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Elterngeld

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Elterngeld steht jedem zu, der wegen der Erziehung eines Kindes nicht oder maximal 30 Stunden in der Woche arbeitet. Elterngeld ist einkommensabhängig und beträgt ca. 2/3 des Einkommens, maximal jedoch 1.800,- €.

Für Geburten seit dem 1.7.2015 kann statt dem bisherigen Elterngeld (jetzt "Basiselterngeld") auch ElterngeldPlus beantragt werden. Eine Kombination beider Leistungen ist möglich. Ob Basiselterngeld oder ElterngeldPlus gewählt wird, muss im Antrag für jeden Bezugsmonat einzeln festgelegt werden. Vom ElterngeldPlus profitieren vor allem Eltern, die nach der Geburt des Kindes in Teilzeit arbeiten.

 

2. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Anspruch auf Elterngeld hat, wer

  • seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat,
  • sein Kind selbst betreut und erzieht,
  • im Jahr vor der Geburt des Kindes als Alleinerziehender weniger als 250.000,- € oder als Paar weniger als 500.000,- € zu versteuerndes Einkommen hat,
  • nach der Geburt des Kindes keine oder keine volle Erwerbstätigkeit (= nicht mehr als 30 Wochenstunden) ausübt und
  • mit seinem Kind in einem Haushalt wohnt oder
    • mit einem Kind in einem Haushalt lebt, das er mit dem Ziel der Adoption als Kind aufgenommen hat.
    • ein Kind des Ehegatten oder des Lebenspartners in seinen Haushalt aufgenommen hat.
    • als Verwandter bis zum dritten Grad (und auch deren Ehegatten und Lebenspartner) das Kind erzieht, weil dessen Eltern wegen schwerer Krankheit, Schwerbehinderung oder Tod dazu nicht in der Lage sind.

 

Elterngeld ist einkommensabhängig und beträgt ca. 2/3 des Einkommens aus Erwerbstätigkeit vor der Geburt des Kindes (s. unten), maximal jedoch 1.800,- €.

 

Einkommen aus Erwerbstätigkeit (EaE)

Höhe des Elterngelds monatlich

kein Einkommen oder Einkommen bis 300,- €

300,- €

300,- € - 340,- €

100 % des EaE

340,- € - 1.000,- €

67 % des EaE

+ 0,1 % für je 2,- €, um die das Einkommen unter  1.000,- € liegt

1.000,- € - 1.200,- €

67 % des EaE

1.200,- € - 1.240,- €

67 % des EaE

- 0,1 % für je 2,- €, um die das Einkommen über 1.200,- € liegt.

1.240,- € - 2.769,- €

65 % des EaE

ab 2.770,- €

1.800,- €

 

2.1. Berechnung des Einkommens aus Erwerbstätigkeit

2.1.1. Bemessungszeitraum

Zur Ermittlung des Einkommens pro Monat werden die 12 Kalendermonate vor Geburt des Kindes herangezogen. Monate mit Bezug von Mutterschaftsgeld oder Elterngeld sowie Monate, in denen aufgrund einer schwangerschaftsbedingten Erkrankung das Einkommen gesunken ist, werden nicht mitgezählt.

 

2.1.2. Höhe des Einkommens aus Erwerbstätigkeit

Als Einkommen aus nichtselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt das jeweilige Bruttoeinkommen abzüglich

  • Steuern (Einkommenssteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer) unter Berücksichtigung der Steuerklasse und des Faktors nach § 39 f EStG sowie Arbeitnehmerpauschale und Vorsorgepauschale. Freibeträge und Pauschalen, die nicht ohne weitere Voraussetzung jeder berechtigten Person zustehen (z.B. Pendlerpauschale, Kinderfreibetrag), werden nicht  berücksichtigt.
  • Sozialabgaben anhand von Beitragssatzpauschalen (9 % für Kranken- und Pflegeversicherung, 10 % für Rentenversicherung, 2 % für Arbeitsförderung).

 

Die Höhe der Abzüge durch Steuern und Sozialabgaben richtet sich nach den Angaben in der Lohn- und Gehaltsbescheinigung für den letzten Monat vor der Geburt. Wenn sich in den 12 Kalendermonaten vor der Geburt ein Abzugsmerkmal (z.B. die Steuerklasse) geändert hat, wird die neuere Angabe nur dann als Grundlage genommen, wenn sie mindestens 7 Monate bestanden hat. 

 

2.2. Zuschlag bei Mehrlingsgeburten

Für das zweite und jedes weitere Kind erhöht sich das Elterngeld um je 300,- €.

 

2.3. Geschwisterbonus

Leben im Haushalt des Antragstellers neben dem Neugeborenen noch ein Kind unter 3 Jahren oder noch 2 oder mehr Geschwister unter 6 Jahren, dann gibt es den sogenannten Geschwisterbonus. Dieser beträgt zusätzlich 10 % des zustehenden Elterngelds, mindestens jedoch 75,- €. Der Anspruch auf den Geschwisterbonus endet mit dem Ablauf des Monats, in dem das/die Geschwister die Altersgrenze von 3 bzw. 6 Jahren überschreiten.

 

2.4. Anrechnung von Einkommen während des Elterngeldbezugs

Wenn ein Elternteil während des Bezugs von Elterngeld arbeitet, errechnet sich die Höhe des Basiselterngelds aus der Differenz von Einkommen vor der Geburt und Einkommen nach der Geburt.

 

ElterngeldPlus beträgt höchstens die Hälfte des Elterngeldanspruchs, der einem Elternteil ohne Teilzeiteinkommen nach der Geburt zustünde.

 

2.4.1. Berechnungsbeispiel

Einkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt des 1. Kindes: 1.800,- € monatlich

Einkommen nach der Geburt: monatlich 450,- €

 

Berechnung Basiselterngeld:

Einkommenswegfall: 1.800,- € - 450,- € = 1.350,- € monatlich

Basiselterngeld: 65 % von 1.350,- € = 877,50 €

Dem Elternteil stehen insgesamt 1.327,50 € (877,50 € Elterngeld + 450,- € Einkommen) pro Bezugsmonat zur Verfügung.

 

Berechnung ElterngeldPlus:

Voller Elterngeldanspruch (ohne Einkommen nach der Geburt): 65 % von 1.800,- € = 1.170,- € pro Bezugsmonat

ElterngeldPlus: 1.170,- € : 2 = 585,- € 

Dem Elternteil stehen insgesamt 1.035,- € (585,- € ElterngeldPlus + 450,- € Einkommen) pro Bezugsmonat zur Verfügung.

 

2.5. Praxistipp

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet einen Elterngeldrechner unter externer Linkwww.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner an.

 

3. Bezugsdauerzum Inhaltsverzeichnis

Elterngeld kann vom Tag der Geburt des Kindes maximal 28 Lebensmonate (nicht Kalendermonate!) bezogen werden. Die individuelle Bezugsdauer ist davon abhängig, ob Basiselterngeld oder ElterngeldPlus beantragt wird bzw. ob beide Leistungen miteinander kombiniert werden. Die Mindestbezugsdauer beträgt 2 Monate. 

 

Für adoptierte Kinder kann Elterngeld vom Tag der Aufnahme bezogen werden. Der Anspruch endet mit dem 8. Geburtstag des Kindes.

 

3.1. Bezugsdauer Basiselterngeld

Für ein Kind gibt es maximal 14 Monatsbeträge: maximal 12 Monate für den einen und 2 weitere Monate für den anderen Elternteil (= Partnermonate), wenn der Partner in dieser Zeit nicht erwerbstätig ist bzw. nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeitet. Die Eltern können die beantragten Monatsbeträge auch abwechselnd oder gleichzeitig beziehen.

Beantragt nur ein Elternteil Basiselterngeld, dann wird maximal für 12 Monate bezahlt. Ausnahme: Alleinerziehende (siehe unten).

 

Beispiele:

  • Die Mutter bezieht vom 1. bis zum 12. Lebensmonat Basiselterngeld, der Vater im 13. und 14. Lebensmonat.
  • Beide Eltern beziehen in den ersten 7 Lebensmonaten das Basiselterngeld gleichzeitig.
  • Die Mutter bezieht das Basiselterngeld vom 1. bis zum 8. Lebensmonat, der Vater vom 6. bis zum 11. Monat. 

 

3.2. Bezugsdauer ElterngeldPlus

ElterngeldPlus kann doppelt so lange bezogen werden wie Basiselterngeld.

 

3.2.1. Partnerschaftsbonus

Arbeiten beide Eltern 4 aufeinanderfolgende Monate gleichzeitig zwischen 25 und 30 Stunden, erhalten sie jeweils 4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus (Partnerschaftsbonus). Diese Regelung gilt analog auch für Alleinerziehende (siehe unten).

 

3.2.2. Beispiele

  • Beide Eltern beziehen in den ersten 14 Lebensmonaten gleichzeitig ElterngeldPlus und anschließend vom 15. bis zum 18. Lebensmonat weitere 4 Monate ElterngeldPlus (Partnerschaftsbonus)
  • Die Mutter bezieht Basiselterngeld vom 1. bis zum 6. Lebensmonat und ElterngeldPlus vom 7. bis 18. Lebensmonat, der Vater bezieht die ersten beiden Lebensmonate Basiselterngeld. Beide Eltern arbeiten ab dem 19. Lebensmonat zwischen 25 und 30 Stunden und erhalten bis zum 22. Lebensmonat weitere 4 Monate ElterngeldPlus (Partnerschaftsbonus)

 

3.3. Bezugsdauer für einen Elternteil allein

Ein Elternteil allein kann 14 Monate (statt 12 Monate) Basiselterngeld beziehen bzw. auch ohne Partner 4 weitere Monate ElterngeldPlus erhalten, wenn er in mindestens 4 aufeinanderfolgenden Monaten zwischen 25 und 30 Stunden arbeitet.

Voraussetzung ist, dass

  • mit der Betreuung durch den anderen Elternteil eine Gefährdung des Kindswohls verbunden wäre.
  • die Betreuung durch den anderen Elternteil unmöglich ist, weil dieser wegen einer schweren Erkrankung oder Schwerbehinderung sein Kind nicht betreuen kann.
  • die elterliche Sorge oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht diesem alleine zusteht bzw. vorläufig übertragen wurde und der andere Elternteil weder mit ihm noch mit dem Kind in einer Wohnung lebt.

 

4. Verhältnis zu anderen Leistungenzum Inhaltsverzeichnis

 

4.1. Sozialhilfe, ALG II, Kinderzuschlag

Bei Sozialleistungen, deren Höhe einkommensabhängig ist (z.B. Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Kinderzuschlag), wird das Elterngeld als Einkommen vollständig angerechnet.

Ausnahme: Eltern, die mehr als 300,- € Elterngeld bekommen, erhalten einen Elterngeldfreibetrag, der dem Einkommen vor der Geburt entspricht, jedoch höchstens 300,- € beträgt. Dieser Betrag erhöht sich bei Mehrlingsgeburten um je 300,- € für das zweite und jedes weitere Kind.

 

4.2. Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld der Krankenkasse und Arbeitgeberzuschuss, worauf die berufstätige Mutter in der Mutterschutzfrist nach Geburt Anspruch hat, werden auf das Elterngeld angerechnet. Dies bedeutet, dass die ersten beiden Monate, in denen Mutterschaftsgeld bezogen wird, für das Elterngeld immer als Bezugsmonate der Mutter gelten. Auch Mutterschaftsgeld für ein weiteres Kind, das während des Bezugs von Elterngeld für ein älteres Kind bezogen wird, wird angerechnet.

 

Mutterschaftsgeld, das vom Bundesversicherungsamt als einmalige Leistung ausgezahlt wird, bleibt unberücksichtigt.

 

4.3. Betreuungsgeld

Betreuungsgeld kann im Anschluss an Elterngeld beantragt werden, aber meist nur, wenn das Kind nicht von einer öffentlich finanzierten Kita oder Tagesmutter betreut wird.

 

4.4. Landeserziehungsgeld

Das Landeserziehungsgeld ist eine freiwillige Leistung der Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen, die unabhängig vom Elterngeld zu betrachten ist.

 

5. Berücksichtigung bei der Einkommenssteuerzum Inhaltsverzeichnis

Elterngeld ist steuerfrei. Allerdings ist es bei der Steuererklärung anzugeben, da es bei der Berechnung des Steuersatzes berücksichtigt wird. Es unterliegt dem sogenannten Progressionsvorbehalt.

 

6. Antragstellungzum Inhaltsverzeichnis

Elterngeld sollte möglichst bald nach der Geburt des Kindes schriftlich beantragt werden. Bei der Antragstellung muss zwischen dem Bezug von Basiselterngeld und ElterngeldPlus gewählt und für jeden Bezugsmonat einzeln festgelegt werden. Eine nachträgliche Änderung ist möglich. Rückwirkend wird es nur für die letzten 3 Monate vor Antragstellung gezahlt. Jeder Elternteil beantragt Elterngeld für sich. Zur Antragstellung ist die Geburtsurkunde des Kindes notwendig.

 

Die Antragsformulare sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich und der Antrag ist jeweils bei einer anderen Stelle zu stellen. Beim Familienministerium kann eine Liste dieser Elterngeldstellen unter externer Linkwww.bmfsfj.de > Elternzeit/Elterngeld > Elterngeldstellen abgerufen werden.

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beantwortet über das Servicetelefon 030 20179130 (Mo-Do 9-18 Uhr) Fragen zum Elterngeld und ElterngeldPlus und bietet unter externer Linkwww.familien-wegweiser.de > Stichwort "Elterngeld" viele Informationen und kostenlose Broschüren zu diesem Thema.

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Elternzeit

Mutterschaftsgeld

Landeserziehungsgeld

Kindergeld

Betreuungsgeld 

Kinderbetreuungskosten

 

Gesetzesquelle(n) 

(BEEG)

 

Letzte Aktualisierung am 23.06.2016   Redakteur/in: Maria Kästle

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