Palliativpflege durch Angehörige
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1. Das Wichtigste in Kürze
Die Pflege spielt eine zentrale Rolle in der Versorgung von Palliativpatienten. Sie kann sowohl von professionellen Pflegekräften als auch teilweise oder ganz von Angehörigen übernommen werden. Angehörige brauchen hier aber in jedem Fall fachliche Anleitung, Beratung und psychosoziale Unterstützung.
2. Psychosoziale Betreuung
Um Angehörige in dieser schweren Situation nicht zu überfordern, brauchen sie genauso Betreuung und Unterstützung wie der Patient selbst. Bei den Angehörigen können Schuldgefühle und Ängste entstehen, dass sie Erwartungen nicht erfüllen könnten. Auch Ängste vor dem körperlichen Zerfall des Patienten, vor Schmerzen, vor starken Emotionen und Reaktionen, vor Persönlichkeitsveränderungen und nicht zuletzt: Angst vor dem Tod müssen abgefangen und begleitet werden. Außerdem kann es zu physischer und psychischer Überlastung und zu Spannungen in der Familie der Pflegenden kommen.
3. Pflegeanleitung
Für die pflegerischen Maßnahmen müssen die pflegenden Angehörigen genau angeleitet werden, da sie Angst haben könnten, etwas "falsch" zu machen. Wenn der Patient damit einverstanden ist, brauchen sie eine genaue und vollständige Aufklärung über die Erkrankung und auch über die ständigen Veränderungen bis zur Sterbephase. Sie müssen von sich aus Bereitschaft zur Pflege zeigen. Sie sollten weiterhin die Zeit und Möglichkeit haben, ihre eigenen Bedürfnisse und bisherigen Rollen (Ehemann/Ehefrau, Mutter/Kind, Beruf) wahrzunehmen. Wichtig ist zudem, sie über Pflegehilfsmittel zu informieren und bei deren Beschaffung zu unterstützen, damit nicht schon die praktischen Gegebenheiten eine gute Pflege durch die Angehörigen verhindern.
Wenn die Hilfe zur Pflege und Begleitung eines Palliativpatienten gewährt und die Vorgaben und Wünsche der Helfenden akzeptiert werden, kann die Begleitung eines Sterbenden in der Endphase für die Angehörigen zu einem Trost werden und eine Bereicherung darstellen. Die Pflegenden lernen ihre eigenen Grenzen kennen und bekommen eine Anregung, über den eigenen Tod und den Sinn des Lebens nachzudenken.
Gleichzeitig muss von professionellen Kräften überprüft werden, ob der Patient diese Hilfe von seinem Angehörigen möchte. Es kann zu veränderten Rollen zwischen den beiden kommen und es können so Konflikte entstehen, die zu einem Rückzug der Betroffenen führen oder zu offenen oder versteckten Aggressionen. Beides ist durch sorgfältige professionelle Begleitung möglichst zu verhindern.
4. Möglichkeiten zur pflegerischen Unterstützung
Für jede pflegerische Maßnahme gilt, dass der Angehörige genaue Anweisung von professionellen Kräften erfährt, wenn er sie benötigt. Er muss die Pflegetätigkeiten nur so weit ausüben, wie er sich selbst physisch und psychisch dazu in der Lage sieht. Professionelle Begleiter haben hier die schwierige Aufgabe, einerseits zu ermutigen, andererseits vor Selbstaufgabe oder Selbstüberschätzung zu schützen.
4.1. Lagerung/Mobilisation
Zunehmend eingeschränkte Mobilität und Bettlägerigkeit zeigen ein Fortschreiten der Erkrankung. Dies kann sowohl beim Patienten als auch bei den Angehörigen Ängste und Trauer auslösen. Der Hilfsbedürftige hat aber vielleicht ein größeres Vertrauensverhältnis zu seinen Angehörigen als zu Fremden. Er kann sich sicher und geborgen fühlen, der Angehörige wird gestärkt und es kann eine enge Bindung zwischen beiden entstehen. Mit maßnahmen zu Lagerung und Mobilisation kann Wundliegen vorgebeugt, die Atmung verbessert werden.
4.2. Körperwaschung
Die Körperwaschung ist je nach Bereich ein sehr intimer Vorgang, deswegen ist einfühlsames Vorgehen erforderlich. So weit der Patient noch in der Lage ist, sich selbst zu waschen, sollte man ihn dabei höchstens nach Wunsch unterstützen. Möglicherweise kennt der Angehörige bestimmte Vorlieben wie Duft von Seifen und Körpercremes, Weichheit von Waschlappen oder Handtüchern, spezielle Rituale, Rasurtechniken und Frisuren, die er dabei beachten kann. Durch die Waschung entsteht ein frisches Gefühl, der Patient wird wacher und angeregt, unangenehme Gerüche verschwinden oder werden weniger.
4.3. Mundpflege
Gerade die Mundpflege ist für die Angehörigen eine Möglichkeit, dem Sterbenden etwas "Gutes" zu tun. Der Mund ist eine ganz besondere Intimsphäre. Es kann für den Helfenden eine Überwindung bedeuten, er hat Angst davor oder empfindet eine Scheu, in den Mund vorzudringen. Er will auch keine zusätzlichen Schmerzen verursachen. Gleichzeitig kann es auch hier wieder für den Betroffenen angenehmer sein, sich von Nahestehenden helfen zu lassen. Dem Angehörigen können Vorlieben für Geschmack und Vorgehensweisen des Patienten bekannt sein. Eine gute Mundpflege gibt dem Patienten ein angenehmes Gefühl, der Mund ist nicht mehr trocken, Beläge werden weniger, Mundgeruch verbessert sich, schmerzhafte Stellen werden gelindert, der Geschmack verbessert sich und der Appetit kann so angeregt werden.
4.4. Hautpflege
Bei normaler Hautbeschaffenheit können je nach Vorliebe Öle, Cremes oder Lotionen verwendet werden. Leidet der Patient allerdings unter Juckreiz (Pruritus), muss je nach Ursache therapeutisch vorgegangen werden. Für Angehörige bedeutet Juckreiz, viel Verständnis für den Betroffenen aufzubringen. Juckreiz ist sehr unangenehm und kann in einen sich selbst verstärkenden Kreislauf münden: Der Patient beginnt sich zu kratzen, das Jucken verstärkt sich, er wird unruhiger und kratzt noch mehr. Der Helfende kann versuchen, den Patienten auf andere Gedanken zu bringen, ihn abzulenken. Kleidungsstücke aus Wolle können den Reiz verstärken. Nach Rücksprache mit dem Arzt können rückfettende Salben oder Öle zur Linderung eingerieben werden.
4.5. Ernährung
Essen ist wichtig: Wenn es uns schmeckt, fühlen wir uns wohl. Für
den Angehörigen kann es deswegen sehr wichtig sein, den Patienten mit
"Lieblingsmahlzeiten" zu versorgen. Der Pflegende möchte ihm dadurch
eine Freude bereiten und ihn zum Essen ermuntern, was allerdings nicht
immer gelingt.
Für Kranke bekommt die Nahrungsaufnahme oft einen
anderen Stellenwert. Sie haben keinen Appetit mehr, der Geschmack
verändert sich, sie haben häufig Symptome wie Übelkeit und Schmerzen.
Es können Konflikte und emotionale Spannungen entstehen; beiden,
Patient wie Pflegendem, wird das Fortschreiten der Krankheit dadurch
bewusster. Der Helfende kann mit Hilflosigkeit reagieren, sich
vielleicht selbst Vorwürfe machen, z.B. weil er selbst Hunger hat. Hier
ist sehr wichtig, dass mit Hilfe von Pflegekräften oder Seelsorgern die
Spannungen gelöst werden und dass gezeigt wird, dass dem Patienten
andere Maßnahmen wie Pflege, Nähe, Gespräche wichtiger sind.
Falls
der Patient aber Nahrung zu sich nehmen möchte, sollten die Angehörigen
auf spezielle Wünsche, Geschmack und Konsistenz weitestmöglich eingehen
und eventuell gemeinsam mit dem Patienten essen. Ernährung und Flüssigkeitsgabe bei Palliativpatienten.
5. Möglichkeiten zur psychosozialen Unterstützung
Der Angehörige wird noch eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten finden, wie er dem Kranken in seiner letzten Phase beistehen kann. Er kann ihm vorlesen, mit ihm Musik hören, Gespräche führen, zuhören, einfach nur Dasein, ihn beruhigen oder aufmuntern. Entscheidend ist immer, was dem Patienten gut tut und was der Angehörige leisten kann. Details auch unter Beschäftigung in der finalen Lebensphase.
6. Wer hilft weiter?
Oft wünschen sich Angehörige professionelle Unterstützung bei der Pflege und Betreuung des Sterbenden. Ambulante Hospize bieten praktische Hilfe, z.B. durch Nachtwachen, Sterbebegleitung sowie Trauerarbeit mit den Zurückbleibenden.
Adressen von ambulanten Hospizen:
- finden Sie bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, Suchbegriff "Hospiz".
- vermitteln die Deutsche Hospiz-Stiftung (Europaplatz 7, 44269 Dortmund, Telefon 0231 7380730, Fax 0231 7380731,
www.hospize.de) und der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (
www.hospiz.net).
7. Verwandte Links
Letzte Aktualisierung am 31.12.2011 Redakteur/in: Claudia Gottstein
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