Springe direkt zu: Inhalt, Suche.

betaCare
Krankheiten, Soziales & RechtAdressen

EmpfehlenDrucken

Kindertrauer

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Oft scheuen sich Eltern davor, Kinder in familiäre Trauer- oder Todessituationen mit einzubeziehen. Dabei ist es wichtig, dass Kindern in solchen Fällen mit Offenheit und Sensibilität begegnet wird. Gerade Kinder müssen Gelegenheit bekommen, Trauer in ihrem Umfeld zu hinterfragen und altersgerechte und ehrliche Antworten zu bekommen, um die erlebten Veränderungen verarbeiten zu können.

 

2. Eltern sind auch Betroffenezum Inhaltsverzeichnis

Erwachsene wollen Kinder oft schonen. Doch Kinder erleben den Tod zunächst als nichts Erschreckendes. Aber sie erleben die Erwachsenen, erleben Bestürzung, Weinen, Apathie, Aggression, Arbeitswut, Hilflosigkeit, ... Jedes Kind spürt: Es ist etwas Schlimmes geschehen. Deshalb sollte man Kinder einbeziehen, nicht ausgrenzen, indem man z.B. versucht, seine Gefühle vor Kindern zu verbergen.

Kinder spüren die Unsicherheit und reagieren darauf: Jedes Kind in seiner Art. Besonders wenn die Eltern des Kindes selbst stark vom Todesfall betroffen sind, sollte das Umfeld mit darauf achten, ob die Eltern noch die Kraft haben, auch die Trauer ihrer Kinder mit zu begleiten.

 

Die folgenden Tipps richten sich vor allem an Eltern, gelten aber sinngemäß auch für alle anderen nahestehenden Erwachsenen wie Verwandte, Freunde oder Nachbarn. Sie sind möglichst konkret gehalten, dürfen aber nicht als Pauschalrezept gelesen werden.

 

3. Umgang mit dem Gefühl Trauerzum Inhaltsverzeichnis

  • Kindern die Chance geben zu lernen, wie man trauert.
    Auch Eltern sollten ihre Trauer zeigen und nichts überspielen. So geben sie ihren Kindern die Möglichkeit, Trauer an anderen und die eigene Trauer zu erleben.
  • Dabei Zuwendung, Körperkontakt, Geborgenheit geben. So können Kinder auch erleben, dass die Gemeinsamkeit tröstet. Darauf achten, dass verschiedene Trauerreaktionen (Erstreaktionen auf den Tod naher Angehöriger) gleich respektiert werden.
  • Dem Kind Gelegenheit geben, mit seinen Gefühlen umzugehen, es ermutigen, Gefühle zu zeigen.
    Eltern sollten sich Zeit nehmen, wenn das Kind weint oder Angst hat. Sie sollten mit ihm über die Gefühle sprechen und ihm Gelegenheit geben, seine Gefühle auszudrücken.
    Kinder schonen ihre Eltern oft, weil sie nicht wollen, dass diese noch trauriger werden. Sie weinen heimlich oder nehmen vor der traurigen Stimmung zu Hause Reißaus.

 

4. Trauer lernenzum Inhaltsverzeichnis

  • Kinder auch über die kleinen Verluste im Leben trauern lassen.
    Die Katze stirbt, ein Freund zieht in eine andere Stadt, das Lieblingsstofftier ging verloren. Das sind Gelegenheiten für Kinder, das Abschiednehmen zu lernen.
  • Über Todesfälle im Umfeld informieren.
    Wenn Kinder nur die Verhaltensänderung der Erwachsenen wahrnehmen, aber keine Erklärung dafür bekommen, entwickeln sie eigene Fantasien.
  • Über Tod und Trauer sprechen.
    Eltern sollten dem Kind vermitteln, dass es mit all seinen Fragen kommen kann, und Gelegenheiten nutzen, mit ihm über das Sterben, den Tod und das Erlebte zu sprechen. Zeit für das Gespräch ist wichtig: Wenn allerdings wenig Zeit ist, sind 10 intensive, auf das Kind konzentrierte Minuten besser als eine halbe Stunde, in der der Erwachsene nebenher z.B. die Spülmaschine einräumt, den Tisch deckt, in der Zeitung blättert oder mit halbem Auge auf den Fernseher/PC schaut.
  • Die Endgültigkeit des Todes vermitteln.
    Umschreibende, verharmlosende Bezeichnungen des Todes nähren nur Hoffnungen, die zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

 

5. Kinder einbeziehenzum Inhaltsverzeichnis

  • Kinder so weit als möglich einbeziehen.
    Eine Ausgrenzung im Umfeld eines Verlustes kann für Kinder schwer zu ertragen sein.
  • Auch Kindern Gelegenheit zum Abschiednehmen geben.
    Kinder nehmen keinerlei Schaden, wenn sie den Toten sehen, ihn berühren, sich verabschieden, im Gegenteil: Kleine Kinder sind sehr unbefangen und für größere Kinder ist ebenso wichtig wie für Erwachsene, den Tod zu begreifen. Eltern dürfen/sollten Kinder zu allen Trauerfeierlichkeiten mitnehmen und sie nicht ausschließen.

 

6. Auf Veränderungen achtenzum Inhaltsverzeichnis

  • Spielen, malen, basteln, werken.
    Kinder zum Malen, Werken, Basteln ermuntern. Manches Kind spricht nicht, aber es malt plötzlich ganz andere Bilder. Nachfragen, was die Bilder bedeuten. Auf die Interpretationen der Kinder hören, nicht selbst interpretieren. Ein Kind nicht von selbst gewählten Motiven wie Sarg, Kreuz, Kirche etc. abbringen, sondern dem Kind seine Zeit lassen.
    Bei Spielen, insbesondere Rollenspielen, kann es passieren, dass plötzlich der Verstorbene zu Besuch kommt oder die Kinder spielen Sterben und Beerdigung. Das ist unproblematisch und ihre (sehr heilsame) Art, mit dem Erlebten umzugehen.
  • Antwort geben auf möglicherweise bestehende Schuldgefühle.
    Viele Kinder glauben, dass sie irgendwie mit Schuld sind am Tod eines Angehörigen. Auf entsprechende Andeutungen achten und diese gegebenenfalls ausräumen.

 

7. Da seinzum Inhaltsverzeichnis

  • Dem Kind die Sicherheit geben, dass die Eltern noch lange für ihr Kind da sind.
    Der Verlust einer geliebten Person weckt in Kindern die Angst, auch andere könnten plötzlich sterben. Gegen diese Angst hilft die Zusicherung der Eltern, dass sie noch lange leben werden - aber auch, dass alle Menschen irgendwann sterben müssen.
  • Kinder sollten wissen: Auch Kinder können sterben.
    Aber Eltern sollten dabei ganz deutlich sagen, dass das sehr selten passiert: Nur bei sehr schweren Krankheiten oder bei Unfällen zum Beispiel.
  • Geduldig sein, Zeit lassen.
    Vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen kann es sein, dass sie die traurige Atmosphäre zu Hause meiden. Dass sie sich keinerlei Reaktion anmerken lassen. Eltern sollten dann Offenheit signalisieren, aber nicht drängen. Diese Balance ist schwer zu halten.
  • Fragen ehrlich beantworten.
    Kinder brauchen die Sicherheit, dass ihre Fragen ehrlich beantwortet werden. Erwachsene sollten bei entsprechenden Fragen ("Kommt Oma jetzt in den Himmel?") einfach zugeben, dass sie nicht alles wissen. Oder, wenn sie im Glauben verwurzelt sind: Dass sie etwas sicher glauben, es aber keine Beweise gibt. Zum Trost durchaus erwähnen, dass es allen Menschen so geht.
  • Sicherheit und Normalität vermitteln.
    Das Leben geht weiter. Kinder wollen leben. Wichtig und vor allem richtig ist, was der Familie hilft, weiterzuleben. Wenn z.B. der alljährliche Sommerurlaub ansteht, ist es allein die Entscheidung der Familie, ob sie gerade jetzt den Tapetenwechsel braucht oder ob sie den Urlaub absagt, weil er zu viel zusätzliche Unruhe bringt.

 

8. Ausdrücken von Trauerzum Inhaltsverzeichnis

Kinder drücken ihre Trauer oft anders aus, als Erwachsene es erwarten:

  • Manche lachen, statt zu weinen, um sich vor dem Unfassbaren zu schützen.
  • Manche werden aggressiv, weil sie überfordert sind.
  • Manche sind besonders lieb, damit die Eltern nicht noch trauriger werden.
  • Manche machen sich ihren eigenen Reim und entwickeln unter Umständen Fantasien, die beängstigender sind als die Realität.

Im Umgang damit hilft nur Offenheit gepaart mit Sensibilität.

 

9. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Ehe- und Familienseelsorger, Ehe- und Familienberatungsstellen anderer Träger, Einrichtungen der Sterbebegleitung, Selbsthilfegruppen. Kontaktdaten finden Sie bei Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit dem Suchwort "Trauer".

 

10. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Trauer > Überblick

Kinder krebskranker Eltern

Trauer > Umgang mit Kinderfragen

Abschiednehmen mit Kindern

 

 

Letzte Aktualisierung am 25.03.2011   Redakteur/in: Sabine Bayer

Bewerten Sie die obigen Informationen (Schulnoten-System) 

1 6