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KHK > Autofahren

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Patienten mit starkem Bluthochdruck, nach Herzinfarkt und mit Herzleistungsschwächen auch in Ruhe dürfen in der Regel kein Auto führen. Der Arzt ist dazu verpflichtet, Patienten entsprechend aufzuklären.

 

Reisen als Beifahrer: Näheres unter KHK > Urlaub.

 

2. Grundsätzlicheszum Inhaltsverzeichnis

Grundsätzlich ist ein Arzt dazu verpflichtet, Patienten, die aufgrund ihrer Krankheit kein Auto führen können, darauf hinzuweisen. Die Fahreignung ist vor allem dann beeinträchtigt, wenn die Leistungsfähigkeit insgesamt erheblich beeinträchtigt ist oder wenn ein Herzproblem vorliegt, das dazu führen kann, dass es zu plötzlichen Ausfällen oder Anfällen kommt.

 

Die folgenden Informationen sind entnommen aus den "Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung" (Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch Gladbach, gültig ab 1. Mai 2014). Kostenloser Download unter externer Linkwww.bast.de > Verhalten und Sicherheit > Fachthemen > Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung > zum Download.

 

Die Fahreignung wird für Gruppe 1 und 2 getrennt beurteilt, Näheres unter Fahrerlaubnisgruppen.

 

3. Herzrhythmusstörungen zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 19-21:

"Wenn ein Fahrerlaubnisbewerber oder -inhaber unter Herzrhythmusstörungen leidet, die anfallsweise zu wiederholter Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns führen und damit zur Ursache von Bewusstseinstrübungen oder Bewusstlosigkeit werden können, so ist er nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden. Grundlage der Beurteilung sollte in jedem Fall eine eingehende internistisch-kardiologische Untersuchung einschließlich 24-Stunden-Langzeit-EKG sein.

Nach erfolgreicher Behandlung der Rhythmusstörungen, entweder durch Arzneimittel oder durch Anwendung eines sog. Herzschrittmachers, kann angenommen werden, dass der Betroffene bedingt wieder in der Lage ist, Kraftfahrzeuge der Gruppe 1 zu führen, wenn die Herzfunktion über 3 Monate normalisiert blieb und die ... Symptome nicht wieder aufgetreten sind. Nach Implantation eines implantierbaren Kardioverter/Defibrillator (ICD) kann erst nach ... wenigstens 6 Monaten ... eine Beurteilung erfolgen. ...

Darüber hinaus gilt, dass die Voraussetzungen zur Bewältigung der Anforderungen zum Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 2 in der Regel für ICD-Patienten nicht mehr gegeben sind. ...

Die regelmäßige ärztliche Überwachung des Zustandes in Abständen von längstens 6 Monaten ... muss nachgewiesen werden.

Bei komplexen ventrikulären Herzrhythmusstörungen, nach Auftreten von Synkopen oder bei Zustand nach Reanimation ist für mindestens 6 Monate anzunehmen, dass der Betroffene den Anforderungen beim Führen eines Kraftfahrzeuges nicht gewachsen ist. Danach ist regelmäßige Kontrolle der Effektivität einer Behandlung von Rhythmusstörungen mit Durchführung eines 24-Stunden-Langzeit-EKGs und eventuell zusätzlicher Spezialuntersuchungen erforderlich. Die Voraussetzungen zur Bewältigung der Anforderungen zum Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 2 sind in der Regel nicht gegeben."

 

4. Bluthochdruck (Hypertonie)zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 22/23:

"Wer unter einem Bluthochdruck mit ständig zu messendem diastolischen Wert über 130 mm Hg leidet, ist nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden.

Wer unter einem Bluthochdruck leidet, bei dem der diastolische Wert über 100 mm Hg liegt, ist nicht in der Lage, den Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 gerecht zu werden, wenn gleichzeitig andere prognostisch ernste Symptome, z.B. Zeichen einer gestörten Nierenfunktion, starke Augenhintergrundveränderungen (Blutungen und Exsudate), neurologische Restsymptome nach Hirndurchblutungsstörungen oder eine deutliche Linkshypertrophie des Herzens, nachzuweisen sind.

Für das Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1 ist der Betroffene nur unter besonderen Bedingungen in der Lage ... Beim Vorliegen dieser Befunde ... ist eine vorbeugende Gefahrenabwehr beim Führen von Fahrzeugen der Gruppe 1 nur unter der Auflage regelmäßiger internistischer Kontrollen und Nachbegutachtungen in Abständen von 2 Jahren zu gewährleisten. Die Annahme, dass ein Betroffener mit einem ständig über 100 mm Hg liegenden diastolischen Blutdruck in der Lage ist, den gestellten Anforderungen bedingt gerecht zu werden, ist nur begründet, wenn keine krankhaften Urinbefunde, keine Linkshypertrophie des Herzens, keine Veränderung des Augenhintergrunds vorliegen. Bei diesen Voraussetzungen ist die Auflage internistischer Nachuntersuchungen und Begutachtungen in Abständen von längstens 3 Jahren erforderlich."

 

5. Zu niedriger Blutdruck (Hypotonie)zum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 24:

"Die Hypotonie hat im Unterschied zur Hypertonie in der Regel keinen Krankheitswert. ... Seltener sind vorübergehende anfallsartige Bewusstseinsstörungen, die dann doch ein erhebliches Risiko darstellen. Im Übrigen sind Hypotonien als sekundäre Krankheitszeichen oder in der Rekonvaleszenz nach Infektionserkrankungen häufig. Nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden, sind Personen, bei denen hypotoniebedingt anfallsartige Bewusstseinsstörungen auftreten. Im Einzelfall lässt sich diese Voraussetzung durch Kreislauffunktionsprüfungen feststellen. Ein Betroffener ist wieder in der Lage, den gestellten Anforderungen bei Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr gerecht zu werden, wenn durch angemessene Behandlung die Blutdruckwerte stabilisiert werden konnten."

 

6. Koronare Herzkrankheit (Herzinfarkt) zum Inhaltsverzeichnis

Die Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien stehen auf den Seiten 25/26.

 

6.1. Kraftfahreignung Gruppe 2

"Wer einen Herzinfarkt durchgemacht hat, ist in der Regel nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 gerecht zu werden.

Ausnahmen hiervon sind nur begründet nach einer Genesungszeit von mindestens 3 bis zu 6 Monaten, wenn sich

  • keine gefährlichen bzw. prognostisch ungünstigen Herzrhythmusstörungen,
  • keine Herzinsuffizienz bzw. keine schwerwiegende Einschränkung der Pumpleistung der linken Herzkammer,
  • kein ausgeprägtes Herzwandaneurysma ... und
  • keine bereits bei leichten körperlichen Belastungen oder in Ruhe auftretende Angina pectoris ...

nachweisen lassen."

 

Die Begutachtungsleitlinie führt zudem auf, welche diagnostischen Mittel zur Klärung der Sachlage eingesetzt werden müssen.

 

"Bei Fahrern von Fahrzeugen der Klassen D und bei Fahrern mit der Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung in Taxis, Mietwagen und Krankenkraftwagen ist eine Nachuntersuchung nach Ablauf von 6 Monaten erforderlich, ... bei allen andere Fahrerlaubnisinhabern nach 1 Jahr."

 

6.2. Kraftfahreignung Gruppe 1

Menschen nach einem komplikationslosen Infarkt ohne Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen können nach 3 Monaten, sonst nach 6 Monaten, wieder ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1 führen. Es dürfen vor allem keine gefährlichen und/oder prognostisch bedeutsamen Herzrhythmusstörungen (siehe oben) vorliegen.

 

6.3. Zweiter Herzinfarkt

"Nach einem zweiten Herzinfarkt ist die Voraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 in der Regel nicht mehr gegeben.

Auch zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1 ist sie bei Fahrerlaubnisinhabern nur noch dann gegeben, wenn Herzinsuffizienz oder gefährliche Rhythmusstörungen durch klinische Untersuchungen und Verlaufsbeobachtungen sicher ausgeschlossen sind."

 

7. Herzleistungsschwäche durch angeborene oder erworbene Herzfehler oder sonstige Ursachenzum Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus den Leitsätzen der Begutachtungsleitlinien, Seite 27:

"Wer in Ruhe unter den Zeichen einer Herzleistungsschwäche leidet, ist nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden.

Wer bei gewöhnlichen Alltagsbelastungen unter den Zeichen einer Herzleistungsschwäche leidet, ist nicht in der Lage ... zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 ...,  zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1 bedingt ... Auflagen und Beschränkungen sind vom Gesamtzustand des Erkrankten abhängig ...

Wer bei besonderen Belastungen (Treppensteigen, Laufen, Lastentransport etc.) unter ... einer Herzleistungsschwäche leidet, ist nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 gerecht zu werden, ... Gruppe 1 nur bedingt ...

Ein gesicherter Herzfehler, der auch unter stärkeren körperlichen Belastungen kompensiert bleibt, ist ohne Einfluss auf die Leistung zum sicheren Führen von Kraftfahrzeugen, sofern in Abständen von 2 bis 3 Jahren eine internistisch-kardiologische Nachuntersuchung die Kompensation bestätigt ...

Eine Herzoperation beseitigt insbesondere einen Großteil der angeborenen Herzfehler, so dass der Betreffende als gesund zu bezeichnen ist. Auch bei den erworbenen Herzfehlern mit oder ohne Einsatz von künstlichen Klappen können die Ergebnisse sehr günstig sein, so dass die bedingte Belastungsfähigkeit zum Führen von Kraftfahrzeugen gegeben sein kann."

 

8. Mobilitätshilfen für schwerbehinderte Menschenzum Inhaltsverzeichnis

Patienten mit anerkannter Schwerbehinderung können Mobilitätshilfen in Anspruch nehmen. Die nachfolgenden Links führen zu allgemeinen Informationen.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Führerschein

Koronare Herzkrankheit

KHK > Beruf

KHK > Familie und Wohnen

KHK > Behandlung

 

Redakteurin: Andrea Nagl

 

Letzte Aktualisierung am 26.10.2017   Redakteur/in: Andrea Nagl

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