Wohnen im Alter
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1. Das Wichtigste in Kürze
Die meisten Menschen möchten so lange und so unabhängig wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Drei Faktoren können dies jedoch erschweren, unmöglich machen oder unattraktiv erscheinen lassen:
- Abnehmende Mobilität mit den Abstufungen Gehwagen, Rollstuhl, Bettlägerigkeit.
- Hilfebedarf, oft beginnend im Haushalt, bis hin zur Pflegebedürftigkeit.
- Einsamkeit infolge von Krankheit, finanziellen Problemen oder Tod von Freunden und Verwandten.
Um diesen Problemen vorzubeugen oder sie zu entschärfen, sollte der Wohnraum im Alter seniorengerecht und barrierefrei sein. Zudem entwickeln sich immer mehr Angebote für das Wohen im Alter: vom betreuten Wohnen über die Senioren-WG bis hin zum Heim - alle jeweils in Kombination mit den verschiedensten Betreuungs- und Serviceangeboten.
2. Seniorengerechtes Bauen und Wohnen
Viele Wohnungen/Häuser sind nicht altengerecht ausgestattet. Die häufigsten Problemfelder sind:
- Unfallgefahr durch Stolperfallen, Stufen, mangelnde Beleuchtung, rutschige Bodenbeläge, fehlende Möglichkeiten zum Festhalten.
- Barrieren für Rollstühle wie Schwellen, Stufen, Treppen, schmale Türen, niedrige Tische (nicht unterfahrbar) sowie Unzugänglichkeit (von Schränken, Arbeitsflächen, Waschgelegenheiten, Toilette).
Für rollstuhlgerechtes und barrierefreies (und damit altengerechtes) Bauen gibt es die DIN 18025 Teil 1 und 2, die jedem Planer und Architekten bekannt ist. Um vorhandenen Wohnraum auf Schwachstellen zu überprüfen, können Sie hier eine "
Checkliste altengerechtes Wohnen" herunterladen.
2.1. Wer hilft weiter?
Beratung bieten Wohnberatungsstellen, diese finden sich in fast jeder größeren Stadt. Eine Auswahl an Adressen finden Sie bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit dem Suchwort "Wohnberatung".
3. Wohnformen im Alter
Der - immer noch häufigste - Verlauf ist der, dass ein Patient nicht mehr in der bisherigen Wohnung leben oder gepflegt werden kann und dann ins Altenheim "muss". Oft ist der Zeitdruck (manchmal auch mangelnde Information) dafür verantwortlich, dass andere Wohn- und Pflegealternativen nicht in Erwägung gezogen werden können. Wer sich jedoch rechtzeitig informiert, hat heute viele Möglichkeiten, das Wohnen im Alter zu gestalten. Prinzipiell gibt es vier Möglichkeiten:
- Einzelwohnung: Die eigene, bisherige Wohnung und Unterstützung von außen.
- Betreutes Wohnen: Eine eigene Wohnung mit organisierten Hilfsangeboten.
- Senioren-Wohngemeinschaft: Eigenes Zimmer, gemeinschaftliche Nutzung von Bad, Küche und Wohnzimmer.
- Altenheim, Pflegeheim.
3.1. Einzelwohnung
Wer in der bisherigen Wohnung weiterleben will, kann unter bestimmten Voraussetzungen auf folgende Hilfen zugreifen:
- In erster Linie wird die ambulante Versorgung in der eigenen Wohnung über die Pflegeversicherung gesichert: Pflege Pflegeversicherung.
- Ambulante Pflegedienste.
- Mahlzeitendienste: "Essen auf Rädern".
- Altenhilfe.
Diese Hilfen werden in der Regel über den behandelnden Hausarzt oder in Eigeninitiative organisiert. Die Kosten werden, abhängig vom Kostenträger, entweder ganz übernommen oder müssen selbst bezahlt werden.
3.1.1. Umbau der Wohnräume: Wohnumfeldverbesserung
Ein besonderer Aspekt ist der altengerechte Umbau der eigenen Wohnung, z.B. Türen verbreitern, Treppenlift installieren oder rollstuhlgängige Dusche einbauen. Dafür leistet die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 2.557,- €. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Antragsteller als pflegebedürftig eingestuft ist. Details dazu unter Wohnumfeldverbesserung.
3.2. Betreutes Wohnen
Beim betreuten Wohnen hat man eine eigene Wohnung, meist in neu errichteten Wohnanlagen. In der Wohnung kann man selbstständig leben, es gibt Freizeitangebote und für die zunehmende Hilfsbedürftigkeit ist alles vorbereitet, sowohl baulich als auch in Form der notwendigen Dienstleistungsangebote wie Essensdienst, Haushaltshilfe, Pflegedienste.
Betreutes Wohnen steht zum Teil auch hinter Begriffen wie Servicewohnen, Seniorenwohnen, Senioren-Residenz oder Wohnen plus.
Details unter Betreutes Wohnen für Senioren.
3.3. Wohngemeinschaften und Wohngruppen
In Wohngemeinschaften und Wohngruppe gruppieren sich die individuellen Einzelzimmer um die Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad, Wohn- und/oder Esszimmer. Diese Form des gemeinsamen Wohnens wird bisher oft privat organisiert und erfordert von den Beteiligten viel Planung, Initiative und Abstimmungsaufwand. Aber es gibt zunehmend Modellprojekte von gewerblichen, kommunalen und/oder gemeinnützigen Trägern, bei denen im optimalen Fall die Immobilien-, die Service- und die Pflege-Kompetenz Hand in Hand arbeiten. Leben mehrere Pflegebedürftige, die von einer professionellen Pflegekraft betreut werden, in einer WG zusammen, dann können sie ihre Pflegesachleistungsansprüche in einen gemeinsamen Pool geben. Mehr Informationen dazu unter Pflegesachleistung.
3.3.1. Wohngruppen für Menschen mit Demenz
Eine Sonderform sind Wohngruppen für dementiell erkrankte Menschen. In diesen betreuten Wohngruppen wohnen Pfleger und andere Betreuer mit in der Wohnung oder sind rund um die Uhr vor Ort.
Details und Links zu Modellprojekten unter Demenz > Wohnen.
3.4. Altenheim, Pflegeheim
Was umgangssprachlich als Alten- oder Pflegeheim bezeichnet wird, heißt sozialrechtlich "Vollstationäre Pflege" (§ 43 SGB XI). Hier wird der pflegebedürftige Mensch komplett versorgt und gepflegt. Details unter Vollstationäre Pflege.
4. Konzept und Träger
Die Übergänge zwischen allen Wohnformen sind fließend und es gibt auch immer mehr Träger, die verschiedenen Wohnformen auf einem Gelände oder in einem Wohnkomplex anbieten.
Auch die Trägerschaft spiegelt mittlerweile oft wieder, dass sich in diesem Bereich viel bewegt. Herkömmlich sind es die Kommunen, kommunale Wohnbaufirmen oder große Wohlfahrtsorganisationen, die Projekte entwickeln. Aber auch private Bauträger haben hier einen Markt entdeckt und kooperieren zum Teil mit Pflegediensten oder sozialen Einrichtungen. Für diese Kooperationen werden zum Teil eigenständige Unternehmen gegründet.
Ob Interessent, (potenzieller) Mitarbeiter oder möglicher Partner, man sollte immer hinterfragen,
- wer als Geldgeber und/oder Träger dahinter steht,
- auf welchem Konzept das Projekt basiert und
- ob die Umsetzung in die Praxis dem Konzept(papier) entspricht.
Zudem gibt es vor allem für Wohn- und Hausgemeinschaften viele Privatinitiativen. Wichtig bei der Neugründung einer Wohngemeinschaft (WG) oder beim Einstieg in eine bestehende WG ist, sich über die verschiedenen Möglichkeiten beraten zu lassen und wichtige Dinge schriftlich zu fixieren. Auch hier sollten Finanzierung, Konzept und praktischer Alltag klar geregelt sein. Eine zentrale Frage ist beispielsweise, wann sich die Bewohner gegenseitig helfen und wann professionelle Dienste eingeschaltet werden.
5. Service und Pflege
Die Serviceangebote sowie deren Anbindung an die jeweilige Einrichtung sind ebenso vielfältig wie die Konzepte und Träger. Das wichtigste Angebot ist der Pflegedienst: Er kann direkt in einem Haus vor Ort sein, ist womöglich sogar Träger oder ist "nur" vertraglich eingebunden. Weitere Zusatzangebote sind z.B. Mahlzeitendienst, Haushaltshilfe, Massage, Krankengymnastik, Fußpflege, Schwimmbad, Sauna, Wellness-Oase, Arzt im Haus, Fahrdienste, Sozialberatung, Rechtsbeistand, Besuchsdienste, Vorleser, Gesellschafter, Kreativkurse, Veranstaltungen (Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theater), Café und Bibliothek.
Vieles von diesen Angeboten gibt es heute auch in gut geführten Altenheimen, zum Teil sind die Angebote auch offen für externe Besucher, was wiederum die Integration und Kommunikation fördert.
6. Modelleinrichtungen und Beispiele
Hier einige Links zu beispielhaften Einrichtungen und Modellprojekten:
www.baumodelle-bmfsfj.de
Informations-Datenbank des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu Baumodellprojekten der Altenhilfe und der Behindertenhilfe.
www.wohnen-zu-hause.de
Die Seite der bayerischen Koordinationsstelle "Wohnen zuhause" gibt eine Überblick über die Wohnformen und viele Links auf Einrichtungen, die weiterhelfen und beraten.
http://bagso.de/thema_wohnen.html
Infoseite der "Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen" zum Thema Wohnen unter verschiedensten Aspekten, mit Links und Ansprechpartnern.
www.abbeyfield.de
Informationen zu Abbeyfield-Häusern, einer international etablierten Wohnform für rüstige Senioren, die in Deutschland gerade am Anfang steht.
www.vnw.de
Internetseite des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, bei dem unter anderem eine Publikation "Wohnen im Alter" bestellt werden kann .
www.neue-wohnformen.de
Eine Internetseite, die Interessenten für neue Wohnformen im Alter zusammenbringt und zudem viele Informationen dazu liefert.
www.fgwa.de
Die Seite des "Forums Gemeinschaftliches Wohnen" bietet neben Informationen auch Kontakte zu geplanten und realisierten Projekten.
www.stiftung-schoenholzer-heide.de
Das Projekt Schönholzer Heide (Berlin) bietet in einem Parkgelände verschiedene Wohnformen, unter anderem betreutes Wohnen, Wohngruppen für Demenz und gerontopsychiatrische Tagespflege.
www.danl.de
Informationen über verschiedene Wohnformen der Diakonischen Altenhilfe Niederlausitz, z.B. das mit Bundesmitteln geförderte Projekt "Wohngemeinschaft mit ländlicher Orientierung für Menschen mit Demenz" in Briesen.
www.bremer-heimstiftung.de
Selbstdarstellung eines Anbieters verschiedenster Wohnformen in Bremen mit informativer Bandbreite.
www.senioreninformation.de/wohnen.htm
Sehr informative Seite - mit Adressen für den Münchner Raum.
7. Wer hilft weiter?
Welche Form auch immer Menschen für sich in Betracht ziehen, unerlässlich ist die persönliche Information vor Ort. Möglich ist dies über Infoabende, Tage der offenen Tür oder Probewohnen.
- Adressen über Einrichtungen vor Ort kann man erfragen bei Seniorenberatungsstellen, Seniorenämtern, Pflegediensten, Sozialstationen und Seniorengruppen. Während sich die Adressen der Pflegeheime sehr einfach recherchieren lassen, ist bei besonderen Wohnprojekten die regelmäßige Zeitungslektüre und das Herumhören unter älteren Menschen oft der bessere Weg.
- Der Verein "Daheim statt Heim" bietet auf seiner Internetseite eine umfangreiche Zusammenstellung von Wohnberatungsstellen in ganz Deutschland:
www.bi-daheim.de/service/wohnen.php. - Adressen von Wohnberatungsstellen finden Sie bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit dem Suchwort "Wohnberatung".
- Das Bundesfamilienministerium gibt einen kostenlosen Leitfaden
heraus, der bei der Suche nach einer geeigneten Wohnform unterstützen soll: "Auf der
Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform - Ein Wegweiser für
ältere Menschen", zu bestellen unter Telefon 01805 778090, E-Mail broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de oder zum Herunterladen unter
www.bmfsfj.de > Publikationen > Ältere Menschen.
8. Verwandte Links
Letzte Aktualisierung am 16.08.2011 Redakteur/in: Sabine Bayer
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