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Psychiatrische Krankenpflege

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Die psychiatrische Krankenpflege soll Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen helfen, zu Hause ein eigenständiges Leben in der gewohnten Umgebung zu führen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. In der Praxis wird häufig von "Ambulanter Psychiatrischer Pflege" gesprochen. Sie richtet sich z.B. an Demenzkranke oder an Menschen mit psychotischen Störungen. Psychiatrische Krankenpflege ist eine Sonderform der Häuslichen Krankenpflege, d.h.: ein Patient wird zu Hause von Fachpersonal medizinisch versorgt.

 

2. Zielezum Inhaltsverzeichnis

Die psychiatrische Krankenpflege dient

  • der Erarbeitung der Pflegeakzeptanz (Beziehungsaufbau),
  • der Durchführung von Maßnahmen zur Bewältigung von Krisensituationen und
  • der Entwicklung kompensatorischer Hilfen bei krankheitsbedingten Fähigkeitsstörungen.

 

3. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen für die Verordnung psychiatrischer Krankenpflege:

  • Der Patient weist eine ausreichende Behandlungsfähigkeit auf, damit bestehende Funktionsstörungen durch die Maßnahmen im Pflegeprozess positiv beeinflusst werden können.
  • Es ist zu erwarten, dass die Therapieziele vom Patienten erreicht werden können.

 

Können diese Voraussetzungen bei erstmaliger Verordnung nicht eingeschätzt werden, ist eine Erstverordnung über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen zur Erarbeitung der Pflegeakzeptanz und zum Beziehungsaufbau möglich. Dabei kann auch die Anleitung der Angehörigen des Patienten im Umgang mit dessen Erkrankung Gegenstand der Leistung sein. Zeichnet sich in diesem Zeitraum ab, dass Pflegeakzeptanz und Beziehungsaufbau nicht erreicht werden können, ist eine Folgeverordnung nicht möglich.

 

4. Verordnung und Behandlungsplanzum Inhaltsverzeichnis

Die ärztliche Verordnung der psychiatrischen Krankenpflege erfolgt durch einen Vertragsarzt des Fachgebiets Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie oder Psychotherapeutische Medizin oder durch einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie. Die Verordnung durch den Hausarzt erfordert eine vorherige Diagnosesicherung durch einen der genannten Fachärzte.

 

Zur Verordnung gehören der Verordnungsvordruck zur häuslichen Krankenpflege und ein vom Arzt erstellter Behandlungsplan. Dieser muss die Indikation, die Fähigkeitsstörungen, die Zielsetzung der Behandlung und die Behandlungsschritte (Behandlungsfrequenzen und -dauer) enthalten.

 

Maßnahmen der psychiatrischen Krankenpflege und der Soziotherapie können in der Regel nur nacheinander, nicht zeitlich nebeneinander verordnet werden.

Ausnahme: Die Maßnahmen ergänzen sich aufgrund ihrer jeweiligen Zielsetzung. Diese Abgrenzung gegeneinander ist dann sowohl im Behandlungsplan der psychiatrischen Krankenpflege als auch im soziotherapeutischen Betreuungsplan darzulegen.

 

5. Dauer und Häufigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Psychiatrische Krankenpflege kann bis zu 4 Monate lang mit bis zu 14 Einheiten pro Woche (abnehmende Frequenz) verordnet werden.

 

6. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Herkömmliche ambulante Pflegedienste haben ihren Schwerpunkt in der Regel auf der Pflege älterer Patienten. Psychiatrische Krankenpflege auf Verordnung kann aber nur ein spezialisierter Dienst für psychiatrische Krankenpflege erbringen, der mit der Krankenkasse des Patienten einen Versorgungsvertrag haben muss. Nicht in jedem Bundesland gibt es entsprechende Dienste.

 

7. Zuzahlungzum Inhaltsverzeichnis

Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zahlen 10 % der Kosten pro Tag für längstens 28 Tage im Kalenderjahr, sowie 10,- € pro Verordnung.

 

8. Sachleistungserbringungzum Inhaltsverzeichnis

Vorrangig erbringen die Krankenkassen oder die Berufsgenossenschaften eine Sachleistung, d.h.: Sie stellen die Pflegekraft.

Wenn die Sachleistungserbringung nicht möglich ist, werden die Kosten der Pflegekräfte der Sozialstationen, Krankenpflegevereine etc. von der Krankenkasse oder in wenigen Einzelfällen von der Berufsgenossenschaft übernommen. Dies muss unbedingt vorher mit dem Leistungsträger abgesprochen und von diesem genehmigt sein.

 

8.1. Ausnahme

Die Krankenkassen und die Berufsgenossenschaften erstatten die Kosten für eine selbst beschaffte Kraft in angemessener Höhe (d.h. in Anlehnung an das tarifliche oder übliche Entgelt einer Pflegekraft), falls:

  • die Krankenkasse keine Kraft stellen kann, z.B. wenn die Kapazität der von der Krankenkasse eingestellten Pflegekräfte erschöpft ist.
  • die selbst beschaffte Pflegekraft geringere Kosten verursacht.
  • die zu pflegende Person aus nachvollziehbaren Gründen nur eine bestimmte selbst ausgewählte Kraft akzeptiert. Diese Kraft muss geeignet sein, pflegerische Dienste zu erbringen, was allerdings nicht notwendigerweise eine abgeschlossene Ausbildung voraussetzt.

 

9. Richtlinien zum Inhaltsverzeichnis

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zur Häuslichen Krankenpflege im allgemeinen und zur psychiatrischen Krankenpflege im speziellen Richtlinien erstellt. Diese Richtlinien können Sie unter externer Linkwww.g-ba.de/informationen/richtlinien/11/ downloaden, direkter Download: externer LinkHäusliche Krankenpflege-Richtlinie.

Die "Besonderheiten der Verordnung der psychiatrischen Krankenpflege" stehen in § 4 der Richtlinie.

Eine detaillierte Auflistung der Diagnosen zur Verordnung psychiatrischer Krankenpflege steht im Anhang der Richtlinie: "Verzeichnis verordnungsfähiger Leistungen" unter Punkt 27a.

 

10. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Krankenkassen und Berufsgenossenschaften.

 

11. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Häusliche Krankenpflege

Psychotherapie

Soziotherapie

Häusliche Pflege Pflegeversicherung

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 37 SGB V - § 32 SGB VII)

 

Letzte Aktualisierung am 14.01.2014   Redakteur/in: Sabine Bayer

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