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Psychosen > Familie

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Psychotische Störungen betreffen Angehörige oft in besonderer Weise mit. Sie müssen Rücksicht auf ihre eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten nehmen und sich im täglichen, herausfordernden Umgang mit dem Betroffenen üben.

 

2. Angehörige von Menschen mit Psychosenzum Inhaltsverzeichnis

Bei psychotischen Störungen sind die Angehörigen in besonderer Weise mitbetroffen. Die Diagnose stellt eine Belastung für das ganze familiäre Umfeld dar. Deshalb ist es ratsam, dass auch die Angehörigen professionelle Hilfe für sich in Anspruch nehmen. Der Patient sollte davon wissen, damit er nicht das Gefühl bekommt, dass hinter seinem Rücken gehandelt wird.

 

3. Eintritt der Erkrankungzum Inhaltsverzeichnis

Die Familie merkt oft bald, dass mit dem Angehörigen etwas nicht stimmt, doch als Ursachen werden eher eine Sinneswandlung oder eine vorübergehende Krise angenommen. Bis zur Diagnosestellung können Jahre vergehen - und zwischenzeitlich brechen Freundschaften auseinander und manchmal sogar die Familie.

 

Für den Betroffenen kann die Erkrankung dagegen plötzlich kommen. Denken und Fühlen, Wahrnehmung von Körper und Umfeld sind gestört und führen unmerklich dazu, dass gewohnte Lebensbahnen verlassen werden. Es kann zum Verlust des Arbeitsplatzes kommen, zum Abbruch eines Studiums, zu Auseinandersetzungen mit und Trennungen von Freunden, Verwandten oder Lebenspartnern. Rückzug aus dem gewohnten Umfeld und fehlende soziale Kontakte sind die Folgen.

 

4. Umgang mit Betroffenenzum Inhaltsverzeichnis

Nachfolgend Anhaltspunkte für Angehörige zum Umgang mit Psychose-Patienten. Sie sind der "Blauen Broschüre" entnommen: "Es ist normal, verschieden zu sein!" (Blaue Broschüre). Verständnis und Behandlung von Psychosen erstellt im Dialog von Psychose-Erfahrenen, Angehörigen und Therapeuten/Wissenschaftlern in der AG der Psychoseseminare (Hrsg.). Download der gesamten Broschüre unter externer Linkwww.irremenschlich.de > Download > Mediathek > Druck oder direkt hier: externer LinkEs ist normal, verschieden zu sein! (1,6 MB). Ergänzungen, Veränderungen und Auslassungen sind mit [eckigen Klammern] gekennzeichnet.

 

4.1. Versicherung

Wenn eine Psychose u.a. mit einer Verunsicherung des inneren Selbst, vielleicht auch den Verlust von eigenen Grenzen bedeutet, dann macht es keinen Sinn, wenn die Mitmenschen "selbst-los" handeln. Es ist wichtig, dass sie zwar Rücksicht nehmen und den anderen immer wieder so selbstverständlich wie möglich einbeziehen, die eigenen Interessen und Gewohnheiten aber nicht völlig aufgeben.

 

4.2. Entwicklung

[Die Gleichzeitigkeit sehr unterschiedlicher Verhaltensweisen] bedeutet vor allem für die Angehörigen eine schwierige Balance zwischen den beiden Polen, einerseits Verständnis für kindlich [wirkende Verhaltensweisen] zu zeigen, andererseits die reale Person und ihren realen Entwicklungsstand zu respektieren.

 

4.3. Rätsel

Wenn Psychosen Rätsel aufgeben, dann steckt darin auch für die Angehörigen die Chance, mehr über sich, die Wahrnehmungen des anderen und die Bedingungen des Zusammenlebens zu erfahren. Das kann schmerzhaft sein und befreiend. Die psychotische Kommunikation kann der einzige Ausweg aus diesem Dilemma sein. Alle sind gefordert, ihre Wahrnehmung zu vervollständigen und mehr von sich selbst wahr-zu-machen. Jeweils eigene Fragen und Antworten zu finden, ist sicher nicht leicht. Wechselwirkungen festzustellen, ohne Schuld zu verteilen, ist eine hohe Kunst, die oft erst mit größerem zeitlichem Abstand gelingen kann und manchmal auch therapeutischer Hilfe bedarf.

 

4.4. Existenzsicherung

Wenn eine Psychose zum Verlust der eigenen Grenzen führt, kann das große Gefahr bedeuten. Eher für den Betreffenden selbst, seltener auch für andere. An dieser Stelle ist Gegnerschaft gefordert. Die Orientierung an den Grenzen anderer kann die einzige Orientierung sein. Die Sicherung der eigenen Existenz kann vom Handeln anderer abhängen. Für den anderen Gegner/Gegenüber zu sein, ohne ihn klein zu machen, ist sehr schwierig. Scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen.

 

4.5. Dabeisein

Wenn Psychosen mit panischen Ängsten zusammenhängen, so können sich diese quasi durch die Poren auf andere übertragen. Das macht es schwer, Notwendiges zu verwirklichen: Gelassenheit und Geduld, räumliche Geborgenheit, Ruhe ohne neue angstauslösende Reize, körperliche Nähe ohne Grenzüberschreitung, Anwesenheit ohne Forderung ...

 

4.6. Kontakt

Wenn eine Psychose aus menschlicher Isolation erwächst oder wenn sie sich in Isolation verstärkt, so ergibt sich daraus die Notwendigkeit wie auch die Schwierigkeit, den Kontakt zu halten, bzw. herzustellen. Dies geschieht oft in einem langwierigen Ringen. Angehörige sind in dieser Situation besonders wichtig. Auch scheinbar banale Kontakte können dabei wichtig sein, wenn sie "selbstverständlich" sind, auch seltene Kontakte, wenn sie verlässlich sind. Alltägliche Kontakte zu Nachbarn, Postboten usw. haben den Vorteil, dass sie "ungefährlich" sind. In Psychosen Kontakt zu halten bzw. zu bekommen ist schwierig, weil notwendige Nähe und gefürchtete Grenzüberschreitung sehr nah beieinander liegen. In dieser Situation brauchen Angehörige und Profis eine Abstützung in Angehörigen- oder Balintgruppen, um den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren.

 

4.7. Grenzen des Verstehens

Wenn ein Mensch sich in der Psychose unverständlich macht, so schützt er sich damit auch vor dem Verstehen: Gewissermaßen prüft er das Bemühen der anderen um Verständnis und entflieht gleichzeitig in einen Bereich, in den letztlich niemand folgen kann. Das bedeutet Einsamkeit und Eigenheit/Unangreifbarkeit. Menschen in Psychosen senden somit eine Doppelbotschaft aus, die zutiefst menschlich ist, weil sie letztlich das Spannungsfeld konzentriert, dem wir alle ausgesetzt sind: das Spannungsfeld zwischen dem sozialen Angewiesensein und der unausweichlichen Einsamkeit eines jeden Menschen. Um Verständnis zu ringen, ohne Verstehbarkeit zu fordern, also die Eigenheit des anderen zu respektieren, erfordert eine große Genauigkeit mit sich selbst.

 

5. Selbsthilfe, Beratung, Austauschzum Inhaltsverzeichnis

Hilfen bieten Selbsthilfegruppen für Angehörige, örtliche Beratungsstellen, psychiatrische Kliniken, sozialpsychiatrische Dienste, Gesundheitsämter und Volkshochschulen. In den Gruppen können Angehörige sich austauschen, mit anderen Angehörigen oder auch mit Fachleuten wie Ärzten, Psychologen oder Sozialpädagogen ihre Probleme erörtern und nach besseren Bewältigungsstrategien suchen.

Dadurch werden Angehörige entlastet und finden mehr Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit dem Patienten.

Links zu Adressen für Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für psychisch kranke Menschen und deren Angehörige finden Sie unter Psychische Krankheiten > Adressen.

Eine Sonderform sind "trialogische" Informations-, Aufklärungs- und Austauschprojekte. Daran sind drei Gruppen beteiligt: Angehörige, Fachleute von Berufs wegen und Psychose-Erfahrene. Adressen finden sich z.B. bei externer Linkwww.trialog-psychoseseminar.de oder externer Linkwww.irremenschlich.de.

 

6. Betreuung von Kindern bei Schizophrenie eines Elternteilszum Inhaltsverzeichnis

Unter den folgenden Links finden Sie allgemeine Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten bei der Kinderbetreuung:

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche

Eingliederungshilfe für behinderte Menschen

Persönliches Budget

Psychosen Schizophrenie

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Letzte Aktualisierung am 18.04.2016   Redakteur/in: Ines Grocki

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