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1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Eine HIV-Diagnose hat weitreichende Auswirkungen auf den Alltag, das Familien- und Freizeitleben. Wenn einige Dinge beachtet werden, können Einschränkungen jedoch verringert werden. Auch die Gründung einer Familie ist möglich.

 

2. Partnerschaft und Familiezum Inhaltsverzeichnis

Eine HIV-Diagnose ist ein massiver Einschnitt ins Leben. Eine sehr frühe Frage ist, wem man sich mit dieser Diagnose offenbart. Es ist hilfreich, mit der Diagnose nicht allein zu bleiben. Aber jeder Betroffene sollte für sich überlegen, wer vertrauenswürdig, stabil und informiert genug ist, damit so umzugehen, dass er für ihn eine Hilfe, und keine weitere Belastung, ist.

 

2.1. Partnerschaft

Wenn in einer Partnerschaft einer der Partner HIV-positiv ist, kann das die Beziehung vor Herausforderungen stellen. Die Gefahr einer HIV-Infektion des nicht infizierten Partners lässt sich durch geschützten Geschlechtsverkehr, eine konsequente Medikamenteneinnahme des infizierten Partners und im Notfall durch eine PEP (Näheres unter HIV AIDS > Allgemeines) so gut wie ausschließen.

 

Eine besonders schwierige Situation kann entstehen, wenn in einer Beziehung trotzdem HIV übertragen wird. Vorwürfe einerseits und Schuldgefühle andererseits können die Beziehung stark belasten. Wenn Schuldgefühle, Ängste oder vielleicht auch Wut auf den Partner die Beziehung gefährden, ist es wichtig darüber zu sprechen. Hier kann die Beratung der AIDS-Hilfe eine gute Anlaufstelle sein.

 

Wenn beide Partner HIV-positiv sind, stellen sich manche Paare die Frage, ob sie auf Kondome verzichten können. Die Antwort fällt von Fall zu Fall unterschiedlich aus.

  • Wenn beide Partner keine HIV-Medikamente nehmen, besteht unter Umständen das Risiko, dass sie sich gegenseitig mit weiteren HI-Virusvarianten infizieren, vor allem bei hoher Viruslast und einer frischen HIV-Infektion. Dann sind Kondome empfehlenswert.
  • Wenn mindestens einer der Partner sich in einer gut funktionierenden HIV-Therapie befindet, ist dieses Risiko allerdings so gering, dass es vernachlässigt werden kann.

Im Zweifel sollten Paare ihre behandelnden Ärzte fragen, ob sie auf Kondome verzichten können.

 

2.2. Empfängnisverhütung

Eine ART besteht immer aus mehreren Medikamenten und diese können Wechselwirkungen verursachen, unter anderem mit der Pille, so dass die hormonelle Verhütung nicht mehr wirkt. Hier ist eine enge Abstimmung mit dem Frauenarzt nötig.

 

2.3. Kinderwunsch

Viele Menschen mit HIV wünschen sich Kinder. Dieser Wunsch muss nicht unerfüllt bleiben: Zeugung, Schwangerschaft und Geburt sind trotz einer HIV-Infektion möglich. Eine Infektionsgefahr für den HIV-negativen Partner kann dabei durch HIV-Medikamente und andere Methoden nahezu ausgeschlossen werden.

Auch für das Kind besteht heute nahezu keine Infektionsgefahr, wenn entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Die Zeugung sollte allerdings ausschließlich nach eingehender Beratung erfolgen. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen geht der HIV-negative Partner so gut wie kein Risiko ein.

Wenn eine natürliche Zeugung nicht in Frage kommt oder gewünscht ist, gibt es noch 2 weitere Möglichkeiten:

  1. Wenn die Frau HIV-positiv ist, kann die Zeugung durch künstliche Befruchtung mit dem Sperma des Mannes erfolgen.
  2. Ist der Mann HIV-positiv, wird sein Sperma "gewaschen". Das bedeutet, das HI-Virus wird im Labor aus dem Sperma entfernt. Danach erfolgt eine künstliche Befruchtung.

 

2.4. Schwangerschaft und Geburt

Die Übertragung von HIV von einer HIV-positiven Mutter auf ihr Kind kann heute in fast allen Fällen verhindert werden. Folgende Maßnahmen sind notwendig:

  • regelmäßige Einnahme von HIV-Medikamenten während der Schwangerschaft
  • regelmäßige Untersuchungen beim Frauenarzt und in der HIV-Schwerpunktpraxis oder HIV-Ambulanz
  • bei der Geburt sollte ein Ärzte-Team bereitstehen, das sich mit HIV auskennt
  • Verzicht aufs Stillen
  • vorbeugende Behandlung des Neugeborenen mit HIV-Medikamenten für 4 Wochen

 

Die Entbindung findet heute in den meisten Kliniken per Kaiserschnitt statt. Einige spezialisierte Kliniken bieten auch die Möglichkeit der vaginalen Entbindung. Damit ist kein höheres Risiko für das Kind verbunden, wenn die oben genannten Bedingungen eingehalten werden.

 

2.5. Umgang mit Kindern

Für Eltern ist es besonders schwer, den richtigen Umgang mit Informationen für ihre Kinder zu finden.

  • Sie sollen den Kindern nichts verheimlichen, denn Kinder spüren, dass etwas passiert, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das kann zu Rückzug, Schuldgefühlen, Selbstwertproblemen und ähnlichem führen.
  • Was kann man seinem Kind zumuten - in welchem Alter? Wie erklärt man die komplexe Infektion altersgerecht?
  • Kann das Kind die Information verabeiten? Wie unterstützt man es dabei? Wie nimmt man die Angst vor dem Verlust der Eltern?
  • Kann das Kind sein Wissen und seine Gefühle für sich behalten? Wem darf, kann oder sollte es sich anvertrauen?
  • Wenn man sich für einen offenen Umgang mit der Infektion entscheidet: Wie kann das Kind vor Diskriminierung geschützt werden? 

 

Hilfreiche Vorschläge und Gedankenanstöße geben:

 

3. Gesund lebenzum Inhaltsverzeichnis

Eine HIV-Infektion schwächt das Immunsystem und geht mit Entzündungsprozessen im Körper einher. Eine möglichst gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, Bewegung in frischer Luft, wenig negativem Stress, gesunder Ernährung und möglichst wenig Giften unterstützt die Behandlung und erhöht die Lebensqualität.

 

3.1. Ernährung

Eine gesunde Ernährung stärkt das Immunsystem und steigert die Lebensqualität. Zudem kann sie die Wirksamkeit der Medikamente verbessern, weil diese über den Darm besser ins Blut aufgenommen, dadurch verträglicher sind und Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Gewichtsverlust und Mangelernährung reduziert werden.

Die große Frage ist allerdings: Was ist eine gesunde Ernährung? Die Empfehlungen hierfür sind ständig im Fluss und viele Experten vertreten unterschiedliche Auffassungen. Man kann sich an den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren, zu finden unter externer Linkhttps://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/.

Wichtig ist dabei immer auch, auf den eigenen Körper zu hören. Nicht jedem schmeckt alles und nicht jeder verträgt alles.

 

HIV-infizierte Menschen sollten zudem auf eine "risikoarme" Ernährung mit Blick auf mögliche Infektionen achten. Das bedeutet z.B.:

  • Rohe Eier, rohes Fleisch und Rohmilch-Produkte meiden, da hier die Gefahr von Salmonellen oder Toxoplasmose erhöht ist.
  • Zubereitungen mit rohen Zwiebeln nicht lange stehen lassen.
  • Obst, Salat und Gemüse gründlich waschen.

 

Zu meiden sind einige wenige Nahrungsmittel, da sie die Medikamentenwirkung beeinflussen:

  • Mate-Tee
  • Pfefferminze
  • Johanniskraut
  • Grapefruit

 

3.2. "Gifte" meiden

Zu einer gesunden Lebensweise gehört auch, dem Körper möglichst wenig Gifte zuzumuten, da ihr Abbau vor allem die Leber belastet, die jedoch infolge der Infektion und der Medikamente ohnehin schon mehr leisten muss. Das heißt:

  • Möglichst wenig, am besten keine Drogen, keinen Tabak, keinen Alkohol.
  • Möglichst wenig Spritzmittel und Hilfsmittel in der Nahrung, also am besten viele Bio- und wenig Fertigprodukte.

 

3.3. Sport und Bewegung

Sport und Bewegung stärken das Immunsystem, heben die Lebensqualität und reduzieren viele Gesundheitsrisiken. Letzteres gilt insbesondere für Erkrankungen, die bei Menschen mit HIV-Infektion häufiger und/oder früher auftreten, z.B. Depressionen, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Fettstoffwechselstörungen,  Diabetes und Osteoporose.

Empfohlen wird vor allem Ausdauersport, z.B. walken, wandern, laufen, langlaufen, radfahren, schwimmen oder rudern.

Zudem ist Krafttraining hlfreich, weil es die Muskelmasse und damit die Verfügbarkeit von Sauerstofft im Körper erhöht .

Ein Interview mit dem HIV-Schwerpunktarzt Dr. Martin Reith zum Thema ist online unter externer Linkhttp://m-maenner.de/2014/06/hiv-und-sport-eine-infektion-auf-85-millionen/.

 

In vielen Städten, in denen es AIDS-Hilfe-Beratungsstellen gibt, gibt es auch HIV-Sportgruppen. Beratungskontakte unter HIV AIDS > Allgemeines. Wer infolge der Infektion neu mit Sport beginnt, sollte vorher einen ärztlichen Herz-Kreislauf-Check machen und sich die richtige Trainingsfrequenz empfehlen lassen.

 

4. Reisenzum Inhaltsverzeichnis

Eine Reise sollte aufgrund der Medikamenteneinnahme sorgfältig geplant und mit dem Arzt abgestimmt werden. Es empfiehlt sich zudem, mehr Medikamente mitzunehmen als unbedingt nötig und sie auf Handgepäck und Koffer zu verteilen. So kann auch bei Diebstahl oder vorübergehendem Gepäckverlust die Therapie eingehalten werden.

Näheres unter Urlaub bei chronischen und schweren Krankheiten 

 

Es gibt Länder, die Menschen mit HIV nicht einreisen lassen oder ausweisen. Detaillierte englischsprachige Informationen bietet externer Linkwww.hivtravel.org/, ein deutschsprachiger Download findet sich auf hivtravel.org rechts unten.

 

5. Versicherungenzum Inhaltsverzeichnis

Menschen mit HIV-Infektion können bestimmte private Versicherungen nicht mehr abschließen, doch scheint sich das infolge der guten Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Besondere Vorsicht ist bei Lebensversicherungen und bei Berufsunfähigkeitsversicherungen gebotenen. Bei Neueintritt in eine private Krankenversicherung (PKV) ist in der Regel nur noch der Basistarif möglich, bei bestehenden Verträgen sind Upgrades in einen Tarif mit mehr Leistungen schwierig.

Gegenüber Versicherungen sollte man mit der Information zur Infektion eher vorsichtig umgehen, da die Gefahr besteht, dass man auf einer "schwarzen Liste" landet und die Information weiter gestreut wird als einem lieb ist.

Eine unabhängige Beratung ist also noch wichtiger als bei gesunden Menschen. Neutrale Beratung erhält man bei den AIDS-Hilfen, Kontakt unter HIV AIDS > Allgemeines.

Einen guten Überblick und Ersteinstieg gibt die AIDS-Hilfe unter externer Linkwww.aidshilfe.de/versicherungen.

 

6. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Ein spezielles Angebot für die ersten Schritte ins Leben mit HIV ist das Projekt Sprungbrett. Es vermittelt bundesweit sogenannte Buddies, das sind Männer und Frauen, die selbst HIV-positiv sind und neu Betroffenen ehrenamtlich zur Seite stehen. Näheres unter externer Linkwww.sprungbrett.hiv/.

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

HIV AIDS - Überblick über alle Artikel

HIV AIDS > Allgemeines

HIV AIDS > Alter und Pflege 

HIV AIDS > Behandlung  

HIV AIDS > Beruf und Rente  

HIV AIDS > Finanzielle Hilfen

 

Redakteurin: Andrea Nagl

 

Letzte Aktualisierung am 19.10.2017   Redakteur/in: Andrea Nagl

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