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HIV AIDS > Allgemeines

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

HIV ist eine unheilbare Virus-Infektion, die das Immunsystem befällt. Wenn sie nicht behandelt wird, entwickelt sich daraus die Krankheit AIDS. Sie wird durch direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten, vor allem Blut, Sperma und Vaginalsekret, übertragen. Die meisten Infektionen erfolgen beim Geschlechtverkehr und beim intravenösen Drogenkonsum.

 

2. Übertragungzum Inhaltsverzeichnis

HIV wird nur durch direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten übertragen. Die Hauptübertragungswege der HI-Viren sind:

  • Kontakt mit infiziertem Blut, meist beim Geschlechtsverkehr (durch winzige Verletzungen), insbesondere beim Analverkehr, auch beim Vaginalverkehr, selten beim Oralverkehr, und Kontakt durch das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln beim Drogenkonsum.
    Selten kommt es zu einer Ansteckung im medizinischen Bereich, z.B. in Folge einer Nadelstichverletzung.
    Die Übertragung durch Bluttransfusionen ist heute in Deutschland so gut wie ausgeschlossen, da das Spenderblut konsequent untersucht wird.
  • sexueller Kontakt mit Übertragung von infizierter Samen- oder Vaginalflüssigkeit. Dies ist insbesondere bei ungeschütztem Anal- und Vaginalverkehr, selten auch bei Oralverkehr (durch Schlucken von infiziertem Ejakulat oder wenn infiziertes Sperma oder Menstruatuionsblut auf geschädigte Mundschleimhaut gelangt) möglich.
  • von der Mutter auf das Kind bei Schwangerschaft, Geburt oder durchs Stillen. Das kann jedoch durch vorbeugende Maßnahmen verhindert werden.

 

Das Übertragungsrisiko wird erhöht,

  • wenn sexuell übertragbare Krankheiten oder Verletzungen vorliegen, weil dann die HIV-Viren leichter eindringen können.
  • wenn der HIV-Infizierte eine hohe Viruslast hat, weil dann viele HI-Viren vorhanden sind.

 

Stark umstritten ist die Behauptung, eine Beschneidung reduziere das Infektionsrisiko. Keinesfalls sollten beschnittene Männer darauf verzichten, sich beim Geschlechtsverkehr zu schützen.

 

Nicht übertragen werden kann HIV durch Tröpfcheninfektionen, Tränen, Schweiß, Speichel, Nahrungsmittel oder Trinkwasser. Eine Übertragung ist also nicht möglich durch

  • Küssen, Händedruck, Umarmen, Streicheln
  • Spielen und Sport
  • Anhusten oder Anniesen
  • Benutzen derselben Teller, Gläser und Bestecke
  • Gemeinsame Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche
  • Besuch von Schwimmbad oder Sauna
  • Zusammenarbeiten und -wohnen mit HIV-infizierten Menschen
  • Insektenstiche oder andere Tierkontakte im üblichen Rahmen

 

3. Symptome und Verlaufzum Inhaltsverzeichnis

Eine HIV-Infektion und gegebenenfalls AIDS entwickeln sich unterschiedlich. Sie sind von vielen Faktoren abhängig, weshalb insbesondere die Zeitangaben in den nachfolgenden Beschreibungen nur sehr vage sein können.

 

3.1. HIV

HIV ist die Abkürzung für "Human Immunodeficiency Virus", es handelt sich also um ein "menschliches Abwehrschwäche-Virus" aus der Gruppe der Retroviren.

Es gibt zwei Typen von HIV, die jeweils in mehrere Untergruppen unterteilt werden können. In Deutschland kommt vor allem der HIV-1-Typ vor. HIV-2 ist hingegen nur für ca. 0,5 % aller Fälle verantwortlich und tritt vor allem in Westafrika auf.

Die Infektion mit HIV verläuft in mehreren Phasen:

 

3.1.1. Akute Infektion

Das HI-Virus greift das Immunsystem durch Eindringen in bestimmte Immunabwehrzellen und dortiger Vermehrung an, weshalb der Körper Krankheitserreger und entartete Körperzellen nicht mehr so gut bekämpfen kann. Zur Vermehrung werden vor allem Lymphocyten, die den CD4-Rezeptor auf der Oberfläche tragen, welcher das Viruseindringen begünstigt (sog. CD4-Zellen, auch T-Helferzellen genannt) und Makrophagen benötigt. Das Virus veranlasst durch ein spezielles Enzym („Reverse Transkriptase“) eine Umschreibung und Eingliederung seines Erbguts (RNA) in das Erbgut der Wirtszelle (DNA) und regt dadurch die Zelle zur Produktion von Virus-Erbgut an. Die vom Virus befallenen Zellen produzieren auf diese Weise neue Viren, werden aber durch die Virenproduktion schnell zerstört, während Makrophagen länger leben und kontinuierlich Viren herstellen, die sich im Körper ausbreiten. Der Körper reagiert auf diese Infektion und bildet Antikörper, die sich im Blut nachweisen lassen.

 

Nach der Infektion vermehren sich die HI-Viren zunächst stark. Das Immunsystem wehrt sich dagegen und es kommt nach einem Zeitraum von etwa 6 Tagen bis zu 6 Wochen zu grippeähnlichen Symptomen, die häufig nicht als HIV-Infektion erkannt werden. Typisch sind z.B. Fieber, Lymphknotenschwellung, Ausschläge am Körper, z.T. Durchfall und schmerzhafte Schluckbeschwerden, selten auch Symptome einer leichten Hirnhautentzündung.

 

3.1.2. Asymptomatische Latenzphase

Die HI-Virenzahl ("Virenlast") sinkt danach ab und das Virus lässt sich nur noch schwer nachweisen. Nachweisbar bleiben aber die Antikörper, anhand derer in der Regel HIV diagnostiziert wird (siehe unter HIV-Test).

 

Der Infizierte spürt in dieser Zeit in der Regel keine körperlichen Veränderungen. Allerdings vermehrt sich das HI-Virus weiter. T-Helferzellen werden zerstört, können vom Körper aber in ausreichender Anzahl nachgebildet werden. Die symptomfreie Latenzzeit kann Monate bis Jahre dauern.

 

3.1.3. Lymphadenopathie-Syndrom (LAS)

In diesem Stadium treten Lymphknotenschwellungen auf, die längere Zeit anhalten können. Der Körper ist nicht mehr in der Lage genügend T-Helferzellen zu bilden, sodass die Abwehrkräfte geschwächt sind und es vermehrt zu Erkrankungen kommt. Die Betroffenen entwickeln unspezifische Beschwerden, d.h. es handelt sich um Beschwerden, die bei verschiedenen Erkrankungen auftreten können. Typisch sind z.B. ein schlechtes Allgemeinbefinden, Veränderungen der Haut und der Schleimhäute oder Magen-Darm-Probleme. Die Symptome sowie ihre Häufigkeit und Ausprägung sind individuell stark unterschiedlich. Dieses Stadium kann zusammen mit der Latenzphase unbehandelt 8-12 Jahre dauern.

 

3.2. AIDS

AIDS ist die Abkürzung für "Acquired Immune Deficiency Syndrome", übersetzt "erworbenes Immunschwäche-Syndrom".

Von AIDS spricht man erst, wenn es infolge des geschädigten Immunsystems zu lebensbedrohlichen Infektionen kommt. Typisch sind eine spezielle - durch einen Pilz ausgelöste - Form der Lungenentzündung (Pneumocystis jirovecii), Pilzinfektionen der Schleimhäute (Candida albicans), Hirnabszesse infolge einer Toxoplasmen-Infektion oder schwere Erkrankungen an Augen, Lunge, Hirn oder Darm, die von einem bereits vorhandenen Herpes-Virus verursacht werden.

Man spricht hier von „opportunistischen Infektionen“. Das sind Infektionen, die nur auftreten, wenn das Immunsystem schon durch eine andere Erkrankung stark geschwächt ist, in diesem Fall durch die HIV-Infektion.

Zudem können bestimmte Krankheiten neu auftreten. Typisch für AIDS sind Krebsarten, die durch Viren bedingt sind, z.B. das Kaposi-Sarkom (Krebsart an den Schleimhäuten) und das B-Zell-Lymphom (Krebsart der Lymphzellen). Diese Krebsarten zählen zusammen mit den opportunistischen Infektionen, einer bestimmten Gehirnerkrankung (HIV-assoziierte Enzephalopathie) und einem Gewichtsverlust über 10 % ohne erkennbare Ursache (Wasting-Syndrom) zu den sog. „AIDS-definierenden Erkrankungen“.

 

3.3. HIV-Co-Infektionen

HIV-positive Menschen sind anfälliger für bestimmte weitere Erkrankungen.

 

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts nehmen sogengannte Co-Infektionen bei HIV-Positiven zu. Darunter versteht man Infektionen mit anderen STI (sexuell übertragbaren Krankheiten), z.B. Chlamydien-, HPV- und HCV-Infektionen oder Syphilis. Einige STI können bei HIV einen besonders schweren Verlauf nehmen, zudem erhöht eine Co-Infektion das Risiko, dass andere Menschen sich mit HIV anstecken. Menschen mit HIV sollten sich deshalb jährlich auf versteckte Infektionen untersuchen lassen.

 

Besonders gefährlich ist Hepatitis (Leberentzündung), insbesondere wenn sie durch Viren hervorgerufen wird. Es gibt harmlosere und gefährlichere Arten. Hepatitis B und C können chronisch oder gar lebensbedrohlich werden, was vor allem bei Menschen mit Immunstörungen, also auch bei HIV-Betroffenen, passiert. Näheres unter Hepatitis C > Behandlung.

 

Gegen Hepatitis A und B gibt es Schutzimpfungen, die man als HIV-Positiver möglichst in Anspruch nehmen sollte.

 

Informationen zu STI bietet die Deutsche STI Gesellschaft (DSTIG) unter externer Linkhttp://dstig.de/was-sind-stdsti.html.

 

4. Präventionzum Inhaltsverzeichnis

Einer Ansteckung mit HIV kann auf verschiedenen Wegen vorgebeut werden.

 

4.1. Safer Sex

Mit "Safer Sex" (sichererem Sex) kann die Infektion mit HIV verhindert werden. Die beiden wichtigsten Regeln sind:

  • Beim Geschlechtsverkehr Kondome benutzen.
  • Beim Oralverkehr kein Sperma in den Mund kommen lassen.

 

4.2. Safer Use

Mit "Safer Use" ist die Verhinderung einer Infektion durch geeignete Schutzmaßnahmen gemeint. Bei Drogenkonsumenten ist dies die Benutzung von eigenem, möglichst sterilem Spritzenbesteck. In Kliniken und Arztpraxen verhindert die konsequente Einhaltung der Hygienerichtlinien (z.B. das Tragen von Schutzhandschuhen) eine Ansteckung.

 

4.3. Medikamentöse Prävention

Die medikamentöse Prävention ist auf 2 Wegen möglich.

 

4.3.1. PEP

Wer den Verdacht hat, sich mit HIV angesteckt zu haben, sollte sich sofort in fachärztliche Behandlung begeben.

 

Mit einer PEP (Postexpositionsprophylaxe, also Vorbeugung nach dem Viruskontakt) kann verhindert werden, dass sich das HI-Virus im Körper festsetzt. Die Medikamente müssen so schnell wie möglich eingenommen werden, am besten bereits innerhalb der ersten 2 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Nach 72 Stunden wird die Einnahme nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr empfohlen.

 

Die erheblichen Kosten für eine PEP werden von der Krankenkasse nur übernommen, wenn tatsächlich ein Infektionsrisiko bestanden hat, z.B. bei

  • Verletzungen mit HIV-kontaminierten Instrumenten bzw. Injektionsnadeln
  • Benetzung offener Wunden und Schleimhäute mit HIV-kontaminierten Flüssigkeiten
  • ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-infizierten Person
  • Gebrauch von HIV-kontaminiertem Injektionsbesteck
  • einer Transfusion von HIV-kontaminiertem Blut oder Blutprodukten

 

Ob ein relevantes Risiko vorliegt, muss im Einzelfall von einem Arzt entschieden werden.

Wichtig: Die HIV-PEP ist keine "Pille danach", sondern eine aufwendige medizinische Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen.

 

Detaillierte Informationen und einen Link zu Kliniken, die eine PEP anbieten, gibt die Deutsche AIDS-Hilfe unter externer Linkhttps://www.aidshilfe.de/safer-sex-unfallpep.

 

4.3.2. PrEP

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe (Vorbeugung vor dem Kontakt). Hier kann ein HIV-negativer Mensch präventiv Medikamente der HIV-Therapie einnehmen, um sich vor einer Infektion zu schützen In Deutschland wurde das Medikament für die PrEP zugelassen, wird derzeit allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen. Es ist möglich, sich das Medikament für ca. 800 € auf einem Privatrezept verschreiben zu lassen, dies ist aber nur in ganz speziellen Fällen sinnvoll, z.B. bei Menschen mit einem sehr hohen HIV-Risiko. Eine ausführliche ärztliche Beratung ist daher unbedingt zu empfehlen.

 

Detaillierte Informationen der Deutschen AIDS-Hilfe stehen unter externer Linkhttps://www.aidshilfe.de/faq-prep und externer Linkhttps://www.aidshilfe.de/dossiers.

 

5. HIV-Testszum Inhaltsverzeichnis

Bei Verdacht auf HIV sollte man sich umgehend testen lassen, denn

  • je früher die Behandlung beginnt, desto höher ist die Chance, lange und symptomfrei mit HIV zu leben und den Ausbruch von AIDS zu verzögern oder zu verhindern.
  • wer über seine Infektion Bescheid weiß, kann andere vor einer Infektion schützen, weil er das Virus nicht unwissentlich weiter überträgt.

Es gibt mehrere Testverfahren, die entweder nach HIV-Antikörpern im Blut oder direkt nach dem Virus oder seinen Bestandteilen suchen.

 

5.1. HIV-Antikörper-Test

Beim HIV-Antikörper-Test wird zunächst ein hochsensitiver Test (ELIZA) durchgeführt, der nach Antikörpern gegen das HI-Virus sucht. Daher liefert der Test erst etwa 3 Monate nach einer Infektion ein sicheres Ergebnis. Im Falle eines positiven Testergebnisses erfolgt dann ein hochspezifischer Test (WESTERN-BLOT), der fälschlich positive Ergebnisse ausschließt und die Diagnose bestätigt.

 

5.2. HIV-Antigen-Antikörper-Test

Diese Tests suchen neben HIV-Antikörpern auch nach einem ganz bestimmten Bestandteil des HI-Virus 1, dem p24-Antigen". Dieses kann schon ca. 2 Wochen nach einer HIV-Infektion nachgewiesen werden. Das p24-Antigen ist allerdings nur so lange nachweisbar, wie es frei im Blut auftritt. Sobald sich Antikörper bilden, bindet sich das freie p24 und führt dadurch zur Zerstörung anderer Immunzellen. Die Antikörper-Komponente des Tests schlägt dann allerdings trotzdem an, weshalb es zu zuverlässigen Ergebnissen kommt. Auch hier wird zunächst der hochsensitive Suchtest durchgeführt und dann ggf. der hochspezifische Bestätigungstest.

Wichtig: Ein HIV-positiver Befund im Antigen-Antikörper-Test ist zu jedem Testzeitpunkt zutreffend. Ein negativer Befund ist erst 6 Wochen nach einem Risiko aussagekräftig. Man spricht hier vom "Diagnostischen Fenster".

 

5.3. Schnelltest

Der Schnelltest kann schon etwa 30 Minuten nach der Blutentnahme ein Ergebnis liefern. Allerdings sollte er nicht früher durchgeführt werden als der HIV-Antikörper-Test, denn ein HIV-negativer Befund im Schnelltest ist erst etwa 3 Monate nach einem Risiko aussagekräftig. Der Test liefer also nicht schneller (im Sinne von früher) Ergebnisse, sondern kann nur schneller ausgewertet werden. Da es beim Schnelltest zu einem falsch-positiven Ergebnis kommen kann, sollte bei einem positiven Ergebnis ein HIV-Antikörper-Test nachgeschaltet werden.

 

5.3.1. Heimtest

Im Internet sind Schnelltests für zu Hause erhältlich, die aber in Deutschlang nicht zugelassen sind. Die Deutschen AIDS-Hilfe warnt nachdrücklich vor diesen Heimtests, da die Tests nur bedingt zuverlässig sind und schon der kleinste Fehler bei der Anwendung falsche Ergebnisse liefern kann.

 

5.4. PCR

Der PCR-Test (PCR = Polymerasekettenreaktion) weist nicht die Antikörper, sondern das Virus selbst nach. Dies ist schon etwa 15 Tage nach der Infektion möglich. Da sich das HI-Virus in einigen Fällen langsamer vermehrt und daher noch nicht erkannt wird, sollte auch hier nach 3 Monaten einHIV-Antikörper-Test zur Bestätigung der Diagnose erfolgen. Der Test kann zudem nur HIV-1, nicht jedoch das in Deutschland allerdings selten auftretende HIV-2, nachweisen und ist zudem sehr teuer.

 

Die PCR wird zudem genutzt, um die Viruslast und damit den Erfolg einer HIV-Behandlung zu messen.

 

5.4.1. Praxistipp!

HIV-Tests kann man bei vielen Gesundheitsämtern, AIDS-Hilfestellen und Präventionsprojekten kostenlos und anonym machen lassen. Erfolgt der Test beim Arzt, wird er namentlich durchgeführt und mit dem Ergebnis in die Patientenakte eingetragen.

Adressen finden Sie unter externer Linkhttps://www.aidshilfe.de/hiv-test.

 

6. Datenschutz und Meldepflichtzum Inhaltsverzeichnis

HIV und AIDS sind stigmatisierte Erkrankungen. Daher ist es wichtig zu wissen, wem gegenüber eine Mitteilungspflicht besteht und für wen die Schweigepflicht gilt.

 

6.1. Persönliche Mitteilungspflicht

Wenn ein Betroffener von seiner Infektion weiß, sollte er seinen Sexualpartner darüber informieren. Wenn er dies nicht tut und weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, macht er sich wegen versuchter Körperverletzung strafbar.

 

Eine rechtliche Verpflichtung der Mitteilung gegenüber Ärzten und Behördern besteht nicht. Es ist allerdings ratsam, alle behandelnden Ärzte über die HIV-Infektion in Kenntnis zu setzen, damit Wechselwirkungen vermieden und Nebenwirkungen richtig eingeordnet werden können. In manchen Fällen ist auch notwendig, Leistungsträger über die Infektion zu informieren, z.B. wenn aufgrund der AIDS-Erkrankung eine Rente beantragt wird.

 

6.2. Schweigepflicht

Für Ärzte und andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens besteht eine Schweigepflicht, die nur bei einem rechtfertigenden Notstand gebrochen werden darf. Dieser ist in der Praxis jedoch nicht einfach zu begründen und liegt daher nur in Ausnahmefällen vor. Auch bei einer Gefährdung Dritter (z.B. wenn ein HIV-Infizierter ungeschützen Geschlechtsverkehr mit seinem Partner hat und dieser nicht über die Infektion informiert ist) gilt zunächst die Schweigepflicht. Es müssen erst alle Maßnahmen (z.B. eindringliche Aufklärung über die Konsequenzen des Handelns) ausgeschöpft sein, bis der Arzt seine Schweigepflicht brechen und den Sexualpartner informieren darf.

 

Ein Arzt darf sein Wissen um eine Infektion auch nicht beliebig an andere Klinikmitarbeiter weitergeben. Ein Einverständnis des Patienten in die Mitteilung gegenüber Dritten erstreckt sich nur auf Mitarbeiter, die unmittelbar mit dem Patienten befasst sind. Die Verschwiegenheit gilt auch für die Dokumentation und Weitergabe von Befunden sowie die Abrechnung mit der Krankenkasse. Das Ergebnis eines HIV-Tests darf z.B. nicht ohne Einverständnis des Patienten in einem Arztbrief weitergegeben werden. Wenn kein Einverständnis vorliegt, kann der Arzt einen Hinweis auf Unvollständigkeit eintragen. Der Betroffene kann dann allerdings der Weiterleitung eines solchen Arztbriefes widersprechen.

 

Auch Privatpersonen sind durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wer das Wissen um eine Infektion weiterträgt, kann auf Schadensersatz verklagt werden.

 

Näheres zum Umgang mit einer HIV-Infektion unter HIV AIDS > Beruf und Rente und HIV AIDS > Familie Leben Reisen.

 

6.3. HIV-Meldepflicht

Eine HIV-Infektion muss an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden (§ 7 Abs.3 Nr. 2 IfSG). Meldepflichtig ist die Einrichtung (in der Regel ein Labor), die das HI-Virus nachweist. Die Meldung erfolgt innerhalb von 2 Wochen nicht namentlich mit einer fallbezogenen Verschlüsselung, damit Doppelmeldungen erkannt werden.

Das Labor meldet nur die Daten, die ihm vorliegen, und sendet einen Durchschlag an den Arzt, von dem die Probe kam. Der Arzt ergänzt notwendige Daten (Anonymität bleibt gewahrt) und meldet sie seinerseits an das Robert-Koch-Institut.

 

6.4. Freiwilliges AIDS-Fallregister

Seit 1982 erfasst das zentrale AIDS-Fallregister Fallberichte der behandelnden Ärzte über AIDS-Erkrankungen und Todesfälle in Deutschland. Die Meldung der Ärzte an das Robert-Koch-Institut ist freiwilligen und anonym. Das Institut schätzt, dass weniger als die Hälfte der Fälle gemeldet werden.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Die AIDS-Hilfe bietet Beratung auf verschiedenen Wegen an

 

Neben Betroffenen können auch Partner und Angehörige die Beratung nutzen. Bei Bedarf werden die Kontaktdaten lokaler AIDS-Hilfen und bundesweiter Beratungsprojekte zu medizinischen Fragen vermittelt.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

HIV AIDS 

HIV AIDS > Alter und Pflege

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HIV AIDS > Rehabilitation

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Redakteurin: Andrea Nagl

 

Letzte Aktualisierung am 13.10.2017   Redakteur/in: Andrea Nagl

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