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Stufenweise Wiedereingliederung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Die Stufenweise Wiedereingliederung (sogenanntes "Hamburger Modell") soll arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach längerer schwerer Krankheit schrittweise an die volle Arbeitsbelastung heranführen und so den Übergang zur vollen Berufstätigkeit erleichtern. Während der Stufenweisen Wiedereingliederung ist der Arbeitnehmer noch krankgeschrieben. Möglich ist die Stufenweise Wiedereingliederung in der Regel nur, wenn der Arbeitgeber zustimmt.

 

2. Kostenträgerzum Inhaltsverzeichnis

Die Stufenweise Wiedereingliederung ist eine Maßnahme der Medizinischen Rehabilitation. Findet sie im unmittelbaren Anschluss an eine medizinische Rehamaßnahme statt, d.h. wird sie innerhalb von 4 Wochen nach Entlassung aus einer Reha-Klinik angetreten, ist die Rentenversicherung Kostenträger. Trifft dies nicht zu, ist in den meisten Fällen die Krankenversicherung zuständig. In speziellen Fällen kann auch die Agentur für Arbeit oder die Unfallversicherung Kostenträger der Stufenweisen Wiedereingliederung sein.

 

3. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Bei allen genannten Kostenträgern müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der behandelnde Arzt stellt fest, dass die bisherige Tätigkeit wenigstens teilweise wieder aufgenommen werden kann.
  • Es liegt vor und während der Maßnahme eine Arbeitsunfähigkeit vor.
  • Arbeitgeber und Arbeitnehmer stimmen der Maßnahme zu.
  • Der Versicherte wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt.

Schwerbehinderte und gleichgestellte Arbeitnehmer haben im Gegensatz zu nicht schwerbehinderten Arbeitnehmern gegen den Arbeitgeber einen Anspruch auf Zustimmung zur Stufenweisen Wiedereingliederung, wenn ein Wiedereingliederungsplan vorliegt, der alle aus ärztlicher Sicht zulässigen Arbeiten enthält und eine Prognose darüber, ob und wann mit der vollen oder teilweisen Arbeitsfähigkeit zu rechnen ist. Nur in Einzelfällen kann der Arbeitgeber eine Stufenweise Wiedereingliederung eines Schwerbehinderten wegen Unzumutbarkeit ablehnen.

 

4. Dauerzum Inhaltsverzeichnis

Die Dauer der Stufenweisen Wiedereingliederung ist abhängig vom individuellen gesundheitlichen Zustand. In der Regel dauert sie 6 Wochen bis 6 Monate.

 

5. Finanzielle Sicherungzum Inhaltsverzeichnis

In der Regel erhält der Versicherte während der Stufenweisen Wiedereingliederung weiterhin sogenannte Entgeltersatzleistungen, d.h.: Krankengeld von der Krankenkasse, Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger, Verletztengeld von der Berufsgenossenschaft oder Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit von der Agentur für Arbeit. Falls der Arbeitgeber während der Maßnahme freiwillig Arbeitsentgelt entrichtet, dann wird dies angerechnet und führt zu Kürzungen bzw. zum Wegfall der Entgeltersatzleistung. Es besteht allerdings keine Zahlungspflicht für den Arbeitgeber.

 

6. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Findet die Stufenweise Wiedereingliederung unmittelbar im Anschluss an eine Rehamaßnahme statt, sollte sie im Laufe der Reha beantragt werden. Dazu füllen Sozialberatung der Reha-Klinik in Kooperation mit Arzt und Patient gemeinsam den Antrag aus und erstellen gemeinsam einen "Wiedereingliederungsplan" aus dem hervorgeht, mit welcher Tätigkeit und Stundenzahl der Arbeitnehmer beginnt, in welchem Zeitraum und wie Art und Umfang der Tätigkeit gesteigert werden.
  • Detaillierte Informationen zur Rehabilitation bietet die "Arbeitshilfe für die stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess" der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), kostenloser Download unter externer Linkwww.bar-frankfurt.de/49.html.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Krankenkassen, Agentur für Arbeit, Berufsgenossenschaften oder Rentenversicherungsträger, Sozialberatung der Reha-Klinik, behandelnder Arzt, Arbeitgeber.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Arbeitsunfähigkeit

Krankengeld

Erwerbsminderungsrente

Medizinische Rehabilitation

Teilhabe am Arbeitsleben

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 74 SGB V - §§ 28, 51 Abs. 5 SGB IX)

 

Letzte Aktualisierung am 17.09.2014   Redakteur/in: Florian Hopfenbeck

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