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Behinderung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

"Behinderung" ist im Sozialrecht genau definiert. Eine Behinderung liegt dann vor, wenn erhebliche Beeinträchtigungen bestehen, die länger als 6 Monate anhalten, und daher die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt ist. Nur wenn vom Versorgungsamt eine Behinderung festgestellt wurde, kann ein Mensch mit Behinderungen Vergünstigungen und Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen. Viele Nachteilsausgleiche erhält man nur als schwerbehinderter Mensch. Das erfordert einen Schwerbehindertenausweis, den man mit einem "Grad der Behinderung" von mindestens 50 erhält.

Die Leistungen für Menschen mit Behinderungen sind v.a. im Sozialgesetzbuch Nr. 9 (SGB IX) "Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen" geregelt.

 

2. Grundlage zum Inhaltsverzeichnis

Grundlage der Definitionen von Behinderung im Sozialgesetzbuch ist das Behinderungsverständnis der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Klassifikation kann beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) kostenlos unter externer Linkwww.dimdi.de/static/de/klassi/icf/index.htm heruntergeladen oder als Buch für 32 € bestellt werden.

 

Alle Gesetze, die die Rechte von und Leistungen für Menschen mit Behinderungen regeln, haben folgende Ziele:

  • Selbstbestimmung fördern.
  • Volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft fördern.
  • Benachteiligungen vermeiden oder diesen entgegenwirken.

 

3. Definitionenzum Inhaltsverzeichnis

3.1. Zentrale Definition "Menschen mit Behinderungen"

Die zentrale sozialrechtliche Definition steht in § 2 Abs. 1 SGB IX:

"Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist."

 

3.2. Schwerbehinderte Menschen im Sinne des SGB IX 

Schwerbehindert nach § 2 Abs. 2 SGB IX sind Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) ab 50. Gesetzlich basierte Leistungen und Vergünstigungen erhalten schwerbehinderte Menschen nur, wenn sie ihren Wohnsitz, gewöhnlichen Aufenthalt oder Arbeitsplatz in Deutschland haben.

Die Anerkennung als schwerbehindert weist man mit einem Schwerbehindertenausweis nach, den das Versorgungsamt auf Antrag ausstellt. Näheres unter Schwerbehindertenausweis.

 

3.3. Behindert im Sinne der Arbeitsförderung 

Behindert nach § 19 SGB III sind "Menschen, deren Aussichten, am Arbeitsleben teilzuhaben oder weiter teilzuhaben, wegen Art oder Schwere ihrer Behinderung im Sinne von § 2 Abs. 1 des Neunten Buches (siehe oben) nicht nur vorübergehend wesentlich gemindert sind und die deshalb Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben benötigen, einschließlich lernbehinderter Menschen."

 

Dieselben Rechte wie Menschen mit Behinderungen haben Personen, denen eine Behinderung droht.

 

4. Grad der Behinderung und Merkzeichenzum Inhaltsverzeichnis

Der Grad der Behinderung (GdB) beschreibt die Schwere der Behinderung und wird durch das Versorgungsamt festgestellt. Näheres unter Grad der Behinderung.

Abhängig vom GdB gibt es bestimmte Nachteilsausgleiche, Details enthält die PDF-DownloadGdB-Tabelle.

 

Der Schwerbehindertenausweis kann neben dem GdB auch Merkzeichen enthalten, die die Art der Behinderung genauer bezeichnen.

Auch davon hängen bestimmte Nachteilsausgleiche ab, Details in der PDF-DownloadMerkzeichen-Tabelle.

 

5. Nachteilsausgleiche und Hilfen für Menschen mit Behinderungenzum Inhaltsverzeichnis

Menschen mit Behinderungen erhalten - teilweise auf freiwilliger Grundlage - eine Reihe von Nachteilsausgleichen und Hilfen, z.B.:

  • Ab einem GdB von 50 erhalten Arbeitnehmer Steuerfreibeträge, Näheres unter Behinderung > Steuervorteile.
  • Hilfen für Arbeitnehmer unter Behinderung > Berufsleben.
  • Eintrittspreisermäßigungen (z.B. Filme, Theater, Sportveranstaltungen, Museen).
  • Benutzung der Abteile und Sitze, die schwerbehinderten Menschen in Verkehrsmitteln vorbehalten sind.
  • Bevorzugte Abfertigung in Ämtern.
  • Beitragsermäßigungen für Mitglieder von Vereinen, Interessenverbänden etc.
  • Ermäßigungen beim Neuwagenkauf bei einigen Automobilherstellern.

 

Zudem bieten das SGB IX sowie verschiedene andere Gesetze, Verordnungen, Erlassungen, Satzungen und Tarife Menschen mit Behinderungen als Nachteilsausgleiche eine Reihe von Rechten und Hilfen. Voraussetzungen für die Inanspruchnahme dieser Rechte ist häufig ein Schwerbehindertenausweis und das Stellen eines Antrags bei der zuständigen Stelle. Nachteilsausgleiche finden Sie unter folgenden Stichworten:

Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Arbeitsassistenz

Arbeitstherapie und Belastungserprobung

Assistenzleistungen 

Behinderung > Ausbildungsgeld

Behinderung > Bildung und Ausbildung 

Behinderung > Leistungen zur Mobilität 

Berufsfindung und Arbeitserprobung

Beschäftigungssicherungszuschuss Minderleistungsausgleich

Blindenhilfe

Budget für Arbeit

Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen

Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche 

Elternassistenz für Eltern mit Behinderungen 

Fahrdienste

Flugverkehr

Frühförderung von Kindern mit Behinderungen

Gehörlosengeld 

Grad der Behinderung

Kinderbetreuungskosten

Kraftfahrzeughilfe

Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung

Merkzeichen

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Öffentliche Verkehrsmittel

Parkerleichterungen

Persönliches Budget

Rehabilitation

Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen 

Reisekosten

Rundfunkbeitrag Befreiung Ermäßigung

Schwerbehindertenausweis

Soziale Rehabilitation 

Sozialversicherung bei beruflicher Reha und WfbM

Teilhabeplanverfahren  

Teilnahmekosten

Telefongebührenermäßigung

Übergangsgeld

Unabhängige Teilhabeberatung

Werkstätten für behinderte Menschen WfbM und andere Leistungsanbieter 

Wohngeld

Wohnraumförderung

 

6. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

  • Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bietet zahlreiche Informationen für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige auf externer Linkwww.einfach-teilhaben.de.
  • Dasselbe Ministerium bietet die kostenlose CD-ROM "Informationen für behinderte Menschen" an. Diese kann unter externer Linkwww.bmas.de > Service > Publikationen bestellt werden.
  • Die Broschüre "Mein Kind ist behindert - diese Hilfen gibt es" bietet einen Überblick über Leistungen, die Menschen mit Behinderungen und ihren Familien zustehen. Sie kann kostenlos und in verschiedenen Sprachen unter externer Linkwww.bvkm.de > Recht & Ratgeber heruntergeladen werden oder gegen eine Gebühr von 3 € bestellt werden: Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V., Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf, Telefon 0211 64004-0, Fax 0211 64004-20, E-Mail info@bvkm.de.
  • Kostenloser Download: PDF-DownloadRatgeber Behinderung mit Informationen zu allen oben stehenden Themen.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

  • Informationen zum SGB IX und zu Behinderung gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales über das Bürgertelefon, 030 221911006, Mo-Do 8-20 Uhr oder über das Gebärdensprach-Telefon für Gehörlose. Näheres zum Gebärdentelefon unter externer Linkwww.bmas.de/DE/Service/Buergertelefon/inhalt.html.
  • Fragen zu Leistungen für schwerbehinderte Menschen oder Unklarheiten über die Zuständigkeiten der jeweiligen Leistungsträger beantworten die örtlichen Servicestellen.
  • Arbeitsrechtliche Auskünfte (Kündigungsschutz, Zusatzurlaub) erteilt das Integrationsamt. Über die Gleichstellung entscheiden die Agenturen für Arbeit.
  • Beratung und Begleitung im Arbeitsleben bietet der Integrationsfachdienst.
  • Die Versorgungsämter sind zuständig für die Feststellung des GdB und die Ausstellung des Schwerbehindertenausweises.

 

Gesetzesquellen: §§ 2, 151, 152 SGB IX - §§ 19, 97-115, 160-162 SGB III

Redakteurin: Sabine Bayer, Janina Del Giudice

 

Letzte Aktualisierung am 17.01.2018   Redakteur/in: Sabine Bayer

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