.1. Virtuelle Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen gibt es auch im Internet. Selbsthilfeforen bieten eine Plattform zum anonymen Austausch mit anderen Patienten.

 

Es gibt aber auch unseriöse Webseiten, auf denen sich Essgestörte nicht mit dem Ziel der Genesung austauschen, sondern um kranke Verhaltensweisen noch zu verstärken. Von solchen Seiten sollten Betroffene unbedingt Abstand nehmen!

 

Zu empfehlen sind Foren, die von Moderatoren betreut werden und die keine detaillierten Angaben zu Gewicht, Größe und genauem Essverhalten gestatten. Das ermöglicht einen sinnvollen, unterstützenden Austausch unter Menschen mit Essstörungen. Das größte dieser Foren ist externer Linkwww.hungrig-online.de. Es bietet eine Mailingliste, moderierte Chats und therapeutisch begleitete, virtuelle Selbsthilfegruppen an.

 

6.2. Selbsthilfeprogramme

Studien konnten nachweisen, dass die Arbeit mit einem Selbsthilfeprogramm, das nach einem speziellen Manual durchgeführt wird und auf Elementen der kognitiven Verhaltenstherapie beruht, vor allem bei Patienten mit Bulimie und Binge-Eating-Störung, hilfreich sein kann.

 

Wissenschaftlich fundierte Manuale zur angeleiteten Selbsthilfe bieten u.a. folgende Bücher:

  • Christopher G. Fairburn (Autor), Susanne Bonn (Übersetzerin): Essattacken stoppen: Ein Selbsthilfeprogramm gegen Binge-Eating. ISBN 978-3456853345
  • Ulrike Schmidt, Janet Treasure, June Alexander: Die Bulimie besiegen: Ein Selbsthilfe-Programm. ISBN 978-3407864093
  • Tanja Legenbauer, Silja Vocks: Manual der kognitiven Verhaltenstherapie bei Anorexie und Bulimie. ISBN 978-3642203848

 

Es gibt auch Selbsthilfeprogramme im Internet, die therapeutisch begleitet werden (sog. "angeleitete Selbsthilfe"). Dabei bekommen die Betroffenen in regelmäßigen Abständen Rückmeldungen von einer professionellen Hilfsperson. Eine solche angeleitete Selbsthilfe für Patienten mit Bulimie gibt es z.B. unter externer Linkwww.anad.de/essstoerungen/salut-bulimie-selbsthilfe-programm.

 

7. Verwandte Links zum Inhaltsverzeichnis

Essstörungen

Essstörungen > Formen und Ursachen

Essstörungen > Angehörige

Essstörungen > Finanzielle Hilfen

Essstörungen > Adressen

 

Redakteurin: Jutta Meier

 

Letzte Aktualisierung am 02.11.2017   Redakteur/in: Jutta Meier

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