Corona Covid-19 > Selbstständige - Unternehmer

1. Das Wichtigste in Kürze

Die Corona-Pandemie belastet Unternehmen jeder Größe und besonders auch Solo-Selbstständige und freiberuflich Tätige. Darüber hinaus haben viele Arbeitnehmer ihre Arbeitsstelle aufgrund der Pandemie verloren. Damit die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, unterbrochene Lieferketten und krankheitsbedingte Personalausfälle nicht in den wirtschaftlichen Ruin führen, gab es Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern, die bereits ausgelaufen sind. Weiterhin gibt es aber einen erleichterter Zugang zur Kurzarbeit und zum Arbeitslosengeld II ("Hartz 4"), und steuerliche Maßnahmen.

2. Erleichterter Zugang zur Grundsicherung

Reicht das Einkommen nicht mehr zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus, kann Grundsicherung für Arbeitsuchende ("Hartz IV"), auch Arbeitslosengeld II genannt, beantragt werden. Für Bewilligungszeiträume, die zwischen 1.3.2020 und 31.12.2022 beginnen, entfällt die Vermögensprüfung, wenn die Person, die den Antrag stellt, erklärt, kein erhebliches Vermögen (über 60.000 € für die erste Person einer Bedarfsgemeinschaft, über 30.000 € für jede weitere Person) zu besitzen. Ein weiteres Ziel ist, dass die bisher bezogene Wohnung als Lebensmittelpunkt erhalten bleibt. Deshalb werden bei Bewilligungszeiträumen mit Beginn im genannten Zeitraum die Wohn- und Heizkosten in voller Höhe übernommen. Bewilligungszeiträume mit Beginn innerhalb des genannten Zeitraums dauern jeweils 6 Monate.

Näheres unter Corona Covid 19 > Finanzielle Hilfen und Sonderregelungen.

Nähere Informationen zu den Sonderregelungen der Grundsicherung bietet auch die Bundesagentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de > Grundsicherung und Sozialschutzpaket > Corona-Virus: FAQ zur Grundsicherung.

3. Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld

Die Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld wurden zum Teil bis zum 30.09.2022 verlängert. Näheres unter Corona Covid-19 > Kurzarbeitergeld.

4. Frühere Hilfen

Die Antragsfristen für die Überbrückungshilfe VI und die Neustarthilfe 2022 sind bereits abgelaufen. Auch die Härtefallhilfen der Bundesländer können nicht mehr beantragt werden.

Für die Monate November und Dezember 2020 gab es eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die sog. Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe, für Unternehmen, Betriebe, Einrichtungen und Selbstständige, die aufgrund der aktuellen Maßnahmen direkt von Umsatzeinbußen betroffen waren. Die Frist für die Schlussabrechnung wurde verlängert bis Ende 2022.

5. Praxistipp

Auch wenn die Corona-Fördermaßnahmen ausgelaufen sind, kann Ihnen ggf. eine andere Förderung helfen. Unter www.foerderdatenbank.de gibt Ihnen das Bundeswirtschaftsministerium die Möglichkeit, gezielt nach für Sie geeigneten Hilfsmöglichkeiten zu suchen. Sie finden dort Förderprogramme der Bundesrepublik Deutschland, der Bundesländer und der europäischen Union.

6. Steuerliche Maßnahmen

6.1. Senkung der Umsatzsteuer

In der Gastronomie gilt für Speisen bis 31.12.2022 ein ermäßigter Steuersatz in Höhe von 7 %. Weitere Umsatzsteuersenkungen endeten zum 31.12.2020.

6.2. Sonderzahlungen steuerfrei

Beihilfen und Unterstützungsleistungen in Form von Barzuschüssen oder Sachbezügen, die Betriebe ihren Beschäftigten von 1.3.2021 bis 31.3.2022 ausgezahlt haben, sind bis zu einer Höhe von 1.500 € steuer- und sozialversicherungsfrei. Voraussetzung ist, dass die Sonderleistungen zusätzlich zum normalen Arbeitslohn gezahlt wurden. Auch ein Impfbonus fällt unter diese Regelung.

6.3. Corona-Bonus für Pflegekräfte

Steuerfrei bleibt ein Corona-Bonus für Pflegekräfte, der in der Zeit vom 18.11.2021 bis zum 31.12.2022 ausgezahlt wurde in Höhe von bis zu 4.500 €. Der Bonus wird auch in der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II (umgangssprachlich "Hartz IV") nicht angerechnet.

Diese Steuervergünstigung gilt auch für Beschäftigte in Einrichtungen für ambulantes Operieren, bestimmten Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Dialyseeinrichtungen, Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Rettungsdiensten.

6.4. Homeoffice-Pauschale

Für die Zeit bis zum 31.12.2022 kann eine Homeoffice-Pauschale genutzt werden. Beschäftigte im Homeoffice ohne häusliches Arbeitszimmer können für jeden Kalendertag, den sie zu Hause arbeiten, 5 € abziehen, höchstens jedoch 600 € im Jahr. Die Homeoffice-Pauschale wird mit der Werbungskostenpauschale verrechnet, das heißt es gibt sie nicht zusätzlich. Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie z.B. einen Computer oder ein Headset, fallen nicht unter die Homeoffice-Pauschale.

6.5. Abgabe der Einkommensteuererklärung

Die Frist zur Abgabe der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2021 wurde verlängert bis 31.10.22, wird ein Steuerbüro tätig bis zum 31.08.23.

6.6. Investitionsanreize

Betriebsverluste aus 2022 und 2023 können mit Gewinnen bis 10 Millionen € jeweils aus den zwei Vorjahren verrechnet werden. Außerdem gelten für 2022 verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für betriebliche Investitionen.

7. Virtuelle Versammlungen

Damit die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie notwendige Beschlüsse und Veränderungen für Unternehmen nicht blockieren, sind bis 31.8.2022 virtuelle Versammlungen möglich, auch ohne dass dafür die Satzung geändert werden muss. Die Einberufungsfrist des Aktiengesetzes für Hauptversammlungen kann auf 21 Tage verkürzt werden, was Entscheidungen infolge der Corona-Pandemie beschleunigt.

Der Bundestag wird über einen Gesetzesentwurf entscheiden, mit dem eine Dauerregelung geschaffen werden soll, die virtuelle Versammlungen auch außerhalb einer Pandemie ohne Satzungsänderung ermöglicht.

8. Entschädigungen bei Schließungen und Quarantäne

Erwerbstätige können bei einem Verdienstausfall durch eine Quarantäne, ein Tätigkeitsverbot oder eine Schließung von Schulen und Betreuungseinrichtungen Entschädigungen beantragen. Näheres unter Corona Covid 19 > Finanzielle Hilfen und Sonderregelungen.

8.1. Einschränkungen des Rechts auf Entschädigung

Voraussetzung für den Anspruch ist, dass Betroffene

  • alle an ihrem Aufenthaltsort verpflichtenden oder öffentlich empfohlenen Impfungen wahrgenommen haben, außer das war nicht möglich, z.B. wegen einer Allergie,
  • nicht in ein Gebiet gereist sind, das bereits zum Zeitpunkt der Abreise als Risikogebiet eingestuft war.

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bleibt aber auch für Ungeimpfte und Reiserückkehrer aus Risikogebieten bestehen, wenn sie wegen Covid-19 arbeitsunfähig erkrankt sind.

8.2. Praxistipps

9. Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Situation hat sich in der vergangenen Zeit deutlich verschlechtert, sodass viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder bereits ihre Anstellung verloren haben. Um weiterhin sozial abgesichert zu sein, müssen Betroffene sich arbeitslos melden. Die Verpflichtung, sich persönlich vor Ort bei der Agentur für Arbeit arbeitslos zu melden, besteht trotz der Corona-Pandemie. Derzeit gilt dafür meist keine Maskenpflicht mehr. Die Agentur für Arbeit empfiehlt für persönliche Gespräche einen Termin zu vereinbaren. Arbeitslos melden können sich Betroffene aber auch ohne Termin.

Über die eServices der Bundesagentur für Arbeit können sich Betroffene arbeitssuchend melden, Arbeitslosengeld beantragen oder Veränderungen mitteilen. Achtung: Die Arbeitsuchendmeldung ersetzt nicht die verpflichtende persönliche Arbeitslosmeldung vor Ort. Zum Unterschied Näheres unter Arbeitslosengeld.

10. Sicherung von Ausbildungsplätzen

Kleine und mittlere Unternehmen erhielten einmalig eine Prämie von 2.000 € für jeden für das Ausbildungsjahr 2020/2021 neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Für das Ausbildungsjahr 2021/2022 wurde diese Prämie auf 4.000 € erhöht. Voraussetzung ist, dass die Unternehmen ihr Ausbildungsplatzangebot verglichen mit den letzten 3 Jahren nicht verringert haben.

Für jeden zusätzlich geschaffenen Ausbildungsplatz wurde im Ausbildungsjahr 2020/2021 eine Prämie in Höhe von 3.000 € gezahlt. Für das Jahr 2021/2022 wurde diese Ausbildungsprämie plus auf 6.000 € erhöht. Anträge sind noch bis zum 15.9.2022 möglich. Auch für die Übernahme eines Auszubildenden, der wegen Insolvenz seines Ausbildungsbetriebs seine Ausbildung dort nicht fortsetzen kann, gab es eine Prämie, sie kann aber nicht mehr beantragt werden.

Ausführliche Informationen zu den Unterstützungsmöglichkeiten bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter www.bmbf.de > Suchbegriff: "Ausbildungsplätze sichern".

11. Verwandte Links

Corona Covid-19

Corona Covid-19 > Informationen - Beratung - Hilfen

Corona Covid-19 > Finanzielle Hilfen und Sonderregelungen

Corona Covid-19 > Kurzarbeitergeld

Corona Covid-19 > Pflege

Corona Covid-19 > Psychische Belastungen

Corona Covid-19 > Patientenverfügung - Vorsorgevollmacht - Testament

Schulden

Stromkosten Stromschulden

Mietschulden

Private Krankenversicherung > Notlagentarif

Basiskonto Pfändungsschutzkonto

Letzte Bearbeitung: 28.06.2022

{}Corona Covid-19 > Selbstständige - Unternehmer{/}{}{/}