Krisenhafte Trauer
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1. Das Wichtigste in Kürze
Verschiedene Faktoren können den Trauerverlauf erschweren und pathologische Reaktionen bei dem Hinterbliebenen hervorrufen. Durch eine psychotherapeutische Betreuung kann die pathologische Trauerreaktion in normale Trauerreaktionen umgewandelt und somit bearbeitet werden.
2. Allgemeines
Erschwerter Trauerverlauf bedeutet, dass Elemente normaler Trauerreaktionen anhaltend bestehen bleiben, sich intensivieren oder sich anhaltend in körperlichen Beschwerden ausdrücken. Die zeitliche Ausdehnung, die Intensität und die qualitative Ausprägung der Trauer weichen von der normalen Trauer ab. Der Übergang von der normalen zur erschwerten Trauer ist fließend.
3. Pathologische Reaktionen
Verzögerte oder vermiedene Trauer
Dies ist meist der Fall bei unerwarteten Todesfällen. Der erste Schock und die Verleugnung der Realität können eine emotionale Reaktion verzögern.
Somatisierung
Grundsätzlich gilt, dass Trauernde anfälliger für Krankheiten sind. Zudem können Betroffene übermäßige Ängste vor der Krankheit entwickeln, die den Tod des Angehörigen verursacht hat.
Chronische Trauer
Die Trauer dauert zeitlich länger und wird sehr intensiv geäußert. Eine Anpassung des Hinterbliebenen an die neue, veränderte Situation erfolgt nicht oder über einen längeren Zeitraum nicht. Dabei ist es jedoch schwierig, "länger" zu konkretisieren. Sicher ist, dass ein bis zwei Jahre für die intensive Trauer um einen nahen Angehörigen völlig normal sind.
4. Faktoren für einen erschwerten Trauerverlauf
Umstände des Todes
- Plötzlicher Tod
- Gewaltsamer Tod
- Suizid
- Tod ist nicht sicher (z.B. Flugzeugabsturz)
- Mehrere Verluste innerhalb kurzer Zeit
- Verlust eines Kindes
- Früher Verlust eines Elternteils oder einer ähnlich nahen Bezugsperson
Beziehung zum Verstorbenen
- Von starker Abhängigkeit geprägt
- Narzisstisch geprägt
Familie und Umfeld
- Fehlendes soziales Netz
- Streitigkeiten innerhalb der Familie
- Finanzielle Schwierigkeiten
- Weitere Krisen oder Verluste unabhängig vom Todesfall
In all diesen Fällen kann eine professionelle Begleitung notwendig werden, um den Hinterbliebenen zu unterstützen.
5. Behandlung
Wenn der Betroffene die Trauerreaktion nicht allein bewältigen kann, ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll und unumgänglich. Ziel dieser ist es, die bisher nicht geleistete Trauerarbeit nachzuholen, die erschwerte Trauer in normale Trauerreaktionen umzuwandeln und dann zu bearbeiten. In sehr schweren Fällen kann eine Behandlung in einer Klinik notwendig werden.
6. Verwandte Links
Letzte Aktualisierung am 19.09.2011 Redakteur/in: Sabine Bayer
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