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Frühförderung behinderter Kinder

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Die Frühförderung behinderter oder von Behinderung bedrohter Kinder umfasst medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen, die sich sowohl auf das Kind als auch auf seine Familie und sein soziales Umfeld erstrecken können. Im Sozialgesetzbuch IX "Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen" ist Frühförderung als Komplexleistung beschrieben, d.h. die Früherkennung und die Frühförderung werden kombiniert erbracht als ein interdisziplinär abgestimmtes System ärztlicher, medizinisch-therapeutischer, psychologischer, heilpädagogischer und sozialpädagogischer Leistungen.

Eine besondere Rolle spielt die Frühförderung bei Kindern mit Down-Syndrom und Schädel-Hirn-Trauma. Wichtige Einrichtungen sind die sozialpädiatrischen Zentren sowie integrative und heilpädagogische Kindergärten.

 

2. Leistungen der Frühförderungzum Inhaltsverzeichnis

Seit 1.7.2003 gilt die sogenannte Frühförderungsverordnung mit den folgenden wesentlichen Inhalten.

 

2.1. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

Zu den Leistungen der medizinischen Rehabilitation zählen:

  • ärztliche Behandlung
  • sozialpädiatrische nichtärztliche Leistungen, psychologische, heilpädagogische und psychosoziale Leistungen, so weit und so lange sie unter ärztlicher Verantwortung erbracht werden und erforderlich sind, um eine drohende oder eingetretene Behinderung zu erkennen und einen Behandlungsplan aufzustellen
  • Heilmittel, insbesondere physikalische Therapie, Physiotherapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie (Logopädie) sowie Beschäftigungstherapie aufgrund eines Behandlungsplans

 

2.2. Heilpädagogische Leistungen

Heilpädagogische Leistungen werden nur für Kinder erbracht, die noch nicht eingeschult sind.

Hierzu zählen:

  • pädagogische Mittel, welche die Entwicklung und Persönlichkeitsentfaltung des Kindes anregen
  • sozialpädagogische, psychologische und psychosoziale Hilfen
  • Beratung der Erziehungsberechtigten

 

3. Förderzielezum Inhaltsverzeichnis

Ziele der Frühförderung sind:

  • Förderung von Wahrnehmung, Bewegung, Interaktion, Kommunikation, Sprache
  • Vermittlung von Kompensationstechniken
  • Entwicklung lebenspraktischer Fähigkeiten

 

3.1. Behandlungsplan

In der Regel entwickelt ein interdisziplinäres Team zusammen mit den Eltern einen Behandlungsplan. In das Team sollten Ärzte und Fachkräfte aller Richtungen einbezogen werden, die zur Entwicklung des Kindes beitragen können. Über die medizinisch und therapeutisch erforderlichen Maßnahmen entscheidet das interdisziplinäre Team der Frühförderstelle. Der Behandlungsplan wird von einem Kinderarzt sowie der verantwortlichen pädagogischen Fachkraft unterzeichnet.

 

4. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Wird für Kinder therapeutisches oder pädagogisch wertvolles Spielzeug notwendig, das die finanziellen Möglichkeiten der Eltern übersteigt, kann das Sozialamt unter Umständen einen Zuschuss als einmalige Leistung leisten.
  • Der behandelnde Kinderarzt stellt eine Überweisung für eine entwicklungsneurologische Untersuchung des Kindes in der Frühförderstelle aus. Dort wird das Kind ärztlich untersucht und festgestellt, ob ein Bedarf an Förderung und Therapie besteht.
  • Die Anträge auf Frühförderung werden von den Mitarbeitern der Frühförderstelle gestellt und können bei jedem der beteiligten Rehabilitationsträger gestellt werden. Diese stimmen sich untereinander ab und entscheiden innerhalb von 2 Wochen nach Vorliegen des Behandlungsplans über die Leistung.

 

5. Kostenübernahmezum Inhaltsverzeichnis

Die gesetzlichen Krankenkassen sind für alle Leistungen bis zur Aufstellung eines Förderplans und für die medizinischen/medizinisch-therapeutischen Leistungen zuständig.

Das Sozialamt ist für heilpädagogische Leistungen zuständig, dies jedoch nur vor Schuleintritt des Kindes. Die Eltern eines behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindes können also zur Finanzierung der Integration in den Kindergarten (und damit in die Gesellschaft) beim Sozialamt einen Antrag auf Leistungen zur Frühförderung nach § 54 SGB XII, die sogenannte Eingliederungshilfe für Behinderte, stellen. Leistungen der Sozialhilfe sind im Regelfall einkommens- und vermögensabhängig, einige Hilfen, so auch die Hilfen zur Frühförderung behinderter Kinder, werden jedoch unabhängig von Einkommen und Vermögen gewährt.

 

6. Frühförderung bei Down-Syndrom und Schädel-Hirn-Traumazum Inhaltsverzeichnis

Wie gut sich ein Kind mit Down-Syndrom oder nach Schädel-Hirn-Trauma entwickelt, hängt vor allem von der Förderung seiner potenziellen Möglichkeiten ab. Deshalb ist die Frühförderung sehr wichtig. Die Hilfsangebote der Frühförderung richten sich an Kinder bis zum Schulalter. Dazu zählen Beratung, Unterstützung und Anleitung der Eltern, Früherkennung und -diagnostik, Therapie und Behandlung sowie pädagogische Frühförderung.

Unterschieden wird zwischen mobiler und ambulanter Frühförderung. Bei der mobilen Frühförderung wird das Kind in seiner vertrauten Umgebung aufgesucht, ambulante Frühförderung findet in den Räumlichkeiten einer Frühförderstelle statt.

 

7. Integrative und heilpädagogische Kindergärtenzum Inhaltsverzeichnis

Dem erhöhten Förderbedarf von behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern wird in verschiedenen Einrichtungen entsprochen:

  • Integrative Kindergärten betreuen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam. Die Kinder erfahren die unterschiedlichen Schwächen und Stärken der anderen und lernen, diese zu akzeptieren. Das weckt Verständnis füreinander und Vorurteilen wird entgegengewirkt. Integration im Kindergartenalter soll zur Erkenntnis beitragen, dass behinderte Menschen zur Normalität der Gesellschaft gehören. Im Vergleich zu herkömmlichen Kindergärten sind die Gruppenstärken reduziert.
  • In heilpädagogischen Kindergärten werden Kinder mit besonderem Förderbedarf betreut. Deshalb sind die Gruppen deutlich kleiner, maximal 10 Kinder pro Gruppe. Es erfolgt eine gezielte therapeutische Einzelförderung und Kleingruppenförderung. Ziel der Förderung ist, den Kindern ein Leben in größtmöglicher Selbstständigkeit in sozialer Gemeinschaft zu ermöglichen.
  • Weitere Integrationsformen im Kindergarten
    Entsprechende Adressen können Eltern bei Jugendämtern und den Lebenshilfe-Landesverbänden erfragen.
    • im Regelkindergarten
    • Integrationsgruppen im Regelkindergarten
    • Integrative Gruppen in Sonderkindergärten
    • Additive Kindergärten
  • Weitere institutionelle Tagesangebote für (behinderte) Kinder

 

8. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

  • Beratung und weitere Hilfen leisten Gesundheitsämter, Kinderkliniken, sozialpädiatrische Zentren, Sozialämter und Wohlfahrtsverbände.
  • Ein Verzeichnis von Einrichtungen und Stellen der Frühförderung in Deutschland kann unter externer Linkwww.bmas.de > Service > Publikationen bestellt werden.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Schädel-Hirn-Trauma

Schädel-Hirn-Trauma > Kinder

Eingliederungshilfe für Behinderte

Persönliches Budget

Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

Behinderung

Heilmittel

Logopädie

Down-Syndrom

Down-Syndrom > Familie

Urlaub und Freizeit bei Behinderung

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 30 SGB IX)

 

Letzte Aktualisierung am 09.10.2013   Redakteur/in: Sabine Bayer

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