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Opiate und Opioide

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Opiate und Opiode sind hochwirksame Wirkstoffe, die vor allem als Schmerzmittel, aber auch gegen viele andere Symptome eingesetzt werden. Sie werden meist auf speziellen Rezepten verschrieben. Sie müssen exakt nach den ärztlichen Vorgaben angewandt werden.

Um Entzugssymptome zu vermeiden, dürfen sie nicht abrupt abgesetzt werden. Bei längerer Anwendung kann es zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. Weitere Nebenwirkungen sind möglich, z.B. Verstopfung, Atemdepression, Erbrechen oder Auswirkungen auf das ungeborene Kind.

 

2. Definitionenzum Inhaltsverzeichnis

Opiate sind Alkaloide (organische, stickstoffhaltige, natürlich vorkommende Verbindungen) des Schlafmohns, z.B. Morphium und Codein. Sie lagern sich an Opioidrezeptoren im Körper an und werden hauptsächlich zur Schmerzlinderung eingesetzt.

 

Opioide fassen alle Strukturen zusammen, die an den körpereigenen Rezeptoren angreifen (Opioidrezeptoren), darunter fallen auch die Opiate.

 

Opioide werden unterschieden in:

  • Halbsynthetische Opioide, z.B. Hydromorphon, Oxycodon.
  • Vollsynthetische Opioide, z.B. Fentanyl, Pethidin, Methadon.
  • Endogene Opioide, die in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) freigesetzt werden, z.B. Endorphine.

 

Opioide unterscheiden sich in ihrer

  • Affinität (Bindungsstärke) zu den verschiedenen Rezeptoren,
  • Wirkstärke,
  • intrinsischen Aktivität (Stärke des Effekts, der aus dieser Bindung entsteht) und
  • Ausprägung möglicher Nebenwirkungen.

 

3. Stark wirksame Schmerzmittelzum Inhaltsverzeichnis

Typische Wirkstoffe in starken Schmerzmedikamenten sind z.B. Morphin, Codein, Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl oder Buprenorphin. Es ist hilfreich, ihren "Wirkmechanismus" wenigstens in Grundzügen zu verstehen.

 

Schmerzen entstehen irgendwo im Körper. Die Nerven melden den Schmerz Richtung Rückenmark. Im Rückenmark springt die Schmerzmeldung von einer auf die nächste Nervenzelle. Im Gehirn liegt eine zweite Schaltstelle und danach erst wird der Schmerz tatsächlich wahrgenommen. Das Gehirn reagiert dann auf die Schmerzmeldung und sendet schmerz-hemmende Impulse wieder zurück zum Schmerzort.

 

Einfache Schmerzmittel wirken, indem sie die Schmerzursache bekämpfen, also z.B. eine Entzündung lindern. Aber bei schweren Krankheiten ist das manchmal nicht mehr möglich.

 

Opioide wirken, indem sie in die Schmerzweiterleitung "eingreifen". Ihre entscheidende Fähigkeit ist, dass sie sich an den Schmerz-Schaltstellen auf die sogenannten Opioid-Rezeptoren setzen. Das bewirkt dreierlei:

  • Die schmerz-weiterleitenden Nerven sind teilweise blockiert und damit weniger aktiv.
  • Das schmerz-hemmende System wird aktiviert.
  • Die Schmerzwahrnehmung wird verändert.

 

4. Hinweise zum Umgang mit Opioiden zum Inhaltsverzeichnis

4.1. Regelmäßige Einnahme

Retardpräparate müssen nach einem festen Zeitplan eingenommen werden, um eine gleichmäßige Wirkung zu erreichen. Retardpräparate sind Medikamente, die ihren Wirkstoff langsam über einen längeren Zeitraum freisetzen. Schmerzpflaster, z.B. Fentanylplaster, müssen in der Regel alle 3 Tage um die gleiche Uhrzeit gewechselt werden.

 

4.2. Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Opioiden sind Verstopfung, Atemdepression (Hypoventilation), Sedierung, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe in inneren Organen (Koliken).

 

Bei längerer Anwendung von Opioiden kann es zu einer körperlichen Abhängigkeitsentwicklung kommen. Die Gefahr einer Suchtentwicklung bei korrekter Anwendung unter ärztlicher Aufsicht ist jedoch sehr gering.

 

Geeignete Abführpräparate sowie eine Ernährungsumstellung können einer Verstopfung entgegenwirken. Näheres unter Ernährung bei Opioidanwendung.

 

4.3. Auswirkungen auf Sexualiät und Kinderwunsch

Opioide können Auswirkungen auf Sexualität und Kinderwunsch haben.

 

Sie können in der Schwangerschaft dazu führen, dass das ungeborene Kind eine körperliche Abhängigkeit entwickelt. Deshalb sollte jede Einnahme von Opioiden, auch von freiverkäuflichen Schmerzmitteln, bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft vorher mit dem Arzt geklärt werden.

 

Bei sexuellen Problemen können Beratungsstellen von Pro Familia weiterhelfen. Beratungsstellen können unter externer Linkwww.profamilia.de/angebote-vor-ort.html gefunden werden.

 

4.4. Absetzen von Opioiden

Um Entzugssymptome, wie Schwitzen oder Übelkeit zu vermeiden, dürfen die Medikamente nicht abrupt abgesetzt werden, sondern müssen schrittweise reduziert werden.

 

5. Suchtgefahr?zum Inhaltsverzeichnis

Opiate und Opioide machen Patienten und ihren Angehörigen oft Angst: Das klingt nach "Opium", nach Sucht und Gefahr. Tatsächlich sind das Stoffe, die bei missbräuchlicher Anwendung zu Suchterkrankungen führen.

 

Um Missbrauch zu verhindern, ist die Verschreibung entsprechender "Betäubungsmittel" nur auf besonderen Rezepten möglich, Näheres unter Betäubungsmittel und Betäubungsmittelrezepte.

 

Wichtig ist hier jedoch zu wissen: Diese Medikamente sind hoch wirksam und bei richtiger Anwendung können sie schwerste Beschwerden lindern, insbesondere Schmerzen. Eine Suchtgefahr besteht bei richtiger Anwendung nicht. 

 

Richtig ist, dass der Körper sich an die Mittel gewöhnt, das heißt: In der Regel muss nach und nach die Dosis erhöht werden. Aber das hat auch den Vorteil, dass Nebenwirkungen mit der Zeit erträglich werden. Näheres auch unter Verstopfung bei schwer kranken Patienten und Ernährung bei Opioidanwendung.

 

Wenn die Medikamente wieder abgesetzt werden, muss dies schleichend erfolgen, damit der Körper wieder entwöhnt wird und keine Entzugserscheinungen zeigt. Wer entsprechende Medikamente einnimmt, sollte sie also immer exakt nach den Vorgaben des Arztes einnehmen, die Dosierung nicht ohne Rücksprache verändern und sie auch nur in Absprache mit dem Arzt Schritt für Schritt wieder absetzen.

 

Sucht dagegen entsteht, wenn eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit vorhanden sind. Dieser zweite Aspekt, die psychische Abhängigkeit, entsteht, wenn Menschen einen Stoff wegen des "besonderen Kicks" einnehmen. Das Bedürfnis, immer wieder diesen Kick zu erhalten, führt schließlich zum unbeherrschbaren Verlangen, zur Sucht. Beim therapeutischen Einsatz wird deshalb die Dosierung so eingestellt, dass z.B. ein Schmerzmittel dauerhaft wirkt und die nächste Dosis eingenommen wird, bevor der Schmerz wiederkehrt. Der "Kick" als Voraussetzung der Sucht wird verhindert.

 

6. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Um die rechtmäßige Einnahme von medizinisch notwendigen Opioiden nachweisen zu können, sollte ein sog. Opioid-Ausweis mitgeführt werden. In diesem Dokument sind die Medikamente, die Dosierung und Einnahmedaten vermerkt, um mitbehandelnde Ärzte zu informieren. Auch für Patienten, die gegenüber Behörden ihre Fahrtauglichkeit nachweisen müssen, ist ein Opioid-Ausweis sehr zu empfehlen.

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Stufenschema der WHO

Opioid-Ausweis

Betäubungsmittel

Ernährung bei Opioidanwendung

Autofahren bei Medikamenteneinnahme

Chronische Schmerzen > Reisen

 

Redakteurinnen: Sabine Bayer, Maria Kästle

 

Letzte Aktualisierung am 18.10.2017   Redakteur/in: Sabine Bayer

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