Reisen bei Schmerzmitteleinnahme
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1. Das Wichtigste in Kürze
Wer regelmäßig Schmerzmittel einnimmt, muss bei Auslandsreisen folgende Aspekte vorher beachten:
- Medizinische Notwendigkeit nachweisbar machen - mit Beipackzettel, Attest, Bescheinigungen etc.
- Informationen übersetzen lassen.
- Mengenlimitierung beachten.
- Zeitverschiebung, veränderte Klimabedingungen und Komplikationen (Durchfall, Erbrechen) mit einkalkulieren.
- Rechtzeitig planen.
2. Bescheinigungen bei Auslandsreisen
Schmerz- und Betäubungsmittel können bei der Einreise in andere Länder beschlagnahmt werden. Patienten, die auf diese Medikamente angewiesen sind, müssen deshalb den Beipackzettel sowie - in nicht-deutschsprachigen Ländern auf englisch übersetzt - ein ärztliches Attest vorweisen können, das erklärt, dass der Patient das Medikament auf ärztliche Verordnung einnehmen muss und es dazu dient, ihn während des Aufenthalts gesund zu erhalten. Es wird empfohlen, diese ärztliche Erklärung von der Gesundheitsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beglaubigen zu lassen.
Der Patient darf die Menge an Schmerzmitteln mit sich führen, die er wegen seines Gesundheitsproblems für die Zeit des Aufenthaltes benötigt. Bei der Zollerklärung müssen diese Medikamente angegeben werden. Es ist ratsam bei der zuständigen Botschaft in Deutschland die genauen Richtlinien des jeweiligen Landes zu erfragen.
Die "Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung bei Auslandsreisen" kann beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unter
www.bfarm.de > Betäubungsmittel > Formulare heruntergeladen werden.
Zudem sollten Patienten, die auf Opioide angewiesen sind, immer ihren Opioid-Ausweis mit sich führen.
3. Gefahr Durchfall
In manchen Reiseländern ist die Gefahr relativ hoch, durch ungewohnte Speisen oder verunreinigtes Trinkwasser Durchfall zu bekommen. Manchen Reisenden wird auch bei Flügen oder Seereisen übel, so dass sie sich übergeben müssen. Bei Durchfall oder Erbrechen können oral zugeführte Schmerzmittel eventuell nicht mehr ausreichend wirken. Eine Möglichkeit, die Unterversorgung des Patienten zu vermeiden, sind Opioide, die über ein Pflaster durch die Haut aufgenommen werden.
4. Tipps für eine erholsame Reise
Reise möglichst stressfrei planen, z.B. Hilfe eines Reisebüros in Anspruch nehmen, Gepäck vorab einchecken, damit der Schmerzkranke nicht lange in der Schlange stehen muss, ausreichend Pausen einplanen.
- Eventuell muss die medikamentöse Therapie höher dosiert werden als zu Hause, weil
- die An- und Abreise für viele Patienten besonders belastend ist (z.B. langes, unbequemes Sitzen im Flugzeug).
- im Urlaub oft ein Teil des Therapiespektrums wie Akupunktur, Physio- oder Psychotherapie wegfällt.
- Wenn der Patient zu Hause ein Analgetikum in oraler Form einnimmt, sollte er für den Urlaub zusätzlich Schmerzmedikamente wie Pflaster, Spritzen, Nasensprays etc. verordnet bekommen, weil Tabletten aufgrund von Erbrechen nicht wirken könnten.
- Für Migräne-Patienten kann der Jetlag problematisch werden. Deshalb sollte auch im Urlaub der normale Tagesrhythmus eingehalten werden. Eventuell ist Melantonin empfehlenswert. Näheres unter Migräne.
- Opioid-Patienten sollten sich bei Zeitverschiebung sofort auf den Tagesrhythmus vor Ort einstellen und Übergangsprobleme mit niedriger dosierten Präparaten, z.B. Tropfen überbrücken.
- Die Anwendung von Schmerzpflastern kann in heißen Ländern problematisch werden, da schweißfeuchte Haut eine höhere Dosis aus dem Pflaster schwemmt. Eventuell auf niedriger dosierte Pflaster ausweichen.
- Patienten, die TENS-Geräte benutzen, kommen in heißen Ländern mit einer geringeren Stromintensität aus als zu Hause, da schweißfeuchte Haut besser leitet als trockene. Am Flughafen gibt es keine Probleme mit dem Gerät, wenn der Patient die Gebrauchsanweisung vorlegen kann.
5. Behindertenreisen
Unter Umständen ist es stressfreier und erholsamer, die Reise von einem - mit den Belangen Behinderter vertrauten - Reiseveranstalter organisieren zu lassen oder sich einer entsprechenden Reisegruppe anzuschließen. Dies ermöglicht auch schwerbehinderten Menschen eine Reise ins Ausland.
Veranstalter und Anbieter von Behindertenreisen erhalten Sie
- beim örtlichen Reisebüro oder
- bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit dem Suchwort "Behindertenreisen"
6. Verwandte Links
Urlaub bei chronischen und schweren Krankheiten
Chronische Schmerzen > Freizeit Sport Urlaub
Letzte Aktualisierung am 03.03.2010 Redakteur/in: Sabine Bayer
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