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1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Patienten mit starkem Bluthochdruck, nach Herzinfarkt und mit Herzleistungsschwächen auch in Ruhe dürfen in der Regel kein Auto führen. Der Arzt ist dazu verpflichtet, Patienten entsprechend aufzuklären.

 

2. Grundsätzlicheszum Inhaltsverzeichnis

Grundsätzlich ist ein Arzt dazu verpflichtet, Patienten, die aufgrund ihrer Krankheit kein Auto führen können, darauf hinzuweisen. Die Fahreignung ist vor allem dann beeinträchtigt, wenn die Leistungsfähigkeit insgesamt erheblich beeinträchtigt ist oder wenn ein Herzproblem vorliegt, das dazu führen kann, dass es zu einem plötzlichen Kontrollverlust am Steuer kommt.Wenn mehrere Herzerkrnakungen vorliegen, sind immer die strengeren Auflagen zu beachten.

 

Die folgenden Informationen sind entnommen aus den "Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung" (Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch Gladbach, gültig für Herz- und Gefäßkrankheiten ab 28. Dezember 2016). Kostenloser Download unter externer Linkwww.bast.de > Verhalten und Sicherheit > Fachthemen > Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung > zum Download.

 

Die Fahreignung wird für Kraftfahrzeuge der Gruppe 1 und 2 (Lkw und Personenbeförderung) getrennt beurteilt, Näheres unter Fahrerlaubnisgruppen.

 

3. Herzrhythmusstörungen zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 19-21:

 

"Wenn ein Fahrerlaubnisbewerber oder -inhaber unter Herzrhythmusstörungen leidet, die anfallsweise zu wiederholter Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns und damit zu Synkopen führen, ist er nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden. Grundlage der Beurteilung sollte in jedem Fall eine eingehende internistisch-kardiologische Untersuchung (einschließlich 24-Stunden-Langzeit-EKG, eventuell Einsatz eines Ereignisrekorders) sein. Bei komplexen Fragestellungen bietet es sich an, einen für Herzrhythmusstörungen spezialisierten Kardiologen hinzuzuziehen, um die Ursache zu finden und eine entsprechende Therapie einzuleiten."

 

3.1. Bradykarde Herzrhythmusstörungen

Es besteht bei beiden Gruppen keine Fahreignung, wenn anamnestisch Synkopen vorliegen, die auf noch vorhandene Rhythmusstörungen zurückzuführen sind. Nach effektiver Therapie (Medikamente/Schrittmachertherapie) und kardiologischer Nachuntersuchung kann die Fahreignung wieder vorliegen. Nach Schrittmachertherapie sind die entsprechenden Auflagen zu berücksichtigen.

Für Gruppe-2-Kraftfahrer mit atrioventrikulärem Block (AV-Block III, eines AV-Blocks Mobitz II sowie bei alternierendem Rechts- und Linksschenkelblock) keine Fahreignung.

 

3.2. Tachykarde supraventrikuläre und ventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Keine Fahreignung für beide Gruppen, wenn anamnestisch Synkopen vorliegen, die auf noch vorhandene Rhythmusstörungen zurückzuführen sind.

 

Gruppe 1

Bei strukturellen Herzerkrankungen und anhaltenden Kammertachykardien (VTs) keine Fahreignung. Nach effektiver Therapie und fachärztlicher Nachuntersuchung kann die Fahreignung wieder gegeben sein.

 

Gruppe 2

Bei polymorphen nichtanhaltenden Kammertachykardien (NSVTs) individuelle Entscheidung nach kardiologischer Untersuchung; bei anhaltenden ventrikulären Tachykardien oder nach Indikation eines Defibrillators generell keine Fahreignung mehr. Nach effektiver Therapie und kardiologischer Nachuntersuchung kann ggf. die Fahreignung im Einzelfall wieder gegeben sein.

 

3.3. Schrittmacher

Gruppe 1: Fahreignung nach Schrittmacherimplantation oder Schrittmacherwechsel ist gegeben.

 

Gruppe 2

Nach Schrittmacherimplantation ohne Schrittmacherabhängigkeit und ohne Synkopen in der Anamnese sowie nach Aggregatwechsel ist die Fahreignung nach 1 Woche wieder gegeben. Mit Synkopen, bei Schrittmacherabhängigkeit und nach Elektrodenwechsel ist die Fahreignung nach 4 Wochen gegeben.

 

Für beide Gruppen gilt: Eine adäquate Schrittmacherfunktion und eine entsprechende Wundheilung müssen kardiologisch bestätigt werden. Regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen sind notwendig.

 

3.4. Defibrillator

Generell tragen Patienten, denen ein implantierbarer Cardioverter/Defibrillator (ICD) zur Primärprävention implantiert wurde, ein niedrigeres Risiko, während des Fahrens plötzlich fahrunfähig zu sein, als Patienten mit Sekundärpräventionsindikation. Bei Verweigerung eines ICD ist der Patient darauf hinzuweisen, dass nicht das Vorhandensein des ICDs, sondern die zugrunde liegende Herzerkrankung das Risiko für Arrhythmien mit Synkopen darstellt. Dies gilt insbesondere für Patienten, bei denen die Indikation sekundärpräventiv ist.

 

Gruppe 1

Nach Implantation oder Wechsel eines Defibrillators kann angenommen werden, dass der Betroffene bedingt wieder in der Lage ist, Kraftfahrzeuge zu führen. Wenn primärpräventiv ein ICD implantiert wurde, sind Betroffene  in der Regel nach 1-2 Wochen wieder fahrgeeignet.

Wer sekundärpräventiv einen ICD erhält, hat die Fahreignung frühestens nach 3 Monaten wieder. Eine adäquate ICD-Funktion und eine entsprechende Wundheilung sind von einem Kardiologen zu bestätigen.

Nach einer adäquaten Schockauslösung ist die Fahreignung für 3 Monate nicht gegeben. Nach einem inadäquaten Schock ist die Fahreignung so lange nicht gegeben, bis inadäquate Schocks sicher verhindert werden.

Regelmäßige kardiologische Kontrollen mit Überprüfung des Defibrillators sind notwendig.

Bei rezidivierendem Auftreten von Kammertachykardien ist eine rhythmologische Untersuchung notwendig.

 

Gruppe 2

Betroffene mit ICD sind in der Regel nicht geeignet, ein Kraftfahrzeug zu führen. Wenn der Kardiologe unter besonderen Umständen des Einzelfalls ein Abweichen von den aufgeführten Leitsätzen für gerechtfertigt hält (z.B. bei Patienten mit DCM (krankhafte Erweiterung des Herzmuskels), muss er seine Beurteilung zu einer möglichen Fahreignung sehr ausführlich und mit entsprechenden Hinweisen auf die zugrunde liegende Fachliteratur begründen. 

 

4. Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 21/22:

"Ein kausaler Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck und Auftreten von Verkehrsunfällen ist nicht gesichert. Die Empfehlungen für das Führen eines Fahrzeuges bei erhöhtem Blutdruck beruhen alleine auf klinischer Erfahrung. ..."

 

Beide Gruppen

"Solange ein erhöhter Blutdruck mit zerebralen Symptomen oder Sehstörungen vorliegt, besteht keine Fahreignung. Bei der Blutdrucktherapie sollte darauf hingewiesen wersen, dass eine medikamentöse/interventionelle Behandlung des Bluthochdrucks durch Blutdruckabfall zum Kontrollverlust am Steuer führen kann."

 

Gruppe 2

" ... Blutdruckwerte > 180 mmHg systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch (Grad 3 Hypertension) können die Fahreignung in Frage stellen."

 

5. Zu niedriger Blutdruck (Arterielle Hypotonie)zum Inhaltsverzeichnis

Die Fahreignung ist in der Regel nicht eingeschränkt.

 

6. Koronare Herzkrankheit (Herzinfarkt) zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 22-25.

 

6.1. Akutes Koronarsyndrom (ACS)

"Unter einem akuten Koronarsyndrom (ACS) versteht man den sog. ST-Streckenhebungsinfarkt (STEMI), den Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt (NSTEMI) und die instabile Angina pectoris.

Das Risiko, an einem ACS zu versterben, ist in den ersten Tagen nach dem Ereignis am höchsten und nimmt danach stetig ab. Das entscheidende Kriterium für die Prognose ist die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LV-EF). Als Ejektionsfraktion bezeichnet man den Prozentsatz des Blutvolumens, der von einer Herzkammer (Ventrikel) während einer Herzaktion ausgeworfen wird. Als prognostisch besonders ungünstig wird eine LV-EF < 35 % angesehen. Für die Beurteilung der Fahreignung wird nicht zwischen einem ersten und weiteren ACS differenziert. ...

 

Gruppe 1

Nach komplikationslosem Verlauf (LV-Ejektionsfraktion > 35 %) ist die Fahreignung nach Entlassung aus der Klinik gegeben. Liegt die LV-EF ≤ 35 % oder bestand eine akute dekompensierte Herzinsuffizienz im Rahmen eines akuten Herzinfarktes (STEMI/NSTEMI), kann die Fahreignung 4 Wochen nach dem Ereignis wieder gegeben sein. Eine kardiologische Untersuchung ist erforderlich.

 

Gruppe 2

In den ersten 6 Wochen nach ACS liegt keine Fahreignung vor. Bei einer Ejektionsfraktion >35 % kann die Fahreignung nach 6 Wochen wieder gegeben sein. Bei einer EF ≤35 % liegt keine Fahreignung vor. Der Einzelfall ist unter Berücksichtigung eventueller Auflagen zu beurteilen. Eine kardiologische Untersuchung ist erforderlich.

 

6.2. Stabile Angina pectoris

Gruppe 1: In der Regel Fahreignung gegeben.

 

Gruppe 2: Bei symptomatischer Angina auf niedriger Belastungsstufe ist die Fahreignung nicht gegeben.

 

6.3. Nach PCI (Perkutane Koronarintervention)

Gruppe 1: Nach PCI und gutem klinischen Ergebnis ist die Fahreignung gegeben.

 

Gruppe 2

4 Wochen nach PCI mit gutem klinischem Ergebnis kann die Fahreignung wieder gegeben sein. Jährliche fachärztliche Kontrolluntersuchungen sind notwendig.

 

6.4. Koronare Bypassoperation

Gruppe 1

Die Fahreignung kann in Abhängigkeit von der Genesung 2 - 4 Wochen nach der Bypassoperation wieder gegeben sein.

 

Gruppe 2

Eine Fahreignung ist nach vollständiger Genesung einschließlich Sternumstabilität (in der Regel 3 Monate nach der Operation) gegeben. Bei kompliziertem Verlauf nach der OP ist eine individuelle Einschätzung durch eine kardiologische Nachuntersuchung notwendig.

 

7. Herzinsuffizienzzum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 23-25:

 

"Bei der Herzinsuffizienz wird zwischen der primär systolischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (EF) und der diastolischen Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Pumpfunktion (LV-EF > 50 %) unterschieden. Da die leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie einen großen Einfluss auf die Prognose hat, ist die Therapietreue des Patienten, insbesondere die des Berufsfahrers, bei der Einschätzung der Fahreignung unbedingt zu berücksichtigen.

 

Für die Gruppe 2 sind jährliche kardiologische Kontrolluntersuchungen notwendig.

 

Die Einteilung der Herzinsuffizienz erfolgt nach der New York Heart Association (NYHA) Klassifikation entsprechend der Leistungsfähigkeit der Patienten:"

 

 

Herzerkrankung ...

Gruppe 1

Gruppe 2

NYHA I

... ohne körperliche Limitation. Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine inadäquate Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris

Keine Einschränkung

Bei EF > 35 % ist Fahreignung gegeben.

NYHA II

... mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris

NYHA III

... mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris

Wenn stabil = Fahreignung.

Wenn instabil keine Fahreignung

Keine Fahreignung

NYHA IV

... mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe

Keine Fahreignung

 

8. Weitere Herzerkrankungen und Tabellenzum Inhaltsverzeichnis

Die Begutachtungsleitlinien beschreiben von Seite 25-35  viele weitere, auch seltenere Herzerkrankungen und geben tabellarische Überblicke über die jeweilige Fahreignung.

 

9. Mobilitätshilfen für schwerbehinderte Menschenzum Inhaltsverzeichnis

Patienten mit anerkannter Schwerbehinderung können Mobilitätshilfen in Anspruch nehmen. Die nachfolgenden Links führen zu allgemeinen Informationen.

 

10. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Führerschein

Koronare Herzkrankheit

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Redakteurin: Andrea Nagl

 

Letzte Aktualisierung am 23.03.2018   Redakteur/in: Andrea Nagl

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