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Teilzeitarbeit

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, seine Arbeitszeit zu reduzieren. Dies gilt auch für Teilzeitbeschäftigte und Minijobber.

 

2. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Ein Anspruch auf Teilzeit besteht, wenn

  • das Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate andauert und
  • der Arbeitgeber mindestens 16 Mitarbeiter beschäftigt.

 

Der Wunsch nach Verringerung der Arbeitszeit muss dem Chef mindestens 3 Monate vorher mitgeteilt werden. Im besten Fall einigt man sich im Gespräch mit dem Arbeitgeber auf die wöchentliche Arbeitszeit sowie deren Verteilung.

 

3. Ablehnung aus betrieblichen Gründenzum Inhaltsverzeichnis

Stehen betriebliche Gründe einer Reduzierung der Arbeitszeit oder der gewünschten Verteilung entgegen, kann der Arbeitgeber ablehnen.

Betriebliche Gründe laut Gesetz sind vor allem wesentliche Beeinträchtigungen der Organisation, des Arbeitsablaufs oder der Sicherheit im Betrieb. Ein weiterer Grund ist das Entstehen unverhältnismäßig hoher Kosten für den Arbeitgeber.

 

Wird dem Wunsch nach Teilzeitarbeit nicht stattgegeben, hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, seinen Anspruch vor dem Arbeitsgericht einzuklagen.

 

4. Automatische Verringerungzum Inhaltsverzeichnis

Wenn die vom Arbeitnehmer gewünschte Teilzeitarbeit nicht spätestens einen Monat vor dem geplanten Beginn schriftlich abgelehnt wird, vermindert sich die Arbeitszeit automatisch im gewünschten Umfang. Auch die Verteilung der reduzierten Arbeitszeit gilt entsprechend.

 

5. Wartefristzum Inhaltsverzeichnis

Hat der Arbeitgeber einer Verringerung der Arbeitszeit zugestimmt oder diese aus betrieblichen Gründen abgelehnt, kann der Arbeitnehmer erst nach 2 Jahren einen neuen Antrag stellen.

 

6. Elternzeitzum Inhaltsverzeichnis

Während der Elternzeit ist es leichter, Teilzeit zu arbeiten, da der Wunsch nach Reduzierung nur aus dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt werden kann und der Arbeitgeber erst 7 Wochen vorher schriftlich informiert werden muss. Der Antrag muss Beginn und Umfang (15-30 Wochenstunden für mindestens 2 Monate) der gewünschten Teilzeitarbeit beinhalten.

 

Ist Teilzeitarbeit im eigenen Betrieb nicht möglich, kann man auch bis zu 30 Wochenstunden bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten, allerdings nur mit Genehmigung des "eigentlichen" Arbeitgebers. Eine Ablehnung kann dieser jedoch nur innerhalb von 4 Wochen mit entgegenstehenden betrieblichen Interessen schriftlich begründen.

 

Lehnt der Arbeitgeber eine Teilzeittätigkeit im eigenen Betrieb fristgerecht ab, besteht die Möglichkeit Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II zu beziehen, wenn der Elternteil den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit für eine versicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung zwischen 15 und 30 Wochenstunden zur Verfügung steht. Nähere Auskünfte dazu erteilt die zuständige Agentur für Arbeit.

 

7. Pflegezeit und Familienpflegezeitzum Inhaltsverzeichnis

Während der Pflegezeit besteht ein Rechtsanspruch (§ 3 PflegeZG) auf eine komplette Auszeit bzw. Teilzeitarbeit bis zu maximal 6 Monaten, wenn der Arbeitgeber mindestens 16 Mitarbeiter beschäftigt. Der Antrag muss dem Arbeitgeber schriftlich wenigstens 10 Arbeitstage vor dem gewünschten Beginn vorgelegt werden und die gewünschte Dauer, Stundenzahl und Verteilung der Arbeitszeit enthalten. Eine Absage ist nur aus dringenden betrieblichen Gründen möglich.

 

Ein Rechtsanspruch (§ 2 FPfZG) auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf mindestens 15 Stunden besteht auch während der Familienpflegezeit, wenn der Arbeitgeber mindestens 26 Mitarbeiter beschäftigt. Die Familienpflegezeit kann einschließlich der Pflegezeit bis zu 24 Monate dauern. Mindestens 8 Wochen vor dem gewünschten Beginn muss sie schriftlich beim Arbeitgeber beantragt werden. Auch hier müssen der geplante Zeitraum, der Umfang und die Verteilung der Arbeitszeit angegeben werden. Der Arbeitgeber hat den Wünschen des Arbeitnehmers zu entsprechen, wenn keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen.

 

8. Behinderungzum Inhaltsverzeichnis

Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis haben Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung (§ 81 Abs. 5 SGB IX), wenn die verringerte Arbeitszeit durch die Behinderung notwendig ist. In diesem Fall ist es unerheblich, wie viele Mitarbeiter der Arbeitgeber beschäftigt und wie lange das Arbeitsverhältnis besteht. Auch gibt es keine festen Regelungen zu den Antragsfristen.

 

9. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bietet unter externer Linkwww.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Teilzeit/teilzeit.html einen Teilzeitrechner sowie die umfangreiche Broschüre "Teilzeit - alles, was Recht ist" als Download und kostenfreie Lieferung.

 

10. Verwandte Links zum Inhaltsverzeichnis

Elternzeit

Pflegezeit

Familienpflegezeit  

Behinderung

 

Gesetzesquelle(n): §§ 8 ff. TzBfG

Redakteurin: Janina Del Giudice

 

Letzte Aktualisierung am 04.10.2017   Redakteur/in: Janina DelGiudice

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