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Sexualität in der Palliativphase

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Sexualität in der Palliativphase sollte sich nach den Wünschen des Patienten richten. Diese können von Fall zu Fall sehr verschieden sein, ganz wichtig sind offene Gespräche sowie partnerschaftliche Nähe und Zärtlichkeit. Auf mögliche Störfaktoren und ein erhöhtes Schamgefühl infolge des veränderten Äußeren ist sensibel einzugehen.

 

2. Stellenwertzum Inhaltsverzeichnis

Sexualität, Körperlichkeit, Zärtlichkeit und Intimität können auch bei schwer kranken Menschen eine wichtige Rolle spielen und tragen zur Erhaltung der Lebensqualität bei. In den Fällen, in denen ein aktives Sexualleben nicht mehr möglich ist, können Partner ihre Zusammengehörigkeit durch körperliche Nähe und den Austausch von Zärtlichkeiten ausdrücken. Zärtlichkeiten können für Patienten gerade in der Finalphase besonders wertvoll und hilfreich sein.

 

In diesem sensiblen Bereich ist es (wie bei Gesunden) besonders wichtig, auf die Bedürfnisse des Kranken einzugehen, seine Grenzen zu respektieren und auf Wünsche möglichst einzugehen.

 

Die Bedeutung von Sexualität ist bei jedem Palliativpatienten unterschiedlich. Einige erleben auch in der Phase einer schweren Erkrankung eine intensive Sexualität. Bei anderen ist durch starke körperliche Beeinträchtigungen oder die Angst vor dem Sterben kein Raum mehr für Sexualität oder Zärtlichkeiten.

 

3. Mögliche Störfaktorenzum Inhaltsverzeichnis

Die Sexualität von Palliativpatienten kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt sein, z.B.:

  • Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit, Depression.
  • Verändertes Körperbild durch Operationen, Haarverlust, Gewichtszu- oder -abnahme.
  • Sexuelle Funktionsstörungen durch Operationen, Strahlentherapie oder Verlust der Erektionsfähigkeit.
  • Unfruchtbarkeit.
  • Verlust des sexuellen Verlangens durch Medikamente.
  • Schmerzen, Verspannungen, Unwohlsein, Kraftlosigkeit.

Um die Ursachen für Störungen der Sexualität abzuklären, sollte sich der Patient oder der Partner an den Arzt oder an Pflegekräfte wenden.

 

4. Erhöhtes Schamgefühlzum Inhaltsverzeichnis

Der intime Kontakt mit dem Partner kann für den Patienten mit einem erhöhten Schamgefühl einhergehen, da er unter Umständen nicht mehr so aussieht wie früher. Dies bedeutet für beide Partner eine Umstellung.

Patienten können ihr Identitäts- und Selbstwertgefühl verbessern, indem sie ihr Äußeres pflegen und auch bewusst dazu ermutigt werden, z.B.

  • Kleidung statt Nachtwäsche anzuziehen.
  • Perücke zu tragen, die Haare zu frisieren.
  • Make-up aufzulegen.
  • Parfum oder Rasierwasser zu benutzen.
  • Zahnprothesen einzusetzen.

 

5. Tipps für Paarezum Inhaltsverzeichnis

Um einem Paar in einer Hospiz- oder Palliativeinrichtung eine ungestörte Zweisamkeit und Intimität zu ermöglichen, kann helfen:

  • Aufstellen eines Doppelbetts.
  • Info an der Tür "Bitte nicht stören".
  • Zeiten vereinbaren, in denen keiner das Zimmer betritt.
  • Pflegematerialien (z.B. Inkontinenzartikel) beiseite legen, weil ihr Anblick störend wirken kann.
  • Stoma und/oder Katheter mit entsprechendem Zubehör verschließen.
  • Infusionen kurzzeitig entfernen.
  • Angenehme Atmosphäre schaffen: Raumtemperatur, Düfte, Frischluft, Musik, Blumen, Licht.

 

6. Sexualität bei Opioidanwendungzum Inhaltsverzeichnis

In seltenen Fällen wirken sich Opioide auf die Sexualität aus, so kann z.B. die Libido herabgesetzt sein. Schon vorhandene Probleme, z.B. Impotenz, können durch die Einnahme verstärkt werden. Die Opioidanwendung kann die Wahrnehmung von Berührungen verändern. Sie können einerseits stärker, andererseits schwächer als vor der Opioideinnahme empfunden werden.

Zu beachten ist aber auch der Aspekt, dass manchen Schmerzpatienten durch die Anwendung von Opioiden intimes Zusammensein und erfüllende Berührung erst wieder möglich wird, weil der Schmerz nicht mehr im Vordergrund steht und jede Lust verdrängt.

 

Möglicherweise haben die Patienten Angst, dass sich der Partner von ihnen zurückzieht, weil sich der Körper durch die Erkrankung verändert hat. Paare sollten miteinander über ihre Befürchtungen, Bedenken, Wünsche und Gefühle reden. Gegenseitige Hilfe ist am besten möglich, wenn die Partner wissen, was im anderen vorgeht. Das kann verhindern, dass sich ein Teufelskreis aus Missverstehen entwickelt. Wenn keiner der Partner Mut findet, über seine Gedanken zu reden, fühlen sich beide in ihren falschen Vermutungen bestätigt und ziehen sich immer mehr voneinander zurück.

 

7. Verhältnis zur Pflegepersonzum Inhaltsverzeichnis

Durch ein Pflegeverhältnis entsteht manchmal eine besondere Beziehung zwischen dem Patienten und der Pflegepeson. Patienten sind "Schutzbefohlene" und abhängig von der Pflegeperson, dies sollten sich professionelle Helfer immer bewusst machen. Hilfreich kann es sein, dass die Intimpflege durch Pflegende des gleichen Geschlechts ausgeführt wird. Auf erotische Reaktionen (z.B. Erektion) sollte die Pflegeperson ruhig und einfühlsam reagieren. Dem Patienten sollten wertschätzend, aber deutlich die Grenzen aufgezeigt werden.

 

8. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Bei partnerschaftlichen oder sexuellen Problemen können sich Palliativpatienten und deren Angehörige z.B. an die Beratungsstellen von Pro Familia wenden: externer Linkwww.profamilia.de > Beratungszentren

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Palliativpflege

Palliativversorgung

Brustkrebs > Familie

Prostatakarzinom > Partnerschaft und Sexualität

 

 

Letzte Aktualisierung am 14.05.2012   Redakteur/in: Sabine Bayer

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