Springe direkt zu: Inhalt, Suche.

betaCare
Krankheiten, Soziales & RechtAdressen

EmpfehlenDrucken

Migräne > Behandlung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Migräne kann von der Ursache her nicht geheilt werden. Deshalb hat die Behandlung zwei Säulen: Die Akutbehandlung bei Migräne-Attacken sowie die Vorbeugung (Prophylaxe) gegen weitere Anfälle. Medikamente sind nahezu unverzichtbar in der Akutbehandlung, in der Prophylaxe sind auch viele nicht-medikamentöse Ansätze erfolgreich, z.B. Entspannungsübungen, Ausdauersport oder Verhaltenstherapie.

Eingegangen wird auch auf die Behandlung von Clusterkopfschmerzen und Spannungskopfschmerzen.

 

2. Allgemeines zur Behandlungzum Inhaltsverzeichnis

Da die Ursachen von Migräne und anderen primären Kopfschmerzen bis heute nicht geklärt sind, können sie auch nicht von Grund auf geheilt werden. Die Behandlung zielt deshalb auf die Durchbrechung von Schmerzattacken sowie auf die Verhinderung von Attacken. Dafür gibt es mehrere Ansätze. Bei den meisten Patienten ist eine Kombination verschiedener Behandlungs- und Vorbeugemaßnahmen am erfolgreichsten.

 

3. Akutbehandlung zum Inhaltsverzeichnis

 

3.1. Medikamente gegen Migräne

Für die Akutbehandlung von Schmerzattacken erhalten die meisten Patienten Medikamente. Wenn Migräneattacken recht selten auftreten, dann ist die Akutbehandlung als alleinige Behandlung ausreichend. Sind die Attacken häufiger als 3 Mal pro Monat oder sind die Attacken kaum mit Medikamenten zu lindern, sollte zusätzlich Prophylaxe betreiben werden - mit Medikamenten und/oder nicht-medikamentösen Therapien.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat wissenschaftlich fundierte Empfehlungen herausgegeben, nach denen sich Patienten bei weniger schweren Schmerzattacken selbst therapieren können (sogenannte "Selbstmedikation"). Medikamente der 1. Wahl bei Migräne für die Selbstbehandlung sind:

  • Einzeldosis mit 1000 mg Acetylsalicylsäure - möglichst als Brause- oder Kautablette
  • Einzeldosis mit 400 mg Ibuprofen
  • Einzeldosis mit 1000 mg Paracetamol - möglichst als Zäpfchen
  • Einzeldosis der fixen Kombination aus 500 mg Acetylsalicylsäure + 500 mg Paracetamol + 130 mg Coffein (oder ähnliche Dosierung)

 

Wenn Patienten ihre Migräne mit anderen Medikamenten erfolgreich behandeln, sollten sie dies mit dem Arzt besprechen. Im allgemeinen kann eine erfolgreiche Akutbehandlung auch jenseits der DMKG-Empfehlungen fortgesetzt werden.

Viele Migräne-Patienten haben zu den Schmerzattacken auch mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen. Hier empfiehlt die DMKG die Einnahme eines sogenannten Antiemetikums, das vom Arzt verschrieben werden muss. Es hilft - rechtzeitig eingenommen - auch bei der Aufnahme und damit Wirksamkeit des Schmerzmittels.

 

Bei mittelschweren bis schweren Migräne-Attacken empfiehlt die DMKG die Einnahme eines Triptans. Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die es erst seit 1993 in Deutschland gibt. Triptane wirken am besten gegen akute Attacken und helfen auch gegen die Begleitsymptome. Es stehen mittlerweile verschiedene Triptane in verschiedenen Stärken und Formen zur Verfügung, so dass Ärzte für viele Patienten eine individuell wirksame Akutmedikation verordnen können, auch mit Blick auf die unvermeidbaren Nebenwirkungen.

 

3.2. Örtliche Betäubung gegen Migräne

In einzelnen Fällen können bestimmte Hirnregionen örtlich betäubt werden, um beginnende Attacken zu stoppen. Die Behandlung muss stationär erfolgen - in der Regel in spezialisierten Schmerzzentren oder Schmerzkliniken. Die Behandlung kann auch vorbeugend erfolgen.

 

3.3. Medikamente und Sauerstoff gegen Clusterkopfschmerzen

 

3.3.1. Medikamente

Bei Clusterkopfschmerz rät die DMKG von einer Selbstmedikation ab, da die wirksamen Medikamente alle verschreibungspflichtig sind und sehr individuell vom Arzt verschrieben werden müssen.

Nasentropfen mit einem örtlichen Betäubungsmittel helfen etwa bei eine Drittel der Patienten

Ein bestimmtes Triptan (siehe oben bei Migräne) kann auch bei Clusterkopfschmerzen helfen. Der Patient spritzt es sich in der Regel selbst. Statt Spritzen kann das Triptan auch über ein Nasenspray in den Organismus kommen. 

 

3.3.2. Sauerstoff

Laut DMKG kann Sauerstoff bei Clusterkopfschmerz helfen, er wird über eine Gesichts- oder Mundmaske inhaliert. Die DMKG informiert: "Im Hilfsmittelverzeichnis der ambulanten Krankenkassen sind entsprechende Druckminderer unter der Nummer 14.24.05.0000 (die Sauerstoffflaschen selbst als Verbrauchsmaterial unter der Nummer 14.99.99.1.) ... aufgeführt. Eine Zulassung als Arzneimittel für die Indikation Clusterkopfschmerz erfolgte für medizinischen Sauerstoff unter der Nummer 69557.00.00 ...“ Verschrieben wird der Sauerstoff vom Arzt. Der Patient geht damit zum Sanitätshaus, das auch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen klärt.

 

3.4. Medikamente gegen Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen können meist vom Patienten selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden. Die DMKG empfiehlt folgende wissenschaftlich fundierte Selbstmedikation:

  • Einzeldosis mit 1000 mg Acetylsalicylsäure
  • Einzeldosis mit 400 mg Ibuprofen
  • Einzeldosis der fixen Kombination aus 1-2 Tabletten mit je 250 mg Acetylsalicylsäure +200 mg Paracetamol + 65 mg Coffein

 

2. Wahl ist eine Einzeldosis mit 1000 mg Paracetamol.

 

Wenn Patienten ihre Spannungskopfschmerzen mit anderen Medikamenten erfolgreich behandeln, sollten sie dies mit dem Arzt besprechen. Im allgemeinen kann eine erfolgreiche Akutbehandlung auch jenseits der DMKG-Empfehlungen fortgesetzt werden.

 

3.5. Umgang mit Schmerzmedikamenten

Kopfschmerzpatienten sollten eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten vermeiden. Nach Empfehlungen der DMKG sollten Migräne- und Schmerzmittel nicht länger als 3 Tage hintereinander und nicht öfter als 10 Tage im Monat eingenommen werden. Bei zu häufiger Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln kann ein medikamentenbedingter Kopfschmerz entstehen, der in seinen Symptomen dem Spannungskopfschmerz ähnelt. Grundsätzlich sollte jede Medikamenteneinnahme mit dem Arzt abgestimmt sein.

 

3.6. Nicht-medikamentöse Akutbehandlung

Es gibt kaum nicht-medikamentöse Maßnahmen, die einen Migräneanfall verkürzen. Empfohlen wird, sich in einen dunklen,
ruhigen Raum zurückziehen, zu schlafen, Kältekompressen aufzulegen und Gesicht und Kopf sanft zu massieren.

Patienten mit Clusterkopfschmerzen haben einen Bewegungsdrang, Bewegung kann lindernd wirken.

Spannungskopfschmerzen können auf Entspannung und Ruhe positiv reagieren.

 

3.7. Autofahren

Gemäß der Straßenverkehrsordnung ist das Autofahren nach § 24 Abs. 2 bei Schmerzmitteleinnahme erlaubt, sofern die Medikamente zur Behandlung einer Krankheit notwendig und vom Arzt verordnet sind. Sowohl eine Migräne als auch die Behandlung mit Triptanen können jedoch Schläfrigkeit verursachen und die Fähigkeit zur Bewältigung komplexer Aufgaben einschränken. Clusterkopfschmerzen können die Konzentration herabsetzen.

 

Autofahren ist eine komplexe Tätigkeit, die die ganze Wachsamkeit erfordert. Ob ein Betroffener während einer Schmerzattacke und danach Autofahren kann, ist daher sorgfältig abzuwägen.

 

4. Medikamentöse Prophylaxezum Inhaltsverzeichnis

 

4.1. Vorbeugung gegen Migräne

Bei mehr als 3 Attacken im Monat oder wenn die Akutbehandlung nur ungenügend erfolgreich ist, ist eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Ziel ist, dass Anfälle seltener sind, weniger intensiv schmerzen und schneller abklingen. Zur Vorbeugung werden keine Schmerzmittel, sondern verschiedene andere Medikamente eingesetzt. Es erfordert in der Regel einige Monate Geduld, bis Arzt und Patient erkennen, ob das Mittel hilft oder ob ein anderes ausprobiert werden muss.

 

4.2. Vorbeugung gegen Clusterkopfschmerzen

Clusterkopfschmerzen unterscheiden sich sehr stark hinsichtlich Länge und Intensität der Schmerzphasen und Dauer der schmerzfreien Phasen. Zur Verbeugung stehen verschiedene verschreibungspflichtige Substanzen zur Auswahl, zum Teil sind auch Kombinationen erfolgreich. Abgewägt müssen immer die Nebenwirkungen bei Langzeiteinnahme, manche Medikament sind nicht zur Dauereinnahme geeignet. In der Regel ist auch hier Geduld sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient erforderlich.

 

4.3. Vorbeugung gegen chronische Spannungskopfschmerzen

Als chronisch gelten Spannungskopfschmerzen, wenn sie länger als 3 Monate und jeden zweiten Tag oder häufiger auftreten. Dann ist eine Prophylaxe erforderlich. Eingesetzt werden hier vor allem Medikamente, die auch gegen Depressionen verordnet werden, weil sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen können. Auch diese medikamentöse Prophylaxe erfordert Geduld vom Patienten. Es wird von mindestens 6 Monaten ausgegangen, bis die Spannungskopfschmerzen weniger und/oder leichter werden.

 

5. Nicht-medikamentöse Prophylaxezum Inhaltsverzeichnis

Für viele Patienten haben nicht-medikamentöse Verfahren zur Migräne- und Kopfschmerzprophylaxe eine besondere Bedeutung. Nachfolgend wird nicht zwischen den verschiedenen Schmerzarten unterschieden, da die Prophylaxe immer von den individuellen Auslösern (Triggerfaktoren) abhängig ist, Näheres unter Migräne > Allgemeines. Nicht-medikamentöse Verfahren helfen Medikamente einzusparen und können Schmerzen vorbeugen. Eine Kombination aus Medikamenten und psychologisch-verhaltensmedizinischen Methoden ist meist am besten wirksam in der Prophylaxe:

  • Verhaltenstherapie
    Da auch psychische Faktoren Intensität, Dauer und Häufigkeit der Schmerzattacken beeinflussen, kann es bei einigen Patienten sinnvoll sein, sich verhaltenstherapeutisch behandeln zu lassen. Bei der Verhaltenstherapie geht es darum, überhöhte Erwartungen an sich selbst, Angst vor Versagen oder Schmerzen oder ungünstige Stressbewältigungsstrategien abzubauen und zu lernen, mit dem akuten Anfall umzugehen. Auch Vorbeugestrategien können erlernt und gefestigt werden. Dazu werden u.a. Entspannungstechniken, Biofeedback, Stress- und Schmerzbewältigungsverfahren und Reizverarbeitungsstrategien eingesetzt.
  • Vermeiden von Triggerfaktoren
    Beispiele: Kein plötzlicher Kohlehydratentzug, regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßiger Koffeinkonsum, kein Alkohol, kein Stress.
    Eine Umstellung der Ernährung ist nur sinnvoll, wenn bestimmte Nahrungsmittel eindeutig als Auslöser von Schmerzattacken in Frage kommen. Es gibt keine spezielle Migräne-Diät und es ist auch nicht sinnvoll, ganz allgemein bestimmte Nahrungsmittel zu meiden.
  • Entspannung
    Ein bewährtes Mittel, um Schmerzen zu mindern, aber auch um die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren, sind Entspannungsübungen. Dazu zählen z.B. Muskelentspannung nach Jacobsen, Yoga, Imaginations-Verfahren oder Selbsthypnose. Hilfreich können auch ausreichend Schlaf, Ruhezeiten oder sanfte Massagen sein.
    Anleitung zu Entspannungstechniken geben Reha-Kliniken für Schmerzkranke, Ergotherapeuten und Krankengymnasten (Physiotherapeuten). Entsprechende Kurse werden u.U. von den Krankenkassen im Rahmen von Prävention finanziert oder bezuschusst. Oft werden entsprechende Kurse an den Volkshochschulen angeboten.
    Adressen von Reha-Kliniken finden Sie im "Handbuch Reha- und Versorgungseinrichtungen" mit 1.500 Reha-Kliniken, das jährlich erscheint und bei Ärzten und Beratungsstellen ausliegt, oder unter externer Linkwww.rehakliniken.de oder externer Linkwww.kurklinikverzeichnis.de.
  • Gemäßigter Ausdauersport
    Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen kann die Häufigkeit und Intensität von Schmerzattacken positiv beeinflussen. Weitere Informationen unter Migräne > Urlaub und Sport.
  • Pflanzliche Mittel
    Fieberkraut könnte gegen Migräne helfen. Darauf gibt es Hinweise, die aber noch nicht sicher wissenschaftlich belegt sind.

 

5.1. Umstrittene Ansätze

Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen können Betroffene verzweifeln lassen und die Lebensqualität stark einschränken. Verständlich, dass Betroffene jeden möglichen Heilungsversuch unternehmen. Folgende Ansätze sind umstritten, die DMKG sieht bei keinem von ihnen einen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit:

  • Akupunktur und Homöopathie
    Es gibt Untersuchungen, die auf eine Wirksamkeit hinweisen.
  • Krankengymnastische Behandlungen, Massagen, Akupressur, Kneipp-Anwendungen sowie medizinische Bäder haben ihre Wirksamkeit noch nicht in wissenschaftlichen Untersuchungen unter Beweis gestellt, können sich jedoch im Einzelfall positiv auf den Kopfschmerzpatienten auswirken.

 

Weit verbreitet ist die Meinung, Schokolade sei ein Migräne-Auslöser. Das gilt mittlerweile als widerlegt, denn: Oft haben Patienten vor einem Anfall Heißhunger auf Süßes. Dieser Heißhunger ist dann ein Hinweis auf einen kommenden Anfall, möglicherweise, so ein Erklärversuch, weil sich das Gehirn für den Anfall mit Energie versorgen will. 

 

6. Medizinische Rehabilitationzum Inhaltsverzeichnis

Bei Migräne können medizinische Reha-Leistungen Teil des Behandlungskonzepts sein. Die nachfolgenden Links führen zu den sozialrechtlichen Bestimmungen rund um Medizinische Reha, die bei Migräne infrage kommen können.

 

Adressen von Reha-Kliniken finden Sie im "Handbuch Reha- und Versorgungseinrichtungen" mit 1.500 Reha-Kliniken, das jährlich erscheint und bei Ärzten und Beratungsstellen ausliegt, oder unter externer Linkwww.rehakliniken.de oder bei externer Linkwww.kurklinikverzeichnis.de.

 

7. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Migräne

Migräne > Allgemeines

Migräne > Beruf

Migräne > Familie

Migräne > Frauen 

Migräne > Kinder

Migräne > Schwerbehinderung

Migräne > Urlaub und Sport

Chronische Schmerzen

Autofahren bei Schmerzmitteleinnahme

Arbeiten und Schmerzmitteleinnahme

 

 

Letzte Aktualisierung am 15.11.2011   Redakteur/in: Gabriele Bayer

Bewerten Sie die obigen Informationen (Schulnoten-System) 

1 6