ADHS > Sport und Freizeit

1. Das Wichtigste in Kürze

Sportarten, die Bewegung ermöglichen und die Körperkontrolle steigern, sind für Kinder mit ADHS sehr hilfreich und auch empfehlenswert. Vermeiden sollte man Wettbewerbsdruck und riskante Sportarten mit Blick auf Impulsivität und fehlende Konzentration. Bezüglich der Freizeit sollten Eltern den Fernseh- und Computerkonsum regeln. Erwachsenen mit ADHS hilft oft Ausdauersport.

2. Sport

2.1. Kinder und Jugendliche

Da es Kindern mit ADHS* schwer fällt, in der Schule stillzusitzen, sollten sie in ihrer Freizeit zu ausgleichender Bewegung motiviert werden. Zudem sollten sie unbedingt Sport treiben, da dies ihre Erkrankung positiv beeinflusst. Sinnvoll sind dabei Sportarten, die sowohl Freude an der Bewegung als auch ein hohes Maß an Selbstwahrnehmung, -steuerung und -kontrolle in sich vereinen.

Problematisch an vielen Sportarten ist das Verletzungsrisiko, denn je nach ADHS-Ausprägung können Kinder Gefahren manchmal nicht so gut einschätzen oder sie verunfallen infolge ihrer Impulsivität oder plötzlich nachlassender Konzentration. Bei unfallträchtigen Sportarten sollte das Kind unbedingt einen Helm und sonstige Sicherheitsausrüstung tragen.

 

Positiven Effekt bringen Sportarten, die dem Kind Freude, Selbstbestätigung oder Anerkennung bringen. Vielen ADHS-Kindern kommen abwechslungsreiche Sportarten entgegen, aber es gibt auch Kinder, die stark strukturierende Aktivitäten bevorzugen, z.B. Angeln. Die Sportart sollte immer individuell ausgewählt werden. Folgende Sportarten können eine gesunde Entwicklung fördern:

  • Voltigieren und therapeutisches Reiten
  • Akrobatik und Jonglieren
  • Wassersportarten, vor allem alle Arten von Schwimmen
  • Judo, Karate, Jiu Jitsu, Fechten (schwierig bei sehr impulsiven Kindern, aber dennoch einen Test wert, da es klare Regeln für alle gibt)
  • Tanzen, z.B. Hip Hop, Breakdance etc.
  • Einrad, Mountainbike, BMX fahren etc.
  • Klettern (gesichert!) und bouldern
  • Leichtathletik
  • Skilanglauf
  • Tischtennis, Badminton
  • Volleyball, Beachvolleyball

 

Ungünstig sind Sportarten oder auch Vereine und Übungsleiter, bei denen das Kind in Wettbewerbsdruck kommt und diesem nicht standhält. Das kann eventuell vorhandene Verhaltensstörungen verstärken. Auch Mannschaftssportarten mit hoher sozialer Interaktion und Gruppendisziplin sind für die meisten Kinder eher kontraproduktiv.

2.2. Erwachsene

Im Erwachsenenalter verändern sich oft die Symptome von ADHS. Hyperaktivität nimmt ab, dafür berichten Betroffene von einer "inneren Unruhe", insbesondere wenn sie lange stillsitzen müssen. Erfahrungsgemäß kann Sport helfen, wieder innerlich zur Ruhe zu kommen. Was aber tatsächlich hilft, muss jeder für sich ausprobieren: Die einen wollen sich mehr ausagieren und brauchen Powersport (z.B. Spinning, Aerobic, Kampfsportarten) oder Ausdauersportarten (z.B. joggen, radeln, wandern, schwimmen). Anderen helfen eher ruhige Aktivitäten, z.B. Yoga, autogenes Training, Tai-Chi, Schießsport, Angeln.

3. Freizeit

Bei der allgemeinen Freizeitgestaltung ist dem Kind am besten geholfen, wenn die Eltern mit ihm etwas unternehmen, z.B. Wanderungen, Radfahren, Basteln oder gemeinsames Arbeiten in Garten und Haushalt. Allerdings sind für die Entwicklung auch Gleichaltrige enorm wichtig. Da Kinder und Jugendliche mit ADHS mit ihrer Art oft anecken, ist es sehr wichtig, Freundschaften der Kinder zu Gleichaltrigen zu unterstützen. Hilfreich sind gemeinsame Aktivitäten, die Spaß machen. Eher kritisch sind wettbewerbsartige Unternehmungen, bei denen es um Leistung und Vergleich mit Gleichaltrigen geht.

Ausgesprochen wichtig ist der geregelte Fernseh- und Computerspielkonsum betroffener Kinder, da ein Zuviel die Symptomatik verschlechtert.

3.1. Fernsehen und Computer

Die Mediennutzung ist ein kontroverses Erziehungsthema in vielen Familien. Was dabei hilft, sind klare Regeln - und dies ist bei Kindern mit ADHS doppelt wichtig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt detaillierte Tipps und Infos unter www.kindergesundheit-info.de > Themen > Medien > Medienarten.

 

* ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) verwendet.

4. Verwandte Links

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

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Redakteurin: Andrea Nagl

Letzte Bearbeitung: 06.06.2018

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