Trauer > Auswirkungen

1. Das Wichtigste in Kürze

Neben den vielen organisatorischen und alltäglichen Veränderungen, die der Tod eines nahen Menschen mit sich bringt, können auch körperliche Veränderungen und ein verändertes Fühlen und Denken den Trauernden belasten. Die Palette reicht von Müdigkeit und Schlaflosigkeit bis zum absoluten Sinnverlust.

2. Veränderung und Belastung

Der Tod eines nahen Menschen verändert das Leben von einer auf die andere Stunde. Die Betroffenen müssen nicht nur viel Organisatorisches bewältigen und nach der Bestattung mit einer veränderten Alltags- und oft auch finanziellen Situation zurecht kommen, sondern auch ihr Körper, ihr Fühlen und ihr Denken, kurz: ihr ganzes Wesen kann sich verändern. Der Betroffene fragt sich, ob er noch normal ist, hat Angst verrückt zu werden, setzt sich womöglich unter Druck, "wieder so wie vorher" zu werden und gesteht sich die Trauer und ihre Auswirkungen nicht zu.

3. Körperliche und psychische Veränderungen

Die folgende Aufzählung möglicher Merkmale der Trauer ist eine Zusammenstellung aus der Praxis der Begleitung von Trauernden. Sie ist ein Versuch, deutlich zu machen, was auf dem Weg von Trauernden geschehen kann, nicht geschehen muss. Jeder Mensch erlebt die Trauer anders.

  • Müdigkeit
    Eine andere Müdigkeit als die abendliche: Trauernde fühlen sich zu müde, sich der Welt der Lebenden zuzuwenden.
  • Schlafstörungen
    Schlimm ist für viele Trauernde die Angst vor der Nacht, vor dem Alleinsein. Sie können unter Schlaflosigkeit, häufigem Aufwachen, nicht mehr Einschlafen können und fehlendem Tiefschlaf leiden. Besuche von Freunden und Verwandten am Abend können hier helfen.
  • Appetitmangel
    Sehr häufig kommt es zu fehlendem Hungergefühl. Die Mahlzeiten haben sich verändert, seit der Verstorbene weg ist. Ein Platz am Tisch ist leer. Der Trauernde will nicht kochen, muss es aber unter Umständen. Er bringt nichts hinunter.
  • Gewichtszunahme: manche reagieren auf Trauer und damit einhergehender Einsamkeit mit vermehrter Nahrungsaufnahme ("Frustessen").
  • Körperliche Symptome wie: Leeregefühl im Magen, Brustbeklemmungen, Herzrasen, die Kehle ist wie zugeschnürt, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche.
    Bei Trauernden sollten Ärzte bei entsprechenden Symptomen besonders kritisch prüfen, ob sie Krankheitswert haben oder im Rahmen der Trauer normal sind.
  • Unfähigkeit, andere um Hilfe zu bitten.
  • Unfähigkeit, etwas zu erledigen, weder besondere Dinge noch die alltäglichen Handgriffe.
  • Leeres Funktionieren ohne Motivation und Begeisterung.
  • Überaktivität
    Viele Trauernde stürzen sich in Beschäftigungen, weil sie die Trauer dadurch besser aushalten können.
  • Sinnestäuschungen
    Schritte des Verstorbenen, die Treppe knackst, als ob jemand herabkommt, die Türe fällt ins Schloss, vor dem Fenster geht ein Schatten vorbei.
  • Suchen, Rufen, lautes Sprechen mit dem Verstorbenen, Entscheidungen mit ihm absprechen und ausdiskutieren.
  • Konzentrationsstörungen
  • Verwirrung
  • Überempfindlichkeit
  • Desinteresse am Geschehen im persönlichen und beruflichen Umfeld, auch Hobbys werden auf einmal nicht mehr gepflegt.
  • Kontaktverweigerung
    Der Trauernde geht nicht mehr ans Telefon, bleibt Verabredungen fern, zieht sich möglicherweise aus dem sozialen Umfeld zurück.
  • Verändertes Zeitgefühl
    Oft vergeht die Zeit für den Trauernden sehr langsam.
  • Entscheidungsschwierigkeiten
    Trauernde haben häufig Entscheidungsschwierigkeiten und sollten in dieser Phase keinesfalls weitreichende Entscheidungen treffen, z.B. Umzug, Haus verkaufen, Job wechseln. Auch Angehörige sollten dem Betroffenen seine Zeit lassen und ihn nicht drängen.
  • Sinnverlust
    Gefühl der Sinnlosigkeit des eigenen Lebens und des eigenen Tuns.

4. Verwandte Links

Trauer

Umgang mit Trauernden

Tod und Trauer > Kinder

Erstreaktionen auf den Tod naher Angehöriger

Trauer > Hilfe und Anlaufstellen

Letzte Bearbeitung: 08.10.2020

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