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Kinästhetik

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Die Kinästhetik ist eine Methode, die menschliches Tun beschreibt, analysiert und vor allem den Patienten zum Selbsttun in seiner Lebensaktivität unterstützt. Das Wort Kinästhetik setzt sich aus den griechischen Wörtern "kinesis" (Bewegung) und "aesthesie" (Wahrnehmung) zusammen.

Alle Lebensaktivitäten sind mit Bewegung verbunden. Der Patient und die Pflegeperson sollen die eigene Bewegungskompetenz wahrnehmen und so weit wie möglich einsetzen, erhalten und erweitern.

 

2. Was bewirkt Kinästhetik?zum Inhaltsverzeichnis

Besonders kranke, alte und desorientierte Menschen neigen zur Reduktion von Bewegungen und verlieren allmählich die Kontrolle über Bewegungsabläufe. Deshalb sollen Pflegehandlungen so gestaltet sein, dass der Patient Pflege und Bewegung so erfährt, dass er dem Pflegegeschehen folgen kann und er die Übersicht über das Pflegegeschehen nicht verliert.

Die Pflegeperson unterstützt den Patienten bei der Durchführung von Bewegungsabläufen und ist in der Lage den Patienten einfacher zu bewegen. Damit wird auch das Risiko von berufsbedingten Rückenerkrankungen und Verletzungen bei der Pflegeperson gemindert.

 

3. Die 6 Elemente der Kinästhetikzum Inhaltsverzeichnis

Die Kinästhetik stützt sich auf 6 Elemente, in der Fachsprache "Konzepte" genannt. In der praktischen Anwendung gehen sie fließend ineinander über mit dem Ziel, bewusst mit dem eigenem Körper umzugehen und Bewegungen mit weniger Kraftaufwand auszuüben. Der Patient und die Pflegeperson sollen ihren Körper wahrnehmen, spüren und vorhandene Ressourcen nutzen.

 

3.1. Menschliche Interaktion

Menschliche Interaktion meint die wechselseitige Wirkung von Menschen aufeinander, sei es durch direkte und indirekte Kommunikation oder über Handlungen.

Folgende drei Aspekten kennzeichnen das Konzept der Interaktion.

  • Die Sinne, die der Mensch benötigt, um Reize wahrzunehmen und auszutauschen.
  • Die Bewegungselemente, bestehend aus Zeit, Raum und Anstrengung, die immer in Wechselwirkung miteinander stehen.
  • Die Interaktionsform, in der Aktion und Reaktion mit oder ohne zeitliche Verzögerung stattfindet.

Beispiel: Eine einfache Mobilisation ist das Aufstehen vom Stuhl. Wenn die Aktivität von der Pflegeperson sehr schnell durchgeführt wird, ist die Reaktion des Patienten zeitlich verzögert. Das heißt, die Anstrengung ist für die Pflegeperson größer als für den Patienten.

 

3.2. Funktionelle Anatomie

Ein ausreichendes Verständnis für die Anatomie des menschlichen Körpers ist notwendig, um Kinästhetik erlernen und anwenden zu können. Der menschliche Körper ist als funktionales Ganzes zu betrachten.

 

3.3. Menschliche Bewegung

Indem die Pflegepersonen die individuellen Bewegungsressourcen erkennen, können Bewegungsabläufe den Möglichkeiten des Patienten angepasst werden.

Beispiel: Um aus der Rückenlage zum Sitzen an der Bettkante zu kommen, ist eine komplexe Spiralbewegung notwendig, die ein Patient aber womöglich nicht mehr ausführen kann. Die Kinästhetik zerlegt die Bewegung: Das Gewicht wird mehrfach verlagert, um den Patienten zum Sitzen zu bringen.

 

3.4. Menschliche Funktionen

Menschliche Funktionen sind Bausteine des Lebens. Dabei wird zwischen einfachen und komplexen Funktionen unterschieden.

  • Einfache Funktionen ermöglichen erst das Durchführen von Aktivitäten.

Beispiele: Rückenlage, Schneidersitz oder Zweibeinstand.

  • Komplexe Funktionen werden nochmal untergliedert in Fortbewegung und Bewegung am Ort.

Beispiele für Bewegung am Ort sind vitale Prozesse wie Kreislauf oder Atmung.

Beispiele für Fortbewegung sind Gehen und Springen.

 

3.5. Druck und Zug (Anstrengung) als Kommunikationsmittel

Jede menschliche Bewegung benötigt Anstrengung. In der Kinästhetik wird diese Anstrengung als Druck oder Zug bezeichnet. Schwer kranke Menschen verlieren oft die Motivation, sich zu bewegen, da sie dafür viel Anstrengung benötigen. Deshalb sollten Pflegende Patienten in ihrer eigenen Anstrengung unterstützen.

Beispiel: Ein Patient sitzt am Bettrand und soll zum Stehen vor dem Bett kommen. Durch leichten Zug an beiden Armen bewegt sich der Patient stückweise im Bett nach vorn bis seine Füße Kontakt zum Boden haben und er aufstehen kann. Dabei erhält er von der Pflegeperson durch das Festhalten an den Händen, Schritt für Schritt, einen Bewegungsimpuls.

 

3.6. Umgebung

Ein gesunder Mensch kann entweder seinen Körper an die Umgebung anpassen oder die Umgebung verändern und an seine Bedürfnisse anpassen. Kranken Menschen ist das oft nur noch eingeschränkt möglich. Deshalb übernimmt die Pflegeperson die Gestaltung der Umgebung, um sie an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen.

Beispiel: Ein Patient braucht eine Stütze zum Aufstehen, ein Stuhl könnte helfen. In der Umgebung des Stuhles müsste zudem ausreichend Platz sein, um das Aufstehen zu ermöglichen. Die Pflegekraft sorgt also dafür, dass der Stuhl und ausreichend Platz vorhanden sind, damit der Patient mit Hilfe des Stuhles selbst aufstehen kann.

 

4. Kinästhetik in der Praxiszum Inhaltsverzeichnis

In verschiedenen Ausbildungsstätten können Pflegende, Hebammen, Therapeuten und Pädagogen an Grund- und Aufbaukursen zur Kinästhetik teilnehmen. Kinästhetik ist zunehmend auch Bestandteil der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegekräften.

Die Kinästehtik wird in stationären und ambulanten Einrichtungen bei entsprechender Qualifikation in den Tagesablauf integriert. Bei Interesse sollten Patient oder Angehörige beim Krankenpflegepersonal nachfragen, ob die Kinästhetik angewandt wird.

Das umfangreiche Konzept der Kinästhetik ist zwar mit Zeitaufwand beim Erlernen und bei der praktischen Anwendung verbunden. Jedoch kann im Ergebnis durch die Anwendung der Kinästhetik der Pflegealltag deutlich effektiver gestaltet werden. Durch die Entwicklung und Erhaltung der eigenen Bewegungsfähigkeit wird die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.

 

5. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Informationen zum Thema Kinästhetik und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet der Kinaesthetics Verein Deutschland e.V., Berliner Platz 1, 24937 Flensburg, Telefon 0461 31802700, Fax 0461 31802799, E-Mail mail@kinaesthetics-verein.de, externer Linkwww.kinaesthetics-verein.de

 

6. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Alternative Heil- und Pflegemethoden.

 

 

Letzte Aktualisierung am 07.09.2011   Redakteur/in: Claudia Gottstein

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