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Geschwister kranker Kinder

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

In Familien mit schwer kranken Kindern kann es dazu kommen, dass sich gesunde Kinder vernachlässigt fühlen. Sowohl die Eltern als auch das Umfeld sollten darauf achten, dass die gesunden Kinder ins Familienleben eingebunden werden und ausreichend Zeit und Zuwendung bekommen. Unabdingbar sind altergerechte, ehrliche Erklärungen zur Erkrankung des Geschwisters.

 

2. Häufige Ausgangssituationzum Inhaltsverzeichnis

Wenn ein Kind schwer erkrankt, gelten das Mitgefühl und die Aufmerksamkeit der Eltern und Verwandten in erster Linie dem Patienten. Die Sorgen und Nöte der Geschwister treten oft in den Hintergrund. Es wird - bewusst oder unbewusst - erwartet, dass die Geschwister sich in die neue Situation einfügen und sich so unauffällig wie möglich verhalten. Das Ausmaß der Veränderungen für die Geschwister wird meist nicht im vollen Umfang wahrgenommen und ihre Betreuung wird auf den notwendigen Alltag reduziert:

  • Geregelten Tagesablauf einhalten.
  • Hinbringen und Abholen vom Kindergarten, von der Schule.
  • Kochen.
  • Spielen.

 

3. Mangelnde Kommunikationzum Inhaltsverzeichnis

Je weniger in der Familie gesprochen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Geschwister Wut und Aggression entwickeln. Diese Gefühle können eine Eigendynamik entwickeln, sich immer tiefer in die Kinderseele eingraben und als Störung manifestieren. Die Geschwister spüren: Es ist etwas Schlimmes geschehen. Deshalb sollte man sie einbeziehen, nicht ausgrenzen.

Je nach Alter haben Geschwister Fragen zur Erkrankung und zur Situation:

  • Muss mein Bruder/meine Schwester sterben?
  • Kann ich diese Krankheit auch bekommen?
  • Warum beachtet mich niemand mehr?
  • Wie lange muss mein Bruder/meine Schwester im Krankenhaus bleiben?
  • Wann haben meine Eltern wieder Zeit für mich?

Eltern sollten die Geschwister ermutigen, über ihre Befürchtungen, Bedenken, Wünsche und Gefühle zu reden. Fragen sollten möglichst offen beantwortet werden, aber es sollte nicht mehr erklärt werden als das Kind wissen will. Wenn Kinder ausweichende Antworten bekommen, spüren sie, dass ihre Fragen nicht erwünscht sind und fragen nicht weiter. Aber sie füllen das Vakuum mit eigenen Phantasievorstellungen. Gegenseitige Hilfe ist am besten möglich, wenn die Eltern wissen, was in den Kindern vorgeht. Damit kann verhindert werden, dass sich ein Teufelskreis aus Missverstehen und Angst entwickelt.

 

4. Eltern in Notzum Inhaltsverzeichnis

Die Geschwister erleben die Wut, die Verzweiflung und die Ohnmacht ihrer Eltern. Sie spüren die Angst, die auf der gesamten Familie lastet. Dies belastet sie und kann sich noch verstärken, wenn keine offene Kommunikation stattfindet. Da die Eltern unter Umständen selbst so stark belastet sind, dass sie dies nicht mehr erkennen, ist hier auch das Umfeld gefragt, Entlastung in jeder Form anzubieten.

 

5. Eltern und deren Umgang mit der Erkrankung des Kindeszum Inhaltsverzeichnis

Gehen die Eltern positiv mit der Erkrankung des Kindes um, so sind in der Regel auch die Geschwister unbelasteter in der Situation.

Kinder lernen von den Eltern und wachsen mit dem Mut und dem Optimismus, den die Eltern ausstrahlen. Ein Leitsatz könnte sein: "Wir schaffen das gemeinsam."

 

6. Geschwisterkonstellation (Geschlecht und Altersunterschied)zum Inhaltsverzeichnis

Die Rivalität zwischen gleichgeschlechtlichen Geschwistern ist meist größer als zwischen Junge und Mädchen. Dies hat zur Folge, dass gleichgeschlechtliche Kinder häufiger streiten, dass das gesunde Geschwisterkind sich schneller zurückgesetzt fühlt, eifersüchtig wird, sich zurückzieht oder auffälliges, um Aufmerksamkeit heischendes Verhalten zeigt.

 

Andersgeschlechtliche Geschwister sind dagegen eher bereit, dem schwer kranken Kind Zuwendung und Verständnis zu geben.

 

Ältere Kinder erleben meist durch die Geburt eines Geschwisters, eine "Entthronung", eine veränderte Situation und damit eine einhergehende Verunsicherung. Ist das neugeborene Geschwisterchen schwer krank, dann kann die Verunsicherung noch größer sein.

 

7. Praktische Tipps zum Umgang mit und zur Unterstützung von Geschwisternzum Inhaltsverzeichnis

Die folgenden Tipps richten sich vor allem an Eltern, gelten aber sinngemäß auch für alle anderen nahestehenden Erwachsenen wie Verwandte, Freunde oder Nachbarn.

  • Mit den Geschwistern sprechen.
    Um Ängste abzubauen, ist es hilfreich, offen und ehrlich mit den Geschwistern zu sprechen. Es ist ratsam, sie frühzeitig, ehrlich und so ausführlich wie möglich über die Erkrankung aufzuklären.
  • Auf die Geschwister hören.
    Es kann passieren, dass sich Geschwister zurückziehen und von sich aus nicht sagen, was sie bewegt. Oft zeigen nonverbale Signale, was in ihnen vorgeht. Kleine Gesten, zartes Streicheln oder Wutausbrüche können die Eltern erkennen lassen, wie belastet die Geschwister durch die veränderte Situation sind.
  • Geschwister nicht unterschätzen.
    Die Geschwister spüren den Kummer der Eltern meist mehr, als die Eltern annehmen. Sie lernen frühzeitig, was es bedeutet, Verantwortung für Patienten zu übernehmen und Rücksicht - auch auf die Eltern - zu nehmen.
  • Den Geschwistern ein eigenes Leben zugestehen.
    Die Geschwister sollten ein Leben wie gleichaltrige Altersgenossen haben dürfen. Eltern sollten darauf achten, dass sie den Geschwistern keine lebenslange Fürsorgepflicht für den Patienten aufbürden.
    Sie sollen auch keine überzogenen Hoffnungen in die gesunden Kinder setzen und sie mit der Situation überfordern. Das könnte zur Folge haben, dass sich die Geschwister unter Druck gesetzt fühlen und nur noch Erwartungen erfüllen (anstatt Eigeninitiative zu entwickeln) oder jegliche Leistung verweigern.
  • Bewusst Zeit nehmen.
    Es ist nicht allein wichtig, wie viel Zeit sich Eltern für die Geschwister nehmen, sondern dass sie sich die wenige Zeit bewusst nehmen und dann allein für das/die Geschwister da sind.
  • Eltern sollten auf sich selbst achten.
    Erschöpfte Eltern sind den Kindern keine Hilfe. Die Eltern brauchen hin und wieder eine Auszeit, um ihre Lebensbatterie wieder aufzuladen. Die Zeit zum Verschnaufen müssen sie sich selbst zugestehen und sie sollte ihnen auch von Außenstehenden zugestanden werden.
  • Hilfe suchen.
    Eltern können sich einer Selbsthilfegruppe anschließen, um so Kontakt zu Gleichbetroffenen zu bekommen und sich auszutauschen. Dies kann auch der Weg sein, um Adressen von hilfreichen Organisationen zu erhalten, z.B. familienunterstützender Dienst, Kurzzeitpflege oder Ambulante Kinderhospizdienste. Außerdem gibt es erste Angebote für Geschwister kranker oder behinderter Kinder. Eine Datenbank für Angebote und Umkreissuche bietet das Projekt Familienbande unter externer Linkwww.stiftung-familienbande.de/?page_id=15.

 

8. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

  • Bei klassischen Erziehungsproblemen: Erziehungs- und Familienberatungsstellen und Beratungsstellen von pro familia (Bundesverband pro familia, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt/M., Telefon 069 26957790, externer Linkwww.profamilia.de).
  • Bei Problemen mit schwerstkranken Kindern helfen Ambulante Kinderhospizdienste und Kinderhospize.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Kinder im Krankenhaus

Kinder krebskranker Eltern

Kinderhospize

Ambulante Kinderhospizdienste

Kindertrauer

 

 

Letzte Aktualisierung am 16.03.2016   Redakteur/in: Ines Grocki

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