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Migräne > Behandlung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Da die Ursachen von Migräne und anderen primären Kopfschmerzen bis heute nicht geklärt sind, können sie auch nicht von Grund auf geheilt werden. Die Behandlung zielt deshalb auf die Durchbrechung von Schmerzattacken (Akutbehandlung) sowie auf die Verhinderung von Attacken (Vorbeugung, Prophylaxe). Dafür gibt es mehrere Ansätze. Bei den meisten Patienten ist eine Kombination verschiedener Behandlungs- und Vorbeugemaßnahmen am erfolgreichsten.

 

2. Nicht-medikamentöse Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Es gibt kaum nicht-medikamentöse Maßnahmen, die einen akuten Migräneanfall verkürzen können und wissenschaftlich bestätigt sind. Lediglich für die Biofeedbacktherapie finden sich positive Effekte. Beim Biofeedback wird die bewusste Kontrolle über die körpereigenen Funktionen trainiert, um gezielter gegen Schmerzattacken vorgehen zu können. Durch Sensoren am Körper werden dem Patienten z.B. bildlich oder akustisch ausgewählte Körpersignale  rückgemeldet. Durch dieses Feedback ist es möglich, Kontrolle über auftretende Symptome zu erlangen und der Betroffene wird befähigt, Entspannungsprozesse einzuleiten.

 

Daneben finden weitere verhaltenstherapeutische Interventionen zur Vorbeugung eines Migräneanfalls Anwendung:

  • Beratung des Patienten
    Es konnte nachgewiesen werden, dass bereits eine Migräneberatung das Auftreten von Kopfschmerzen reduziert. Dieser Effekt konnte auch für Kinder wissenschaftlich bestätigt werden. Zudem kann durch eine Beratung die Besserung von kopfschmerzbegleitenden Symptomen und eine Erhöhung der Lebensqualität erreicht werden. Die Informationsvermittlung einer solchen (Online-)Beratung besteht aus dem Erkennen potenzieller Anfallsauslöser (sog. Trigger), Regeln des gesunden Schlafs (Schlafhygiene), körperlichen Übungen sowie der Benutzung eines Migränekalenders. 
  • Entspannungstherapie
    Ein bewährtes Mittel, um Schmerzen zu mindern, aber auch um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren, sind Entspannungsübungen. Besonders effektiv ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR). Die Vorteile dieses Verfahrens sind das schnelle Erlernen der Techniken sowie das unkomplizierte Anwenden im Alltag. Um Schmerzen nachhaltig zu lindern, ist es notwendig, dass die Übungen jeden Tag 15-20 Minuten durchgeführt werden.
    Um Entspannungsverfahren zu erlernen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
    • Im Rahmen einer Rehamaßnahme von Physio- und Ergotherapeuten.
    • Im Rahmen der sog. Psychosomatische Grundversorgung bei speziell qualifizierten Hausärzten.
    • Im Rahmen von Präventionskursen, die von den Krankenkassen bezuschusst werden, Näheres unter Prävention. Anbieter sind z.B. Volkshochschulen, Vereine und Fitnessstudios.
  • Ausdauertraining
    Regelmäßiges Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen kann die Häufigkeit und Intensität von Schmerzattacken positiv beeinflussen. Weitere Informationen unter Migräne > Urlaub und Sport.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
    Da auch psychische Faktoren Intensität, Dauer und Häufigkeit der Schmerzattacken beeinflussen, kann es bei einigen Patienten sinnvoll sein, sich mittels einer KVT behandeln zu lassen. Bei der KVT geht es darum, überhöhte Erwartungen an sich selbst, Versagensängste oder ungünstige Stressbewältigungsstrategien abzubauen sowie zu lernen, mit einem Anfall umzugehen.

 

Alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Massagen, Kompressen und Akupunktur sind umstritten, wobei Studien für Letzteres zumindest kleine positive Effekte zeigen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass alternative Ansätze im Einzelfall schmerzlindernd wirken können. Empfohlen werden kann außerdem, sich bei einer Migräneattacke in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen um äußere Einflüsse zu minimieren.

 

3. Medikamentöse Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Für die Akutbehandlung von Migräneanfällen erhalten die meisten Patienten Medikamente. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat unter externer Linkwww.dmkg.de > Patienten > Selbstmedikation wissenschaftlich fundierte Empfehlungen herausgegeben, nach denen sich Patienten bei weniger schweren Schmerzattacken selbst therapieren können (sog. Selbstmedikation). Für die Selbstbehandlung von Kopfschmerzen werden Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) empfohlen sowie eine Kombination aus Koffein, ASS und Paracetamol.

 

Ein Arztbesuch ist dennoch dringend notwendig wenn,

  • Kopfschmerzen bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren auftreten, 
  • bisherige Medikamente nicht mehr wirken,
  • pro Monat an mehr als 10 Tagen Kopfschmerzen auftreten,
  • Migräneattacken erstmals ab dem 40. Lebensjahr erscheinen,
  • Schmerzen trotz Behandlung an Dauer, Intensität und Häufigkeit zunehmen oder der Schmerzort sich verändert,
  • Kopfschmerzen mit Lähmungen, Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, psychischen Problemen oder körperlicher Anstrengung einhergehen,
  • neben der Migräne Symptome anderer Krankheiten wie Epilepsie oder Fieber auftreten
    oder
  • Zweifel an der Einahme und Dosierung der Medikamente oder Krankheitssymptome bestehen.

 

Viele Migränepatienten haben zu den Schmerzattacken auch mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen. Hier kann die Einnahme eines sog. Antiemetikums helfen. Bei mittelschweren bis schweren Anfällen empfiehlt die DMKG die Einnahme eines Triptans. Triptane sind spezielle Migränemedikamente und wirken am besten gegen akute Anfälle und Begleitsymptome. Beide Medikamente müssen vom Arzt verschrieben werden.

 

Betroffene sollten eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten vermeiden, da bei zu häufiger Einnahme oder zu hoher Dosierung ein medikamentenbedingter Kopfschmerz entstehen kann. Grundsätzlich sollten Schmerzmittel nicht länger als 3 Tage hintereinander und nicht häufiger als 10 Tage pro Monat eingenommen werden.

 

Bei mehr als 3 Attacken im Monat oder wenn die Akutbehandlung nur ungenügenden Erfolg zeigt, ist eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll. Ziel ist, dass Anfälle seltener werden, weniger schmerzen und schneller abklingen. Zur Prophylaxe werden keine Schmerzmittel, sondern andere Medikamente eingesetzt. Es erfordert in der Regel einige Monate Geduld, bis Arzt und Patient erkennen, ob das Mittel hilft oder ob ein Anderes ausprobiert werden muss. In der Regel wird eine Kombinationstherapie aus verhaltenstherapeutischen Verfahren und Medikamenten empfohlen, um eine bessere Wirksamkeit zu erreichen.

 

4. Medizinische Rehabilitationzum Inhaltsverzeichnis

Bei Migräne können medizinische Reha-Leistungen Teil des Behandlungskonzepts sein. Die nachfolgenden Links führen zu den sozialrechtlichen Bestimmungen rund um Medizinische Reha, die bei Migräne infrage kommen können.

 

Adressen von Reha-Kliniken finden Sie im "Handbuch Reha- und Versorgungseinrichtungen" mit 1.500 Reha-Kliniken, das jährlich erscheint und bei Ärzten und Beratungsstellen ausliegt, oder unter externer Linkwww.rehakliniken.de oder bei externer Linkwww.kurklinikverzeichnis.de.

 

5. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Möglicherweise gibt es eine Selbsthilfegruppe für Migränepatienten in Wohnortnähe. Der Austausch von Erfahrungen, Informationen und Behandlungsmöglichkeiten mit Anderen kann bei der Krankheitsbewältigung helfen. Adressen unter externer Linkwww.dmkg.de > Patienten > Selbsthilfegruppen.
  • Es ist hilfreich die Dauer, Stärke, vermutete Auslöser und Symptome einer Migräneattacke regelmäßig in einem Kopfschmerzkalender zu dokumentieren. So beugt man zusätzlich einem Anfall vor. Kalendervorlagen in verschiedenen Sprachen zum kostenlosen Download unter externer Linkwww.dmkg.de > Patienten > DMKG Kopfschmerzkalender.

 

6. Buchtippzum Inhaltsverzeichnis

Die MigräneLiga e.V. bietet ausführliche Beschreibungen zur Behandlung von Migräne im Buch "Migräne ist gut behandelbar". Es kann gegen einen adressierten und mit 1,45 € frankierten DIN-A5-Rückumschlag unter folgender Adresse bestellt werden: Torfkuhlenweg 3 B, 49504 Lotte.

 

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Redakteur: Max Glaser

 

Letzte Aktualisierung am 30.10.2017   Redakteur/in: Maximilian Glaser

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