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Multiple Sklerose > Allgemeines

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der es zu unterschiedlichen Auswirkungen und Verlaufsformen kommt. Häufig vorkommende Symptome können, Sehstörungen, Gefühlsstörungen der Haut, Unsicherheit beim Gehen oder Greifen sowie Lähmungserscheinungen sein, die oft schubartig auftreten.

Meist wird die Krankheit zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Bei etwa 3-5 % der MS-Erkrankten wird die Diagnose bereits im Kindesalter gestellt.

 

2. Symptomezum Inhaltsverzeichnis

Bei MS kommt es zu einer Auflösung und Zerstörung der Markscheiden der Nervenfasern und dadurch zu einer Störung der "Zusammenarbeit" von Nerven- und Körperzellen. Da sich diese Markscheiden an den unterschiedlichsten Stellen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) befinden, kommt es zu ganz unterschiedlichsten neurologischen Ausfallerscheinungen. Häufig sind

  • Sehstörungen, wie Verschwommensehen, Nebelsehen oder Doppelbilder
  • Nervenstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen,
  • Lähmungserscheinungen,
  • "verwaschenes" Sprechen und
  • Blasenfunktionsstörungen.

 

Diese Ausfallerscheinungen können nur kurzfristig anhalten und dann wieder vollkommen zurückgehen, oder sie bleiben langfristig. Das Auftreten eines oder mehrerer Entzündungsherde im Nervensystem nennt man "Schub". Ein Schub dauert mindestens 24 Stunden an und klingt schließlich wieder vollständig ab. Im Rahmen der Erkankung kann es aber auch zu kürzeren Symptomauftritten kommen. 

 

3. Untersuchungsmethodenzum Inhaltsverzeichnis

Bei verdächtigen Symptomen stehen den Ärzten verschiedene Diagnoseuntersuchungen zur Verfügung.

  • Ausführliche Patientenbefragung (Anamnese), auch zur Krankheitsgeschichte und zu versteckten Symptomen, z.B. Müdigkeit.
  • Neurologische Untersuchungen (Tests zu Gehfunktionen, Hand- und Armfunktionen, Konzentration und Aufmerksamkeit).
  • Blutuntersuchung, vor allem um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): In Bildern des Gehirns und des Rückenmarks werden die entzündeten und vernarbten Gewebebereiche sichtbar gemacht.
  • Entnahme einer Flüssigkeit (Liquor) aus dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Zeigen Laboruntersuchungen im Liquor vermehrt Entzündungszellen, kann dies ein Zeichen von MS sein.
  • Evozierte Potenziale (EP) können das Leitungssystem der Nervenzellen untersuchen. Durch leichte Elektro-Stimulation im Bereich der Hände, Füße oder des Gesichts können Aussagen über die Funktion des Nervensystems gemacht werden.

 

Alle Ergebnisse werden auch differenzialdiagnostisch bewertet, d.h.: Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen werden ausgeschlossen.

 

Ein Hauptkriterium der MS-Diagnose ist der Nachweis von zeitlicher und räumlicher Streuung. Zeitliche Streuung bedeutet, dass die Entzündungsherde im Laufe der Zeit zunehmen. Räumliche Streuung heißt, dass es mehrere entzündete Stellen im zentralen Nervensystem gibt.

 

4. Verlaufsformenzum Inhaltsverzeichnis

MS verläuft von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Sowohl die Auswirkungen und bleibenden Behinderungen nach einem Schub als auch der zeitliche Verlauf sind äußerst verschieden.

Nur wenige Patienten haben eine so schwere Verlaufsform, dass sie innerhalb von wenigen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Der Großteil der Erkrankungen verläuft schubförmig und geht später in einen progredienten (fortschreitenden) Verlauf über.

Man unterscheidet bei MS zwischen 3 charakteristischen Verlaufsformen.

 

4.1. Schubförmiger Verlauf (rezidivierend-remittierender Verlauf)

Der Krankheitsverlauf ist bei den meisten Patienten nicht gleichförmig, sondern verläuft in Schüben. Die Symptome können sich nach einigen Tagen oder mehreren Wochen teilweise oder auch komplett wieder zurückbilden. Der Patient kann zwischen zwei Schüben komplett beschwerdefrei sein. Die Schübe können über mehrere Jahre in sehr unregelmäßigen Zeitabständen auftreten. Bei etwa 85 % der MS-Patienten beginnt die Erkrankung mit einem schubförmigen Verlauf.

 

4.2. Sekundär progredienter (fortschreitender) Verlauf

Bei etwa der Hälfte der Patienten mit schubförmiger MS geht die Erkrankung nach 10-15 Jahren in einen sekundär progredienten (sich allmählich steigernden) Verlauf über. Das heißt, dass die körperlichen Beeinträchtigungen zwischen den Schüben bestehen bleiben bzw. zunehmen. Es kommt zu keinen Rückbildungen mehr. Dabei werden die Schübe weniger oder können ganz aus bleiben. Es kommt zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Krankheitssymptome. Neue Behandlungsmöglichkeiten können diesen Zeitpunkt jedoch hinauszögern.

 

4.3. Primär progredienter Verlauf (sich von Beginn an über eine längere Zeit verschlimmernd)

Bei etwa 10-15 % der Erkrankten treten keine Schübe auf, und die Krankheitssymptome entwickeln sich von Beginn an ohne Rückbildungen, nur vereinzelt gibt es stabile Zeiten oder leichte Verbesserungen. Je nach Patient schreitet die Krankheit unterschiedlich schnell voran. Diese Verlaufsform beginnt meist im Alter ab 40 Jahren, also tendenziell eher später.

 

5. Ursachenzum Inhaltsverzeichnis

Die Ursachen für MS sind unklar. Es wird vermutet, dass mehrere Bedingungen zusammenkommen müssen, damit die MS-Erkrankung ausgelöst wird. Als eine Ursache wird in MS eine Autoimmunerkrankung vermutet, dabei werden durch eine falsche Programmierung des Immunsystems auch die eigenen Nervenfasern von der Körperabwehr angegriffen. Daneben werden auch Umwelteinflüsse, z.B. Infektionen, und genetische Faktoren diskutiert.

 

6. Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Die Behandlungsmöglichkeiten von MS haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Von zentraler Bedeutung ist die Behandlung mit Medikamenten. Es gibt verschiedene Medikamente, die Schübe verzögern und die Entzündungen eindämmen. Die Therapie muss individuell eingestellt werden, da die Krankheitsverläufe sich so stark unterscheiden. Wichtig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Neurologe. Symptome und Folgen der Erkrankung werden z.B. über Physio- und Ergotherapie oder Psychotherapie behandelt.

 

7. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Kostenloser Download PDF-DownloadRatgeber Multiple Sklerose, der Informationen zu allen oben stehenden Themen liefert.
  • Der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat Apps für Smartphones entwickelt, welche die Betroffenen dabei unterstützen sollen, ein MS-Tagebuch zu führen, unabhängig davon, an welchem Ort sie gerade sind. Weitere Informationen unter externer Linkwww.dmsg.de/specials/ms-tagebuch.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

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Redakteurin: Janina Del Giudice

 

Letzte Aktualisierung am 02.11.2017   Redakteur/in: Manfred Hägele

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