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Depressionen > Arbeit

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Bei einer andauernden oder immer wiederkehrenden depressiven Störung kann es zu bleibenden bzw. immer wieder auftretenden Beeinträchtigungen kommen, die nicht selten zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Arbeitslosigkeit kann aber ein zusätzlicher Risikofaktor für eine erneute depressive Episode sein. Einer Berufstätigkeit ist daher nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus vielen weiteren Gründen eine hohe Priorität einzuräumen. Berufliche Einstiegsmöglichkeiten können Integrationsfirmen oder -projekte auf dem zweiten Arbeitsmarkt bilden. Tagesstätten sind nicht auf Verdienst ausgerichtet, sondern auf den Aufbau von Tagesstruktur.

 

2. Positive Aspekte einer Berufstätigkeitzum Inhaltsverzeichnis

Arbeit

  • schafft soziale Kontakte und Beziehungen.
  • ermöglicht die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
  • fördert Aktivität.
  • strukturiert den Tagesablauf.
  • gibt dem Menschen eine anerkannte Rolle und einen sozialen Status und unterstützt damit Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit.

 

Dabei muss aber ebenso berücksichtigt werden, dass der Betroffene einer wie auch immer gearteten Arbeitstätigkeit gewachsen sein muss, denn negativer Stress und Überforderung können eine Ursache für Depressionen sein.

 

3. Praxistippszum Inhaltsverzeichnis

Folgende Tipps sind bei Menschen mit Depressionen zu beachten, die einen Arbeitsplatz haben:

  • Krankmeldung
    Eine depressive Episode kann von einem Abend auf den nächsten Morgen auftreten: Wenn ein Patient in seinem Antrieb stark eingeschränkt ist, kann die Gefahr bestehen, dass der Patient einfach im Bett bleibt: ohne beim Arbeitgeber anzurufen, ohne beim Arzt eine Krankmeldung (Arbeitsunfähigkeit) zu besorgen.
    Angehörige können hier helfen, indem sie die telefonische Erstmeldung beim Arbeitgeber übernehmen und den Betroffenen zum Arztbesuch motivieren oder beim Arzt einen Hausbesuch erbitten. Die AU-Bescheinigung muss an den Arbeitgeber und an die Krankenkasse geschickt werden. Ohne AU-Bescheinigung gefährdet der Patient sowohl seinen Arbeitsplatz als auch eine spätere Krankengeldzahlung.
    Zur finanziellen Frage siehe Krankengeld und Entgeltfortzahlung.
  • Kündigung
    Wenn einem Arbeitnehmer gekündigt wird, endet die Pflichtmitgliedschaft als Arbeitnehmer in der Krankenkasse. Er sollte sich dann rechtzeitig um seinen weiteren Krankenversicherungsschutz kümmern, z.B. durch die Arbeitslosenmeldung bei der Agentur für Arbeit. 

 

4. Stufenweise Wiedereingliederungzum Inhaltsverzeichnis

Patienten mit schweren Depressionen sind arbeitsunfähig und bisweilen über Wochen und Monate nicht am Arbeitsplatz. Einen ganzen Arbeitstag durchzustehen ist für viele nicht möglich. Ziel der Stufenweisen Wiedereingliederung (sogenanntes "Hamburger Modell") ist, arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach längerer schwerer Krankheit schrittweise an die Arbeitsbelastung heranzuführen und so den Übergang zur vollen Berufstätigkeit zu erleichtern. Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass die positiven Aspekte der Arbeit zur Überwindung der Depression beitragen können, eine volle Arbeitsleistung aber (noch) nicht notwendig ist. Details zur Stufenweisen Wiedereingliederung.

 

5. Hilfen im Beruf für Behindertezum Inhaltsverzeichnis

Für berufstätige Patienten mit Depressionen können eine ganze Reihe von sozialrechtlichen Leistungen hilfreich sein. Details finden Sie unter Behinderung > Berufsleben.

 

6. Berufliche Rehazum Inhaltsverzeichnis

Berufliche Reha läuft im Sozialrecht unter dem Begriff "Teilhabe am Arbeitsleben", Details siehe dort.

 

Bei der Gewährung von Leistungen zur Teilhabe kommt es vor allem auch auf die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit, den sogenannten "Bezugsberuf", an. Wenn durch die Erkrankung ein Verbleiben im bisherigen Beruf nicht mehr möglich, d.h. nicht leidensgerecht ist, kommt eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben in Frage.

 

Bei Menschen mit Depressionen kann z.B. eine berufliche Tätigkeit in einem sozialen oder pädagogisch-therapeutischen Beruf psychosoziale Belastungsfaktoren mit sich bringen, die langfristig negativ auf den Krankheitsverlauf wirken können. Hier könnte der Wechsel des Berufsbilds durch Leistungen zur Teilhabe in Frage kommen, da langfristig die Gefahr einer Erwerbsminderung besteht.

 

Kaum genehmigt werden Leistungen zur Teilhabe allerdings bei Mobbing, wenn das Problem also nicht am Berufsbild, sondern am Arbeitsplatz liegt. Denn dann kann das Problem auch durch den Wechsel der Arbeitsstelle gelöst werden.

 

7. Zweiter Arbeitsmarkt und Integrationsprojektezum Inhaltsverzeichnis

Hat der Patient kein Arbeitsverhältnis (mehr) und ist die Aufnahme einer Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich, sind Projekte auf dem sogenannten zweiten Arbeitsmarkt denkbare Arbeitsfelder.

 

7.1. Finanzierung und Träger

Auf dem zweiten Arbeitsmarkt gibt es eine große Vielfalt von Projekten, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sind und meist von mehreren Kostenträgern gemeinsam getragen werden.

Mögliche Träger, Partner und/oder Geldgeber sind z.B.:


Für die Beschäftigten handelt es sich dann zum Teil auch um sogenannte Ein-Euro-Jobs (= "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandentschädigungen nach SGB II"). Sie geben den Beschäftigten die Möglichkeit, über den öffentlichen und sozialen Sektor im Berufsleben wieder Fuß zu fassen und die tagtägliche Arbeitsfähigkeit zu testen. Näheres unter Grundsicherung für Arbeitssuchende.

 

Die nachfolgend aufgeführten Möglichkeiten kommen überwiegend nur für Patienten mit schweren und immer wiederkehrenden Depressionen in Frage.

 

7.2. Integrationsfirmen

Integrationsfirmen können zusammen mit mehreren der eben genannten Partner betrieben werden, aber auch unabhängig agieren. Sie arbeiten wie ein normales Unternehmen und bieten ihre Leistungen an, sind aber gleichzeitig gemeinnützig und werden gefördert, weil sie einen besonderen Aufwand durch die Struktur ihrer Mitarbeiter haben. Überwiegend sind diese Unternehmen im handwerklichen und im Dienstleistungssektor aktiv. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen gibt es in Deutschland über 600 Integrationsfirmen und -projekte in den verschiedensten Branchen: von industrieller Fertigung über Dienstleistungen, Handel, Handwerk, Hotel- und Gaststättengewerbe bis hin zu Multimedia- und IT-Firmen.

Die Integrationsziele der Firmen sind unterschiedlich. Sie reichen von der Ausbildung und Umschulung über die Hilfe zur Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt bis hin zur dauerhaften Beschäftigung unter geschützten Arbeitsbedingungen.

Zum Teil bieten auch reguläre Firmen beschützte oder integrative Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Störungen an.

Eine Auflistung von Integrationsfirmen findet man bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen im Internet unter externer Linkwww.bag-if.de > Integrationsunternehmen.

 

7.3. Zuverdienstprojekte

Das Problem bei vielen, auch geförderten, Arbeits- und Eingliederungsmöglichkeiten ist, dass sie von einer kontinuierlichen Vollzeitbeschäftigung ausgehen. Das ist eine große Hürde für Menschen mit Depressionen. Hilfreich sind hier sogenannte "Zuverdienstprojekte" für Menschen mit psychischen Störungen.

Sie bieten Arbeits- und Trainingsmöglichkeiten für weniger als 20 Wochenarbeitsstunden und passen ihre Anforderungen mit folgenden Maßnahmen an die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Betroffenen an:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Flexible Arbeitsgeschwindigkeit und -produktivität, bei Bedarf viele Pausen
  • Rücksicht auf Leistungsschwankungen und Krankheitsausfälle
  • Keine zeitliche Befristung der Beschäftigung (Loslösung von Bewilligungszeiträumen)
  • Kein Reha-Druck mit Zielvorgabe: Mitarbeiter können auch "einfach so" bleiben.

 

Die Trägerschaft ist ebenso vielfältig wie oben genannt, zum Teil sind die Projekte an Integrationsfirmen (siehe oben) oder Tagesstätten (siehe unten) angegliedert. Trotz der flexiblen Vorgaben müssen wirtschaftlich verwertbare Produkte oder Dienstleistungen erbracht werden. Kosten und Gehalt müssen erwirtschaftet werden, die Qualität der Arbeit muss stimmen und die Entlohnung ist abhängig von der Arbeitsleistung.

 

8. Tagesstättenzum Inhaltsverzeichnis

Tagesstätten sind Einrichtungen, in denen Menschen mit psychischen Störungen an Wochentagen tagsüber betreut und zu Beschäftigung angeleitet werden.

Die Einrichtungen sind immer möglichst niedrigschwellig, je nach Konzept ist das Kommen und Fernbleiben freiwillig oder verbindlich. Mit der Tagesgestaltung in der Tagesstätte beginnen die Betroffenen, eine Tagesstruktur aufzubauen und einfache Aufgaben zu übernehmen.

 

Typische Angebote und Hilfen einer Tagesstätte sind:

  • Tagesstrukturierende Angebote
  • Förderung sozialer Kontakte
  • Kreativkurse oder -arbeit mit Farben, Holz, Ton, Musik, Förderung persönlicher Interessen
  • Anleitung bei Dingen des alltäglichen Lebens
  • Kognitive Arbeit (auch am PC)
  • Entspannung und Bewegung
  • Ausflüge und Ferienfreizeiten
  • Unterstützung bei Behörden- und Wohnungsangelegenheiten

 

Häufig sind an Tagesstätten Beratungsangebote angegliedert, die bei sozialrechtlichen Fragen helfen oder bei der Suche nach Reha-, Therapie- oder Arbeitsmöglichkeiten. Bisweilen machen sie auch selbst solche Angebote. Manche Tagesstätten sind als Vereine oder Clubs organisiert. In der Regel stellen sie dann an die sozialen Fähigkeiten der Mitglieder höhere Anforderungen und fordern eine etwas höhere Verbindlichkeit, z.B. durch die Übernahme von Pflichten zu bestimmten Zeiten.

 

9. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Depressionen

Depressionen > Allgemeines

Depressionen > Finanzielle Hilfen

Depressionen > Rente

 

 

Letzte Aktualisierung am 12.09.2014   Redakteur/in: Sabine Peter

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