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Organspende

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Bei einer Organspende werden menschliche Organe oder auch Gewebe vom Spender entnommen und in einen Spendeempfänger implantiert. Um Missbrauch auszuschließen, sind Transplantationen von lebenden Spendern stark reglementiert. In einem Organspendeausweis kann man eindeutig kundtun, ob man überhaupt Organe spenden will und, wenn ja, welche. Die Krankenkassen müssen ihren Mitgliedern Ausweise und Informationsmaterial zur Verfügung stellen.

 

2. Transplantationsgesetzzum Inhaltsverzeichnis

Um bei Organspende und -transplantation jede Form von Missbrauch auszuschließen, wurde 1997 das Transplantationsgesetz (TPG) erlassen. 

  • Transplantationen lebenswichtiger Organe dürfen nur in dafür zugelassenen Transplantationszentren durchgeführt werden.
  • Organspezifische Transplantationskonferenzen in den Transplantationszentren entscheiden über Aufnahme oder Streichung von Patienten in die/aus der Transplantationsliste.
  • Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind organisatorisch und personell voneinander zu trennen.
  • Den Tod des Spenders müssen 2 erfahrene Ärzte, die nicht an der Transplantation beteiligt sind, nach dem Stand der Erkenntnisse der Wissenschaft unabhängig voneinander feststellen und das Ergebnis ihrer Untersuchungen schriftlich dokumentieren.
  • Die Entscheidung, ob jemand seine Organe spenden will, sollte zu Lebzeiten schriftlich dokumentiert werden (Organspendeausweis). Kommt im Todesfall eine Organspende nach ärztlicher Beurteilung in Betracht, werden die nächsten Angehörigen befragt, ob sich der Verstorbene zu Lebzeiten zur Frage der Organspende schriftlich oder mündlich erklärt hat. Ist darüber nichts bekannt, werden die Angehörigen gebeten, in seinem Sinne zu entscheiden.
  • Die Lebendspende eines sich nicht regenerierenden Organs, z.B. der Niere, ist nur zugunsten eines Verwandten ersten oder zweiten Grades, des Ehepartners, des Verlobten oder einer dem Spender nahestehenden Person möglich.

 

3. Kostenträgerzum Inhaltsverzeichnis

Die Behandlung des Organspenders ist als Krankenversicherungsleistung anerkannt und wird von der Krankenkasse des Organempfängers getragen. Das umfasst bei Lebendspenden (z.B. Niere, Teile der Leber) auch Krankengeld in Höhe des Nettoeinkommens.

Lebendspender haben Anspruch auf 6 Wochen Entgeltfortzahlung. Der Arbeitgeber bekommt die Kosten von der Versicherung des Organempfängers erstattet.

Lebendspender sind in der gesetzlichen Unfallversicherung pflichtversichert. Alle Gesundheitsschäden, die über die erwartbaren Schädigungen durch den Eingriff hinausgehen, die infolge einer Organspende auftreten, werden wie Arbeitsunfälle behandelt. Details siehe z.B. Transplantation > Lebendspende.

 

4. Organspendeausweiszum Inhaltsverzeichnis

Im Organspendeausweis kann man das Einverständnis zur Organentnahme generell erteilen, es auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken, eine Organspende ausschließen oder die Entscheidung einer bestimmten Vertrauensperson übertragen. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert und hinterlegt.

 

4.1. Information und Ausweis von den Krankenversicherungen

Seit 1.11.2012 sind die Krankenversicherungen (gesetzliche und private) verpflichtet, ihren Mitgliedern einen Organspendeausweis und entsprechende Erklärungen dazu zukommen zu lassen. Damit sollen Menschen motiviert werden, sich zu entscheiden und diese Entscheidung auch im Organspendeausweis kund zu tun (sogenannte "Entscheidungslösung"). Die Entscheidung und Erklärung bleibt freiwillig.

  • Jeder Versicherte ab 16 Jahren, der erstmals eine elektronische Gesundheitskarte bekommt, erhält Aufklärungsmaterial und Ausweis.
  • Privat Krankenversicherte erhalten die Unterlagen ab dem 16. Lebensjahr alle 5 Jahre mit der Beitragsmitteilung.
  • Danach müssen alle Versicherten ab 16 Jahren alle 2 Jahre Aufklärungsmaterial und den Ausweis zur Verfügung gestellt bekommen - so lange, bis die Erklärung zur Organtransplantation auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden kann.

 

4.2. Information und Abgabe bei Ausweisbehörden

Auch alle für die Ausstellung und die Ausgabe von amtlichen Ausweisen, z.B. dem Personalausweis, zuständigen Stellen des Bundes und der Länder müssen Organspendeausweise zusammen mit Aufklärungsunterlagen vorrätig haben und aushändigen.

 

5. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Es ist sinnvoll, Angehörigen oder Freunden die Entscheidung bezüglich einer Organspende mitzuteilen und den Organspendeausweis bei den Personalpapieren mit sich zu tragen, da in einer Unfallsituation zuerst dort nachgeschaut wird.
  • Um möglichem Missbrauch vorzubeugen, insbesondere der Bevorzugung von Organempfängern, die auf der Warteliste weit hinten stehen, wurde die unabhängige Vertrauensstelle "Transplantationsmedizin" eingerichtet. Verdachtsfälle können dort - auch anonym - gemeldet werden. Hinweise sind möglich per E-Mail an vertrauensstelle_transplantationsmedizin@baek.de oder per Post an die Bundesärztekammer, Vertrauensstelle "Transplantationsmedizin", Herbert-Lewin-Platz 1, 10598 Berlin. 

 

6. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt zusammen mit der Deutschen Stiftung für Organtransplantation ein kostenloses Infotelefon, das Fragen rund um Organspende und Transplantation beantwortet: 0800 9040400, Mo-Fr, 9-18 Uhr. 
  • Alle Krankenversicherungen sind zur Information und zur Abgabe von Ausweisen verpflichtet.
  • Im Internet unter externer Linkwww.organspende-info.de/organspendeausweis/erstellen gibt es neben ausführlichen Informationen auch einen Organspendeausweis zum online Ausfüllen oder unter externer Linkwww.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen zum Bestellen oder Herunterladen. Ausweis und Infomaterial können auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Maarweg 149-161, 50825 Köln, Telefon 0221 8992-0, Fax 0221 8992-300, poststelle@bzga.de bestellt werden.
  • In allen Kliniken, die Organe entnehmen, gibt es mindestens einen Transplantationsbeauftragten, der Lebendspender und Angehörige von möglichen Organspendern informiert.
  • Über kritische Hintergründe und Informationen zur Organspende informieren der Verein "KAO - Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V." unter externer Linkwww.initiative-kao.de/ und die Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland unter externer Linkwww.organspende-aufklaerung.de/.

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Transplantation

Patientenverfügung

Patientenvorsorge

 

Gesetzesquelle(n) 

(TPG)

 

Letzte Aktualisierung am 03.08.2015   Redakteur/in: Andrea Nagl

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