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Parkinson > Allgemeines

 

1. Kurzinfo zur Krankheitzum Inhaltsverzeichnis

Die Parkinson-Erkrankung, auch "Schüttellähmung" genannt, hat ihren Namen von dem englischen Arzt Dr. James Parkinson, der die Krankheit 1817 als erster beschrieben hat. Bis zu 500.000 Menschen in Deutschland sollen betroffen sein, die meisten Patienten sind über 50 Jahre alt. Parkinson ist eine "neurodegenerative" Erkrankung, das heißt konkret: In einer bestimmten Hirnregion (Basalganglien) werden Nervenzellen abgebaut, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Das beeinträchtigt die Bewegungsfähigkeit. Parkinson schreitet langsam fort.

 

Parkinson umfasst eine Reihe von Hauptsymptomen, die in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination vorkommen:

  • Bradykinese: Bewegungsverlangsamung
  • Rigor: Muskelsteife
  • Ruhetremor: Zittern in Ruhe
  • Posturale Instabilität: Haltungsinstabilität

 

Je nach Herkunft der Symptome werden verschiedene Parkinson-Arten unterschieden:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Symptome treten ohne erkennbare Ursache auf - betrifft etwa drei Viertel der Patienten.
  • Atypische Parkinson-Syndrome: Die Symptome treten aufgrund einer anderen neurodegenerativen Erkrankung auf, z.B. wegen einer Multisystem-Atrophie (MSA).
  • Symptomatische Parkinson-Syndrome (selten): Die Symptome haben bekannte Ursachen, z.B. wiederholte mechanische Gewalteinwirkung (Boxen, Unfälle), Medikamente, Giftstoffe oder bestimmte Krankheiten, z.B. Hirntumor, Wilson-Krankheit.

 

2. Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Der Verlauf und die Behandlung von Parkinson sind individuell verschieden. Grundsätzlich gilt: Parkinson ist nicht heilbar, es können nur die Symptome gelindert werden.

 

2.1. Medikamente

Medikamentös können die Symptome der Krankheit behandelt und damit vor allem die Beeinträchtigungen durch die Krankheit im Alltag. Die Medikamente wirken nicht gegen die Ursache der Erkrankung, die bis heute nicht völlig geklärt ist. Die Medikamente lassen meist nach einigen Jahren in ihrer Wirkung nach.

Unklar ist derzeit, ob die Medikamente den Krankheitsfortschritt verzögern. Alle Medikamente haben Nebenwirkungen. Der Beginn der Therapie ist deshalb individuell zwischen Arzt und Patient zu klären.

Das wirksamste Medikament beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (häufigste Form) ist L-Dopa (Abkürzung für Levo-Dopa): Es sorgt dafür, dass Nervenzellen den Botenstoff Dopamin herstellen, den das Hirn immer weniger bildet.

Unter den vielen weiteren Mediakmenten, die bei Parkinson eingesetzt werden, sind die Dopamin-Agonisten die wichtigsten. Diese Wirkstoffe ähneln chemisch dem Dopamin und wirken im Körper wie der fehlende Botenstoff. Sie werden in Kombination mit L-Dopa oder auch allein eingesetzt, insbesondere am Anfang der Therapie.

 

2.2. Tiefenhirnstimulation

An Bedeutung gewinnt die operative Behandlung in Form der "Tiefen Hirnstimulation", umgangssprachlich als "Hirnschrittmacher" bezeichnet: Dabei werden in einer mehrstündigen, nicht ungefährlichen Operation Elektroden in die jeweilige symptomverursachende Hirnregion implantiert, verbunden mit einem Impulsgeber, der die individuell notwendigen Signale sendet. Die Hirnstimulation verbessert in der Regel alle Symptome, Medikamente müssen jedoch weiterhin eingenommen werden.

 

2.3. Bewegung

Parkinson beeinträchtigt vor allem die Bewegungsfunktionen. Abhängig von den individuellen Symptomen helfen Übungen und Therapien, dass die Bewegungsfähigkeit so lange wie möglich erhalten bleibt. Näheres unter Parkinson > Bewegung und Mobilität.

 

2.4. Logopädie

Im Verlauf der Erkrankung können zunehmend Probleme mit dem Sprechen auftreten, weil die Sprechmuskulatur betroffen ist. Dadurch kann die Sprache undeutlicher und oft auch leiser werden. Training kann die Beweglichkeit erhalten oder wieder verbessern, individuelle Übungen vermitteln Logopäden. Logotherapeuten helfen auch bei Schluckstörungen, die ebenfalls ein häufiges Symptom bei Parkinson sind. 

2.5. Praxistipps

Ausführliche Informationen für interessierte Patienten und Angehörige gibt eine Patienten-Leitlinie, an der drei Fachorganisationen gemeinsam gearbeitet haben: das "Kompetenznetz Parkinson", der "Berufsverband Deutscher Neurologen" (BDN) und die "Deutsche Gesellschaft für Neurologie" (DGN). Die Leitlinie finden Sie unter externer Linkwww.kompetenznetz-parkinson.de/Parkinson/broschure.html oder können Sie hier direkt herunterladen: externer LinkPatienten-Leitlinie BDN und DGN.

Die Leitlinie für Ärzte können Sie hier direkt herunterladen: externer LinkAWMF-Leitlinien Neurologie: Parkinson.

 

3. Umgang mit Parkinson im Alltagzum Inhaltsverzeichnis

Nach der Diagnose Parkinson kann es beim Betroffenen und der Familie zu unterschiedlichen Reaktionen kommen: Verunsicherung über die Erkrankung, über die möglichen Auswirkungen auf den Alltag und das Berufsleben, Zukunftsängste und Verzweiflung. Die nachfolgenden Tipps können Parkinson-Patienten und ihren Angehörigen helfen, besser mit der Erkrankung und ihren Begleitumständen zu leben.

 

3.1. Information und Kontakte

Das Verhalten im Alltag hat durchaus therapeutischen Einfluss auf die Erkrankung. Deswegen ist es für Patient und Angehörige wichtig, sich so gut wie möglich über Parkinson zu informieren. Informationen sind über das Internet und Morbus-Parkinson-Selbsthilfeorganisationen möglich, Adressen finden Sie mit dem Suchwort "Parkinson".

  • Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen ist sinnvoll. Behandlungsmöglichkeiten, Krankheitsbewältigungsstrategien und Tipps für den Alltag kann kaum jemand besser geben als Menschen, die an derselben Krankheit leiden. In Selbsthilfegruppen kann man sich persönlich treffen oder deren Internetangebote (Infos, Foren, Chats) nutzen. Selbsthilfegruppen für Parkinson-Patienten finden Sie bei Adressen mit dem Suchwort "Parkinson".
  • Der Patient sollte einen Arzt auswählen, zu dem er unbedingtes Vertrauen hat, und mit diesem alle neu auftretenden Probleme und Fragen besprechen. Dies gilt insbesondere auch für belastende und Tabu-Themen wie Sexualität, Gedächtnisprobleme oder psychische Probleme.
  • Vor Operationen müssen die beteiligten Ärzte, unbedingt auch der Narkosearzt, über die Erkrankung informiert werden. Bestimmte Narkose-Medikamente können mit den Parkinson-Medikamenten unverträglich sein.
  • Narkoseanhänger: Über die Deutsche Parkinsonvereinigung externer Linkwww.parkinson-vereinigung.de/?pg=shop können Patienten als Informationshinweis einen speziellen Schlüsselanhänger bestellen, der im Notfall auf die Einnahme von L-Dopa hinweist..

 

3.2. Familie und Freunde

Parkinson verändert das Leben des Patienten und damit auch das der Familie und Freunde. Die fortschreitende Krankheit erfordert einen zunehmenden Bedarf an täglicher Hilfe und wirkt sich auf die sozialen Kontakte aus. Patienten ziehen sich oft zurück und geben lange gepflegte Hobbys und Kontakte auf. Hier sollte man so gut und lange wie möglich gegensteuern.

  • Kontakte zu Familie und Freunden pflegen, sich nicht verstecken, mobil bleiben.
  • Hilfe in Anspruch nehmen, bei alltäglichen Verichtungen ebenso wie bei Aktivitäten außer Haus.
  • Aktiv bleiben: Hobbys und Interessen weiter pflegen oder neu aufbauen.
  • Auch geistig aktiv bleiben
    Die geistige Leistungsfähigkeit kann sich im Laufe der Erkrankung verändern/verlangsamen. Patienten sollten versuchen, sich geistig fit zu halten, z.B. indem sie viel lesen, Kreuzworträtsel oder andere Denksportaufgaben lösen, Sprachen lernen.
  • Auch mit fortschreitender Krankheit Alltagsaufgaben wahrnehmen, z.B. Hausarbeit, auch wenn diese deutlich länger dauert als früher.

 

Umgekehrt sollten Freunde und Familie den Patienten zu all diesen Verhaltensweisen ermutigen und ihn dabei unterstützen. Wichtig sind auch trösten, Mut machen, Zuversicht vermitteln und "einfach nur" da sein beim Überwinden seelischer und körperlicher Befindenseinbrüche, wie sie bei einer fortschreitenden Krankheit wie Parkinson nicht ausbleiben.

 

Für sich selbst sollten Angehörige darauf achten, dass sie auch ihr eigenes Leben weiterpflegen. Bei aller Hinwendung zum Patienten sollte auch bewusst Zeit für eigene Interessen eingeplant werden.

 

3.2.1. Sexualität

Parkinson kann das sexuelle Empfindens verändern, entweder durch die Krankheit selbst oder wegen bestimmter Medikamente. Entscheidend für Patienten und ihre Partner ist, dass sie einen Punkt erreichen, mit dem beide zufrieden und glücklich sein können. Die Paare sollten möglichst offen über ihre Sexualität sprechen - "volle Leistungsfähigkeit" immer und jederzeit muss nicht sein.

 

3.2.2. Betreuung von Kindern bei Parkinson eines Elternteils

Unter den folgenden Links finden Sie allgemeine Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten bei der Kinderbetreuung:

 

3.3. Depressionen

Viele Parkinson-Patienten leiden im Verlauf der Erkrankung unter Depressionen (Näheres unter Depressionen > Allgemeines). Das kommt einerseits vom Leidensdruck der Krankheitssymptome, vom Wissen um das Fortschreiten der Krankheit: Durch die Erkrankung gelingen bestimmte Dinge nicht mehr bzw. nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. Ein Gefühl des Versagens und des "Nicht-gebraucht-Werdens" kann sich dadurch einstellen. Andererseits können Depressionen eine Folge der Medikamente sein.

Typische Anzeichen für Depressionen sind Antriebslosigkeit und Niedergedrücktheit. Patienten und Angehörige sollten sorgfältig darauf achten und gegenfalls mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen. Depressionen lassen sich in der Mehrzahl der Fälle gut behandeln, medikamentös und/oder durch Psychotherapie. Näheres unter Depressionen > Behandlung.

 

Allerdings sollten Angehörige und Freunde den Patienten beim Verdacht auf Depressionen nicht unter Druck setzen, das kann eine mögliche Depression noch verstärken. Näheres unter Depressionen > Angehörige und Betroffene.

 

Sehr selten kommt es infolge von Parkinson-Medikamenten zu Psychosen mit Symptomen wie Wahrnehmungsstörungen oder Wahnvorstellungen. Dann sollte sofort ein Arzt informiert werden.

 

3.4. Mimik

Ein Symptom von Parkinson ist die Verringerung der Mimik durch die Steifheit der Gesichtszüge. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Patient vor dem Spiegel verschiedene Gesichtsausdrücke (Freude, Angst, Erschrecken) üben. Schreitet die Erstarrung der Gesichtszüge weiter fort, sollten Betroffene ihre Befindlichkeit zunehmend in Worten ausdrücken, damit Angehörige und Freunde wissen, wie es ihnen geht.

 

3.5. Schlaf

Parkinson-Patienten leiden häufig unter Schlafproblemen. Folgende Maßnahmen können das Problem lindern:

  • Den Schlafraum so gestalten, dass eine angenehme Atmosphäre entsteht.
  • Eine harte Matratze und eine leichte Bettdecke verwenden - das erleichtert das Umdrehen.
  • Leichte Bewegung vor dem Schlafengehen.
  • Keinen Alkohol, kein Koffein, kein Nikotin vor dem Schlafengehen.
  • Direkt vor dem Schlafen nichts mehr trinken, um nicht wegen Harndrangs nachts aufstehen zu müssen.
  • Probleme vor dem Schlafengehen mental "beiseite legen".

 

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Letzte Aktualisierung am 15.06.2011   Redakteur/in: Lydia Schrupp

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