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Minijobs Geringfügige Beschäftigung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Minijobber dürfen 450,- € monatlich verdienen und haben Anspruch auf Urlaub und Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Sie zahlen keine Steuern. Seit 2013 besteht für fast alle geringfügig Beschäftigten Rentenversicherungspflicht.

 

2. Minijobs im gewerblichen Bereichzum Inhaltsverzeichnis

Der gewerbliche Bereich umfasst alle Beschäftigungsverhältnisse, die nicht in Privathaushalten ausgeübt werden. Die Einkommensgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungen beträgt 450,- € monatlich.

 

Für die Arbeitnehmer waren Minijobs bis 31.12.2012 abgabenfrei. Seit 1.1.2013 besteht für geringfügig Beschäftigte Rentenversicherungspflicht. Sie müssen 3,7 % Eigenanteil leisten. Ausnahme s.u. unter Rentenversicherung.

Der Arbeitgeber zahlt in der Regel eine Pauschale von 31,29 %. Diese setzt sich zusammen aus:

  • 15 % Rentenversicherung,
  • 13 % Krankenversicherung,
  • 2 % Pauschalsteuern (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer),
  • 1,2 % Umlage zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit und Mutterschaft und
  • 0,09 % Insolvenzgeldumlage.

 

Zudem zahlt der Arbeitgeber individuelle Beiträge an den Unfallversicherungsträger.

 

3. Minijobs in Privathaushaltenzum Inhaltsverzeichnis

Wer als Haushaltshilfe in einem Privathaushalt beschäftigt ist und bis zu 450,- € verdient, war bis 31.12.2012 abgabenfrei. Seit 1.1.2013 besteht Rentenversicherungspflicht in der Rentenversicherung. Der Arbeitnehmer muss 13,7 % Eigenanteil leisten. Ausnahme s.u. unter Rentenversicherung.

 

Bei den Minijobs im Privathaushalt (Fachbegriff "haushaltsnahe Dienstleistungen") zahlt der Arbeitgeber eine Abgabenpauschale von 14,8 %:

  • 5 % Renten-,
  • 5 % Kranken-,
  • 1,6 % Unfallversicherung,
  • 2 % Steuern und
  • 1,2 % Umlage.

 

Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen Tätigkeiten wie Putzen, Kochen, Betreuung und Pflege von Kindern, kranken und alten Menschen sowie Gartenarbeit.

 

4. Kurzfristige Beschäftigungenzum Inhaltsverzeichnis

Ein kurzfristiger Minijob liegt vor, wenn die Beschäftigung durch ihre Eigenart oder durch einen Vertrag im Voraus auf längstens 3 Monate mindestens 5 Tage die Woche oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr, begrenzt ist.

Sie sind für Arbeitnehmer abgabenfrei.

Arbeitgeber führen bei einer kurzfristigen Beschäftigung im gewerblichen Bereich die Umlage zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit und Mutterschaft (1,2 %), die Insolvenzgeldumlage (0,9 %) sowie individuelle Beiträge an den zuständigen Unfallversicherungsträger ab.

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung in Privathaushalten leistet der Arbeitgeber die Umlage (1,2 %) und die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung (1,6 %). 

Hinzu kommen Steuern, die nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen des Arbeitnehmers berechnet werden oder in einer Pauschale von 25 % (zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) abgeführt werden können. 

Bei der Beurteilung einer kurzfristigen Beschäftigung ist immer das laufende Kalenderjahr relevant.

 

5. Maximale Arbeitsstundenzum Inhaltsverzeichnis

Seit 1.1.2017 beträgt der Mindestlohn 8,84 € brutto pro Zeitstunde. Tarifverträge können einen höheren Mindestlohn vereinbaren. Ein Minijobber darf mit seinen geleisteten Stunden die 450-€-Grenze nicht überschreiten. Entsprechend schränkt der Mindestlohn die Arbeitsstunden für einen Minijob ein. Es darf maximal 50,9 Stunden (50 Stunden und 54 Minuten) pro Monat (450,- € : 8,84) gearbeitet werden.

 

6. Mehrere Beschäftigungenzum Inhaltsverzeichnis

 

6.1. Mehrere Minijobs

Es ist möglich, mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen nebeneinander auszuüben. Dabei darf es sich jedoch nicht um denselben Arbeitgeber handeln.

Die Verdienste aller Beschäftigungen (mit Ausnahme der kurzfristigen) werden zusammengezählt.

Liegt das Gesamteinkommen unter 450,- € monatlich, besteht für den Arbeitnehmer Rentenversicherungspflicht und die Arbeitgeber leisten jeweils die Pauschale von 31,29 % bzw. 14,8 %. Ausnahme s.u. unter Rentenversicherung.

Liegt das Gesamteinkommen über 450,- € monatlich, besteht normale Sozialversicherungs- und Steuerpflicht.

 

6.2. Hauptberuf und Minijob

  • Wird neben einem versicherungspflichtigen Hauptberuf nur eine (= 1) geringfügige Beschäftigung ausgeübt, erfolgt keine Zusammenrechnung mit dem Hauptberuf, d.h.: Bis zu 450,- € Hinzuverdienst erscheinen nicht auf der Lohnsteuerkarte. Der Arbeitgeber zahlt für den Minijob 31,29 % bzw. 14,8 % Pauschalabgaben.
  • Bei weiteren geringfügigen Beschäftigungen erfolgt eine Zusammenrechnung dieser weiteren Beschäftigungen mit dem Hauptberuf. Sie sind somit sozialversicherungs- und steuerpflichtig.

 

7. Rentenversicherung bei Minijobszum Inhaltsverzeichnis

Wer seit 1.1.2013 einen Minijob aufgenommen hat, unterliegt der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht und erwirbt vollwertige Pflichtbeitragszeiten (Gesetz zu Änderungen im Bereich der geringfügig entlohnten Beschäftigung).

Arbeitnehmer müssen die Differenz zwischen dem Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers und dem vollen Beitrag zur Rentenversicherung (18,7 %) zahlen. Das heißt: Bei Minijobs im gewerblichen Bereich sind dies derzeit 3,7 %, im Privathaushalt 13,7 %. Die Rentenversicherungsbeiträge werden direkt vom Verdienst abgezogen und an die Minijob-Zentrale weitergeleitet. Auf Antrag ist jedoch eine Befreiung von der Versicherungspflicht und damit der Zahlung des Eigenanteils möglich.

 

8. Arbeitsrechtliche Ansprüche des Arbeitnehmerszum Inhaltsverzeichnis

Auch bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen bestehen eine Reihe arbeitsrechtlicher Ansprüche, z.B.:

  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Bezahlter Erholungsurlaub
  • Entgeltfortzahlung an Feiertagen und bei persönlicher Arbeitsverhinderung für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit (z.B. nicht verschiebbarer Arztbesuch)
  • Entgeltfortzahlung während berufsbedingter Beschäftigungsverbote bei Schwangerschaft und bei Mutterschutz

Hier besteht der Grundsatz der Gleichberechtigung, d.h. geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer dürfen nicht schlechter behandelt werden als vergleichbare vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer.

Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld besteht nur, wenn dies im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt ist.

 

9. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

 

10. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

  • Die Pauschalabgaben des Arbeitgebers in Höhe von 31,29 % bzw. 14,8 % werden an eine zentrale Stelle, die Minijob-Zentrale bei der Bundesknappschaft, entrichtet: Knappschaft Bahn-See Minijob-Zentrale, 44781 Bochum, externer Linkwww.minijob-zentrale.de. Servicetelefon 0355 290270799 (zum Ortstarif), Mo-Fr 7-17 Uhr.
  • Das Bürgertelefon des Ministeriums für Arbeit und Soziales beantwortet Fragen zu Teilzeit/Altersteilzeit und Minijobs unter Telefon 030 221911005 (14 ct/min), Mo-Do 8-20 Uhr.

 

11. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Rente > Hinzuverdienst

 

Gesetzesquelle(n) 

§ 249 b; § 172 Abs. 4 SGb V; § 6 ABs. 1 b SGB VI; § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV)

 

Letzte Aktualisierung am 03.01.2017   Redakteur/in: Ines Grocki

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