Logopädie
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1. Das Wichtigste in Kürze
Die Sprache spielt eine wichtige Rolle im alltäglichen Handeln, die Fähigkeit zur Kommunikation ist der wichtigste soziale Faktor in allen Lebensbereichen. Logopädie, auch Sprachtherapie genannt, umfasst therapeutische Maßnahmen von Aussprachestörungen und Störungen des Spracherwerbs in Kindesalter und Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen im Erwachsenenalter.
2. Ziele
Das Wort Logopädie kommt aus dem griechischen und leitet sich von Logos = "das Wort" und pädeuein = "erziehen" ab.
Ziel ist, die Störungen der Stimme, der Sprache, des Redeflusses, der Artikulation oder des Schluckens zu beheben bzw. zu bessern. Dies verbessert die Lebensqualität des Patienten und erleichtert die soziale Integration. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Professionen wie Ärzten, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern, Erzieherinnen und Pädagogen ist dabei unabdingbar.
3. Verordnung
Die Indikationen und die Leistungen der logopädischen Behandlung sind im Heilmittelkatalog (Heilmittel) festgelegt und werden vom Haus- oder Facharzt per Rezept verordnet. Logopädie ist bei der Erstverordnung in der Regel auf 10 Einheiten begrenzt. Eine Folgeverordnung ist möglich.
3.1. Indikationen
Eine logopädische Behandlung ist bei folgenden Störungsbildern des Kindes- und Erwachsenenalters indiziert:
- Dyslalien (Aussprachestörungen)
- Phonetische und phonologische Störungen bei Kindern
Bei phonetischen Störungen kann das Kind aufgrund von motorischen Problemen Laute nicht richtig artikulieren. Bei phonologischen Störungen kann es Laute nicht richtig verarbeiten. - Dysgrammatismus (Störungen des Spracherwerbs)
- Auditive Wahrnehmungsstörungen
- Myofunktionelle Störungen (muskuläre Beeinträchtigungen des Mund- und Gesichtsbereichs)
- Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und Gaumensegel-Spalten
- Stottern und Poltern (sehr schnelles Sprechen, oft mit unregelmäßiger Sprechgeschwindigkeit )
- Rhinophonien (offenes und geschlossenes Näseln)
- Organisch und funktionell bedingte Dysphonien (Stimmstörungen)
- Schluck- und Stimmstörungen nach Larynxektomie (Kehlkopftumoren)
- Neurologisch bedingte Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen, z.B. aufgrund eines Schlaganfalls, eines Schädel-Hirn-Traumas, eines Hirntumors oder von Parkinson: Aphasien (Sprachstörungen), Dysarthrien (Sprechstörungen) und Dysphagien (Schluckstörungen), Sprechapraxien
3.2. Leistungserbringer
Logopädie wird von Logopäden und Sprachtherapeuten angeboten. Sie gehören zu der Berufsgruppe der nichtärztlichen Medizinalberufe und arbeiten in Kliniken, Einrichtungen der Behindertenhilfe und niedergelassenen Praxen. Adressen vermitteln Krankenkassen, der Bundesverband für Logopädie (
www.dbl-ev.de > Logopädensuche), der Bundesverband Akademischer Sprachtherapeuten (
www.dbs-ev.de > Therapeutensuche) oder sie sind zu finden in den "Gelben Seiten".
4. Zuzahlung
Gesetzlich Krankenversicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zahlen 10 % der Kosten plus 10,- € je Verordnung zu. Eine Befreiung von der Zuzahlung ist möglich, Näheres unter Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung.
5. Formen und Ziele
Nachfolgend die Formen und Ziele der Logopädie:
5.1. Stimmtherapie bei Dysphonie
Die Stimmtherapie befasst sich mit den stimmlichen Fähigkeiten einer Person. Gearbeitet wird an der Atmung (in den Bauch atmen), der Phonation (Stimmgebung, Erzeugen einer höheren Stimmresonanz) und der Artikulation (präzise Aussprache).
Störungen in diesem Bereich können einerseits funktionell durch eine hohe stimmliche Belastung (Lehrerberufe) oder andererseits durch organische Dysfunktionen (Tumore, Neck Dissection) entstehen. Gerade im letzteren Gebiet steht die Anbahnung von Kompensationsmechanismen (z.B. Bildung einer Ersatzstimme, Üben des Gebrauchs elektronischer Sprechhilfen) im Vordergrund.
5.2. Sprechtherapie bei Dysarthrien
In der Sprechtherapie wird die Verständlichkeit wiederhergestellt, indem die Lautstärke gesteigert, die Zungenmotorik und deutliches Artikulieren trainiert sowie normale Betonung anhand von Texten erarbeitet werden.
Dysarthrien sind Sprechstörungen, die in Zusammenhang mit dem Nervensystem stehen und bei denen die Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen beeinträchtigt ist. Betroffen sind Atmung, Stimmgebung, Artikulation und Betonung. Auswirkungen:
- sehr leises Sprechen
- kurze Sätze, weil die Luft nicht reicht
- monotones Sprechen
- ständiger, unkontrollierbarer Wechsel zwischen laut und leise
- unverständliches Sprechen, weil die Zunge zu weit hinten im Mund liegt
- veränderte Betonung des Stimmklangs, wirkt wie alkoholisiert
Diese Patienten haben oft einen hohen subjektiven Leidensdruck, weil sie infolge unverständlichen Sprechens nicht verstanden werden.
5.3. Sprachtherapie bei Aphasie
Ziele der Sprachtherapie sind:
- Aufbau des Sprachverständnisses
- Anbahnung sprachlicher Äußerungen
- Verbesserung der Wortfindung
- Erarbeiten grammatischer Strukturen
- Verbesserung des Textverstehens und der Textproduktion
- Anbahnung nonverbaler Kommunikationsmöglichkeiten (Kommunikationsbuch) und Aufbau von Kommunikationsstrategien (Gestik, Zeichnen)
Die Aphasie ist eine durch das Nervensystem bedingte sprachsystematische Sprachstörung, bei der das Sprachverstehen, das Sprechen, das Lesen und das Schreiben beeinträchtigt sind. Die Störungen können verschieden ausgeprägt sein: von einer leichten Störung der Wortfindung (amnestische Aphasie) bis zum geringen Sprachverstehen und der bildung nur weniger Worte und Floskeln (globale Aphasie). Auch diese Patienten zeigen einen enormen subjektiven Leidensdruck, denn sie wissen vielleicht was sie sagen wollen, aber sie finden die Wörter dafür nicht. Manche Patienten verstehen so wenig, dass sie kaum ein Gespräch verfolgen können.
Zum Umgang mit Aphasikern siehe auch Aphasie.
5.4. Therapie bei Dysphagie
Aufgabe der Therapie bei Schluckstörungen ist es, den normalen Schluckablauf wieder herzustellen.
Dysphagien treten nach Schädigungen des Nervensystems oder organisch bedingten Dysfunktionen auf. Der Patient wird in der Therapie angeleitet, selbstständig Nahrung aufzunehmen. Die Nahrungsaufnahme muss so gesichert sein, dass der Patient sich nicht verschluckt, weil er sonst eventuell eine Aspirationspneumonie entwickelt.
Bei Patienten mit organisch bedingten Schluckstörungen hilft oft schon die konsequente Anwendung kompensatorischer Strategien.
Bei neurologischen Patienten sollte der normale Schluckakt angebahnt werden. Meist besteht eine Beeinträchtigung der Sensibilität im Schlucktrakt, d.h., der Patient spürt nicht wenn Nahrungsreste auf den Stimmlippen liegen. Später können diese in die Luftwege gelangen. Viele Patienten haben aber auch nicht die Kraft, die Reste hochzuhusten.
6. Logopädie bei Kindern
Bei den meisten Kindern ist die Sprachentwicklung mit einem Alter von 4 bis 5 Jahren abgeschlossen. Das Kind sollte die Bildung aller Laute beherrschen und in kurzen Sätzen seine Wünsche und Absichten ausdrücken können. Es sollte keine Schwierigkeiten haben, sich mit anderen Kindern und Erwachsenen zu unterhalten. Prinzipiell verläuft die Sprachentwicklung bei Kindern sehr unterschiedlich. Vorsicht ist geboten, wenn ein Kind bis zum dritten Lebensjahr noch nicht oder nur wenige Wörter spricht. Auch die Stotterphase des Kindes sollte mit 5 Jahren abgeschlossen sein. Beim Verdacht einer sprachlichen Auffälligkeit des Kindes ist eine differenzierte Diagnoseerhebung unverzichtbar.
6.1. Praxistipp Verordnung
Eltern, die Auffälligkeiten bei der Sprachentwicklung ihres Kindes feststellen, sollten dies zuerst mit dem Kinderarzt besprechen. Der Kinderarzt kann dann im Verdachtsfall an einen Logopäden oder Sprachtherapeuten weiterverweisen. Hier erfolgt eine ausführliche Beratung der Eltern und die Diagnostik des sprachlichen Entwicklungsalters des Kindes. Wird eine Sprach- oder Sprechentwicklungsstörung diagnostiziert, wird für die logopädische Behandlung ein Therapieplan erstellt. Bei den therapeutischen Methoden wird auf eine altersgerechte und spielerische Umsetzung geachtet. Die logopädische Therapie erfordert oft viel Geduld und Mitarbeit der Eltern.
Zur Kindertherapie zählt auch die Behandlung auditiver Wahrnehmungsstörungen. Vor Beginn der Behandlung muss jedoch eine psychologische Untersuchung des Kindes sowie eine ausgiebige Hördiagnostik durchgeführt werden.
7. Wer hilft weiter?
Mehr Informationen zur Logopädie geben
- Deutscher Bundesverband für Logopädie
Augustinusstr. 11a, 50226 Frechen
Telefon 02234 37953-0, Fax 02234 37953-13
E-Mail info@dbl-ev.de,
www.dbl-ev.de - Deutscher Bundesverband Akademischer Sprachtherapeuten
Goethestraße 16, 47441 Moers
Telefon 02841 988919, Fax 02841 988914
E-Mail info@dbs-ev.de,
www.dbs-ev.de
8. Verwandte Links
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Letzte Aktualisierung am 09.06.2008 Redakteur/in: Manfred Hägele
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