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Rentnerkrankenversicherung

 

1. Das Wichtigste in Kürzezum Inhaltsverzeichnis

Rentner mit gesetzlicher Rente sind in der "Krankenversicherung der Rentner" (KVdR) versichert und genießen alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung mit Ausnahme von Krankengeld. Sie sind auch in der Pflegeversicherung pflichtversichert.

 

2. Voraussetzungenzum Inhaltsverzeichnis

Unter folgenden Voraussetzungen sind Rentner in der Krankenversicherung pflichtversichert:

  • Bezug einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, z.B. Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Waisenrente.
  • Nachweis der Vorversicherungszeit.
    Die Vorversicherungszeit ist dann erfüllt, wenn der Rentner in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 9/10 gesetzlich oder freiwillig versichertes Mitglied in der Krankenversicherung war oder aufgrund einer Pflichtversicherung familienversichert gewesen ist.
  • Keine anderweitige Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, z.B. aufgrund einer Beschäftigung oder eines Bezugs von Arbeitslosengeld/Arbeitslosengeld II (§ 5 Abs. 8 SGB V).
  • Keine Krankenversicherungsfreiheit, z.B. bei einem Entgelt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze, bzw. keine Befreiung von der Krankenversicherungspflicht (auf Antrag).
  • Keine hauptberuflich selbstständige Tätigkeit.

 

Bei Witwen, Witwern und Waisen gilt die Vorversicherungszeit als erfüllt, wenn der Verstorbene Rente bezog und in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert war.

 

Die Vorversicherungszeit ist nicht erforderlich, wenn der Rentenanspruch auf das Fremdrentengesetz oder das Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts in der Sozialversicherung begründet wird, z.B. bei anerkannten Spätaussiedlern, und der Rentenantragsteller seinen Wohnsitz innerhalb der letzten 10 Jahre vor der Rentenantragstellung ins Inland verlegt hat.

 

2.1. Krankenversicherung bei Nichterfüllen der Vorversicherungszeit

Wer die Vorversicherungszeit nicht erfüllt, zuletzt aber in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig oder familienversichert war, wird in der Regel als freiwilliges Mitglied weiterversichert.

Ausnahme: Er erklärt innerhalb von 2 Wochen nach Hinweis der Krankenkasse über die Austrittmöglichkeit seinen Austritt und weist das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nach, z.B. eine private Krankenversicherung (obligatorische Anschlussversicherung, § 188 Abs. 4 SGB V).

 

Eine bestehende beitragsfreie Familienversicherung wird auch bei Nichterfüllen der Vorversicherungszeit fortgesetzt, wenn das monatliche Einkommen 425,- €, bzw. bei geringfügiger Beschäftigung 450,- €, nicht überschreitet.

 

2.2. Praxistipp

Wer die Voraussetzungen für eine Pflichtversicherung erfüllt, aber keine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner wünscht, kann sich von der Versicherungspflicht befreien lassen. Voraussetzung ist der Nachweis einer anderweitigen, z.B. privaten, Krankenversicherung. Die Befreiung muss innerhalb von 3 Monaten nach dem Tag der Rentenantragstellung oder nach dem Beginn der Versicherungspflicht bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Eine Befreiung kann nicht widerrufen werden.

 

3. Beginnzum Inhaltsverzeichnis

Die Mitgliedschaft in der Rentnerkrankenversicherung beginnt theoretisch mit dem Tag der Rentenantragstellung (§ 186 Abs. 9 SGB V), außer es besteht vorrangig nach anderen gesetzlichen Vorschriften eine Pflichtversicherung, was häufig der Fall ist, z.B. wenn:

  • Arbeitslosengeld bezogen wird
    oder 
  • ein Beschäftigungsverhältnis besteht.

In diesen Fällen beginnt die Mitgliedschaft bei Rentenbeginn.

 

4. Beitragzum Inhaltsverzeichnis

Der Beitrag ist abhängig von Höhe und Art der beitragspflichtigen Einnahmen.

Die Einnahmen werden maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Der Beitragssatz beträgt 14,6 % (bezogen auf die Einnahmen) plus durchschnittlich 1,1 % Zusatzbeitrag. Der Zusatzbeitrag wird von fast allen Krankenkassen erhoben, ist aber unterschiedlich hoch. Bei 1,1 % Zusatzbeitrag ergibt sich 2017 ein Krankenkassenbeitrag von maximal 682,95 €. Übersteigen die beitragspflichtigen Einnahmen die Beitragsbemessungsgrenze, zahlt die Krankenkasse zuviel einbehaltene Beiträge zurück, aber nur auf Antrag.

 

4.1. Pflichtversicherte Rentner

Bei versicherungspflichtigen Rentnern gilt für die beitragspflichtigen Einnahmen der allgemeine Beitragssatz der Krankenversicherung von 14,6 %.

Als beitragspflichtige Einnahmen gelten:

  • Renten. Bei mehreren Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, z.B. eigene Altersrente und Witwenrente, sind alle Renten beitragspflichtig.
  • Versorgungsbezüge, z.B. Betriebsrente, Witwen-und Waisengeld, Alterssicherung der Landwirte, wenn sie 148,75 € monatlich überschreiten.
  • Arbeitseinkommen

 

Die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge (7,3 %) auf Renten übernimmt der Rentenversicherungsträger. Den jeweiligen Zusatzbeitrag der Krankenkasse trägt der Rentner allein. Der Rentenversicherungsträger führt den kompletten Beitrag an den Gesundheitsfonds ab.

 

Die Krankenversicherungsbeiträge aus Versorgungsbezügen und Arbeitseinkommen trägt der Rentner in voller Höhe allein.

 

Auch gesetzliche Renten aus dem Ausland sind beitragspflichtig. Den Beitrag von 7,3 % muss der Rentner alleine tragen und selbst an die Krankenkasse überweisen.

 

4.2. Freiwillig versicherte Rentner

Bei freiwillig versicherten Rentnern werden für die Berechnung der Beitragshöhe alle Einkünfte berücksichtigt. Der Beitragssatz ist abhängig von der Art der beitragspflichtigen Einnahmen:

  • 14,6 % (allgemeiner Beitragssatz) für Renten und Versorgungsbezüge
  • 14,0 % (ermäßigter Beitragssatz) für sonstige beitragspflichtige Einnahmen, z.B. Arbeitseinkommen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalerträge, Lebensversicherungen 
  • 7,3 % (verminderter allgemeiner Beitragssatz) für ausländische Renten

 

Freiwillig Versicherte müssen den Beitrag allein tragen und selbst direkt an die Krankenkasse zahlen.

 

4.3. Beitragszuschuss der Rentenversicherung

Anspruch auf einen Beitragszuschuss zu Kranken- und Pflegeversicherung haben Rentenbezieher, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat bei einem Krankenversicherungsunternehmen versichert sind. Er beträgt in der Regel 7,3 % der Rente.

 

5. Pflegeversicherung der Rentner (PVdR)zum Inhaltsverzeichnis

Wer die Voraussetzungen zur Rentnerkrankenversicherung erfüllt, ist auch in der Pflegeversicherung pflichtversichert.

Rentner müssen den vollen Beitrag der Pflegeversicherung alleine tragen. Das sind in der Regel 2,55 % der Brutto-Rente. Kinderlose Rentner, die nach 1939 geboren sind, zahlen 2,8 % (= 0,25 % zusätzlicher Pflegeversicherungsbeitrag). Der monatliche Beitrag beträgt höchstens 110,93 € bzw. 121,80 € bei Kinderlosen.

 

6. Praxistippzum Inhaltsverzeichnis

Die Broschüre "Rentner und ihre Krankenversicherung" der Deutschen Rentenversicherung kann unter  externer Linkwww.deutsche-rentenversicherung.de > Services > Broschüren und mehr > Broschüren > Rente kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden. 

 

7. Wer hilft weiter?zum Inhaltsverzeichnis

Krankenkassen

 

8. Verwandte Linkszum Inhaltsverzeichnis

Rente

Rentenversicherung

Krankenversicherung

Pflegeversicherung

Gesundheitsfonds

 

Gesetzesquelle(n) 

(§ 5 Abs. 1 Nr. 11, 12 SGB V)

 

Letzte Aktualisierung am 01.01.2017   Redakteur/in: Sandra Kolb

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